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Herzogtum Österreich :

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Geschichte Österreichs

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Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Geschichte Österreichs von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Die einzelnen Epochen der Geschichte Österreichs werden in den jeweiligen Hauptartikeln ausführlicher dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Erdgeschichte

Hauptartikel: Erdgeschichte Niederösterreichs

Die Erdgeschichte des Alpenraums und des Granit- und Gneisplateaus der böhmischen Masse und deren Vorländer lässt sich heute bis in das Zeitalter des Proterozoikums zurückverfolgen. Wesentlich für die Geologie und heutige Geographie Österreichs war die Alpidische Gebirgsbildung und die Entwicklung des Randmeers Paratethys seit der Kreidezeit.

[Bearbeiten] Ur- und Frühgeschichte des heutigen Österreichs

Die Venus von Willendorf, entstanden um 25.000 v. Chr.

Hauptartikel: Urgeschichte Österreichs

Die ersten vorgeschichtlichen Menschenarten wie der Homo habilis, der 2,5 bis ca. 2,0 mya in Ostafrika lebte, verbreiteten sich nicht bis nach Europa, erst vom Homo erectus lassen sich erste Funde, die nicht älter als 700.000 Jahre sind, in Europa – u. a. in Ungarn – nachweisen.

[Bearbeiten] Paläolithikum

Während der Eiszeiten waren die Alpen vergletschert und wenig bis gar nicht zugänglich. Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen in Österreich gehören dem Mittelpaläolithikum, der Zeit des Neandertalers, an. Viele Fundstellen liegen in Niederösterreich, die bekanntesten befinden sich in der Wachau. Darunter auch Fundorte der beiden ältesten österreichischen Kunstwerke, die figürlichen Frauendarstellungen der sogenannten „Tanzenden Fanny“ von Stratzing/Krems-Rehberg (32.000 Jahre alt, Reliefplastik, 7,2 cm, Amphibolit-Schiefer) und der Venus von Willendorf (26.000 Jahre alt, 11 cm, Kalkstein). Eine 2005 entdeckte in Rötel gebettete und unter einem Mammutschulterblatt befindliche Säuglings-Doppelbestattung ergänzt die bisher spärlichen menschlichen Skelettreste auf besonders interessante Weise.

[Bearbeiten] Mesolithikum

Abris aus dem Bodensee-Rheintal, eine Bestattung von Elsbethen und wenige weitere Fundstellen mit mikrolithischen Artefakten sind spärliche Zeugen der Übergangszeit zwischen jägerisch-sammlerisch lebenden Gruppen und sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern.

[Bearbeiten] Neolithikum

Während der Jungsteinzeit werden nach und nach alle Regionen Österreichs, in denen Landwirtschaft möglich ist oder Rohstoffe vorhanden sind, besiedelt. Das älteste Industriedenkmal Österreichs, das Hornsteinbergwerk von Mauer-Antonshöhe, stammt aus dieser Zeit.

[Bearbeiten] Kupferzeit

Die ältesten Kupferobjekte haben ihren Ursprung im Karpatenbecken, unter anderen das Depot von Stollhof (Niederösterreich). Höhensiedlungen sind im Osten Österreichs verbreitet. Im Laufe der Kupferzeit werden auch die inneralpinen Gebiete vollständig auf der Suche nach Rohstoffen – insbesondere Kupfer – erschlossen. Der wichtigste Fund ist die Gletschermumie Ötzi (Mann vom Hauslabjoch), der etwa 3300 v. Chr. lebte. Die Mondseekultur ist durch Pfahlbauten um die Alpenseen gekennzeichnet.

[Bearbeiten] Bronzezeit

Die vermehrt entstehenden Wallanlagen, bereits zu Beginn der Bronzezeit, scheinen als Macht- und Handelszentren Abbau, Verarbeitung und Handel von Kupfer und Zinn überwacht zu haben. Der florierende Handel mit Rohmaterial und Halbprodukten spiegelt sich in den Ausstattungen der Gräber (Pitten, Franzhausen, Niederösterreich). In der Urnenfelderzeit wird mit dem Salzabbau in der Nordgruppe des Salzbergwerks von Hallstatt begonnen.

[Bearbeiten] Eisenzeit

Die Eisenzeit Österreichs ist durch die Einflüsse der mediterranen Hochkulturen und der Steppenvölker geprägt. Der Übergang zwischen der älteren Hallstattkultur und der jüngeren – keltischen – Latène-Kultur erfolgte fließend.

[Bearbeiten] Hallstattkultur

Lederschuh aus der Hallstattkultur, 800-400 v. Chr.

Die ältere Eisenzeit wird nach dem berühmten Fundort Hallstatt, (Oberösterreich), Hallstattzeit genannt. Der West- und Osthallstattkreis werden durch die Flüsse Enns, Ybbs und Inn getrennt. Der Westhallstattkreis stand in Kontakt mit den griechischen Kolonien an der ligurischen Küste. In den Alpen werden Kontakte zu den Etruskern und den unter griechischem Einfluss stehenden Regionen in Italien gepflogen. Der Osten hatte enge Verbindungen zu den Steppenvölkern, die vom Karpatenbecken bis zu den südrussischen Steppengebieten beheimatet waren. Die Bevölkerung von Hallstatt wird durch das Salz reich. Importe von Luxusgütern aus dem Nord- und Ostseeraum bis Afrika sind im Gräberfeld von Hallstatt entdeckt worden. Der älteste Nachweis für österreichischen Wein wurde in Zagersdorf (Burgenland) in einem Hügelgrab entdeckt. Der Kultwagen von Strettweg (Steiermark) ist ein Beleg des religiösen Lebens.

[Bearbeiten] Latène-Kultur

Die jüngere Eisenzeit, Latène-Kultur, ist die Zeit der Kelten. Erstmals können Bevölkerungsgruppen mit Namen benannt werden. Es entsteht mit dem Regnum Noricum – einem Zusammenschluss mehrerer keltischer Stämme – unter der Führung der Noricer das erste Staatsgebilde auf österreichischem Boden. Es beschränkte sich auf den Süden und Osten des heutigen Österreich. Der Westen war von verschiedenen rätischen Stämmen besiedelt.

Dürrnberg und Hallein (Salzburg) werden keltische Salzmetropolen. Im Osten Österreichs gewinnt eine blühende Eisenindustrie in der Oberpullendorfer Bucht (Burgenland) das bei den Römern so begehrte, hochwertige Ferrum Noricum (Norisches Eisen). Befestigte Höhensiedlungen (Oppida) wie auf dem Magdalensberg (Kärnten), bei Schwarzenbach oder am Braunsberg bei Hainburg unweit von Carnuntum werden zu Zentren des öffentlich-rechtlichen Lebens.

[Bearbeiten] Römisches Reich

Römische Provinzen und Orte auf dem Gebiet des heutigen Österreichs
Das römische Heidentor in Carnuntum

Der größte Teil des heutigen Österreich wurde um 15 v. Chr. vom Römischen Reich besetzt. Der römische Kaiser Claudius richtete während seiner Herrschaft (41–54 n. Chr.) die römische Provinz Noricum ein, deren Grenzen im Norden bis zur Donau, im Nordosten bis zum Wienerwald, im Osten etwa entlang der heutigen steirischen Ostgrenze sowie im Südosten und Süden jenseits von Eisack und Drau verliefen. Später, unter Diokletian (284–305), wurde die Provinz entlang des Alpenhauptkamms in eine nördliche (Noricum ripense, „Ufernoricum“) und eine südliche (Noricum mediterraneum, „Binnennoricum“) Provinz aufgeteilt. Das am Ziller westlich an das Noricum angrenzende Gebiet der heutigen Bundesländer Vorarlberg und Tirol kam zur Provinz Raetia, im Osten schloss sich Pannonia mit dem heutigen Burgenland an Noricum an. Die Donau bildete mit dem Donaulimes die Grenze zu den nördlichen Teilen Ober- und Niederösterreichs, die von den Germanen (Markomannen und Quaden) besiedelt wurden.

Einige Städte und Orte Österreichs gehen noch auf die Kelten zurück wie z. B. Linz (Lentos). Zahlreiche weitere Siedlungen entstanden durch die Römer. Die östlich von Wien gelegene Stadt Carnuntum war die größte römische Stadt, weitere wichtige Orte waren Virunum (nördlich des heutigen Klagenfurt) und Teurnia (nahe Spittal an der Drau). Bedeutende Ausgrabungsstätten für die Römerzeit sind heute unter anderem Kleinklein (Steiermark) und das Zollfeld (Magdalensberg).

Im 2. Jahrhundert n. Chr. begann sich das Christentum auszubreiten; die damalige kirchliche Organisation des Landes geht auf das 4. Jahrhundert n. Chr. zurück. Nach der Besiedelung durch die Bajuwaren wurde das Land allerdings neu missioniert, vor allem durch Rupert und Virgil (Iroschottische Mission).

[Bearbeiten] Völkerwanderung

Die Völkerwanderung besiegelte den Niedergang der römischen Macht. Ab dem 5. Jahrhundert wurde das Römische Reich von germanischen Stämmen bedrängt. Nach mehreren Einfällen in Italien drangen die Goten im Jahr 408 unter Alarich I., von Emona (dem heutigen Ljubljana) über die Karnischen Alpen kommend, erstmals in das durch den römischen Heerführer Stilicho befehligte Noricum ein. Ab 472 kamen Ostgoten und Alemannen durch das Land, ohne es erobern zu können. Selbst nachdem Odoaker 476 den letzten römischen Kaiser abgesetzt hatte, blieb in den Provinzen die römische Verwaltung erhalten. Mit dem Tod des Königs Theoderich zerbrach das Reich der Goten schließlich, ohne dass diese die Kontrolle über Noricum erlangt hätten.

Ab dem 6. Jahrhundert begann eine kontinuierliche Besiedlung durch die Bajuwaren und im heutigen Vorarlberg durch die Alemannen. Ende des 6. Jahrhunderts zerbrach das römische Reich schließlich. Von Osten zogen die Slawen, durch die Awaren bedrängt, ein und zogen, da sie von der noch verbliebenen keltoromanischen Bevölkerung daran nicht gehindert wurden, entlang der Drau immer weiter nach Westen ein, bis sie um 610 von den Bajuwaren, die zu dieser Zeit von Norden kommend bis ins Pustertal vorgedrungen waren, aufgehalten wurden. Die Besiedlungsgrenze zwischen Slawen und Bajuwaren entspricht in etwa der Linie Freistadt, Linz, Salzburg (Lungau), Osttirol (Lesachtal).

[Bearbeiten] Mittelalter

[Bearbeiten] Frühmittelalter (bis 976)

Awarenmark und Mark Karantanien zur Zeit Karls des Großen

Im Süden des heutigen Österreichs bildeten die slawischen Volksstämme, die sich in den Tälern von Drau, Mur und Save niedergelassen hatten, um das Jahr 600 das erste unabhängige slawische Staatsgebilde Europas, Karantanien; Zentrum Karantaniens war das Zollfeld. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bevölkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den südöstlichen Alpenraum.

Im nördlichen Alpenraum hatte sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts das bairische Stammesherzogtum gebildet, deren Herrscher aus dem Geschlecht der Agilolfinger stammten und unter fränkischer Oberhoheit standen. Das Siedlungsgebiet der Baiern wurde in diesem Zeitraum nach Süden bis ins heutige Südtirol und nach Osten bis zur Enns erweitert. Östlich davon und auf dem Gebiet des heutigen Böhmens ließen sich Awaren und später Slawen nieder. Sitz der lange weitgehend unabhängig regierenden baierischen Herzöge war Regensburg.

Unter den Karolingern kam es zu einem Erstarken des Frankenreichs, wodurch 788 das ältere baierische Stammesherzogtum, zu dem weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten, beseitigt wurde. Der letzte weitgehend unabhängige Herzog der Baiern war Tassilo III.. Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts zerbrach das Slawenreich Karantanien und kam unter fränkische Oberhoheit.

Nach Eroberung des Reichs der Awaren errichtete der fränkische Herrscher Karl der Große um 800 eine Grenzmark in der Region des heutigen Niederösterreichs, zwischen den Flüssen Enns, Raab und Drau, die auch als Awarenmark bezeichnet wurde, und südlich davon die Mark Karantanien.

Herzogtum Bayern im 10. Jahrhundert

Die Grenzmark gegen die Awaren wurde durch die Einfälle der Ungarn vernichtet. Nach den drei Schlachten von Pressburg im Sommer 907 wurde die Grenze des nachfolgenden Ostfrankenreiches bis an die Enns zurückgenommen. Der anschließende Antritt Arnulfs I. als Herzog von Baiern wird gleichzeitig als Beginn des jüngeren baierischen Stammesherzogtums gesehen, zu dem der gesamte östliche Alpenraum zählte. Nach dem Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld unter dem ostfränkischen König Otto I. war die Bedrohung durch die Ungarn gebannt. Diese wurden danach sesshaft. Anschließend erfolgte eine zweite Welle baierischer Ostansiedlungen mit Gewinn von Gebieten im heutigen Niederösterreich, in Istrien und der Krain. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstand erneut eine dem Herzog von Baiern unterstellte Markgrafschaft östlich der Enns, die Marchia orientalis genannt wurde.

[Bearbeiten] Markgrafschaft Österreich (976–1156)

976 wurde Liutpold (Leopold) aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark belehnt. 996 wird hierfür erstmals urkundlich der Name Ostarrîchi verwendet; daraus entwickelte sich später die Schreibweise Österreich. Daneben ist auch noch sehr lange die Namensform Osterlant (Ostland bzw. Land im Osten) gebräuchlich, die Einwohner sind der Ostermann und die Osterfrau. Die latinisierte Form Austria für dieses Gebiet taucht in den Schriften erst im 13. Jahrhundert auf (siehe auch Austrien als östlicher Teil des Frankenreiches).

Die Babenberger trieben eine zielbewusste Rodungs- und Kolonisierungspolitik und errichteten – in Zusammenarbeit mit anderen Häusern, etwa den Kuenringern – eine gefestigte Landesherrschaft. Die Residenz befand sich anfangs in Pöchlarn, später in Melk. Markgraf Leopold III. gelang es, ins Kaiserhaus einzuheiraten; im Machtkampf zwischen Kaiser Heinrich IV. und König Heinrich V. wechselte er zu Heinrich V. und trug so wesentlich zu dessen Sieg bei. Als Lohn erhielt er die Hand von Heinrichs Schwester Agnes von Waiblingen. Er wurde wegen seiner Klostergründungen – vor allem Klosterneuburg – nach seinem Tod heilig gesprochen.

[Bearbeiten] Herzogtum Österreich unter den Babenbergern (1156–1246)

Im Zuge des Konfliktes zwischen den Staufern und den Welfen kam 1139 das Herzogtum Baiern an die Babenberger. Als Friedrich I. diesen Streit beenden wollte, gab er den Welfen das Herzogtum Baiern zurück – als „Trostpreis“ wurde mit dem Privilegium minus 1156 Österreich zum Herzogtum erhoben. Mit der Unabhängigkeit vom bairischen Mutterland beginnt für Österreich die Geschichte als unabhängiges Herrschaftsgebiet innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Erster Herzog war Heinrich Jasomirgott, der auch 1156 Wien zur Residenzstadt erhob. Auf Grund der Georgenberger Handfeste (1186) fiel auch das Herzogtum Steiermark, das den Traungau, den zentralen Teil des heutigen Oberösterreichs, und die Grafschaft Pitten im südlichen Niederösterreich sowie große Gebiete im heutigen Slowenien umfasste, mit dem Erlöschen der Traungauer 1192 an die Babenberger.

Rudolf von Habsburg

Mit Leopold VI. erreichte das hochmittelalterliche Österreich einen kulturellen Höhepunkt – unter ihm wurde auch die damals revolutionäre Kunst der Gotik eingeführt. Mit seinem Sohn Friedrich II. starb 1246 die männliche Linie der Babenberger aus.

[Bearbeiten] Herzogtum Österreich zwischen Babenbergern und Habsburgern (1246–1282)

Unter den vielen Nachfolgekandidaten konnte sich der König von Böhmen, Ottokar Přemysl, durchsetzen, der 1256 von den Ständen ins Land gerufen worden war, um die Wirren zu beenden. Seine Politik war aber dennoch darauf ausgerichtet, den Adel zurückzudrängen und das städtische Bürgertum zu fördern, weswegen er den Wienern bis tief in die Habsburger-Zeit in guter Erinnerung blieb. Seinem Griff nach der königlichen Macht im Heiligen Römischen Reich wurde von Rudolf von Habsburg begegnet, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. Die Habsburger konnten sich daraufhin als Herzöge von Österreich und der Steiermark etablieren.

[Bearbeiten] Herzogtum Österreich unter den Habsburgern (1282–1452)

Ab Mitte des 13. bis Ende des 14. Jahrhunderts war Österreich Schauplatz intensiver Ketzerverfolgungen durch die Inquisition. Eine erste große Verfolgungswelle um 1260 in über vierzig Pfarren im südlichen Donauraum zwischen dem Salzkammergut und dem Wienerwald war hauptsächlich gegen Waldenser gerichtet. Weitere Inquisitionen fanden 1311–1315 in Steyr, Krems, St. Pölten, und Wien statt. Unter dem Inquisitor Petrus Zwicker kam es von 1391 bis 1402 neuerlich zu schweren Verfolgungen, u.a. in Steyr, Enns, Hartberg, Ödenburg und Wien. Im Jahr 1397 wurden dabei allein in Steyr zwischen 80 und 100 Waldenser verbrannt, woran dort ein 1997 errichtetes Denkmal erinnert.

1335 konnten die Habsburger die Meinhardiner in Kärnten und Krain beerben und 1363 fiel auch Tirol von Margarethe von Tirol an Herzog Rudolf IV. Dadurch entstand ein Länderkomplex in den Ostalpen, der Herrschaft zu Österreich genannt wurde.

Rudolf IV. war der umtriebigste Herrscher des Spätmittelalters. Er initiierte vielerlei Maßnahmen, die vor allem die Bedeutung der Stadt Wien heben sollten. Er ließ das Privilegium maius fälschen, das Österreich zum Erzherzogtum erhob und ihm innerhalb des Reiches eine Anzahl von Privilegien sicherte. Anerkannt wurde dies erst von dem Habsburger Friedrich III.

1379 wurde im Vertrag von Neuberg die habsburgische Herrschaft zum ersten Mal geteilt. Danach gab es noch 1406 und 1411 weitere Teilungen. Daraus entstanden drei Länderkomplexe:

Fast das gesamte 15. Jahrhundert ist eine Phase wirrer Erbteilungen und Familienstreitigkeiten, die die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Habsburgischen Länder weitgehend schwächten. Friedrich V. († 1493) gelang es schließlich die Länder wieder zu einen, indem er alle seine Gegner überlebte und beerbte. Schon Albrecht V. war als Erbe der Luxemburger zum römisch-deutschen König gewählt worden. Diese Position ging in der Folge an Friedrich über, der 1452 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde und sich fortan Friedrich III. nannte.

[Bearbeiten] Das Erzherzogtum Österreich seit 1453

Die Erhebung des Herzogtums Österreich zum Erzherzogtum geht auf das im Auftrag von Rudolf IV. gefälschte Privilegium Maius zurück und wurde im Jahre 1453 von Kaiser Friedrich anerkannt. Die habsburgischen Prinzen bezeichneten sich fortan als Erzherzöge, womit man Bezug auf die auch als Erzfürsten bekannten Kurfürsten nahm. Das Herzogtum war fortan ein Erzherzogtum des Heiligen Römischen Reiches um dieses den Kurfürstentümern rechtlich gleichzustellen – nur deren Herren, die Kurfürsten waren an der Wahl des römisch-deutschen Kaisers beteiligt. Als den Kurfürstentümern de facto gleichrangiges Herzogtum galt für Österreich die Primogenitur und die Unteilbarkeit.

[Bearbeiten] Frühe Neuzeit bis 1804

[Bearbeiten] Der Aufstieg Österreichs zur Großmacht

tu felix austria nube. Maximilian I. (links) im Kreise seiner Familie

Die Hausmacht des Kaisers im Reich war nicht besonders groß. Die vielen adligen Herrscherhäuser strebten innerhalb und außerhalb des Reiches nach eigener politischer Macht. So hinterließ die glanzlose, aber zähe Politik Friedrichs III. eine gefestigte Herrschaft. Deren Bedeutung wurde erhöht durch die Heirat (1477) seines Sohnes Maximilian mit Maria, der Erbin des burgundischen Länderkomplexes zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich. Nach dem frühen Tod Marias heiratete Maximilian die bretonische Prinzessin Anna von Bretagne, die einen Erbanspruch auf die Bretagne besaß. Eine Intervention Frankreichs verhinderte jedoch die Machtübernahme der Habsburger in der Bretagne. 1496 verheiratete Kaiser Maximilian seinen Sohn Philipp mit der Prinzessin Johanna von Kastilien und Aragon. Er sicherte den Habsburgern damit nicht nur die Erbrechte auf Spanien, Neapel, Sizilien und Sardinien, sondern auch auf die spanischen Kolonien. Die Heiratspolitik der Habsburger wird im berühmten Spruch ausgedrückt: Bella gerant alii – tu felix austria nube („Kriege mögen andere führen – Du glückliches Österreich heirate“). Im Jahre 1499 endete der Schwabenkrieg. Die Habsburger mussten im Frieden zu Basel ihr Stammland mit der Habichtsburg aufgeben. Damit begann die Ablösung der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich, die im Westfälischen Frieden von 1648 endgültig besiegelt wurde. Im Jahr 1500 erbte Maximilian die Grafschaft Görz. Da sein Sohn Philipp der Schöne gleichfalls durch Heirat zum König von Spanien (mit seinen neu eroberten Kolonien) werden konnte, standen die Habsburger kurz davor, nach der Weltmacht zu greifen. Der 1519 gekrönte Karl V. verfehlte dieses Ziel, gilt aber bis heute als mächtigster Habsburger aller Zeiten.

Karl V. Zitat: In seinem Reich ging die Sonne nie unter

Schon 1521 wurden die österreichischen Länder von Kaiser Karl V. an seinen Bruder Ferdinand I. übergeben, der die Anfänge zentraler Verwaltungsstrukturen etablierte. Ferdinand I. heiratete im gleichen Jahr Anna, die Erbfolgerechte in Böhmen und Ungarn besaß. Diese Erbrechte wurden 1526 wirksam. 1524 fügte Karl V. Friesland dem Reich hinzu. 1526 nach der unglücklich verlaufenen Schlacht von Mohács erbte Ferdinand nicht nur die Königreiche Ungarn und Böhmen (mit den Nebenländern Mähren, Schlesien und Lausitz), sondern auch die Bedrohung durch das Osmanische Reich, gegen das Ungarn vorher ein Schutzschild gewesen war. Zudem gerieten die Habsburger zum ersten Mal mit dem ungarischen Adel in Konflikt, der damals den alternativen König Johann Zápolya unterstützte. 1528 gerieten Overijssel und Utrecht unter habsburgische Herrschaft. 1531 wurde mit Hilfe von Bestechungsgeldern Ferdinand I. zum römisch-deutschen König gewählt. Das Herzogtum Mailand wurde von Karl V. annektiert. 1538 war das Königreich Ungarn dreigeteilt:

1555/56 dankte Karl V. nach dem Augsburger Religionsfrieden ab. Dies führte zur Teilung der Habsburger in eine spanische und in eine österreichische Linie. Die österreichische Linie stellte bis 1806 fast ununterbrochen den römisch-deutschen Kaiser.

[Bearbeiten] Reformation, Gegenreformation und katholische Reform in den habsburgischen Ländern

In den österreichischen Ländern (mit Ausnahme Tirols) trat die Bevölkerung fast geschlossen zum Protestantismus über. Die Rekatholisierung setzte erst gegen 1600 ein (siehe auch Gegenreformation), dafür aber mit umso größerer Heftigkeit und Gewalttätigkeit. In diesem Prozess taten sich die Jesuiten und der Kardinal Melchior Khlesl, der Kanzler von Erzherzog Matthias, hervor. Ein führender Betreiber dieser Politik war Ferdinand II., von dem der Ausspruch stammt, er wolle lieber eine Wüste regieren als ein Land voller Ketzer.

Aufgrund dieser Politik wurden die österreichischen Länder auch in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt, der durch den böhmischen Aufstand herbeigeführt wurde. Eine Zeit lang sah es so aus, als könnten die Habsburger das Heilige Römische Reich in eine absolutistische Monarchie umwandeln (siehe auch Schlacht am Weißen Berg); am Ende dieses Krieges waren sie jedoch auf die österreichischen und böhmischen Länder zurückgeworfen. So versuchten sie, aus diesen ein sinnvolles Staatsgebilde zu machen. Schon in den 1680er Jahren gab es ökonomische Theoretiker wie Philipp von Hörnigk oder Johann von Justi, die in diese Richtung drängten.

[Bearbeiten] Das Habsburgerreich und die osmanische Bedrohung

Nachdem es schon seit dem späten 15. Jahrhundert zu Einfällen von türkischen Marodeuren gekommen war, wurde Wien 1529 von der regulären Streitmacht der Osmanen belagert. Nur die Tatsache, dass sie zu spät im Jahr auftauchten, konnte die Stadt damals retten. In der Folge kam es zu einem fast 200-jährigen permanenten Kleinkrieg zwischen kaiserlichen und türkischen Truppen, der nur durch Phasen regulären Krieges unterbrochen wurde.

1683, Zweite Belagerung von Wien durch die Osmanen

Die Osmanen belagerten 1683 Wien ein zweites Mal erfolglos. Einen entscheidenden Ausschlag gab das von Herzog Karl von Lothringen geführte Entsatzheer unter dem Oberbefehl des Königs von Polen, Johann III. Sobieski, das mit seinen Husaren vom Kahlenberg aus den Belagerern in den Rücken fiel. In den Jahren darauf gelang endlich der Befreiungsschlag gegen die osmanische Bedrohung. Mit Hilfe von fähigen Feldherren wie Karl von Lothringen und Prinz Eugen von Savoyen konnten die Osmanen während des Großen Türkenkrieges 1683–1699 und in einem weiteren Türkenkrieg 1716–1718 bis hinter Belgrad zurückgeworfen werden. Die Gebietsgewinne aus dem Frieden von Karlowitz (1699) und dem Frieden von Passarowitz (1718) wurden im Frieden von Belgrad (1739) allerdings größtenteils wieder rückgängig gemacht.

Dies ermöglichte nun ein beispielloses Aufblühen der Barockkultur, die eine spezifisch österreichische Ausformung entwickelte und Stadt („Vienna gloriosa“) und Land zutiefst prägte.

[Bearbeiten] Erbfolgekriege

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger 1700 kämpften die österreichischen Habsburger gegen Ludwig XIV. im Spanischen Erbfolgekrieg um das spanische Erbe. Der Krieg wurde vor allem von Kaiser Joseph I. mit Verve und Erfolg geführt – nach seinem Tod brach jedoch alles zusammen. Sein Bruder Karl war der letzte lebende männliche Habsburger; er hätte ein Weltreich geerbt, was die anderen europäischen Mächte verhindern wollten. Immerhin kamen mit dem Frieden von Utrecht 1713 aus der Erbmasse alle europäischen Nebenlande Spaniens (Spanische Niederlande, Neapel, die Lombardei) an die Habsburger.

Im selben Jahr wurde von Karl VI. auch die Pragmatische Sanktion erlassen, die als erstes Grundgesetz für die Habsburgermonarchie angesehen werden kann. Die Pragmatische Sanktion bestimmte die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit der Monarchie und führte zu diesem Zweck eine einheitliche Thronfolge nach dem Prinzip der Primogenitur und subsidiärer weiblicher Erbfolge ein. Diese Regelung hatte bis zum Ende der Habsburgermonarchie 1918 Bestand, sie wurde von Ungarn im Ausgleich 1867 explizit bestätigt.

Nach dem erfolgreichen Türkenkrieg von 1714–18 erhielten die Habsburger Nordbosnien, Nordserbien (ungefähr das Gebiet der heutigen Vojvodina), das Banat und die kleine Walachei. Mit dem Tausch von Sardinien gegen Sizilien erzielte das Habsburger-Reich seine größte territoriale Ausdehnung.

Die Möglichkeit der weiblichen Thronfolge wurde von Karl VI. unter dem Blickwinkel erlassen, dass er nur zwei Töchter, die 1717 geborene Maria Theresia (1740–80) und Maria Anna, hinterließ. Diese Bestimmung erhielt daher nach seinem Tod zum einzigen Mal bis 1918 Bedeutung. Da die Habsburger nun im Mannesstamm ausgestorben waren, wurde Maria Theresia mit ihrem Ehemann Franz Stephan von Lothringen die Begründerin der neuen Dynastie Habsburg-Lothringen.

Ihr Erbe konnte sie im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-48) überwiegend verteidigen. Im Vorfrieden von Breslau, der im Frieden von Berlin 1742 bestätigt wurde, fiel jedoch der Großteil Schlesiens, mit Ausnahme von Österreichisch-Schlesien, an Preußen und konnte trotz vieler Bemühungen und zweier weiterer Kriege (unter anderem 1756-63) nicht wiedergewonnen werden.

[Bearbeiten] Die Reformen Maria Theresias

In den darauffolgenden Jahren wurden von Maria Theresia einige Änderungen für die Erblande in Österreich und Böhmen durchgeführt:

Der ungarische Adel, der Maria Theresia im Machtkampf am Beginn ihrer Herrschaft unterstützt hatte, behielt seine Privilegien. Es entstand somit ein österreichisch-ungarischer Dualismus.

Unter Maria Theresia begann man die damals sehr dünn besiedelten Gebiete in Galizien und Lodomerien, dem Banat und Siebenbürgen zu besiedeln. Die prägendste Einwanderergruppe waren die Donauschwaben. Diese Siedlungspolitik wurde bis zum Zerfall der Monarchie weitergeführt und führte unter anderem auch zur Ansiedlung von Juden in der Bukowina, die im späten 19. Jahrhundert die dortige Kultur stark prägten.

[Bearbeiten] Der aufgeklärte Absolutismus

1765 wurde ihr Sohn Joseph II. zum Mitregenten ernannt. Er sollte die Amtsgeschäfte in den Jahren 1780-90 komplett übernehmen. Joseph II. führte viele Reformen durch; seine Regierungsform (Josephinismus) wurde später als aufgeklärter Absolutismus bezeichnet (Alles für das Volk, nichts durch das Volk.) Er öffnete ab 1766 bisherige Privatparks des Kaiserhofes für jedermann. Er schaffte 1781 die Leibeigenschaft ab und schloss Klöster, die nur kontemplativ tätig waren und keine Leistungen für die Allgemeinheit erbrachten. Nachdem 1779 im Frieden von Teschen das Innviertel für Österreich gewonnen wurde, scheiterte 1785 der Versuch, Bayern gegen die österreichischen Niederlande zu tauschen. Weitere Reformen wurden vor allem durch den Widerstand Ungarns und der österreichischen Niederlande verhindert, wo 1789 die Brabanter Revolution ausbrach. Trotzdem gilt Joseph als wichtiger Aufklärer und entscheidender Wegbereiter der bürgerlichen Gesellschaft.

Österreich wirkte 1773 an der ersten und in der Folge 1795 an der dritten Teilung Polens mit. (Maria Theresia wollte 1773 dem Gebietsgewinn von Preußen und Russland nicht untätig zuschauen.) Bei der ersten Teilung erhielt Österreich Galizien mit dem Gebiet um Lemberg und gründete das Königreich Galizien und Lodomerien. Bei der dritten Teilung konnte Österreich das später Westgalizien genannte Gebiet mit Kleinpolen bis südöstlich von Warschau für sich gewinnen.

Josephs Nachfolger wurde sein jüngerer Bruder Leopold II. Seine Hilfe – gemeinsam mit Preußens Friedrich Wilhelm II. – für den französischen König Ludwig XVI. kam nicht mehr zustande, Leopold II. starb völlig überraschend im März 1792 mit 44 Jahren.

Die aufklärerischen Ansätze wurden nach dem Schock der Französischen Revolution schnell eingefroren: Leopolds Sohn Franz II. (als römisch-deutscher Kaiser, später Franz I. von Österreich) trieb eine „geradezu starrköpfige Reaktionspolitik“, die vor allem mit dem Namen des Staatskanzlers Metternich verbunden ist. Diese politische Stagnation sollte die gesamte erste Hälfte des 19. Jahrhunderts andauern. Durch sie geriet Österreich in seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung gegenüber Preußen, Frankreich und England ins Hintertreffen.

Nach der Französischen Revolution wurde auch Österreich in die Napoleonischen Kriege verwickelt. Die Kaiserkrönung Napoleons 1804 wurde von Franz II. mit der Ausrufung des Kaisertums Österreich beantwortet; Kaiser Franz II. (HRR) war nun als Franz I. auch Kaiser von Österreich. Im Frieden von Pressburg musste Österreich 1805 große Gebiete abtreten, unter anderem Venetien, aber auch Tirol und Vorarlberg an das mit Napoleon verbündete Bayern, dafür kam Salzburg zu Österreich. Auf Drängen Napoleons legte Franz II. 1806 die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder, das damit aufhörte zu existieren.

[Bearbeiten] Kaisertum Österreich (1804–1866)

Hauptartikel: Kaisertum Österreich

Gleichzeitig gründeten deutsche Fürsten auf Bestreben Napoleons den ihm zur Heerfolge verpflichteten Rheinbund. Auf Drängen des mittlerweile zum Außenminister aufgerückten Metternich wurde Marie Louise, die Tochter von Kaiser Franz I., 1810 mit Napoleon I. verheiratet. Napoleon wurde von den vereinigten österreichischen, russischen und preußischen Truppen im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen. Im April 1814 dankte Napoleon ab, im September begann der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas. Hier erhielt Österreich viele an Napoleon verlorene Gebiete zurück und tauschte die schwäbischen Vorlande gegen das Erzbistum Salzburg. Durch Nebenlinien beherrschten die Habsburger nun auch weite Teile Mittelitaliens.

Im März 1815 kehrte Napoleon aus seinem Exil in Elba nach Frankreich zurück, sein Ende war die Niederlage bei Waterloo im Juni 1815. 1815 wurde der Deutsche Bund mit dem Bundestag in Frankfurt unter dem ständigen Vorsitz Österreichs als Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches gegründet. Gleichzeitig wurde zwischen Preußen, Österreich und Russland das Dreikaiserbündnis – die so genannte Heilige Allianz – geschlossen, das die politische Stabilität in Europa garantieren sollte.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem Erstarken nationalistischer Bewegungen. Die verschiedenen Nationalitäten im Vielvölkerstaat Österreich arbeiteten vehement gegeneinander und konnten so vom Kaiserhaus gegeneinander ausgespielt werden. Diese Uneinigkeit der Nationalitäten und die Hilfe Russlands retteten in der Revolution von 1848 das Kaisertum vor dem Auseinanderfallen.

Am 13. März 1848 verlangten verschiedene Gruppen in Petitionen Pressefreiheit, Geschworenengerichte und akademische Freiheiten. Die anschließenden Demonstrationen wurden jedoch blutig niedergeschlagen. In Wien kam es daraufhin zu heftigen Aufständen, Metternich wurde entlassen und floh nach England. Die Zensur wurde aufgehoben, Pressefreiheit und eine Verfassung im formellen Sinn versprochen. Die Pillersdorfsche Verfassung wurde am 25. April 1848 verkündet, trat jedoch nie in Kraft. Sie stieß vor allem wegen der Bestimmungen über die Zusammensetzung des Reichstages auf Ablehnung, weshalb sie am 16. Mai als provisorisch erklärt (mit Zusage des allgemeinen und gleichen Wahlrechts) und im Juli schließlich ganz zurückgenommen wurde. Auf dieser Grundlage trat am 22. Juli 1848 der Reichstag, das erste österreichische Parlament im modernen Sinne, in Wien zusammen. Da es noch kein Parlamentsgebäude gab, bediente man sich der Winterreitschule als provisorischer Unterkunft.

Inzwischen griff die Revolution auf andere Teile der Monarchie (Ungarn, Mailand, Venetien und Prag) über. Der Aufstand in Mailand wurde von Radetzky niedergeschlagen, der Prager Pfingstaufstand im Juni von Windischgrätz. Im September übernahm in Ungarn Lajos Kossuth die Macht und stellte eine Armee auf. Als sich in Wien kaiserliche Truppen weigerten, nach Ungarn abzumarschieren, und von Bürgern unterstützt wurden, brachen heftige Kämpfe aus. Ungarn konnte nur mit Hilfe Russlands, das aufgrund des Dreikaiserbündnisses eingreifen musste, zurückerobert werden.

Der Hof floh nach Olmütz und verlegte den Reichstag in das benachbarte Städtchen Kremsier. Am Ende des Wiener Oktoberaufstandes wurde Wien am 1. November von kaisertreuen Truppen unter Führung von Windischgrätz und Joseph Jelačić von Bužim erobert, 24 Revolutionäre wurden hingerichtet, die Revolution war gescheitert.

In Olmütz dankte Kaiser Ferdinand I. zugunsten seines Neffen Franz Joseph Karl ab, der im Dezember 1848 als Franz Joseph I. den Thron bestieg. Der Reichstag von Kremsier wurde am 4. März 1849 aufgelöst und am selben Tag eine neue Verfassung vom Kaiser oktroyiert (Oktroyierte Märzverfassung), die jedoch nur zu einem geringen Teil wirksam wurde, insbesondere wurde kein neuer Reichstag einberufen. Nachdem die Aufstände in Italien und in Ungarn vollständig niedergeschlagen worden waren, hob Franz Joseph mit den Silvesterpatenten vom 31. Dezember 1851 auch die Oktroyierte Märzverfassung von 1849 wieder auf und leitete eine Phase des Neoabsolutismus ein.

1853 wurde das Dreikaiserbündnis schwer erschüttert, weil weder Preußen noch Österreich in den Krimkrieg eingriffen. Die Gründe lagen in gegensätzlichen politischen Interessen. Dadurch wurde Russland zum Gegner Österreichs und Preußens.

Die Zeit des Neoabsolutismus neigte sich mit den Niederlagen der kaiserlichen Truppen in Italien 1859 gegen die italienische Einigungsbewegung (Risorgimento) dem Ende zu: Die Direktregierung durch den Kaiser und seine Minister ohne jedes Parlament hatte selbst im Großbürgertum keine Anhänger mehr und konnte sich auch nicht durch Erfolge legitimieren. Das Oktoberdiplom 1860 und das Februarpatent 1861 waren kurzlebige Verfassungsexperimente.

Die Niederlage von Königgrätz im Deutschen Krieg von 1866 (Deutscher Bund unter Vorsitz Österreichs gegen Preußen) führte zur Auflösung des Deutschen Bundes. Hintergrund des Krieges war, dass Bismarck ein deutsches Bündnissystem unter der Hegemonie Preußens anstrebte. Eine solche Hegemonie war nach Einschätzung Bismarcks nur ohne Österreich möglich, da Österreich als bisherige Hegemonialmacht des Deutschen Bundes wirtschaftlich und militärisch zu bedeutend war. Nach dem preußischen Sieg, der durch technisch überlegene Waffen erreicht wurde, konnte Bismarck gegen den Willen Österreichs die Gründung eines Norddeutschen Bundes ohne Österreich durchsetzen. Da im Krieg 1866 Venetien trotz der für Österreich erfolgreichen Seeschlacht von Lissa unter Admiral Wilhelm von Tegethoff verloren ging, war das Ansehen des Monarchen auf einem Tiefpunkt angelangt.

[Bearbeiten] Österreich in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867–1918)

Hauptartikel: Österreich-Ungarn

Die Österreichisch-Ungarische Monarchie, auch als k.u.k. Monarchie oder inoffiziell als Donaumonarchie bezeichnet, wurde am 8. Juni 1867 infolge des Ausgleichs mit dem Königreich Ungarn gegründet. An diesem Tag wurde Kaiser Franz Joseph I. von Österreich in Budapest (Pest-Buda) zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt. Ungarn schied aus dem Kaisertum aus und wurde gleichberechtigter Teilstaat in einer Realunion mit Österreich.

Die nicht-ungarischen Kronländer (Cisleithanien), die im Kaisertum verblieben waren, erhielten am 21. Dezember 1867 die Dezemberverfassung, die im Wesentlichen bis zum Ende der Monarchie Bestand hatte. Die Außenpolitik wurde zuerst durch das Dreikaiserbündnis und in späterer Zeit durch den Zwei- bzw. Dreibund geprägt.

In dieser Zeit begann der – bisher von den Herrscherhäusern unterdrückte – Nationalismus seinen Siegeszug durch die Länder Europas und insbesondere der Habsburger Monarchie. Zur Abschwächung des ungarischen Nationalismus gedacht, verschärfte der Ausgleich von 1867 die Spannungen mehr als er sie kalmierte. Dieser Ausgleich schuf nämlich die Situation, dass die nationalitären Konflikte durch die Magyarisierungspolitik der ungarischen Regierung zusätzlich angeheizt wurden. Die Polen in Galizien kooperierten oft mit der Wiener Regierung und erhielten für Galizien bedeutende Infrastrukturinvestitionen aus dem Staatsbudget. Die anderen slawischen Nationalitäten Altösterreichs fühlten sich mit den Deutschsprachigen, die die Staatsbürokratie dominierten, nicht gleichberechtigt. Die vergeblichen Bemühungen der Tschechischen Nationalbewegung in Böhmen und Mähren um einen Österreichisch-Tschechischen Ausgleich konkurrierten mit den Bestrebungen der dortigen deutschsprachigen Minderheit und der deutsch-nationalistischen Arbeiterpartei. Hier konnte die Einführung der Zweisprachigkeit 1880 in Böhmen und Mähren, 1882 in den slowenischen Gebieten und in Österreichisch-Schlesien auch nicht weiterhelfen. Der Mährische Ausgleich 1905 nahm dem Nationalitätenkonflikt zwar in diesem Kronland einiges an Schärfe, für Böhmen konnte eine ahnlich ausgewogene Lösung aber nicht erreicht werden. Auch in Kärnten, der Steiermark und Tirol wurden Autonomiewünsche der nationalen Minderheiten von den deutschsprachigen Mehrheiten in den Landtagen schroff abgelehnt.

Böhmen und Mähren wuchsen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den industriellen Zentren Altösterreichs heran. Hier war die Betriebsansiedlung einfacher als im gebirgigen Alpenraum, die verkehrsgeografische Lage (Nähe zu den Ballungszentren Berlin und Wien und zum oberschlesischen Industriegebiet des Deutschen Reiches) günstig, es standen ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Österreichische Wirtschaft und die Österreichische Kultur erreichten um 1900 eine große Blütezeit, während sich der Staat auf Grund des Nationalitätenhaders oft nur durch Fortfretten und Fortwurschteln (wienerische Ausdrücke für „mühsam weiterkommen“) weiterentwickeln konnte.

1878 erhielt Österreich-Ungarn beim Berliner Kongress das Recht zugesprochen, die osmanische Provinz Bosnien-Herzegowina, bis dahin von Istanbul aus regiert, zu besetzen und zu verwalten. Die Doppelmonarche investierte kräftig in die Modernisierung des Landes. Als sie die Provinz aber 1908 annektierte, führte dies zu starken Spannungen mit dem Königreich Serbien und war auch ein Grund für das Attentat in Sarajewo. 1879 wurde mit Deutschland der Zweibund und 1882 mit Italien der Dreibund geschlossen. Er sollte noch für den Ersten Weltkrieg ausschlaggebend sein. Der Dreibund hatte von Anfang an mit der italienischen Irredenta zu kämpfen, was vor allem die Beziehungen mit Österreich belastete.

Um 1880 wurde der Wahlzensus (Mindeststeuerleistung als Bedingung für das Wahlrecht der Männer; Frauen weiterhin nicht wahlberechtigt, wenn nicht Großgrundbesitzerin) gelockert, was die Bildung von neuen Parteien ermöglichte:

Um 1900, zum fin de siecle, lebten Johann Strauß, Gustav Mahler, Sigmund Freud, Ernst Mach, Otto Wagner, Gustav Klimt, Karl Kraus, Arthur Schnitzler und viele andere Künstler und Wissenschaftler in Wien. Diese etwa zwei Jahrzehnte, in denen Wien eine nie zuvor und danach erreichte Vielzahl an kulturellen und wissenschaftlichen Persönlichkeiten hervorbrachte, wird auch als Wiener Moderne bezeichnet.

1903 gab Serbien nach einem ungarischen Importstopp für serbisches Schweinefleisch (der Fleischexport war eine Haupteinnahmequelle der serbischen Landwirtschaft) die Anlehnung an Österreich-Ungarn auf und begann auf die Abtrennung der südslawischen Gebiete der Doppelmonarchie hinzuarbeiten (es handelte sich um slowenisch, kroatisch, serbisch und bosniakisch besiedelte Gebiete in beiden Reichshälften). Dieses Ziel wurde vor allem von Russland unterstützt.

1905 begannen Verhandlungen der Sozialdemokratie mit der k.k. Regierung, die – wie Historiker das Ergebnis einschätzen – mit einem historischen Kompromiss endeten: 1907 fanden die ersten Reichsratswahlen statt, bei denen jeder erwachsene männliche Staatsbürger wahlberechtigt war und jede Stimme gleich viel zählte. Das Frauenwahlrecht wurde erst 1919 in der Republik eingeführt. Die Christlichsozialen gewannen 1907 vor den Sozialdemokraten und den liberalen Parteien. 1911 erreichten die Sozialdemokraten die meisten Mandate.

In den letzten Jahrzehnten der Doppelmonarchie befand sich Altösterreich – abgesehen von seinen Nationalitätenfragen – in der Situation, dass Altungarn nur etwa ein Drittel der gemeinsamen Ausgaben für Armee, Kriegsflotte und diplomatischen Dienst deckte, ohne Zustimmung der Budapester Regierung aber keine wesentliche außen-, wirtschafts- oder militärpolitische Entscheidung getroffen werden konnte. Der Reichsrat als Parlament war oft durch tschechische Obstruktionspolitik lahmgelegt; viele erforderliche Regelungen erfolgten daher auf Vorschlag der k.k. Regierung durch kaiserliche Verordnung statt durch Parlamentsbeschluss. Der Staat wurde im Wesentlichen von der k.k. Bürokratie und der k.u.k. Armee, beide übernational auf die Person des Monarchen eingeschworen, zusammengehalten. Man besprach in politischen Kreisen, so lange er lebt (gemeint war der greise Kaiser Franz Joseph I., 1910 bereits achtzig Jahre alt), werde es keine wesentlichen Veränderungen geben, sah diese aber für die Regierungszeit seines Nachfolgers voraus.

Das am 28. Juni 1914 vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip verübte Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, der Bosnien-Herzegowina einen offiziellen Besuch abstattete, veränderte die Lage aber völlig. Hatten einzelne Spitzenfunktionäre der Gesamtmonarchie wie Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf schon Jahre zuvor einen Krieg gegen Serbien befürwortet, so setzte sich nun in Wien und Budapest die so genannte Kriegspartei durch. Ohne den Reichsrat auch nur zu fragen, wurde dem Monarchen suggeriert, nun sei der Krieg gegen Serbien unausweichlich und eine Frage der Ehre der Monarchie. (Zuvor war Franz Joseph I. nach dem Attentat noch wie üblich nach Bad Ischl auf Sommerfrische gefahren; seinem Neffen Franz Ferdinand weinte er keine Träne nach, weil dieser nicht standesgemäß geheiratet hatte.) Das mit Zustimmung Franz Josephs vom k.u.k. Außenminister Leopold Berchtold mit Rückendeckung des deutschen Kaisers an Serbien gestellte Ultimatum bewirkte die Aktivierung der europaweit bestehenden Bündnissysteme und Beistandsverpflichtungen und führte so zum Ersten Weltkrieg.

[Bearbeiten] Österreich im Ersten Weltkrieg

Hauptartikel: Erster Weltkrieg
Hauptartikel: Österreich-Ungarns Armee im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war für Österreich-Ungarn ein Desaster, da die veraltete k.u.k. Armee auf einen Krieg in dieser Größenordnung nicht vorbereitet war. Besonders nach dem Kriegseintritt Italiens (1915) und Rumäniens (1916) war Österreich-Ungarn an einem großen Teil seiner Grenzen von Gegnern umgeben. Die Eroberung des Königreichs Serbien – man hatte sich ursprünglich eine auf Grund eigener Überlegenheit unschwierige „Strafexpedition“ vorgestellt – gelang erst mit deutscher und bulgarischer Unterstützung. Im Krieg gegen Russland war Österreich lange unterlegen und musste einen Großteil Galiziens räumen. Erst später wurde Galizien mit deutscher Hilfe wieder besetzt. Dasselbe galt für den rumänischen Kriegsschauplatz, wo die Initiative von Anfang an bei den deutschen Truppen lag. Im Krieg gegen Italien war Österreich erfolgreicher und konnte in zwölf Isonzoschlachten das Eindringen der italienischen Armee in die Monarchie verhindern und zuletzt tief ins Friaul eindringen. Allerdings brach hier, infolge Materialmangels, Kriegsmüdigkeit und Auflösungserscheinungen von Armee und Gesamtmonarchie, die Front Ende Oktober 1918 zusammen. Am Krieg an der Westfront war die österreichische Armee kaum beteiligt.

Die Versorgung der altösterreichischen Bevölkerung war speziell in den letzten Kriegsjahren sehr schlecht und es kam zu großen Hungersnöten. Im November 1916 starb Kaiser Franz Joseph I. und Karl I. wurde sein Nachfolger. Seine Chancen auf baldigen Friedensschluss und Erhalt der Doppelmonarchie waren gering. Als der Reichsrat, das altösterreichische Parlament, vom neuen Monarchen 1917 erstmals seit Frühjahr 1914 einberufen wurde, teilten die Abgeordneten der Nationalitäten mit, welche Absichten sie nach Kriegsende verfolgen würden. Der Erhalt des Gesamtstaates und der Monarchie gehörte nicht dazu. Es war daher bereits 1917 klar, dass Altösterreich zerfallen würde.

Kaiser Karl I. unternahm am 16. Oktober 1918 den Versuch, das kaiserliche Österreich als Föderation zu erhalten. Er forderte die Nationalitäten in einem Manifest auf, eigene Nationalräte zu gründen, und sah seine Regierung quasi als Schiedsrichter für eine friedliche Neuordnung der Monarchie: Österreich soll dem Willen seiner Völker gemäß zu einem Bundesstaat werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiet sein eigenes Gemeinwesen bildet.

Von der Nationalversammlung beanspruchtes Staatsgebiet der Republik Deutschösterreich (1918–1919)

Die Nationalitäten nahmen die Einladung, Nationalräte einzurichten, an, waren doch damit ihre bisher aus Sicht des Gesamtstaates separatistischen Planungen legalisiert. Von ihren Völkern nicht gewählte Schiedsrichter ignorierten sie aber: Sie beschlossen, eigene Staaten zu gründen, und hatten an einem monarchischen Bundesstaat kein Interesse. Die provisorische Nationalversammlung von Deutschösterreich – bestehend aus den 1911 gewählten Reichsratsabgeordneten der deutschen Gebiete Altösterreichs – bestellte am 30. Oktober 1918 ihre eigene Regierung und notifizierte dies am 6. November dem US-Präsidenten Woodrow Wilson; beim Kaiser stellte sich die deutschösterreichische Regierung nicht vor. Am 11. November 1918 entließ der Kaiser seine k.k. Regierung und verzichtete auf dringendes Anraten seiner letzten Minister und des deutschösterreichischen Staatsrates auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. Die Nationalversammlung rief am 12. November 1918 die Republik aus.

Der Kaiser hatte allerdings nicht abgedankt. Der Staat Deutschösterreich stellte ihn daher vor die Alternative, formell abzudanken oder das Land zu verlassen. Im März 1919 verließ Ex-Kaiser Karl I. Deutschösterreich, im April 1919 wurden das Habsburgergesetz und das Adelsaufhebungsgesetz beschlossen.

[Bearbeiten] Die Erste Republik (1918–1938)

[Bearbeiten] Deutschösterreich (1918–1919)

Karl Renner (1905)

Die provisorische Nationalversammlung beschloss am 12. November für den vorerst „Deutschösterreich“ genannten Staat die Form der demokratischen Republik. Zugleich wurde in Artikel Zwei des Gesetzes festgehalten, dass das Land Teil der drei Tage zuvor ausgerufenen deutschen Republik sein sollte. Erster Staatskanzler wurde Karl Renner. Beansprucht, aber für den neuen Staat nicht gewonnen, wurden Teile der neu bzw. wieder entstandenen Staaten Tschechoslowakei (Deutschböhmen, Teile Mährens) und Polen (Schlesien) sowie das von Italien annektierte Südtirol.

Weite Teile der Bevölkerung und die meisten Vertreter der politischen Parteien waren der Auffassung, dieser „Rest-“ bzw. „Rumpfstaat“ – ohne die ungarische Agrarwirtschaft und die böhmische Industrie – sei allein nicht lebensfähig. Der Publizist Hellmut Andics drückte das später mit dem Buchtitel Der Staat, den keiner wollte aus.

Der Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich bzw. der Deutschen Republik wurde von den alliierten Siegermächten im Vertrag von Saint-Germain ausgeschlossen. Gemäß des Vertrages wurde auch der Staatsname Republik Österreich festgelegt. Am 21. Oktober 1919, mit der Ratifizierung des Friedensvertrages durch das Parlament, wurde dieser Name verbindlich (er wurde bis 1934 und wird seit 1945 geführt). Als Bundeskanzler Ignaz Seipel mit dem Völkerbund später die so genannte „Genfer Sanierung“ zur Stützung des inflationsgeschüttelten Staatshaushaltes vereinbarte, wurde das später so genannte Anschlussverbot bekräftigt. 1931 wurden Pläne Österreichs für eine Zollunion mit dem Deutschen Reich unter Hinweis auf die Bestimmungen des Friedensvertrages verboten.

In Salzburg gab es Bestrebungen, sich unabhängig von anderen Teilen Österreichs Deutschland anzuschließen. Dies wurde von Deutschland abgelehnt. In Tirol gab es bei Wenigen die Überlegung, sich Italien anzuschließen, um die Einheit Tirols zu wahren. Eine andere politische Linie strebte den Anschluss an Deutschland an. In Vorarlberg bestand der Wunsch, sich der Schweiz anzuschließen. In einer Volksabstimmung erhielt diese Idee in Vorarlberg eine große Mehrheit. Die Schweizer Bundesregierung legte aber auf den „Kanton Übrig“, der die Balance zwischen protestantischen und katholischen Kantonen verändert hätte, keinen Wert.

[Bearbeiten] Republik Österreich (1919–1934)

[Bearbeiten] Staat und Wirtschaft

Die 1920 beschlossene Verfassung ist inhaltlich vor allem von Hans Kelsen, einem angesehenen Staatsrechtsexperten, geprägt. Er musste darin auf Grund der politischen Wünsche (Sozialdemokraten: Zentralismus; Konservative: Föderalismus) bundesstaatliche Grundsätze mit einer starken Position von Nationalrat und Bundesregierung verbinden. Die Funktion des Bundespräsidenten war vorerst schwach ausgeprägt; auf Wunsch der Sozialdemokraten war das Parlament das zentrale Organ der Republik (eine Reaktion auf die vorangegangene Monarchie).

Konflikte zwischen den Prinzipien Landeseinheit und Selbstbestimmungsrecht gab es ab 1918 in Kärnten, weil die slowenische Bevölkerung Südkärntens teilweise zum Anschluss an den neuen südslawischen Staat neigte und das Königreich SHS, um Fakten zu schaffen, Südkärnten militärisch besetzte. Der Kärntner Abwehrkampf gegen die südslawischen Truppen war zwar militärisch aussichtslos, mobilisierte aber die internationale Öffentlichkeit und führte auf Wunsch der Siegermächte zur Volksabstimmung in Südkärnten am 10. Oktober 1920, die eindeutig für die Zugehörigkeit des Abstimmungsgebietes südlich der Drau zur Republik Österreich ausging.

Die Verträge von St. Germain 1919 mit Österreich und von Trianon 1920 mit Ungarn sahen vor, das seit Jahrhunderten deutsch besiedelte Westungarn an Österreich anzuschließen. (Damit wurden Überlegungen, einen slawischen Korridor von der Slowakei nach Slowenien zu errichten, durch den die Kriegsverlierer Österreich und Ungarn getrennt würden, ad acta gelegt.) Deutsch-Westungarn wurde 1921 mit dem Namen Burgenland das achte Bundesland der neuen Republik, nachdem ungarische Freischärler versucht hatten, dies zu verhindern. Für die natürliche Hauptstadt des Gebietes, Ödenburg (Sopron), wurde auf ungarischen Wunsch, der von Italien unterstützt wurde, die Volksabstimmung 1921 im Burgenland durchgeführt, wobei sich die Mehrheit für Ungarn entschied. In den zeitgenössischen österreichischen und ungarischen Darstellungen dieser Volksabstimmung waren zahlreiche Divergenzen zu bemerken.

Niederösterreich war 1918 mit über 3 Millionen Einwohnern das bei weitem bevölkerungsstärkste (und das flächengrößte) Bundesland Österreichs. Die politischen Absichten der im ländlichen Raum stark vertretenen Konservativen und der vor allem in Wien sehr starken Sozialdemokraten waren schwer zu harmonisieren, außerdem bedrückte das niederösterreichische Übergewicht die anderen Bundesländer. Daher wurden die verfassungsmäßigen Bestimmungen dazu geschaffen, dass Wien per 1. Jänner 1922 aus dem Land Niederösterreich ausschied und als eigenes (neuntes) Bundesland konstutiiert wurde.

Arbeitlosenrate Österreichs zwischen 1919 und 1955

Die Wirtschaft des neuen Staates lag aufgrund der Kriegsfolgen (Reparationen, Gebietsverluste, neue Zollgrenzen) darnieder. Die damit zusammenhängende Hyperinflation („galoppierende Inflation“) konnte erst durch eine Währungsreform mit Einführung des im November 1924 beschlossenen Schillings ab 1. März 1925 statt der Kronenwährung beendet werden; Voraussetzung war eine von Ignaz Seipel verhandelte Anleihe des Völkerbundes. Für 10.000 Kronen hätte man 1914 noch einen Häuserblock kaufen können, im Dezember 1922 nur noch einen Laib Brot. Mit Einführung der Schillingwährung betrieb die Regierung konsequente Hartwährungspolitik, was dem Schilling bald den Spitznamen Alpendollar eintrug, die wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten in Krisenzeiten aber stark einschränken sollte.

Der folgende zaghafte wirtschaftliche Aufschwung ging mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 auch schon wieder zu Ende. Zur latenten Strukturkrise, versinnbildlicht durch den Postsparkassenskandal von 1926, war die große Konjunkturkrise gekommen. Der 1931 drohende Zusammenbruch der Creditanstalt, die damals die größte Bank Mitteleuropas war, erforderte das Eingreifen der Regierung; dies bedrohte aber die Währung. 1932 erhielt Österreich daher neuerlich eine Völkerbundanleihe (300 Millionen Schilling). Als Gegenleistung wurde bei der Konferenz von Lausanne das Anschlussverbot für die nächsten 20 Jahre bekräftigt. 1933 war etwa ein Drittel der Arbeitskräfte ohne Arbeit.

Das Erstarken der Konservativen veranlasste die Sozialdemokraten, 1929 einer Verfassungsnovelle zuzustimmen, die wieder ein herausgehobenes Staatsoberhaupt schuf: Der Bundespräsident wurde nicht mehr vom Parlament, sondern vom Volk gewählt. Er bestellte die Regierung und konnte auf deren Vorschlag das Parlament zwecks Neuwahlen auflösen (bis 1929 war dies nur durch Parlamentsbeschluss möglich). Die meisten Befugnisse des Bundespräsidenten waren aber an einen Vorschlag der Bundesregierung gebunden, diese dem Nationalrat verantwortlich. Das Bundes-Verfassungsgesetz in der Fassung von 1929 war bis 1934 und ist seit 1945 in Kraft.

[Bearbeiten] Politische Polarisierung

1918–1920 hatte eine große Koalition regiert. 1920–1934 befand sich die Sozialdemokratie in der Bundespolitik in Opposition zur konservativen Regierung und schuf im Roten Wien ihr politisches Gegenmodell. Mit zunehmendem Abstand vom entscheidenden Jahr 1918 formierten sich auf dem rechten Flügel des Parteienspektrums immer mehr Gegner der Demokratie. Die Sozialdemokraten gaben deren Furcht vor dem Bolschewismus dadurch Nahrung, dass sie in ihrem Parteiprogramm reichlich missverständlich von der Diktatur des Proletariats schrieben und den Marxismus im Munde führten, obwohl sie de facto eine gemäßigte sozialdemokratische Politik betrieben.

Die beiden großen politischen Lager legten sich bald paramilitärische Einheiten zu: Die Heimwehr (den Christlichsozialen nahestehend, aber ohne klare Parteibindung) sollte, teilweise von heimgekehrten Soldaten des ersten Weltkriegs gebildet, die Heimat vor unerwünschten Veränderungen schützen. Der Republikanische Schutzbund der Sozialdemokraten sollte die Demokratie gegen Rechtsradikalismus schützen.

1927 demonstrierte der Republikanische Schutzbund in Schattendorf (Burgenland) gegen die Heimwehr. Mitglieder rechtsstehender „Frontkämpfer“ schossen auf die friedlichen, unbewaffneten Demonstranten. Dabei töteten sie ein Kind und einen Kriegsinvaliden. Mit dem Schattendorfer Urteil wurden die mutmaßlichen Täter im Juli 1927 von einem Geschworenengericht freigesprochen: nach Auffassung der „Arbeiter-Zeitung“ ein unverzeihlicher Justizskandal. Die am 15. Juli 1927 vor dem Justizpalast in Wien stattfindende Großdemonstration gegen das Urteil „entgleiste“ allerdings doppelt: Radikale Elemente unter den Demonstranten stürmten den Justizpalast und setzten ihn in Brand (die Regierung bezeichnete den Vorfall als Julirevolte).

Nachdem auch Polizeiwachzimmer gestürmt worden waren, bekam die Polizei von ihrem Präsidenten Johann Schober den Befehl, die Demonstration mit Waffengewalt aufzulösen, und schoss dabei auf viele an Ausschreitungen völlig Unbeteiligte, auch auf Menschen, die gerade auf der Flucht vor den Unruhen waren. Die Bilanz: 89 Tote (davon 84 Demonstranten), 1.057 Verwundete. Der Publizist Karl Kraus nahm die verhängnisvolle Überreaktion zum Anlass, den Polizeipräsidenten durch Plakate öffentlich anzusprechen: „Ich fordere Sie auf abzutreten.“

In den Wochen danach kam es zu 1.000 Neubeitritten zu den austrofaschistisch ausgerichteten Heimwehren unter ihrem Führer