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Gommern

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Gommern in Sachsen-Anhalt, für den gleichnamigen Ortsteil der sächsischen Stadt Heidenau, siehe Gommern (Heidenau).

Gommern ist eine über 1050 Jahre alte Kleinstadt im Südwesten des Landkreises Jerichower Land.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Gommern liegt an der Ehle, einem Nebenfluss der Elbe. Südöstlich erstreckt sich ein ausgedehntes Waldgebiet mit einem größeren Naherholungsgebiet an der Straße nach Schönebeck. Die Landeshauptstadt Magdeburg ist 16 Kilometer, die Kreisstadt Burg 31 Kilometer entfernt.

Gommern vom Aussichtsturm am Kulk aus gesehen
Gommern vom Aussichtsturm am Kulk aus gesehen


[Bearbeiten] Geschichte

In der Stiftungsurkunde für das Bistum Brandenburg aus dem Jahre 948 wird Gommern mit seiner damaligen Ortsbezeichnung Guntmiri erstmals offiziell erwähnt. Es hatte zu dieser Zeit die Stellung eines Burgwards und wurde als solches 965 durch Otto I. dem Moritzkloster in Magdeburg geschenkt. Im 12. Jahrhundert kam Gommern unter die Herrschaft von Albrecht dem Bären und so zum Herzogtum Sachsen. Damit bildete es eine Enklave im magdeburgisch-brandenburgischen Einflussbereich. Von 1283 bis 1308 musste Gommern an das Erzbistum Magdeburg und von 1418 bis 1539 an die Stadt Magdeburg verpfändet werden. Aus dem Burgward entwickelte sich im 12.  Jahrhundert eine dörfliche Siedlung entlang einer Straße zu Füßen der Burg. 1192 wird bereits eine „Stadt“kirche erwähnt. 1275 begannen die Askanier mit dem Bau einer befestigten Burg.

Mit der Bildung der sächsischen Kreise im 16. Jahrhundert kam Gommern als Amtsbezirk, zu dem 16 weitere Orte im Umkreis gehörten, zum Kreis Belzig. Zu dieser Zeit hatte es der Ort schon zu einem gewissen Wohlstand durch die Ausbeutung der im Süden gelegenen Steinbrüche gebracht. 1578 brach Kurfürst August von Sachsen die Reste der inzwischen verfallenen Burg ab und errichtete aus dem Baumaterial des ebenfalls abgebrochenen Klosters Plötzky ein Renaissanceschloss. 1607 kamen fast 20 Prozent der Einwohner durch die Pest ums Leben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gommern zu großen Teilen hauptsächlich durch die kaiserlichen Truppen unter Pappenheim zerstört, jedoch begann schon 1635 der Wiederaufbau. Für die zur Wiederbelebung des Ortes durch den sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. angeworbenen Handwerker wurde mit der Georgsstadt eine neue Siedlung errichtet. Im Jahre 1666 erhielt Gommern das Marktrecht, erlangte dadurch den Status eines Marktfleckens, und am Ende des 17. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl wieder auf 600 angewachsen. 1713 wurde das Stadtrecht verliehen und 1742 erhielt Gommern vom Kurfürsten ein Apotheken-Privileg.

Rathaus von Gommern
Rathaus von Gommern

Als nach dem Sieg Napoleons I. über Preußen dessen westelbischen Gebiete in das Königreich Westfalen unter dem Bruder Napoleons Jerome umgewandelt wurde, überließ das mit den Franzosen verbündete Sachsen am 9. April 1808 das Amt Gommern an Jerome. Aus dem Amt wurde ein Kanton und die Stadt Kantonshauptstadt. Es war das einzige Gebiet in französischer Hand östlich der Elbe. Mit der Eroberung Gommerns durch preußische Truppen am 30. April 1813 endete das französische Intermezzo und auch die Zugehörigkeit zu Sachsen, mit der preußischen Kreisreform 1818 wurde das ehemalige Amt Gommern dem Kreis Jerichow I mit der Kreisstadt Burg zugeordnet.

Mit dem Ausbau der Chaussee Magdeburg – Dessau und der Eröffnung der parallelen Eisenbahnlinie 1874 geriet Gommern in eine verkehrsgünstige Lage. Schon zum Ende des 18. Jahrhunderts hatte es eine bescheidene industrielle Infrastruktur mit Webereien, Brauereien und einer Tabakfabrik gegeben. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts siedelten sich auch in Gommern mit einer Kartonagenfabrik, einer Zuckerfabrik, einer Schuhfabrikation und mehreren Mühlenwerken neue Betriebe an. Daneben wurde Gommern auch ein wichtiges Handelszentrum für Holz und Getreide. Die schon seit längeren Zeiten betriebenen Steinbrüche südlich der Stadt wurden in noch größerem Maße ausgebeutet. Dazu wurde 1890 eine Kleinbahnstrecke nach Pretzien eingerichtet. Mit 800 Beschäftigten wurden die Steinbrüche zum größten Arbeitgeber der Region. Allerdings blieben soziale Konflikte nicht aus, es kam in den Jahren zwischen 1890 und 1911 mehrfach zu Streiks der Steinbrucharbeiter. Bei den Reichstagswahlen von 1903 stimmten 25 Prozent der Gommeraner Wahlberechtigten für den sozialdemokratischen Kandidaten. 1899 wurde in dem nahegelegenen Waldgebiet die Heilstätte Vogelsang errichtet, in der zunächst tuberkulosekranke Frauen behandelt wurden. Sie wurde während der Bombenangriffe auf Magdeburg im Jahre 1944 größtenteils zerstört. In der Zeit der Gründerjahre wandelt sich das Stadtbild durch den Neubau repräsentativer Bürgerhäuser erheblich.

In der Zeit des Nationalsozialismus engagierten sich mutige Menschen gegen das Naziregime, wie der kommunistische Lehrer Martin Schwantes, der nach Zuchthaus und KZ-Haft im Magdeburger Bezirk in Verbindung mit der Widerstandsgruppe um Anton Saefkow den Widerstand organisierte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Zuckerfabrik als sowjetisches Reparationsgut demontiert. 1952 wurde die Stadt im Zuge der DDR-Gebietsreform in den neu geschaffenen Kreis Burg eingegliedert. Nachdem in der Altmark Erdöl und Erdgas entdeckt wurden, konnte auch Gommern davon profitieren, denn 1962 richtete man hier ein Werk für Erdöl- und Erdgaserkundung ein, in dem bis zu 2.100 Menschen Beschäftigung fanden. Es entstanden über 700 neue Wohnungen. Gleichzeitig wurden die Steinbrüche stillgelegt und in ein Naherholungsgebiet umgewandelt.

Die deutsche Wiedervereinigung brachte tiefe Einschnitte in die industrielle Struktur Gommerns. Das Erdöl-Erdgas-Werk musste seinen Betrieb einstellen und auf seinem weiten Industriegelände entstand ein Gewerbegebiet mit mehreren Kleinbetrieben. Infolge der erneuten Gebietsreform kam Gommern in den Landkreis Jerichower Land. Durch die Eingemeindung zahlreicher benachbarter Dörfer (siehe Abschnitt „Kommunalpolitik“) erhöhte sich die Einwohnerzahl um fast 78 Prozent.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung


[Bearbeiten] Politik

Der am 9. Oktober 2005 gewählte Stadtrat setzt sich aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister zusammen (SPD 33,7 %, FDP 24,0 %, CDU 23,5 %, FWGL 9,4 % und Die Linke 9,3 %)

Am 1. Januar 2005 wurden folgende Orte in die Stadt eingemeindet

Am 1. Januar 2008 wurde Prödel eingemeindet.

[Bearbeiten] Wappen

Blasonierung: „In Blau ein goldener Schräglinksbalken, begleitet von zwei sechsstrahligen goldenen Sternen.“

Der Querbalken steht dabei für den Fluss Ehle, welcher die gommeraner Altstadt von der Neustadt (symbolisiert von den zwei Sternen) trennt.

[Bearbeiten] Flagge

Die Stadt Gommern hat folgende Flagge: Blau/Gelb/Blau gestreift mit dem aufgelegten Wappen der Stadt auf dem breiteren gelben Mittelstreifen.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

[Bearbeiten] Verkehrsanbindung

In Gommern kreuzen sich die B184 MagdeburgZerbst/AnhaltDessau-RoßlauBitterfeld-WolfenLeipzig und die B246a WanzlebenSchönebeck (Elbe)MöckernBurg (bei Magdeburg). Die B184 wird über eine Ortsumgehung an Gommern vorbeigeleitet.

Gommern wird von Regionalbahnen auf der Strecke Magdeburg – Zerbst – Dessau und Regional-Express-Zügen der Linie Magdeburg – Zerbst – Dessau – Bitterfeld – Leipzig, wobei einzelne Züge nach Wittenberg verkehren, bedient. Beide Linien ergänzen sich zum Stunden-Takt.

Neben den Bahnhof "Gommern" befindet sich im Ortsteil Wahlitz eine weitere Station, an der derzeit fast alle in Gommern haltenden Züge halten. Alle anderen Ortsteile sowie Burg und Möckern sind über Busse erreichbar.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Neben der ab 1692 entstandenen evangelischen Sankt-Trinitatis-Kirche, prägt vor allem die bis auf das Mittelalter zurück gegende Wasserburg Gommern das Bild der Stadt.

Am Elternhaus in der nach ihm benannten Straße erinnert eine Gedenktafel an den antifaschistischen Lehrer Martin Schwantes, der 1945 in Brandenburg-Görden ermordet wurde.

Auf dem Ortsfriedhof befindet sich eine Sowjetische Ehren-Grabanlage für 41 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt wurden, sowie für deutsche Antifaschisten.

Auf dem ehemaligen Jüdischen Friedhof an der Wiesenstraße wurde 1960 ein Gedenkstein zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der Shoa errichtet.

Bemerkenswert ist auch der Gesteinsgarten Gommern, die Wanderdüne Fuchsberg und der am Fusse der Düne gelegen See Kulk

Trinitatiskirche
Trinitatiskirche
Kulk und Fuchsberg
Kulk und Fuchsberg

[Bearbeiten] Bedeutende Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Literatur zur Geschichte

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Gommern – Bilder, Videos und Audiodateien


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