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Xenophon

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Dieser Artikel befasst sich mit Xenophon aus Athen, andere Namensträger siehe unter Xenophon (Begriffsklärung).
Xenophon (links) im Disput mit Sokrates
Detail aus der Schule von Athen von Raffael.

Xenophon (griech. Ξενοφῶν) (* um 426 v. Chr.; † nach 355 v. Chr.) war ein aus Athen stammender Schriftsteller, Geschichtsschreiber, Philosoph, Heerführer und Gutsherr.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Geboren um 426 v. Chr. in Athen, muss Xenophon in einer wohlhabenden Familie herangewachsen sein. Merkmale sind eine im wesentlichen sportlich-militärische Erziehung, seine Vorliebe für Sparta und die Ablehnung der nachperikleischen athenischen Demokratie. Er gehörte zu den Schülern des Sokrates. In den letzten Jahren des Peloponnesischen Krieges und unter den Dreißig Tyrannen scheint er in der attischen Reiterei Dienst getan zu haben.

Dann traf er, nicht ohne Sokrates um Rat zu fragen (Anabasis III,1,4ff.), eine folgenschwere Entscheidung: er schloss sich dem griechischen Söldnerheer des gegen Artaxerxes II. rebellierenden Prinzen Kyros an. Beim Rückzug der nach Kyros’ Tod in der Schlacht von Kunaxa (401 v. Chr.) ihrer Führer beraubten Zehntausend bewährte sich Xenophon als einer ihrer beiden neuen Anführer. Nachdem Xenophon abgelehnt hatte, Anführer der zurückgeführten Söldner zu bleiben, und der offene Krieg mit Persien ausgebrochen war, traten die Söldner unter das Kommando Spartas und wurden seit 396 v. Chr. von König Agesilaos II. geführt.

Die Rückkehr nach Athen war Xenophon jetzt verschlossen; er blieb bei Agesilaos, mit dem ihn bald Bewunderung und Freundschaft (vgl. sein Werk Agesilaos) verband, und folgte ihm auch, als der Krieg ins Mutterland übergriff: bei Koroneia (394 v. Chr.) kämpfte er auf spartanischer Seite gegen Athen.

Um ihn für die Verbannung aus der Heimat (399 v. Chr. oder 394 v. Chr.) zu entschädigen, boten ihm die Spartaner die Stellung eines Staatsgastfreundes und ein Landgut bei Skillous in der Nähe von Olympia (Anabasis V,3,7), wo er – inzwischen verheiratet – etwa 20 Jahre lang in Zurückgezogenheit seinen Neigungen für Familie, Landwirtschaft und Jagd nachgehen konnte. Damals dürfte er mit umfangreicherer Schriftstellerei begonnen haben.

Da nahm ihm der Umschwung der politischen Lage, die Niederlage Spartas bei Leuktra (371 v. Chr.), die zweite Heimat; als Flüchtling kam er nach Korinth. Als jedoch nach der Aussöhnung zwischen Sparta, Korinth und Athen das gegen ihn erlassene Verbannungsdekret aufgehoben wurde, kehrte er wahrscheinlich nach Athen zurück; seine Schriften, zum großen Teil erst nach 371 v. Chr. abgeschlossen, sind weithin für ein attisches Publikum bestimmt.

Seine Söhne, vorher in Sparta erzogen, kämpften nun in der athenischen Reiterei; einer, Gryllos, fiel bei Mantineia (362 v. Chr.). Die literarischen Ehrungen, die dem Gefallenen zuteil wurden, zeugen von dem Ruhm, den sich der Vater als Schriftsteller inzwischen erworben hatte. Xenophon schrieb sein letztes Werk, Über die Staatseinkünfte, noch nach 355 v. Chr.; sein Todesjahr ist unbekannt.

[Bearbeiten] Werke

Die chronologische Ordnung der Schriften kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, bei den umfangreicheren Werken Anabasis, Hellenika, Memorabilien ist Niederschrift in einzelnen Abschnitten denkbar.

Eine unter dem Namem Xenophons überlieferte politische Streitschrift über den Staat der Athener stammt nicht von ihm. Ihr Autor wird daher als Pseudo-Xenophon bezeichnet.

[Bearbeiten] Charakteristik

Bei aller Buntheit trägt das Werk Xenophons durchweg das Gepräge einer in ihren Grenzen fest geformten Persönlichkeit. Gerade durch sein wechselvolles, katastrophenumwittertes Leben hindurch bewahrt Xenophon das feste Vertrauen zu den Göttern und ihren Zeichen sowie die unbedingte Wertung der Moral, der „Tugend der Seele“, als des Wegs zum wahren Erfolg. Hierin konvergieren für ihn aristokratische, spartanische, sokratische Ideale: Selbstbeherrschung, Bedürfnislosigkeit, Abhärtung durch Sport und Bewährung im Krieg, vor allem aber die Pflege persönlicher Freundschaft, die auf gegenseitigen „Wohltaten“ und Dankbarkeit beruht. Wohltuend berührt die schlichte, aufgeschlossene Menschlichkeit; Xenophon lebt für Freundschaft und Familie, freilich fern jeder Sentimentalität; entscheidend ist der Blick aufs Mögliche und „Nützliche“. Man spürt bei Xenophon weder Abgründe noch genialen Schwung, sondern Ausgeglichenheit, Urteilskraft und ruhige Heiterkeit.

Diese Ausgeglichenheit hat andererseits dazu geführt, dass man Xenophon in der Forschung lange Zeit unterschätzte. In den modernen Philosophiegeschichten eines Bertrand Russell (History of Western Philosophy) oder J. Hirschberger (Geschichte der Philosophie) spielt er keine besondere Rolle. Einerseits wurde Xenophon schon immer als eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion des historischen Sokrates betrachtet, andererseits hat er jedoch in den philosophischen Diskursen der Neuzeit und Moderne keine herausragende Position inne, weil er sich zu philosophischen Problemfeldern wie der Logik, der Erkenntnistheorie oder der Ontologie kaum geäußert hat. Im Bereich der politischen Philosophie, in der er seine Stimme mit einer großen Summe an praktischen Erfahrungen erhoben hat, spricht aus ihm der Praktiker, der auf diesem Gebiet auch den anderen Sokratikern wie Platon einiges voraus hat.

Ein weiterer Aspekt ließ Xenophon in der Römischen Republik und Kaiserzeit zu einem Klassiker werden: die Glaubwürdigkeit und auch die Bescheidenheit, die in seinem Werk des öfteren spürbar wird und die ihn in späterer Zeit zu einem ernsthaften und vertrauenswürdigen Zeitzeugen werden ließ, der in seinem Werk so facettenreich Stellung zu verschiedensten geistesgeschichtlichen, kulturellen und sozialen Problemen des Zeitraums 400-350 v. Chr. genommen hat.

[Bearbeiten] Fortleben

Xenophons Erfolg, bedeutend schon zu Lebzeiten, festigte sich in hellenistischer Zeit im Bund mit stoischer Popularphilosophie und erreichte seinen Höhepunkt im Attizismus, der ihn zum Muster des schlichten attischen Stils erhob. Auch die Römer, besonders Cicero, haben Xenophon hoch geschätzt und viel gelesen. Von der Renaissance bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erfreute sich Xenophon neuer Gunst; erst das späte 19. Jahrhundert hat ihn als missglückten Historiker und flachen Moralisten, nicht zuletzt auch als Frömmler und Vaterlandsverräter in einen Abgrund der Verachtung gestoßen, aus dem ihn nur allmählich gerechtere Beurteilung befreien kann.

Xenophons Werke, insbesondere die sokratischen Schriften und die Anabasis, sind unter anderem wegen ihrer nüchtern-klaren Sprache eine beliebte Lektüre, vor allem für den Schulunterricht. Da Xenophon teilweise Augenzeuge der berichteten Ereignisse war, ist er eine wichtige Quelle für die griechische Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr. Auch für die Philosophiegeschichte ist er als kritische Ergänzung zur Darstellung des Sokrates in den Werken Platons von Bedeutung. Sein soziologisches Urteilsvermögen zu gruppendynamischen Prozessen ist bemerkenswert. Seine Werke Hipparchikos und Über die Reitkunst werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen; die dort zu findenden Hinweise haben auch heute noch unverändert Gültigkeit.

[Bearbeiten] Textausgaben

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Xenophon allgemein

[Bearbeiten] Einzelne Werke

[Bearbeiten] Weblinks

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