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Heinrich von Zütphen

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Heinrich von Zütphen, auch Heinrich Moller ( * um 1488 in Zutphen; † 10. Dezember 1524 in Heide (Holstein)) war Prior, Reformator und evangelischer Märtyrer.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Heinrich von Zütphen, Gemälde in der Ansgarii-Kirche (Bremen)

[Bearbeiten] Jugend, Ausbildung und Prior

Von seiner Herkunft und Jugend ist nichts überliefert. Er wird vermutlich jünger als Martin Luther gewesen sein. Er trat bemerkenswerterweise nicht den Brüdern vom gemeinsamen Leben oder den in seiner Vaterstadt wirkenden Franziskanern bei, sondern der sächsischen Kongregation der reformierten Augustiner-Eremiten. Als solcher wurde er 1508 in Wittenberg immatrikuliert. Johann Lange erinnerte sich, mit ihm dort drei oder vier Jahre verbracht zu haben. Danach ging er nach Köln, wo auch ein Augustinerkloster des reformierten Zweiges bestand. Hier wurde er 1514 Subprior. Bereits im folgenden Jahr findet er als Prior in Dordrecht Erwähnung.

[Bearbeiten] Reformationsjahre

In Dordrecht

Die Reformationsbewegung, die durch die 95 Thesen Luthers ausgelöst wurde, ging auch durch den Augustinerorden und schlug auch in Dordrecht Wellen, worüber Luther an Johann von Staupitz berichtete. Von Zütphen versuchte, die Reformation in Dordrecht mit aller Strenge durchzusetzen, stieß aber auf so starke Gegnerschaft, dass er sein Amt in Dordrecht niederlegen musste.

In Wittenberg

1520 kam er nach Wittenberg. Hier erlebte er die aufregenden Ereignisse des Bekanntwerdens der päpstlichen Bannandrohungsbulle und ihre Verbrennung durch Luther vor dem Elstertor. Am 12. Januar 1521 wurde er zum Baccalaurus biblicus promoviert. Dieses geschah unter Luthers Dekanat unter der Leitung des Prof. Lupinus aus Ratheim.

Von Zütphen entwickelte Thesen und Gedanken zur Rechtfertigungslehre in klaren Zügen. Er muss auch Luther näher gestanden haben, denn dieser ließ ihn von der Wartburg aus grüßen. Am 11. Oktober 1521 wurde er Baccalaureus und bald auch Lizenziat. Auch aus dieser Zeit sind Thesen erhalten, die Heinrich unter dem Vorsitz von Johann Dölsch verteidigte. Möglicherweise sind sie erst bei dieser Gelegenheit vorgebracht worden. Die eine Thesenreihe in 73 Sätzen richtet sich „contra missam privatam“, die andere enthält „Conclusiones“ über Priestertum und Opfer.

Bis 1522 hielt er sich in Wittenberg auf und nahm auch am Augustinerkapitel in Grimma teil, bei dem er über die Thesen vom 11. Oktober 1521 disputierte.

In Antwerpen

Als Zütphen Nachrichten von neuen Verfolgungen der Evangelischen in den Niederlanden erhielt, eilte er nach Antwerpen, um sich an der evangelischen Bewegung dort zu beteiligen. Er muss nicht nur im Kloster, sondern auch öffentlich aufgetreten sein und viel Zustimmung im Volk gefunden haben. Als er gefangen gesetzt wurde, erhob sich das Volk und befreite ihn. So entging er dem Feuertod, den im nächsten Jahr seine beiden Ordensbrüder Johannes van Esschen und Hendrik Vos in Brüssel erduldeten. Er verließ darauf Antwerpen.

In Bremen
Die St.-Ansgarii-Kirche im Bremen

Auf der Reise über Westfalen nach Wittenberg berührte er Bremen. Hier wurde er gebeten, eine Predigt zu halten und dann noch länger zu bleiben. Er bat Luther, ihm die Genehmigung dazu zu erwirken, die Luther in Vertretung von Wenzeslaus Linck erteilte. Von Zütphen blieb in Bremen und predigte täglich mit Genehmigung des Rates und Bürgermeisters Daniel von Büren dem Älteren in der St.-Ansgarii-Kirche. Dem Erzbischof gelang es nicht, ihn zu vertreiben. Als er vor das erzbischöfliche Gericht in Buxtehude geladen wurde, sandte er lediglich seine Thesen vom 11. Oktober 1521 hin. „Vom Evangelium werde ich nicht schweigen“, schrieb er dazu, „bis ich den Lauf dieses Lebens vollendet habe.“

Nicht ohne seinen Einfluss wird es geschehen sein, dass der Augustinerprior von Antwerpen, Jakob Probst, der inzwischen aus dem Orden ausgetreten war und in Wittenberg 1523 geheiratet hatte, an Unser-Lieben-Frauen in Bremen berufen wurde. Ihm folgte kurze Zeit später Johann Timann.

In Meldorf
Zütphen-Denkmal auf dem Heider Friedhof

Da von Zütphen nun in Bremen entbehrlich war, nahm er den Ruf des Kirchherrn Boye aus Meldorf an, der ihn vermutlich von Wittenberg her kannte, in Dithmarschen das Evangelium zu predigen. Nachdem auch er im Oktober 1524 das Ordenskleid abgelegt hatte, verließ er Ende November Bremen, ohne jedes Aufsehen zu erregen. Unter großem Andrang des Volkes predigte er in Meldorf, obwohl der dortige Dominikaner-Prior Tomborch seine Predigt unter allen Umständen verhindern wollte.

[Bearbeiten] Märtyrertod in Heide

Da Tomborch aber bei der Obrigkeit nichts ausrichtete, beschloss er mit anderen Mönchen, Heinrich von Zütphen nachts zu überfallen und zu verbrennen. Der Vorsatz wurde am 9. Dezember 1524 ausgeführt. Mit gedungenen Leuten, die trunken gemacht waren, wurde die Pfarre überfallen und geplündert, Boye schwer misshandelt und von Zütphen nach Heide fortgetrieben, nachdem man seine Hände an den Schwanz eines Pferdes gebunden hatte. Dort wurde er misshandelt, erschlagen und dann ins Feuer geworfen. Da der Leichnam nicht verbrannte, wurde am nächsten Tage Kopf, Hände und Füße abgeschnitten und verbrannt, der Rumpf aber unter Spottgesängen vergraben. Jacob Probst berichtete an Luther vom Ende seines Freundes und bat um einen Trostbrief für Bremen. Luthers Schrift „Historie von Bruder Heinrich von Zütphens Märtyrtode“ fand stärkste Verbreitung. Es erschienen von ihr mehrere Nachdrucke und eine plattdeutsche Übersetzung. Auch Lange verfasste über das Martyrium seines einstigen Klostergenossen einen Bericht, der zweimal gedruckt worden ist.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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