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Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (* 7. August 1870 in Den Haag; † 16. Januar 1950 in Schloss Blühnbach) war ein deutscher Diplomat und später, nach Heirat mit Bertha Krupp, Aufsichtsratsvorsitzender der Friedrich Krupp AG.
Inhaltsverzeichnis |
Gustav von Bohlen und Halbach wurde als fünftes von sieben Kindern des deutschen Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach in Den Haag geboren. Er besuchte das Großherzogliche Gymnasium in Karlsruhe und machte dort 1888 sein Abitur. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften und promovierte 1893 in Heidelberg zum Dr. jur. Nachdem er zunächst im badischen Staatsdienst tätig war, wurde er 1897 Assessor im Auswärtigen Amt in Berlin. Zwei Jahre später ging er als Legationssekretär an die Botschaft nach Washington D. C., später nach Peking. Ab 1904 war er als Legationsrat an der preußischen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl.
Durch Vermittlung Kaiser Wilhelms II. heiratete er 1906 Bertha Krupp, die Alleinerbin des Krupp-Unternehmens, mit der er acht Kinder hatte.
Durch königlich-preußischen Erlass wurde dem Paar und seinen Nachkommen gestattet, den Namen „Krupp von Bohlen und Halbach“ zu führen, soweit und solange persönliche Inhaberschaft für das Unternehmen vorlag. Der letzte direkte Erbe, Arndt von Bohlen und Halbach, hieß aus diesem Grunde nicht mehr „Krupp von Bohlen und Halbach“, weil er auf das Erbe und die Unternehmensleitung verzichtete.
Nachdem Gustav Krupp von Bohlen und Halbach in die Unternehmensführung eingetreten war, baute er ab 1908 die Sozialeinrichtungen der Krupp AG aus. Hierdurch erwarb er sich den Ruf eines Unternehmers mit sozialem Verantwortungsbewusstsein für die Belegschaft und wurde sehr populär. 1909 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, 1910 Mitglied des Preußischen Herrenhauses und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Nachdem der Beginn des Ersten Weltkrieges das Auslandsgeschäft zum Erliegen brachte, stellte Krupp von Bohlen und Halbach die Produktion des Unternehmens ganz auf Rüstung um. Dies führte dazu, dass das Unternehmen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 wegen des Verbots der Produktion von Rüstungsgütern (siehe Versailler Vertrag) in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet.
Im Zuge der Ruhrbesetzung durch Frankreich im Jahre 1923 wurden Krupp von Bohlen und Halbach und acht Direktoren der Krupp AG festgenommen, von einem französischen Militärgericht verurteilt und sieben Monate inhaftiert, bis die Reichsregierung unter Reichskanzler Gustav Stresemann die Politik des passiven Widerstands aufgab. Durch die Ruhrbesetzung erlitt die ohnehin geschwächte Produktion der Krupp AG weitere schwere Beeinträchtigungen. Da Krupp von Bohlen und Halbach zudem Rationalisierungsmaßnahmen nur zögerlich umgesetzt hatte, traf die Weltwirtschaftskrise 1929 das Unternehmen besonders hart.
1924 wurde Krupp von Bohlen und Halbach Präsident des Aufsichtsrats der Bank für Deutsche Industrieobligationen, der sogenannten „Dawes-Bank“ (vgl. IKB Deutsche Industriebank). 1931 bis 1934 war er Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.
Krupp war ein Teilnehmer des Geheimtreffens vom 20. Februar 1933 von Industriellen mit Hitler, bei dem eine Wahlkampfhilfe von 3 Millionen Reichsmark für die NSDAP zugesagt wurde. Ab 1933 erlebte die Krupp AG aufgrund der Rüstungspolitik der Nationalsozialisten einen deutlichen Aufschwung. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund näherte sich Krupp von Bohlen und Halbach – nachdem er dem Nationalsozialismus zunächst distanziert gegenüber gestanden hatte – diesem nach der „Machtergreifung“ rasch an. Bereits 1933 wurde er Kuratoriumsvorsitzender der Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft und 1937 Wehrwirtschaftsführer. 1940 verlieh ihm Hitler das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP. Zugleich setzten die Nationalsozialisten Krupp von Bohlen und Halbach und die Krupp AG zu propagandistischen Zwecken ein.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm das Unternehmen durch die erhebliche Nachfrage nach seinen Rüstungsprodukten einen weiteren rasanten Aufschwung. Neben den regulären Beschäftigten wurden bei der Krupp AG zwischen 1940 und 1945 ca. 100.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge eingesetzt.
Der Buchwert des Krupp-Konzerns stieg, ohne die Fabriken in den besetzten Gebieten, von 75.962.000 Reichsmark im Oktober 1933 auf 237.316.093 Reichsmark im Oktober 1943.[1] 1943 notierte Ulrich von Hassell in seinem Tagebuch:
Am 20. April 1942 schenkte Krupp Hitler den ersten produzierten Tiger-Panzer, den Hitler als „sein schönstes Geburtstagsgeschenk“ würdigte.[3]
Nach einer Reihe von Schlaganfällen übertrug Krupp von Bohlen und Halbach Ende 1943 die Leitung des Unternehmens seinem ältesten Sohn Alfried und zog sich auf das Gut der Familie im österreichischen Schloss Blühnbach zurück. In diesem Zusammenhang erließ Hitler, auf Betreiben Krupps, die sogenannte „Lex Krupp“, die Krupp rund 400 Millionen Reichsmark ersparte.
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach stand zunächst auf der Liste der Hauptangeklagten im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Wenige Tage vor Eröffnung des Prozesses wurde er aber krankheitsbedingt für prozessunfähig erklärt; deshalb verzichtete man darauf, das Verfahren gegen ihn zu eröffnen. Er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens bettlägerig im Schloss Blühnbach, gepflegt von seiner Frau.
Göring | Heß | Bormann (Verbleib damals unbekannt) | v. Ribbentrop | Ley (Suizid vor Prozessbeginn) | v. Papen | Keitel | Jodl | Raeder | Dönitz | Kaltenbrunner | Speer | Sauckel | Schacht | Funk | Krupp v. Bohlen und Halbach (Prozessunfähig) | Frank | Seyß-Inquart | Rosenberg | v. Neurath | Frick | Streicher | Fritzsche | v. Schirach
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Krupp von Bohlen und Halbach, Gustav |
| ALTERNATIVNAMEN | Krupp, Gustav; Bohlen und Halbach, Gustav von (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Diplomat und Aufsichtsratsvorsitzender der Friedrich Krupp AG |
| GEBURTSDATUM | 7. August 1870 |
| GEBURTSORT | Den Haag |
| STERBEDATUM | 16. Januar 1950 |
| STERBEORT | Blühnbach, Österreich |