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Der Begriff Gottgläubigkeit steht für ein religiöses Bekenntnis aus der Zeit des Nationalsozialismus, das durch Erlass des Reichsinnenministeriums vom 26. November 1936 auf den Melde- und Personalbögen der Einwohnermeldeämter sowie den Personalpapieren eingeführt wurde. Als gottgläubig galt, wer sich von den anerkannten Religionsgemeinschaften abgewandt hatte, jedoch nicht glaubenslos war.
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Nachdem es nach der „Machtergreifung“ zu zahlreichen Kircheneintritten in Deutschland gekommen war, wendete sich 1936 durch die Verhärtung der Fronten im Kirchenkampf das Blatt. Zwischen 1936 und 1940 traten vergleichbar viele Menschen in Deutschland und Österreich aus den Kirchen aus wie nach 1968 und nach 1989 (den danach folgenden großen Wellen des Kirchenaustritts in Deutschland).[1] Im geistigen Zentrum dieser Kirchenaustrittsbewegung standen unter anderem die kirchenkritischen Schriften des Parteiideologen Alfred Rosenberg;[2] sowie diejenigen von Erich und Mathilde Ludendorff.[3] Durch die Einführung der neuen offiziellen Bezeichnung „gottgläubig“ sollte denjenigen, die sich außerkirchlich zum Religiösen und zum Gottesglauben bekannten, die Möglichkeit gegeben werden, die zuvor übliche Bezeichnung „Dissidenten“ zu umgehen.[4] Der Begriff „Dissident“, verwendet für alle aus den Kirchen Ausgetretenen, war aus nationalsozialistischer Sicht diskreditiert, weil er eine kommunistische, atheistische Einstellung implizierte. Neben der Einstufung als gottgläubig war die Kategorie glaubenslos möglich. Nach einer Unterredung zwischen Adolf Hitler und Erich Ludendorff im März 1937 wurde auch die Eintragung „Bund für Deutsche Gotterkenntnis (Ludendorff)“ ermöglicht.[5]
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Vor allem da die kirchliche „Reaktion“ sich nach der Machtübernahme 1933 als „im Aufwind“ befindlich empfand, gründete der Tübinger Religionswissenschaftler Jakob Wilhelm Hauer zusammen mit Hans F. K. Günther, Ernst Graf zu Reventlow und anderen die Deutsche Glaubensbewegung, die innerhalb des neuen Reiches die Rechte der aus den Kirchen Ausgetretenen vertreten sollte und auf die Ausbildung eines neuen „nichtorientalischen Glauben“ hinwirken sollte. Jacob Wilhelm Hauer wurde aber schon im April 1936, noch vor Beginn der „großen“ Kirchenaustrittsbewegung, aus der von ihm gegründeten Bewegung aufgrund von SS-Machenschaften wieder hinausgedrängt. Der SS war der „weiche“ Hauer um diese Zeit nicht kirchenfeindlich genug. Daraufhin zerfiel die Organisation der Deutschen Glaubensbewegung in kleinere, bedeutungslosere Gruppierungen.
Einen weiteren Sammelpunkt für die Kirchenfreien bildete der Bund für Deutsche Gotterkenntnis, dem aber Goebbels 1939 durch Papierentzug die Halbmonatszeitschrift nahm.
Zahlreiche Nationalsozialisten, wenn auch nicht Hitler und Goebbels selbst, traten aus der Kirche aus und bezeichneten sich als gottgläubig. Beispielsweise gehörten drei Viertel der Abgeordneten des Großdeutschen Reichstages von 1943 keiner christlichen Kirche mehr an. Besonders die starken Verfolgungen von Nationalsozialisten im katholischen Österreich, die auch zu Hinrichtungen und langer Gefängnishaft führten, ließen nach dem Anschluss Österreichs die Menschen in großen Scharen die katholische Kirche verlassen. In der SS und auch in bestimmten Stadtteilen Berlins, in denen viele Ministerialbeamte wohnten, war die Nichtkirchlichkeits-Rate überdurchschnittlich hoch. Die NSDAP erwartete nach 1936, dass ihre Mitglieder sich zu Gott bekennen und nicht Agnostiker oder Atheisten wurden. Die Partei erfüllte zunehmend auch weltanschaulich-religiöse Funktionen und entwickelte rituelle Formen. So wurde der Festkalender der Partei mit quasi-religiösem Ritual ausgestaltet.
In den großen Hymnen und anderen Dichtungen der damaligen Zeit von Dichtern wie etwa Agnes Miegel, Josef Weinheber oder auch Lulu von Strauss und Torney, die auf „Feierstunden“ und „Weihefeiern“ vorgetragen wurden, sollte sich auch eine neue, modernisierte Form volksgebundener (nichtorientalischer) Religiosität ausdrücken.
Um 1940 wurde besonders innerhalb von Kreisen der SS und von Martin Bormann eine besonders kirchenfeindliche Politik mit der dabei immer parallel verfolgten Zielsetzung, kirchenfreier Gottgläubigkeit wo es nur ging, zum Durchbruch zu verhelfen, verfolgt.
Die katholische Kirche, die die Auflösung und Verfolgung der „Gottlosenverbände“ begrüßt hatte – so explizit in einer Denkschrift der deutschen Bischöfe vom 20. August 1935 –, war misstrauisch, dass die „alten Freidenker und Gottlosen in diesen neuen heidnischen und halbheidnischen Bewegungen neu auftauchen“. Die katholische Kirche kritisierte auch den gerade in diesen Gruppen – einschließlich der NSDAP – üblich gewordenen Sprachgebrauch, sich als gottgläubig zu bezeichnen. So wird in der Enzyklika Mit brennender Sorge von Papst Pius XI. aus dem Jahr 1937 der Sprachgebrauch im nationalsozialistischen Deutschland kritisiert.
Bekannt sind Adolf Eichmanns letzte Worte vor der Hinrichtung: „Gottgläubig war ich im Leben, und gottgläubig sterbe ich“. [6]