Die Geschichte Polens beginnt mit der slawischen Besiedelung nach der Völkerwanderung, der die Christianisierung im Jahre 966 folgte. Die frühmittelalterliche Blütezeit unter dem Herrscherhaus der Piasten endete 1138 mit der Zersplitterung in einzelne Herzogtümer und dem Mongolensturm von 1241, der weite Landstriche Südpolens verwüstete.
Nach der Einigung eines Teils polnischer Herzogtümer zum Königreich Polen zu Beginn des 14. Jahrhunderts, bestand seit dem Spätmittelalter bis in die Neuzeit eine enge Verbundenheit mit Litauen. Ab 1385 brachte die Union mit dem Großfürstentum Litauen unter den von dort stammenden Jagiellonen den Aufstieg zu einer europäischen Großmacht. Ab 1569 wurde die Union Polens mit Litauen in einem gemeinsamen Staat gefestigt, der Adelsrepublik, die eine Wahlmonarchie war. Im 16. und 17. Jahrhundert entstand dort eine hohe parlamentarische Kultur mit umfangreichen Adelsrechten, was zu einer starken Identifikation des Adelstandes mit dem Land führte. Zahlreiche Kriege mit auswärtigen Mächten, Bürgerkriege, Aufstände der ukrainischen Kosaken, der Unwille zur Reform bei den Verantwortungsträgern, führten zur beträchtlichen Schwächung des Staates, der Einmischung vom Außen ins politische System und schließlich zum Zusammenbruch des Staates und dessen Fall in die Bedeutungslosigkeit nach den Teilungen im späten 18. Jahrhundert. Polen-Litauen verschwand von den Landkarten Europas als souveräner Staat, der besonders nach dem Wiener Kongress 1815 größtenteils vom Russischen Zarenreich absorbiert wurde. Die staatliche „Wiedergeburt“ als Zweite Republik nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918, war in der Zeit der staatlichen Reorganisation von zahlreichen militärischen Konflikten mit den Nachbarn begleitet und endete 1939 mit der Vereinnahmung durch das Großdeutsche Reich und die Sowjetunion nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, der dann ab 1945 bis zur Dritten Republik fast 45 Jahre sowjetischer Bevormundung folgten.
Die Schwerpunkte folgender Abhandlung sind die politische Geschichte Polens, sowie eine kurze Darstellung von Fakten und Daten. Zur Vertiefung der einzelnen Themenbereichen wird auf die jeweiligen Artikel verwiesen.
Die erste Besiedlung des heutigen Polen ist bereits im Paläolithikum nachgewiesen. Die ersten Ackerbauer gehörten seit etwa 5500 v. Chr. der Bandkeramischen Kultur an, in der Jungsteinzeit entstand in der Polnischen Tiefebene die Trichterbecherkultur.
In der frühen Bronzezeit entwickelten sich die Kugelamphoren-Kultur und die Kultur der Schnurkeramiker. In den 1920ern wurden Überreste einer befestigten Siedlung Biskupin aus der Zeit der Lausitzer Kultur ausgegraben, die, sorgfältig rekonstruiert, heute einen Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher darstellt.
Ab etwa 750 v. Chr. wanderten in den Nordwesten des heutigen Polen germanische Stämme ein, die sich innerhalb von 500 Jahren bis zum Riesengebirge südwärts ausbreiteten. Als Ostgrenze des germanischen Siedlungsgebietes um das Jahr 75 bezeichnete der römische Historiker Publius Cornelius Tacitus die Weichsel. Er lokalisierte die Rugier und Gepiden an der Ostsee, Burgunden und Goten im Zentrum des Landes und Vandalen und Bastarnen im Süden, sowie östlich der Weichsel schon die nichtgermanischen Venedae. Ende des 2. Jahrhunderts begann die Abwanderung der ostgermanischen Stämme Richtung Süden und Osten.
Die germanische Besiedlung endete im Verlauf des 4. und 5. Jahrhunderts während des großen Hunnensturms. Im 6. Jahrhundert, unter dem Ansturm der von Osteuropa kommenden Awaren, begannen sich slawische Stämme in den fast menschenleeren Gebieten anzusiedeln. Die aus ihrer Heimat zwischen Karpaten und Don verdrängten Slawen bewegten sich nach Westen und Süden. Um 600 überschritten sie die Elbe-Saale-Linie. In den mittelalterlichen Quellen sind Namen verschiedener westslawischer Stämme überliefert, wie der Abodriten, Wilzen, Liutizen, Sorben, sowie des Stammes der Polanen, der dem heutigen Staat Polen seinen Namen gab.
Die ersten Versuche einer Staatsgründung unter den Westslawen fanden südlich des heutigen Polen auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei statt. Um 626 wurde im Kampf gegen das Awaren- und Frankenreich das Reich des Samo gegründet. Der erste historisch belegte Herrscher der Westslawen hieß Derwan, der 632 eine Allianz mit Samo einging. Nach dem Zusammenbruch des Samo-Reiches um 660 fehlen jegliche schriftlichen Überlieferungen über Westslawen. Erst in Zeit Karls des Großen erwähnen die Quellen diese Völker wieder. Nachdem der Frankenherrscher in den Sachsenkriegen im Bündnis mit östlich benachbarten Slawen die Sachsen seiner Herrschaft unterwarf, wurde auch ein Unterstamm der Elbslawen, die Drewjanen, die ab dem 7. Jahrhundert im heutigen Wendland, das heißt „Slawenland“, siedelten, dem Frankenreich 811 einverleibt. Der Stammesname überdauerte in der Bezeichnung Drawehn bis in die heutige Zeit.
Zum Schutz des Frankenreiches vor den heidnischen Slawen wurden entsprechend der karolingischen Praxis Grenzmarken errichtet. Es entstand der Limes Sorabicus, die sorbische Grenzmark. Nach der Unterwerfung der Awarenkonföderation durch fränkische Heere um 800, entstand an der Ostflanke des Fränkischen Reiches die Pannonische Mark, in der slawische Stammesbünde siedelten. Die größte Bedeutung unter ihnen kam dem Mährischen- und dem Nitraer Fürstentum zu, aus denen sich um 830 das spätere Reich der Großmährer herausbildete. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts erreichte dieses christliche Reich unter Großfürst Sventopluk seine größte territoriale Ausdehnung und weitete seine Einflusssphäre auf die Gebiete der benachbarten Stämme aus. Diese Nachbarschaft begünstigte eine Vereinigung lechischer Stämme unter der Führung der Polanen.
Im 9. Jahrhundert berichtete ein namentlich nicht näher bekannter „bayerischer Geograph“ über Stammesstrukturen auf dem Gebiet des heutigen Polen. Der Slawenapostel Methodius schrieb über einen mächtigen Staat der Wislanen mit der Hauptstadt Krakau, der bereits nach slawisch-griechischem Ritus christianisiert gewesen sei. Eine Konsolidierung des polanischen Staates unter dem Herrscherhaus der Piasten konnten auch die ungarischen Raubzüge, besonders nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955, nicht mehr bedrohen.
→ Hauptartikel: Mieszko I., Piasten und Christianisierung Polens
Mit der Machtübernahme durch Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten 960 trat Polen als gefestigter, organisierter Staat auf dem europäischen Kontinent offen in Erscheinung. Das Land, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, wurde als Herzogtum im späten 9. Jahrhundert in der Region um die Städte Posen und Gnesen gegründet. Die Karte an der rechten Seite repräsentiert die ungefähre Größe des polnischen Staates um das Jahr 960, zu Beginn der Herrschaft Mieszkos.
Im Jahr 963 wurde Mieszko das erste Mal schriftlich erwähnt. Dieses Datum wird oft als Beginn der polnischen Geschichtsschreibung gesehen. Anlass waren die Einfälle der sächsischen Markgrafen Gero aus der Ostmark und Wichmanns des Jüngeren aus der Mark der Billunger, eines abgefallenen sächsischen Vasalls des deutschen Königs Otto I.. Im Zuge dieser Kämpfe wurde Mieszko von beiden Markgrafen besiegt und für einen Teil seines Herrschaftsgebiets in der Region um Lebus dem Heiligen Römischen Reich gegenüber tributpflichtig gemacht. Im Jahre 965 verbündete sich Herzog Mieszko mit den christlichen Böhmen, ließ sich 966 nach römisch-katholischem Ritus taufen und heiratete im Anschluss die böhmische Herzogstochter Dobrawa aus dem Geschlecht der Przemysliden. Damit musste auch das polnische Volk dem Beispiel seines Knjas folgen. Die Annahme des Christentums war eine machtpolitische Entscheidung, bedingt durch die Einfälle der deutschen Markgrafen unter dem Vorwand der Heidenbekämpfung und -mission einerseits, sowie der kulturellen und dynastischen Stärkung (Gründung von Kirchen und Klostern, Supremat über konkurrierende Adelsgeschlechter) und der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft europäischer Fürsten andererseits. Für die polnische Kirchenprovinz wurde 968 ein dem Papst unterstehendes Missionsbistum in Posen gegründet mit Bischof Jordanes an der Spitze.
Die offizielle Annahme des christlichen Glaubens durch den polnischen Fürsten verminderte dennoch kaum die Einfälle der deutschen Markgrafen. Bereits ein Jahr nach der „Taufe Polens“, 967, begann Graf Wichmann einen Privatkrieg gegen Mieszko. Das böhmisch-polnische Bündnis trug nun die ersten Früchte, als der polnische Fürst mit Hilfe przemyslidischer Reitertruppen Wichmann, der sich zum militärischen Führer des slawischen Wolinerbundes erhob, vernichtend in die Flucht schlug. Das Schwert des Markgrafen wurde vom amicus imperatoris – Freund des Kaisers –, so hieß Mieszko seit seiner Taufe, Kaiser Otto ausgeliefert. Mieszkos Vorstoß nach Pommern stand nun nichts mehr im Weg. Auf der Grundlage eines im Innern gefestigten Staatswesens unterwarf Mieszko in den Jahren 967–979 ganz Hinterpommern mit Stettin und Pommerellen mit Danzig. Der Zugang zur Ostsee bedeutete unmittelbaren Kontakt mit Skandinavien. Mieszkos Tochter Świętosława aus der Ehe mit Dobrawa heiratete König Sven von Dänemark und wurde die Mutter der dänischen Könige Harald und Knut.
An der Grenze zur sächsischen Ostmark, die nach 965 aus machtpolitischen Kalkül in fünf einzelne Markgrafschaften geteilt wurde, kam es 972 erneut zu Spannungen. Markgraf Hodo I. aus einer der fünf neuen Verwaltungseinheiten des ottonischen Reiches kommend, der Mark Lausitz, forderte Mieszko heraus und drang mit seinen Truppen auf polnisches Gebiet. In der Nähe von Zehden an der unteren Oder wurde das Heer des Markgrafen eingekreist und in die Flucht geschlagen, dabei fand der einzige namentlich bekannte Bruder Mieszkos, Czcibor, den Tod. Durch den Sieg über Hodo und den folgenden Großen Slawenaufstand, 983 wurden der deutsch-sächsischen Ostexpansion Grenzen gesetzt, die für fast zwei Jahrhunderte zum Erliegen kam. Kaiser Otto – besorgt über die Zustände an seiner Ostgrenze – rief die Kontrahenten während des Quedlinburger Hoftages von 973 zur Ruhe und Ordnung auf. Mieszko schloss mit Graf Hodo Frieden und leistete dem Kaiser den Treueid. Inwieweit Polen damit in ein Lehnsverhältnis zum Heiligen Römischen Reich eintrat, ist historisch umstritten, denn der Kaiser verstarb bereits wenige Wochen nach dem Urteilsspruch.
Nach dem Tod von Mieszkos erster christlichen Frau Dobrawa und seiner Heirat 978 mit der Sächsin Oda von Haldensleben erfolgte ein Bruch zwischen Polen und Böhmen. Es kam zur Entfremdung zwischen beiden Staaten, was schließlich 986–990 im Krieg mündete. In diesem Konflikt wurden Schlesien, Kleinpolen und wahrscheinlich auch Mähren dem polnischen Reich einverleibt, während die Tscherwenischen Burgen an den ruthenischen Großfürsten Wladimir von Kiew 981 verloren gingen, damit verloren die Piasten die Kontrolle über eine bedeutende Handelspassage mit Osteuropa, deren Erwerb quellenmäßig nicht fassbar ist.
Mieszko huldigte 986 dem minderjährigen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Otto III., in Quedlinburg und führte in seinem Namen als „Markgraf des Reiches“ einen Heidenfeldzug gegen die Elbslawen an. Im Gegenzug unterstütze ihn Kaiserin Theophanu, die als Regentin für ihren Sohn die Macht im Reich übernahm, militärisch im Kampf gegen Böhmen.
Im Jahr 991, kurz vor seinem Tod, stellte der erste historisch belegte Herrscher Polens sein gesamtes Land unter den Schutz des Papstes, der im Mittelalter ein politischer Gegenspieler des Kaisers war. Polen wurde päpstliches Lehen. Er verstarb im Jahr 992 und wurde im Posener Dom begraben. Sein Nachfolger wurde sein ältester Sohn aus der Ehe mit Dobrawa, Bolesław, genannt Chrobry, das heißt der Tapfere.
→ Hauptartikel: Bolesław I., Königreich Polen, Otto III., Akt von Gnesen und Renovatio Imperii Romanorum
Mieszko I. teilte sein Reich nach altslawischer Tradition unter seinen Söhnen Bolesław aus der Ehe mit Dobrawa sowie Świętopełk, Lambert und Mieszko aus der Ehe mit Oda auf. Bolesław entmachtete mit Unterstützung einflussreicher Magnaten seine Stiefmutter und vertrieb sie samt ihrer Söhne aus Polen, wo sie bei Verwandten in Sachsen Aufnahme und Schutz fanden. Die Reichseinheit war somit wiederhergestellt. Bolesław setzte die Bündnispolitik seines Vaters fort, indem er 995 den für volljährig erklärten Kaiser Otto III. bei der Verteidigung des christlichen Glaubens unterstützte. Er beteiligte sich gemäß der Quedlinburger Absprache von 991 an dessen Kampf gegen die heidnischen Elbslawen. Dieser Kampf verlief allerdings weitgehend erfolglos. Der östliche Teil der Nordmark mit dem Zentrum Lebus hingegen blieb bis ins 12. Jahrhundert unter polnischem Einfluss.
Im Rahmen der Christianisierung der baltischen Stämme an der Ostsee kam Bischof Adalbert von Prag nach Polen, von wo er mit polnischer Unterstützung 997 in das Pruzzenland gelangte und dort seinen Märtyrertod fand. Bolesław löste den Leichnam Adalberts aus und setzte diesen in der Kathedrale zu Gnesen bei. Die sterblichen Überreste wurden im Anschluss an den böhmisch-polnischen Krieg von 1038 nach Prag überführt. Adalbert wurde aufgrund seiner Missionsarbeit und Märtyrertums 999 von der Kurie heilig gesprochen. Daraufhin erteilten der deutsche Monarch und Papst Silvester II. die Zustimmung zur Errichtung einer unabhängigen polnischen Kirchenprovinz.
Im Jahre 1000 pilgerte der römisch-deutsche Kaiser Otto III., mit dem Bolesław ein freundschaftliches Verhältnis unterhielt, zum Grab des Märtyrers Adalbert in Gnesen. In einem Staatsakt verkündete er sein Reichskonzept von der Renovatio Imperii Romanorum, welches Polen neben Gallia und Germania als gleichrangige Stütze des Imperiums vorsah. Für die slawischen Provinzen wurde das Erzbistum Gnesen mit Adalberts Bruder Gaudentius als erstem Erzbischof errichtet, dem die gegründeten Bistümer Kolberg, Krakau und Breslau unterstanden. Die Errichtung einer unabhängigen Kirchenprovinz spielte in der Folge bei der Emanzipation Polens vom Heiligen Römischen Reich eine wichtige Rolle. Während dieses Besuches erkannte Otto III. offiziell die Souveränität des piastisch-polnischen Herrschers an. Die seit 963 bestehende Tributpflicht entfiel. Der Kaiser versuchte durch die Einbindung der mittlerweile christianisierten Völker des Ostens, ein neues christliches Weltreich unter der Führung des Kaisers als weltliches Oberhaupt der Christenheit zu verfestigen. Bei diesen Überlegungen kam Polen eine Schlüsselposition innerhalb der „Sclavinia“ zu. Otto begünstigte die Konsolidierung und Machtausweitung der Piasten gegenüber den tschechischen Przemysliden, deren Interessen nicht mit denen des Heiligen Römischen Reiches in Einklang standen und die sich zudem mit den Slavnikiden im Krieg befanden, einem böhmischen Adelsgeschlecht, dessen bedeutendster Vertreter, der Heilige Adalbert von Prag war. Bolesław soll von Otto in Gnesen zum König erhoben worden sein. Dies ist aufgrund mangelnder Beweise historisch umstritten; es gibt aber deutliche Indizien, die die Königsthese stützen. Als gesichert gilt, dass die Krönungszeremonie de jure nicht vollzogen wurde, da die Erlaubnis des Papstes fehlte. Aufgrund des frühen Todes Ottos III. und des vehementen politischen Widerstands des neuen deutschen Königs und späteren römisch-deutschen Kaisers Heinrichs II. fand die offizielle Krönung als Wiederholungsakt erst 1025 statt.
Der frühe Tod Ottos III. im Jahre 1002 und die darauf folgende Thronbesteigung Heinrichs II., der in Bolesław bloß einen seiner vielen slawischen Vasallen sah, veränderte die Beziehungen Polens zum Heiligen Römischen Reich grundlegend. Bolesław trat in Opposition zum Reich, wobei er, durch Otto beeinflusst, anscheinend eigene Idee eines christlichen „Universalreiches“ entwickelte und nunmehr persönliche Ziele der Expansion verfolgte und jedwede Huldigung gegenüber dem neuen König verweigerte. Dies führte zu einem mehrjährigen Krieg Polens mit dem Reich, an dessen Ende sich Polen dank seiner bereits gefestigten Staatlichkeit behaupten konnte und im Frieden von Bautzen einen Ausgleichsfrieden mit dem Kaiser schloss. Dies verdankte Bolesław seiner dynastischen Politik, den sächsischen Verbündeten im Reich sowie seinem Schwager König Sven von Dänemark, der dem Kaiser vom Norden drohte.
Die im Jahr 1000 in Gnesen getroffene Absprache zwischen Polen und dem Reich wurde widerwillig von Heinrich bestätigt. Bolesław forderte als Bündnispartner des „Westreichs“ vom römisch-deutschen Kaiser militärische Unterstützung für seinen lange geplanten Zug nach Kiew gegen Jaroslaw, die er letztlich auch bekam. Er konnte dem Kaiser zwar die gesamte Mark Meißen nicht abringen, behielt im Gegenzug aber seine Erwerbungen im Westen, das Milzener Land und die Mark Lausitz, die dann bis 1031 bei Polen verblieben. Insgesamt führte der Krieg mit dem Reich zu einem Substanzverlust im Inneren. Bolesław griff dennoch in die Streitigkeiten der slawischen Stämme in der Nordmark ein und legte in Berlin-Köpenick eine Burg auf der heutigen Schlossinsel an. Für die nächsten 120 Jahre, bis Mitte des 12. Jahrhunderts, war Köpenick der Sitz eines piastischen Vasalls.
Nach dem Friedensschluss mit dem Kaiser wandte er sich nach Kiew, der reichen Hauptstadt der Kiewer Rus, um seinen Schwiegersohn, Großfürst Swjatopolk, gegen dessen Bruder Jaroslaw zu unterstützen. Nach erfolgreicher Wiedereinsetzung des vertriebenen Fürsten erwarb er 1018 die Tscherwenischen Burgen für Polen zurück. Nach dem Frieden von Bautzen und seinem Zug nach Kiew war Bolesław bis zum Erstarken Jaroslaws des Weisen der Kiewer Rus und des Reiches unter Kaiser Konrad II. der einflussreichste Herrscher in Mittel- und Osteuropa. Im Jahr 1024 verstarb Kaiser Heinrich. Das daraus resultierende deutsche Interregnum nutzte Bolesław Chrobry, indem er sich 1025 ein zweites Mal (Wiederholungsakt der Krönungszeremonie aus dem Jahr 1000) zum König krönen ließ. Trotz des Prestigegewinns konnte sich das Königtum zunächst nicht dauerhaft etablieren.
Bolesław förderte den christlichen Glauben in Polen, wissend, dass der Papst im 11. Jahrhundert einer der bedeutendsten machtpolitischen Konkurrenten des deutschen Kaisers war. Durch die erfolgreiche Gründung einer unabhängigen polnischen Kirchenprovinz und des Erzbistums Gnesen sowie durch seine Krönung zum ersten polnischen König trieb er die polnische Emanzipation vom Heiligen Römischen Reich voran. Er war auch der Begründer der polnischen Kastellanverfassungsordnung. Unter seiner Regentschaft wurde das politisch relativ unbedeutende Herzogtum seines Vaters zu einem Machtfaktor in der Region mit Einflusssphären von der Elbe bis zum Dnepr und von der Ostsee bis an die Donau. In Polen gilt Bolesław bis heute als eine wichtige historische Persönlichkeit und liegt neben seinem Vater Mieszko I. in der Kathedrale von Posen begraben.
→ Hauptartikel: Mieszko II.
Nach dem Tod Bolesławs übernahm sein Sohn Mieszko Lambert die Herrschaft. Dieser beherrschte neben seiner Muttersprache Polnisch auch Latein und Griechisch und galt als sehr gebildet. Er erhob sich und seine deutsche Frau Richeza sofort nach dem Tod des Vaters in den Stand der Könige, um seine Souveränität vor der Lehnsherrschaft der römisch-deutschen Kaiser zu sichern. Dennoch gelang es ihm nicht, die von seinem Vater eroberten Gebiete zu halten. Nach nur fünf Jahren der Herrschaft begann sein Reich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren zu zerfallen. Die dem Volk auferlegten Kosten, welche durch Kriege, den Aufbau der Monarchie und die wachsenden kirchlichen Strukturen entstanden, führten zu innerer Instabilität. Die ins Ausland geflüchteten Brüder Mieszkos, Otto und Bezprym, desavouierten Mieszkos Herrschaft ebenfalls.
Der neue Herrscher unternahm in den Jahren 1028 und 1030 Kriegszüge gegen östliche Teile des Heiligen Römischen Reiches, vor allem gegen Thüringen und Sachsen (Einnahme und Zerstörung von Hamburg), weil der neue Kaiser im Reich, Konrad II., ihm die Anerkennung als König verweigerte. Mieszko hatte im Reich der Salier und in der Kiewer Rus mächtige Feinde. Mehrere gleichzeitig vorgetragene militärische Aktionen Konrads und des ruthenischen Großfürsten Jaroslaw, der bereits zu den Feinden seines Vaters gehörte, führten zum Verlust der Mark Lausitz und der Tscherwenischen Burgen. Diese Allianz stärkte die innere Opposition, da sich die Verwandtschaft Mieszkos jetzt mit den Gegnern des Herrschers verbündete. Schließlich wurde Mieszko 1031 gestürzt und war gezwungen das Land seinem Halbbruder Bezprym und dem jüngeren Bruder Otto zu überlassen, selbst floh er nach Böhmen.
Bezpryms Herrschaft dauerte nicht lange. Es kam zum Aufstand gegen den neuen Herrscher, der schließlich 1032 ermordet wurde. Sein Tod eröffnete für Mieszko die Möglichkeit einer Rückkehr in die Heimat. Er verständigte sich mit Otto und kam von Böhmen nach Polen zurück. Nachdem Kaiser Konrad mit einer weiteren militärischen Intervention in Polen drohte, kam es im Rahmen des Hoftags von Merseburg 1033 zu einer Einigung. Mieszko verzichtete auf die Königswürde und teilte sein Reich zunächst mit seinem Bruder Otto und Dietrich, einem Enkel Mieszkos I.. Noch im selben Jahr verstarb Herzog Otto, und Dietrich verlor aus nicht bekannten Gründen seinen ihm zugewiesenen polnischen Machtbereich, so dass Mieszko die Reichseinheit noch kurz vor seinem Tod, am 10. Mai 1034, errang.
Die machtvolle Stellung, die Polen unter König Bolesław hatte, ging vorerst verloren. Sein Sohn hinterließ nach seinem Ableben ein geschwächtes Reich, das mangels starker königlicher Autorität in Form von Volksaufständen und heidnischer Reaktion zu erodieren begann. Durch den Verzicht auf königliche Ehren stand Polen ab 1033 erneut für Jahrzehnte in Abhängigkeit zum römisch-deutschen Kaisertum.
→ Hauptartikel: Kasimir I., Bolesław II. und Władysław I.
Mieszkos Sohn Kasimir aus der Heimat seiner deutschen Mutter kommend, übernahm nach dessen Tod die Herrschaft. Er hielt sich jedoch nicht lange an der Macht und musste auf Druck der Opposition 1037 von Polen nach Ungarn flüchten. Nach anderen Quellen kam er erst 1039 das erste Mal nach Polen. In den Jahren 1037 bis 1039 fand ein Auflösungsprozess des polnischen Staates statt. In der Region Großpolen kam es zu Aufständen gegen die Kirche und das Magnatentum. Diese hatten von sozio-politischen Veränderungen wie der Einführung eines dem Zehnten ähnlichen Systems profitiert, während man die bis dato freien Bauern in ein Abhängigkeitsverhältnis zwang; ein Rückfall ins Heidentum folgte. Einzelne Regionen verselbständigten sich, unter anderem Masowien und Pommern.
Den Niedergang der piastischen Zentralgewalt machte sich der böhmische Herzog zunutze, indem er einen Kriegszug nach Polen unternahm und die Gebeine des Heiligen Adalbert erbeutete. Großpolen wurde verwüstet und Schlesien erobert. Hinzu kamen noch Plünderungszüge der heidnischen Pruzzen und Pomoranen. Der neue Kaiser im Reich, Heinrich III., versuchte ein politisches Erstarken Böhmens unter Břetislav I. zu verhindern und erteilte dem Piasten Kasimir 1039 militärische Hilfe. Mit dieser gelangte der Herzog wieder in den Besitz Großpolens und 1040 Kleinpolens. Krakau wurde neue Hauptstadt Polens, da Großpolen nach vielen Aufständen und dem böhmisch-polnischen Krieg zu verwüstet war. Der Kaiser zwang den böhmischen Herrscher 1041 zum Verzicht auf Ansprüche gegenüber Polen, gab jedoch Schlesien nicht an Polen zurück. Um die Grenze im Osten abzusichern, schloss Kasimir im selben Jahr ein Bündnis mit Jaroslaw von Kiew und heiratete wenig später dessen Schwester, Fürstin Dobroniega Maria. Jaroslaw gewährte ihm daraufhin 1047 militärische Hilfe bei der Rückeroberung Masowiens und Pommerellens. Gegen den Willen des Kaisers erwarb er um 1046 Schlesien von Böhmen zurück (Restauration des Bischofssitzes in Breslau). Erst nachdem Břetislav I. um 1053 die „bayrische Rebellion“ gegen den Kaiser unterstützte und bei ihm dadurch in Ungnade fiel, musste er auf Drängen des deutschen Herrschers 1054 in Quedlinburg gegen jährliche Tributzahlungen aus Polen endgültig verzichten, was zum Anlass für weitere böhmisch-polnische Auseinandersetzungen wurde. Die beiden gleichstarken slawischen Staaten wurden so für Jahrzehnte politisch-militärisch geschwächt.
Kasimir gilt als derjenige polnische Herrscher, der mit Hilfe seines Onkels, des Erzbischofs zu Köln, Hermann II., den christlichen Staat der Piasten nach der letzten heidnischen Reaktion wiederaufbaute und zudem durch seine Landvergabe an Krieger zu deren Versorgung das Rittertum in Polen begründete. Unter seinen zahlreichen Benediktinergründungen in Polen befindet sich das Kloster auf dem Berge Tyniec bei Krakau, in das er Mönche aus Köln berief. Diese Verbindung blieb bis zum heutigen Tage erhalten. Das Domkapitel in Krakau trägt noch heute die drei Kronen Kölns im Wappen.
Nach dem Tod Kasimirs 1058 folgte ihm sein Sohn Bolesław der Kühne nach. Dieser betrieb eine sehr erfolgreiche Außenpolitik. So entledigte er sich der Tributpflicht für Schlesien an Böhmen. Auch gelang es ihm 1076 mit Erlaubnis des Papstes Gregor VII., die Königswürde wiederherzustellen. Er setzte vor allem im Bereich der kirchlichen Strukturen die Wiederaufbauarbeit seines Vaters fort. Einen Schatten auf seine Herrschaft wirft die Verurteilung und Tötung des Bischofs Stanislaus von Krakau unter unklaren Umständen, welche einen Aufstand gegen Bolesław auslösten, der schließlich zu seiner Flucht nach Ungarn führte, wo er 1082 verstarb.
Bolesław II. folgte sein jüngerer Bruder Władysław Herman. Bereits wenige Jahre nach seiner Thronbesteigung versöhnte er sich mit dem Sohn seines vertriebenen Bruders, gestattete ihm zurückzukehren und stattete ihn mit einer eigenen Provinz aus. Für einige Jahre zahlte er wieder Tribut an Böhmen für den Besitz Schlesiens. Zum Ende seiner Herrschaft geriet er in Konflikt mit seinen Söhnen, Bolesław III. und Zbigniew. Er musste ihnen auf Druck der Adelsopposition – sein Neffe war inzwischen verstorben – 1098 eigene Provinzen zuteilen, behielt aber noch die Oberherrschaft mit Hauptsitz in Płock. Während seiner Herrschaft kamen 1096 die ersten Juden in großer Zahl nach Polen, die dort Schutz gegen die Pogrome, die während des Ersten Kreuzzugs in vielen Städten Westeuropas ausbrachen, suchten. Er starb schließlich 1102.
→ Hauptartikel: Bolesław III.
Bolesław unterwarf 1108 seinen Halbbruder Zbigniew und wehrte 1109 einen Angriff Kaiser Heinrichs V., der damit nicht einverstanden war, erfolgreich ab.
Unter seiner Herrschaft dehnte Polen seinen Machtbereich durch die endgültige Unterwerfung der heidnischen Pomoranen und damit der letzten freien heidnischen Slawengebiete, die er von Otto von Bamberg christianisieren ließ, auf Pommern aus. In Ottos Geleit kamen unter anderem die ersten deutschen Siedler als Mönche nach Pommern. Auch erstreckte sich Bolesławs Einflussbereich bis ins heutige Brandenburg hinein – Gründung des Bistums Lebus –, wodurch Brandenburg bis ins 15. Jahrhundert kirchlich mit dem Erzbistum Gnesen verbunden war. Gegen Ende seiner Regierungszeit verwickelte er Polen in Konflikte mit Ungarn und Böhmen, die wenig erfolgsversprechend waren, auch betrieb er eine erfolgreiche dynastische Politik, indem er seine Töchter in die skandinavischen, sächsischen und ruthenischen Herrscherhäuser verheiratete.
Da er viele männliche Nachkommen hatte und er Kämpfe unter seinen Söhnen vermeiden wollte, teilte er sein Reich nach slawischem Brauch unter seinen Söhnen auf, indem nur der Älteste des Piastengeschlechts im Rahmen des Senioratsprinzips das Land beherrschen sollte.
→ Hauptartikel: Władysław II., Mieszko III., Leszek I. und Deutsche Ostsiedlung
Im Jahre 1138 trat die neue Landesordnung in Kraft und der Älteste des Piastengeschlechts, Władysław II., wurde Seniorherzog von Polen mit Sitz in Krakau, die jüngeren Brüder herrschten als Juniorherzöge in den ihnen zugeteilten Regionen. Bereits 1146 kam es zum Bruch und Bolesławs ältester Sohn, Władysław, wurde mit Hilfe des Adels von seinen Brüdern aus Polen vertrieben. Die erhoffte Stärkung der Einheit blieb aus. Vielmehr entbrannten dauerhafte Kämpfe um die Kontrolle Krakaus und das Supremat über das gesamte Land in den nächsten 150 Jahren. Das Königreich zerbrach in mehrere piastische Herzogtümer, die sich dauerhaft um Macht, Territorien und Einfluss gegenseitig befehdeten. Es war die Zeit des Partikularismus, wodurch die politisch-militärische Stellung und Autorität Polens im Europa des 13. Jahrhunderts beträchtlich geschwächt wurde. Die Idee der polnischen Einheit des Regnum Poloniae lebte weiter in der einheitlichen Kirchenorganisation und der Tradition der großen Adelsgeschlechter, sowie in der dynastischen Verbundenheit (Verwandtschaft) aller Herrscher.
Bei der Vertreibung Mieszkos III. durch lokale Magnatengeschlechter setzten sich 1177 die jüngeren Vertreter der Dynastie in Krakau durch. Zwar blieb eine gewisse Oberhoheit des Herzogs von Krakau – Princeps – erhalten, aber das Seniorat, als Herrschaft des Ältesten, wurde abgeschafft. Die Versammlung der polnischen Herzöge und Bischöfe zu Łęczyca hob 1180 das Senioratsprinzip formell auf und verbriefte Vorrechte der Geistlichkeit. Die Einheit Polens wurde nicht erreicht; die Herzogtümer der Piasten bestanden weiterhin als de facto souveräne Regionen nebeneinander. Die Senioratsprovinz Kleinpolen mit Krakau fiel 1194 an Leszek I. und durch den Tod seines Onkels Mieszko III., 1202, brach die „Tradition des Senioratsprinzips“ endgültig in Polen zusammen. Seit jener Zeit galt die Herrschaft über Krakau für die jeweiligen Piastenherzöge als Legitimation für Maßnahmen zur Vereinigung des Landes. In seiner Titulatur dux totius Poloniae erhob Leszek I. als letzter Herzog Ansprüche auf die Oberhoheit in ganz Polen, und versuchte diese ab 1217 auch in Pommerellen durchzusetzen. Die polnischen Fürsten trafen sich 1227 in Gąsawa, Kujawien, zu einem Wiec, um sich gegen Herzog Swantopolk von Pommerellen und ihren Vetter, den Piasten Władysław Odon, Herzog von Großpolen und Enkel Mieszkos III., zu beraten. Die Versammlung flog auf, während Leszek auf der Flucht vor pommerellischen und großpolnischen Häschern den Tod fand. Sein Ableben bewirkte letztlich das völlige Verschwinden einer Zentralgewalt in Polen (es gab, bis auf die kirchlichen Strukturen des Erzbistums Gnesen, weder ein überregionales polnisches Landesrecht noch überregionale Landesinstitutionen) und es setzte eine verstärkte feudale Zersplitterung und ein Separatismus polnischer Länder ein, die den deutschen und böhmischen Fürsten ab Mitte des 13. Jahrhunderts ihre Expansion in Polen erleichterte.
In diese Zeit fiel eine verstärkte Kolonisation polnischer Gebiete durch Auswanderer aus dem Heiligen Römischen Reich. Bereits bis 1250 waren große Teile Pommerns und Schlesiens mit Deutschen und Flamen besiedelt, die durch die einheimischen Herren, wie die Greifen in Pommern und die Schlesischen Piasten ins Land geholt wurden. Die pommerschen Adligen, ebenso die schlesischen Fürsten versprachen sich durch die neuen Siedler in erster Linie eine höhere wirtschaftliche Prosperität, folglich ein besseres Steueraufkommen, vor allem aber einen schnelleren Anschluss an die (land)wirtschaftlich-städtischen Standards Westeuropas. Aufgrund der Anzahl der Neusiedler und durch den persönlichen Einsatz und Förderung der Ostsiedlung durch die polnischen Landesfürsten, wurden weite Teile des mittelalterlichen Polens im Laufe der Jahrhunderte ein Teil des deutschen Sprachraums und verloren dauerhaft ihren slawisch-polnischen Charakter. Auch öffneten sich einige Regenten, wie zum Beispiel die Schlesischen Piasten, freiwillig dem Deutschtum durch Besetzung hoher Ämter im Staat und in kirchlichen Strukturen mit Deutschen (Umgang mit deutschem Klerus – Träger der Kultur und Sprache), Heirat auch mit Prinzessinnen aus deutschen Adelshäusern, damit Verwandtschaft zum deutschen Hochadel – was die Ostkolonisation und das Deutschtum in Schlesien und über die Grenzen Schlesiens hinaus – deutsches Patriziat in großen Städten z.B. in Posen, Danzig oder Krakau – zusätzlich begünstigte, waren sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nicht nur polnische Seniorherzöge, sondern auch die mächtigsten Landesfürsten des sich im Partikularismus befindenden Polen überhaupt. Die Entslawisierung und die entsprechende Germanisierung vollzog sich, zumindest auf die Gebiete Pommerns und Schlesiens beschränkt, friedlich und war keine brutale deutsche Landnahme polnischer Gebiete – jedoch sind Konflikte infolge mangelnder Berücksichtigung von Interessen der lokalen Urbevölkerung durch den „Prozess der Ostsiedlung“ zwischen den autochthonen Polen und den mehrheitlich nicht des Slawischen mächtigen Zuwanderern nicht auszuschließen. Erst Ende des 13. Jahrhunderts, besonders seit Beginn des 14. Jahrhunderts, begann eine gegenläufige Bewegung, die kulturell-wirtschaftliche Dominanz und den Einfluss des Deutschtums in den Kernprovinzen Polens (Klein- und Großpolen) zurückzudrängen und führte zur Repolinisierung weiter Landstriche und zur Polonisierung des deutschen Bürgertums in den Städten, zum Beispiel in Krakau.
→ Hauptartikel: Schlesische Piasten, Schlesien und Herzogtum Schlesien
Der in das Reich geflohene Władysław der Vertriebene gewann die Gunst des Kaisers, welcher für ihn in Polen 1157 militärisch intervenierte. Friedrich Barbarossa zwang den polnischen Seniorherzog Bolesław IV. zur Herausgabe Schlesiens an die Söhne des geschassten Souveräns und machte ihn für einen Teil seines Reiches lehnspflichtig. Jedoch zögerte Bolesław einige Jahre, der staufischen Forderung nachzukommen und erst im Jahre 1163, unter der Drohung einer neuen kaiserlichen Intervention, händigte er Schlesien an die Söhne Władysławs, Bolesław den Langen und Mieszko Kreuzbein aus. Mit der Aushändigung dieser Provinz an die Nachkommen Władysławs entstand die langlebige Linie der Schlesischen Piasten, die erst Anfang des 18. Jahrhunderts im Mannesstamm ausstarb.
Die einsetzende Einigung Polens durch die schlesische Linie der Piasten nahm mit dem Tod Heinrichs des Frommen ein jähes Ende. Der Herzog verlor im Kampf gegen die mongolischen Horden in der Schlacht bei Liegnitz sein Leben, und Schlesien zerfiel nach 1241 in eine Vielzahl feudalistischer Fürstentümer, die nach dem Mongolensturm in den Einflussbereich Böhmens gelangten. Die Mongoleninvasion verlieh der Deutschen Ostkolonisation in Polen und in anderen von ihr betroffenen Regionen Mitteleuropas, zum Beispiel in Ungarn, wo ein beträchtlicher Teil der ungarischen Bevölkerung den Tod fand oder in die mongolische Knechtschaft nach Zentralasien getrieben wurde, zusätzlich an Bedeutung (siehe auch Siebenbürger Sachsen). Die Mongolen, die man auch Tataren nannte, zogen sich in die von ihnen eroberten ruthenischen Fürstentümer zurück und wurden für über 250 Jahre die neuen Herren des zerfallenden Reiches der Kiewer Rus und seines „Rechtsnachfolgers“, des Fürstentums Wladimir-Susdal, aus dem sich Jahrhunderte später das moderne Russland der Gegenwart entwickelte. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts blieben sie dennoch eine ständige Bedrohung und unternahmen weitere Raubzüge Richtung Westen, die das politisch zersplitterte Polen wirtschaftlich und militärisch schwächten, sodass die Landesfürsten der Nachbarvölker, wie der Litauer, vor allem aber der Böhmen und der Deutschen (Brandenburg, Deutscher Orden), begannen, ihre eigenen Territorien auf Kosten Polens zu erweitern.
→ Hauptartikel: Greifen, Pommern und Herzogtum Pommern
Das Land, das sich mit Zentrum Stettin über die beiden Seiten der Oder ausbreitet, wurde Anfang des 6. Jahrhunderts von den slawischen Pomoranen besiedelt. Seit dem 10. Jahrhundert gerieten die Pomoranen in den Einflussbereich ihrer christlichen Nachbarn. Aus dem Westen drohten ihnen die deutsch-ostfränkischen Feudalherren. Es waren die sächsischen Markgrafen aus der Mark der Billunger, später aus der Nordmark, aus der sich wiederum die Mark Brandenburg konstituierte, beide Teil des Heiligen Römischen Reiches. Aus dem Südosten kamen die Fürsten der Polanen, die Piasten, die die Pomoranen politisch enger an ihre Exekutive binden konnten.
Die Pomoranen leisteten vehement Widerstand gegen Unterwerfungs- und Christianisierungsbestrebungen ihrer Nachbarn. Nach mehreren erfolgreichen Volksaufständen, in denen sie sich ihre Freiheit kurzzeitig erkämpft hatten, wurden sie schließlich von Bolesław Schiefmund in drei Feldzügen (zwischen 1116 und 1121) endgültig unterworfen. Dieser ließ die Pomoranen durch den Deutschen Otto von Bamberg christianisieren. Der polnische Souverän setzte den Pommernfürsten Wartislaw I. als seinen Vasallen in Stettin ein. Wartislaw gilt als Stammvater der Greifen-Dynastie, die sich bis 1637 in männlicher Linie in Pommern behaupten konnte. Durch die Erfolge des polnischen Fürsten in Mecklenburg und Vorpommern beunruhigt und um seinen Einfluss bei den Elbslawen fürchtend, zwang Kaiser Lothar III. Bolesław, seine kaiserliche Lehnsherrschaft 1135 über Pommern anzuerkennen und vergab ihm dieses mit der Insel Rügen zu Lehen.
Während der Wendenkreuzzüge unterwarf Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, die Fürsten von Stettin und zwang sie ab 1164 in ein Abhängigkeitsverhältnis. Er übergab sich schließlich 1181 nach einem verlorenen Reichskrieg seinem Vetter Kaiser Friedrich Barbarossa; damit verlor er seine Macht im Reich und alle seine slawischen Lehnsherrschaften und ging einige Jahre ins Exil nach England, der Heimat seiner Ehefrau. Der pommersche Herzog Bogislaw I., jahrelang vom Dänen Waldemar I. bedrängt, und da er vom polnischen Seniorherzog keine Hilfe erwarten konnte, da jener mit seinen Brüdern selbst im Krieg lag (Treffen mit Seniorherzog Mieszko von Polen 1177 in Gnesen), stellte er sich 1181 unter den Schutz des Kaisers. Pommern wurde kaiserliches Lehen, die pommerschen Herzöge in den Rang deutscher Reichsfürsten erhoben.
Um das pommersche Herzogtum nicht ganz den sächsischen und polnischen Feudalherren zu überlassen, versuchten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auch die Dänen, unter ihrem König Knuth VI., Pommern unter ihre Lehnsherrschaft zu bringen, was ihnen erst 1185 erfolgreich gelang. Pommern war von 1185 bis zur Schlacht bei Bornhöved des Jahres 1227 unter dänischer Vorherrschaft.
→ Hauptartikel: Samboriden und Pommerellen
Der Osten Pommerns, deutsch Pommerellen genannt, stand seit 1138 nominell unter dem Einfluss des polnischen Senior-Herzogs. Am Ende des 12. Jahrhunderts entstand die slawische Samboriden-Dynastie, die bis 1294 über Pommerellen herrschte. Durch den Tod von Herzog Leszek I., Seniorherzog von Polen, wurden die pommerellischen Herzöge 1227 de facto von Krakau, dem Hauptsitz der Senioratsprovinz, unabhängig. Der letzte souveräne Herrscher Pommerellens, Herzog Mestwin II., schloss 1282 mit dem Herzog von Großpolen, den späteren König von Polen, Przemyslaw, einen Vertrag in Kempen, auf dessen Grundlage dieser nach Mestwins Tod, 1294, sein Erbe in Pommerellen antrat. Schließlich wurde das Land 1308 vom Deutschen Orden erobert und war damit für Polen bis 1466 verloren. Um der Okkupation den Anschein der Legalität zu verleihen, kaufte der Orden 1309 den brandenburgischen Askaniern ihre Ansprüche an Pommerellen ab, die jedoch umstritten waren. Die Annexion vergiftete für fast zwei Jahrhunderte das deutsch-polnische Verhältnis in dieser Region und führte zu juristischen, aber auch kriegerischen Auseinandersetzungen Polens mit den Deutschordensrittern.
→ Hauptartikel: Lebuser Land und Neumark
Die Expansion der Mark Brandenburg nach Osten auf polnisch-piastische Gebiete führte 1250 zum Verlust von Lebus und zur Entstehung der Neumark als Gegenstück zur Altmark. Polen wurde um 1250 für Jahrhunderte von der heutigen Odergrenze abgedrängt, trotz Rückeroberungsversuchen unter König Władysław I. Ellenlang Anfang des 14. Jahrhunderts.
→ Hauptartikel: Konrad I., Deutscher Orden und Deutschordensland
Der polnische Herzog Konrad von Masowien begann seinen Machtbereich auf eigene Hand zu erweitern. Das pruzzische Gebiet um Kulm war sein Kriegsziel. Die Expansion auf Kosten seiner heidnischen Nachbarn wurde jedoch zu einem Fiasko. Er verlor seine Eroberungen wieder und wurde nun seinerseits vom erwachten Nachbarn bedroht. Da er zudem in Konflikte mit den anderen Piastenherrschaften verwickelt war, richtete er den Blick auf den Deutschen Orden, der 1225 aus Ungarn vertrieben wurde, weil dieser in Siebenbürgen im Kampf gegen heidnische Steppenvölker, die Kumanen, einen eigenen Staat gründen wollte. Im Jahre 1226 bat Konrad von Masowien den Deutschen Orden um Hilfe und versprach ihm das Kulmer Land als herzögliches Lehen, als Gegenleistung und Ausgangsbasis für ihren Kampf gegen die Heiden. Ob und inwieweit die zu erobernden Gebiete gemäß der Vereinbarung dem Orden zustanden, ist bis heute unklar und hat in der Vergangenheit zu Streitigkeiten zwischen deutschen und polnischen Historikern geführt. Um sich gegen eine ähnliche Entwicklung wie in Ungarn abzusichern, ließ sich der Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, vom Kaiser Friedrich II. im März 1226 den Besitz des Kulmer Landes und aller zu erobernden Gebiete mit der Goldenen Bulle von Rimini bestätigen. Zusätzlich schloss der Orden mit dem Herzog am 16. Juni 1230 den Vertrag von Kruschwitz, der ihm das Land zur freien Verfügung stellte. Zwischen dem Deutschen Ritterorden im Pruzzenland und Polen, später auch Litauen, entwickelte sich eine jahrhundertelange Feindschaft.
→ Hauptartikel: Przemysław II., Wenzel II., Wenzel III., Přemysliden und Königreich Böhmen
Erneuerte Wiedervereinigungsversuche wurden aus Posen und Gnesen unternommen. Herzog Przemyslaw II. von Großpolen übernahm Ende des 13. Jahrhunderts den Führungsanspruch bei der Vereinigung piastisch-polnischer Herzogtümer. Er gelangte zwar nie in den dauerhaften Besitz des Herzogtums Kleinpolen, regierte dort nur etwa ein Jahr und musste es auf Druck des böhmischen Königs 1291 Richtung Posen verlassen, jedoch im Besitz der Krakauer Königsinsignien und der polnischen Herzogtümer Großpolen und seit 1294 auch von Pommerellen, wurde er 1295 vom polnischen Erzbischof Jakub Swinka in Gnesen zum vierten polnischen König seit Bolesław dem Kühnen gekrönt. Mit diesem symbolischen Akt beendete er den polnischen Partikularismus und fokussierte mit seiner Krönung die Kräfte des polnischen Adels und der Kirche zur Wiedererlangung der staatlichen Einheit im Kampf des bedrängten Polen gegen die deutschen und böhmischen Landesfürsten.
Von dieser neuen Machtpräsenz bedroht, wurde er jedoch bereits 1296 im Auftrag der Markgrafen von Brandenburg (Otto V. der Lange und Johann IV.) und ihrer polnischen Helfershelfer ermordet (brandenburgische Erwerbungen ehemaliger piastisch-polnischer Gebiete: Lebuser Land (die spätere Neumark), Streitobjekt Pommerellen). Mit ihm starb die großpolnische Linie der Piasten, die durch Mieszko den Alten begründet worden war, aus. Im Rahmen des Bündnisvertrages von 1293, gegen Wenzel II., vermachte Przemyslaw Großpolen und Pommerellen seinem Vetter, Władysław Ellenlang, Herzog von Kujawien, der diese beiden Provinzen bis 1300 gegen Böhmen behaupten konnte. Nach dem Tod des Königs eigneten sich die Brandenburger im Verbund mit den Herzögen von Glogau, Heinrich III., einige Warthe- und Netzedistrikte Großpolens an.
Nach Przemyslaws gewaltsamem Tod, gelangte der böhmische König Wenzel II. mit Hilfe der polnischen Kirche (Jakub Swinka) und des in Polen ansässigen deutschen Bürgertums in den Besitz des Landes. Er war bereits ab 1291 Herr von Kleinpolen und Krakau, neun Jahre später, 1300, folgte die Erhebung in den Stand eines polnischen Königs. Um seiner Herrschaft in Polen legalen Eindruck zu verleihen, heiratete Wenzel 1303 Przemyslaws Tochter, Elisabeth Richza. Nach seiner Krönung drängte der Böhme seinen politischen Gegenspieler Władysław ganz aus Polen, der gezwungen war Schutz und Hilfe im ungarischen Exil zu suchen.
Der böhmische Besitz Polens, wie auch der polnischen Krone, wurde jedoch durch Papst Bonifatius VIII. für illegal erklärt. Durch den Tod Wenzels III., eines polnischen Titularkönigs, im Jahr 1306 – er wurde ermordet –, erlosch das alte tschechische Geschlecht der Přemysliden im erbberechtigten Mannesstamm und die erste deutsche Dynastie, nämlich die der Luxemburger, kam in Böhmen an die Macht. Erst nach der Ermordung des böhmischen Herrschers war die Herrschaft der Piasten vorerst gesichert und Władysław Ellenlang wurde als Herrscher allgemein anerkannt. Unter seiner Ägide wurde Polen in einer etwas verkleinerten Form wiedervereinigt.
→ Hauptartikel: Władysław I. Ellenlang
Władysław kehrte mit ungarischer Hilfe aus dem Exil zurück und übernahm in den Jahren 1305–1306 die Herrschaft über weite Teile Polens (Kleinpolen, Mittelpolen mit den Hauptburgen Sieradz und Łęczyca, Kujawien und Dobrin). In Pommerellen und Danzig konnte er sich nicht gegen die Brandenburger durchsetzen und rief den Deutschen Ritterorden zu Hilfe. Weil der König die vereinbarten Kriegsschulden nicht bezahlte, behielten die Deutschritter Danzig, ein damals durchaus übliches Vorgehen (siehe Übernahme von Danzig durch den Deutschen Orden, sowie Reinhold Curickes Der Stadt Danzig historische Beschreibung, Amsterdam und Danzig 1687). Der Orden erwarb auch Pommerellen, und verlegte angesichts der gescheiterten Kreuzzüge und der Auflösung des Templerordens den Hochmeistersitz von Venedig in die Marienburg in das Weichseldelta. Damit begann ein Konflikt mit dem christlichen Staat Polen, der zwischen Pommern und Preußen einen Zugang zur Ostsee entlang der Weichsel anstrebte, den er nach der Rebellion der preußischen Städte mit dem Zweiten Thorner Frieden von 1466 erlangte. Damit entstand ein erster Polnischer Korridor.
Im Krakauer Aufstand des Vogtes Albert strebte die Stadt unter Führung deutscher Bürger, im Bündnis mit anderen Städten und Teilen der Kirche, mehr Rechte an. Władysław schlug diesen Aufstand nieder, die folgenden Repressionen haben die politischen Aspirationen der Städte, insbesondere von Krakau, dauerhaft gebrochen.[1] Während einer Rebellion des großpolnischen Adels 1314, gegen die Herrschaft der Herzöge von Glogau, wurde das Herzogtum Großpolen an das Reich Władysławs angeschlossen. Sechs Jahre später, im Jahr 1320, erfolgte seine Krönung zum König von Polen. Fünf Jahre danach, versuchte Władysław die unklare Situation in der Mark Brandenburg, die nach dem Aussterben der brandenburgischen Linie der Askanier 1320 entstand, im Bündnis mit Litauen, dessen Staatspitze noch „heidnisch“ war, auszunutzen und in den Jahren 1325 bis 1329 den Herrschaftsbereich der märkischen Grafen auf das Gebiet westlich der Oder zu begrenzen, was wenige Jahre später seine außenpolitische Situation, zum Beispiel beim Papst, infolge der Allianz schädigte und dem Deutschen Orden nur den Vorwand gab gegen ihn vorzugehen. Unterstützt wurde er dabei offen vom Lebuser Bischof Stephan, der sich auf die Seite des polnischen Königs schlug, zum Verdruss seines neuen Landesherrn, des Markgrafen Ludwig aus dem Haus der Wittelsbacher. Die kriegerische Auseinandersetzung brachte jedoch kaum Landgewinne für Polen und hinterließ in der Neumark ein Gebiet der verbrannten Erde. Es wurde mit den Brandenburgern Frieden 1329 geschlossen, da sich die Luxemburger mit den Ordensrittern gegen ihn verbündet hatten. Bereits im Winter 1327 zog König Johann von Luxemburg gegen Krakau, musste aber auf ungarischen Druck zurückweichen, dennoch huldigten ihm viele Herzöge von Schlesien. Nach dem Jahr 1331 erkannten (fast) alle Piasten-Fürsten Schlesiens die böhmische Lehnshoheit an, nur einige wenige widersetzten sich erfolgreich.