Die Berliner Gemäldegalerie am Kulturforum Berlin ist eine Spezialsammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), und beherbergt einen der bedeutendsten Bestände alter europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Sie ist in ihrer jetzigen Form das Ergebnis einer ambitionierten Sammlungspolitik,[1] voller Erfolge und auch schmerzlicher Einschnitte,[2] [3] [4] [5] die anhand ihres Bestandes auch das politische Geschehen der letzten zweihundert Jahre widerspiegelt.
Seit 1998 präsentiert sich die Berliner Gemäldegalerie in einem extra für sie errichteten Museumsbau am Kulturforum. Das Gebäude wurde von den Architekten Heinz Hilmer, Christoph Sattler und Thomas Albrecht unter Einbeziehung der Villa des Verlegers Paul Parey errichtet. Es hat einen annähernd rechteckigen Grundriss, dessen Nordfassade leicht nach außen gezogen wurde. Die Außenfassaden selbst bestehen aus dicht gefugten Terrakottaplatten, die über einem hohen Rustikasockel montiert wurden und so ein optisches Bild vermitteln, das sowohl an die italienische Renaissance als auch an den preußischen Klassizismus erinnert. Kern des Gebäudes ist eine von zwei Säulenreihen durchzogene Wandelhalle mit flachen Deckenwölbungen und 32 Klarglaskuppeln, in deren Zentrum sich die Brunneninstallation „5–7–9 Serie“ des amerikanischen Konzeptkünstlers Walter de Maria befindet. Die eigentlichen Ausstellungsräume, 18 Säle und 41 Kabinette legen sich hufeisenförmig in zwei Schichten um die Halle und werden im Normalfall nur durch Tageslicht (Oberlicht) erleuchtet. Sie umfassen eine Ausstellungsfläche von etwa 7.000 Quadratmetern und bieten auf einem ca. zwei Kilometer langen Rundgang, mit etwa 1.800 laufenden Metern Hängefläche, Platz für rund 900 Gemälde. Rund 400 weitere Bilder werden in einer zwölf Räume umfassenden Studiengalerie im Sockelgeschoss des Gebäudes gezeigt.[6] Mit der Eröffnung des Bode-Museums im Jahr 2006 werden auch dort, zur optischen Verdeutlichung von kunstwissenschaftlichen Zusammenhängen, weitere 150 Gemälde im Zusammenspiel mit der Skulpturensammlung ausgestellt.
Die Ausschreibung für den Neubau der Gemäldegalerie geht auf das Jahr 1986 zurück und sollte ursprünglich nur die in Berlin-Dahlem aufbewahrten Bilder aufnehmen. Nach der Vereinigung mit der Gemäldegalerie auf der Museumsinsel im Jahr 1991 war jedoch klar, das der geplante Neubau viel zu klein angelegt war, um den verdoppelten Bildbestand angemessen ausstellen zu können. Um jedoch die Zusammenlegung beider Sammlungen trotzdem so schnell wie möglich durchführen zu können, zeitraubende und teure Neuplanungen zu vermeiden sowie bereits bewilligte Baugelder nicht verfallen zu lassen, wurde die Galerie dennoch in der geplanten Form errichtet. Damit ein möglichst großer Querschnitt durch die Gesamtsammlung präsentiert werden kann, wurde beschlossen, die Restaurierungswerkstätten, die im Sockelgeschoss untergebracht werden sollten, auszulagern und in den frei gewordenen Räumen, nach dem Vorbild der National Gallery in London, eine Studiengalerie anzulegen, in der im Wechsel weitere wichtige Werke der Sammlung gezeigt werden können.[7]
Die Gemäldegalerie bewahrt derzeit mehr als 3.500 Gemälde (davon rund 2.900 Bilder eigener Bestand) und weitere 3.000 historische Rahmen auf, die heute organisatorisch in insgesamt zehn Abteilungen aufgegliedert sind:
Diese Abteilung der Gemäldegalerie beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen altdeutscher Malerei weltweit, in der alle Schulen und Stilrichtungen der Zeit fast lückenlos präsentiert werden. Zu den Höhepunkten der Sammlung gehören die „Flügel des Wurzacher Altars“, die zu den wenigen malerischen Arbeiten des sonst eher als Bildhauer tätigen Hans Multscher gehören, zwei Bilder von Konrad Witz, zwei Bilder vom Meister des Hausbuchs, ein Martin Schongauer, zwei Bilder von Hans Holbein d. Ä., je sieben Bilder von Albrecht Dürer, Hans Baldung und Albrecht Altdorfer, 22 Bilder von Lucas Cranach d. Ä. und fünf Bilder von Hans Holbein d. J.[8]
In diesem Bereich überschneidet sich die Sammlung teilweise mit den Beständen der Berliner Nationalgalerie. Sie ist nicht ganz so umfangreich wie der Bereich älterer deutscher Malerei, gehört aber trotzdem zu den bedeutenderen ihrer Art. Zum Bestand gehören Maler wie Daniel Chodowiecki, Christian Wilhelm Ernst Dietrich, Johann Georg Edlinger , Adam Elsheimer, Anton Graff, Angelika Kauffmann, Christian Bernhardt Rode und Johann Rottenhammer, die mit meist größeren Werkkomplexen vertreten sind.[9]
Aus organisatorischen Gründen sind den beiden Abteilungen der deutschen Malerei auch die Bilder von österreichischen und schweizerischen Malern zugeordnet.
In diesem Bereich gilt die Berliner Sammlung als eine der bedeutendsten weltweit. Sie liefert einen nahezu lückenlosen Überblick von ihren Anfängen bis zum Ende der Renaissance und präsentiert die Hauptmeister mit zahlreichen Hauptwerken ihrer Kunst. Den Anfang der Sammlung markieren drei Arbeiten des Jan van Eyck, die zu den besten Werken seines Schaffens gehören. Dem schließen sich vier Bilder von Petrus Christus, zwei Bilder von Robert Campin sowie Bilder seiner Schüler Jacques Daret und Rogier van der Weyden an. Letzterer ist mit drei Altären, zwei Einzeltafeln und einer Reihe weiterer Arbeiten aus der Werkstatt, in keiner anderen Sammlung so präsent wie in Berlin. Darüber hinaus besitzt die Sammlung das einzige unbestrittene Bild des Aelbert van Ouwater, je zwei Bilder von Dieric Bouts, Gerard David und Geertgen tot Sint Jans, drei Bilder von Hugo van der Goes, drei Bilder von Hans Memling, sechs Bilder von Jan Gossaert und nochmal zwei Bilder von Pieter Bruegel d. Ä.. Dem schließen sich Bilder von Hieronymus Bosch, Lucas van Leyden, Quinten Massys, Marinus van Reymerswaele an.[10]
Diese Abteilung bietet einen exemplarischen Überblick über die flämische Malerei dieser Epoche, in deren Mittelpunkt Peter Paul Rubens mit siebzehn Bildern, Anthonis van Dyck mit sieben, Jacob Jordaens mit drei und David Teniers d. J. mit acht Bildern stehen. Um diesen Kern gruppieren sich mehr als zweihundert weitere Bilder, die einen guten Überblick über die flämische Malerei dieser Zeit bieten. Darunter befinden sich Bilder von Adriaen Brouwer, Jan Brueghel d. Ä., Jan Brueghel d. J., Pieter Brueghel d. J., Gonzales Coques, Jan Fyt, Jan Davidsz. de Heem und Frans Snyders.[11]
Die holländische Abteilung gehört zu den besten Sammlungen überhaupt und bietet einen hervorragenden Überblick über diese Kunstepoche. Im Zentrum der Sammlung steht Rembrandt, von dessen Bildern die Sammlung derzeit 16 allgemein anerkannte Werke besitzt und damit zu den größten Einzelsammlungen dieses Meisters gehört. Neben einer hervorragenden Kollektion von Arbeiten aus seinem Umkreis und seiner Nachfolge (Gerard Dou, Govert Flinck, Aert de Gelder und Philips de Koninck) bietet die Sammlung einen umfassenden Überblick über die holländische Malerei dieser Epoche insgesamt. Zu den teilweise mit größeren Werkkomplexen präsenten Malern gehören unter anderem Willem van Aelst, Jan Asselijn, Nicolaes Pietersz. Berchem, Gerard ter Borch, Hendrick ter Brugghen, Pieter Claesz, Aelbert Cuyp, Jan van Goyen, Frans Hals, Gerrit van Honthorst, Pieter de Hooch, Willem Kalf, Pieter Lastman, Adriaen van Ostade, Isack van Ostade, Paulus Potter, Jacob van Ruisdael und Jan Steen, Jan Vermeer und Emanuel de Witte.[12]
Dieser Bereich ist die umfangreichste Abteilung der Gemäldegalerie und bietet einen umfassenden Überblick über die italienische Malerei dieser Zeit. Am Anfang der Trecento-Sammlung stehen zwei der wenigen eigenhändigen Tafelbilder von Giotto di Bondone dem sich unter anderen bedeutende Bilder von Maso di Banco, Agnolo Gaddi, Taddeo Gaddi, Lippo Memmi, Bernardo Daddi, Pietro Lorenzetti, Simone Martini, Lorenzo Monaco und Gentile da Fabriano anschließen. Die Quattrocento-Sammlung wird von der größten Sammlung von Einzeltafeln des Masaccio eingeleitet. Dem folgen ein Bild von Piero della Francesca, fünf Bilder von Fra Angelico, zwei Bilder von Domenico Veneziano, ein Bild von Antonio del Pollaiuolo, zwei von seinem Bruder Piero del Pollaiuolo, drei Bilder von Fra Filippo Lippi, drei Bilder von Filippino Lippi, drei Bilder von Sandro Botticelli, vier Bilder von Luca Signorelli, sieben Bilder von Giovanni Bellini, zwei Bilder von Domenico Ghirlandaio, drei Bilder von Andrea Mantegna sowie Bilder von Gentile Bellini , Piero di Cosimo, Antonello da Messina und eine der wenigen unbestrittenen Tafeln von Andrea del Verrocchio. Das Cinquecento präsentiert sich mit bedeutenden Arbeiten von Giorgione, Tizian, Palma il Veccio, Lorenzo Lotto, Sebastiano del Piombo, Agnolo Bronzino, Paris Bordone, Paolo Veronese, Jacopo Tintoretto, Giovanni Battista Moroni, Correggio und Parmigianino.[13]
Weit weniger geschlossen, dafür mit hervorragenden Beispielen präsentieren sich die späteren Italiener. Neben mehreren Werken der Carracci-Familie, präsentiert die Sammlung Werke von Jacopo Amigoni, Pompeo Girolamo Batoni, Canaletto, Caravaggio, Giuseppe Maria Crespi, Carlo Dolci, Orazio Gentileschi, Luca Giordano, Giovanni Antonio Guardi, Francesco Guardi, Guercino, Sebastiano Ricci, Giovanni Battista Tiepolo und Giovanni Domenico Tiepolo.[14]
Rein zahlenmäßig gehört die spanische Abteilung zu den größeren Sammlungen in Deutschland. Bis auf wenige Ausnahmen gelten die vorhandenen Werke aber eher als zweit- bis drittklassig, sodass derzeit nur einige wenige Werke innerhalb der Präsentation italienischer Meister des 17. und 18. Jahrhunderts öffentlich gezeigt werden. Zu den wenigen bedeutenden Bildern gehören Arbeiten von Bartolomé Bermejo, Pedro Berruguete, Bartolomé Esteban Murillo, Luis de Morales, Diego Velázquez und Francisco de Zurbarán. Einige weitere Beispiele der frühen spanischen Malerei werden seit 2006 auch in der Skulpturensammlung im Bode-Museum ausgestellt. Bei den nicht ausgestellten Werken handelt es sich, bis auf wenige Ausnahmen (z. B. eine Skizze von Francisco de Goya und Werke von Alonso Cano und Mateo Cerezo) zu einem Großteil um Werke eher unbekannter Meister, um Schul- oder Werkstattbilder und Kopien.[15]
Die französische Abteilung bietet einen kleinen Überblick über die alte französische Malerei, in der eine ganze Reihe hervorragender Werke enthalten sind. Zu den frühen Leuchttürmen der französischen Malerei überhaupt gehören die Werke von Simon Marmion und Jean Fouquet. In Berlin befindet sich außerdem das einzige Bild von Georges de La Tour in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland. Dem folgen Arbeiten von Jean-Baptiste Greuze, Nicolas de Largillierre, Eustache Le Sueur, Claude Lorrain, Jean Baptiste Chardin. Nicolas Poussin, Antoine Watteau, Antoine Pesne, Hubert Robert und François Boucher.[16]
Die englische Malerei ist zwar die zahlenmäßig kleinste Abteilung der Berliner Gemäldegalerie, trotzdem bildet sie die größte Kollektion ihrer Art in einem deutschen Museum. Im Zentrum stehen insgesamt fünf Bilder von Thomas Gainsborough. Es folgen unter anderen drei Bilder von Joshua Reynolds, je zwei von John Hoppner und Henry Raeburn sowie ein Bild von Thomas Lawrence.[17]
Neben den eigenen Beständen verwaltet die Gemäldegalerie auch eine große Anzahl von (oben nicht aufgeführten) Leihgaben, von denen die Bilder aus der Sammlung des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins (Hans Baldung, François Boucher, Gerard Dou, Albrecht Dürer, Giotto di Bondone, Giovanni Antonio Guardi, Hans Memling, Rembrandt van Rijn, Peter Paul Rubens) den bedeutendsten Bestand ausmacht. Weitere bedeutende Leihgaben stammen aus der Streitschen Stiftung (Jacopo Amigoni, Canaletto), der der Kunstbibliothek der SMPK gehörenden Sammlung Lipperheide (Wolf Huber), der Bundesrepublik Deutschland (Paris Bordone, Peter Paul Rubens, Sebastiano Ricci, Antoine Watteau), der Staatsbibliothek SMPK (Lucas Cranach d. Ä.).[18] [19]
Zusätzlich präsentiert die Galerie auch eine Reihe von Leihgaben ungenannter Privatsammler, die teilweise bereits seit vielen Jahren in der Schausammlung gezeigt werden. Besonders seit der Wiedereröffnung der Gemäldegalerie am Kulturforum, werden dort zahlreiche private Leihgaben ausgestellt, dazu gehören Werke von Hendrick ter Brugghen, Willem Pietersz. Buytewech, Jacob van Ruisdael, Adriaen van der Werff, Philips Wouwerman, Jean-Baptiste Pater und derzeit (stand: 2008) mit einer Landschaft mit der Erscheinung Christi bei den Aposteln am See Genezareth auch eine frühe Tafel von Pieter Bruegel d. Ä.[20]
Neben den ausgestellten Bildern am Kulturforum ist die Gemäldegalerie seit Oktober 2006 auch mit einer umfangreicheren Kollektion im Bode-Museum präsent. Die dort in der Dauerausstellung der Skulpturensammlung integrierten Werke bieten ebenfalls einen kleinen, wenn auch sehr lückenhaften Gesamtüberblick über die Geschichte der abendländischen Malerei. Dafür stellte die Sammlung mehrere, zuvor meist deponierte Bilder aus ihrem Gesamtbestand ab. Nur wenige Arbeiten waren vorher am Kulturforum in der Schau- und in der Studiensammlung zu sehen gewesen.[21] Einige wurden für die Präsentation extra restauriert, darunter auch Bilder, die zur Schausammlung des Kaiser-Friedrich-Museums gehört hatten und seit 1939 nicht mehr öffentlich präsentiert worden waren.[22]
Wie in der Hauptsammlung liegt auch hier der Schwerpunkte der Exponate auf der italienischen, altniederländischen und altdeutschen Malerei. Höhepunkt der Präsentation sind dabei die Tiepolo-Fresken aus der Villa Panigai, die vermutlich eine Gemeinschaftsarbeit von Giovanni Battista und Giovanni Domenico Tiepolo sind. Ihnen zur Seite stehen an italienischen Arbeiten eine Paolo Uccello zugeschriebene Maria mit dem Kinde, eine Beweinung Christi von Giovanni Bellini, der Pfingstaltar von Alvise Vivarini, der Herkules am Scheideweg von Niccolò Soggi, mehrere Bildnisse von Alessandro Allori, je eine Altartafel von Francesco Vecellio und Girolamo dai Libri, das Bildnis des Benedetto de’ Medici von Giorgio Vasari, Der Prophet Bileam auf der Reise von Luca Giordano und die Trunkenheit Noahs von Andrea Sacchi. An altniederländischer Malerei präsentiert die Sammlung vor allem Werke weniger bekannter oder anonymer Künstler, von denen der für seine Kopien nach großen Meistern bekannte Michiel Coxcie mit mehreren Werken präsent ist. Daneben findet man Arbeiten von Aelbert Bouts und Goswijn van der Weyden. Bedeutendste Arbeiten der altdeutschen Schule sind eine Adam-und-Eva-Tafel von Lucas Cranach d. Ä., zwei Bildnisse von Georg Pencz und ein Herrenbildnis von Joachim Martin Falbe. Bekanntere Maler anderer Schulen sind unter anderem Ferdinand Bol, Cornelis Cornelisz. van Haarlem und Hubert Robert.
Neben Bildern aus der eigenen Sammlung werden im Bode-Museum auch einige Gemälde aus dem Besitz des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins ausgestellt.
Die Berliner Gemäldesammlung ist die erste Sammlung alter europäischer Malerei, die von Anfang an nach streng kunsthistorischen Gesichtspunkten konzipiert wurde. [23] Bereits im Jahr 1797 hatte der Archäologe Aloys Hirt die Gründung eines öffentlichen Berliner Bildungsmuseums der europäischen Kunstgeschichte angeregt, die sich, im Gegensatz zu repräsentativen Fürstensammlungen, streng an wissenschaftliche Prinzipien und Systematik orientieren sollte. Diese Idee stieß auf ein breites Echo und fand mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel und dem Gelehrten Carl Friedrich von Ruhmor namhafte Befürworter. Doch im Gegensatz zu Hirt waren sie der Meinung, dass in erster Linie die Freude an der Kunst und erst dann die Belehrung stehen sollte. [24] Schnell begann man damit, die Idee, die von Friedrich Wilhelm III. aktiv unterstützt wurde, in die Tat umzusetzen. Großzügig war der König bereit, dem neuen Museum zahlreiche Objekte aus seinem Besitz zur Verfügung zu stellen. Bei einer ersten Auswahl aus dem königlichen Gemäldebesitz traf Aloys Hirt 1812 eine Auswahl von etwa 650 Bildern, die er für geeignet für das geplante Museum hielt. Nach Beendigung der napoleonischen Kriege kehrten zahlreiche Kunstwerke, die von den Franzosen schon vor der Auswahl aus königlichem Besitz verschleppt worden waren, nach Preußen zurück, so dass Hirt die schon getroffene Auswahl um weitere 113 Bilder ergänzen konnte.[25] Obwohl die königliche Sammlung bereits eine große Anzahl von Bildern hohen künstlerischen Ranges enthielt, wurde sie doch nicht den gestellten Ansprüchen gerecht, welche von einer nach wissenschaftlichen Prinzipien aufgebauten Sammlung erwartet wurden. Der Bildbestand war weit davon entfernt, einen enzyklopädischen Überblick über alle europäischen Malschulen bis zum 18. Jahrhundert zu bieten. Um diesem Wunsch gerecht zu werden, mussten noch zahlreiche Zukäufe getätigt werden.
1815 bot sich in Paris die erste Gelegenheit zu eine bedeutenden Erweiterung für die geplante Gemäldegalerie. Friedrich Wilhelm III. entdeckte dort die 155 von dem Pariser Kunsthändler Férérol Bonnemaison angebotenen Bilder aus der Sammlung Giustiniani. Durch einen glücklichen Zufall war der sonst als geizig bekannte Monarch gut bei Kasse und erwarb die Giustinani-Bilder für eine Summe von 540.000 Francs. Für weitere 64.000 Francs kaufte er, ebenfalls bei Bonnemaison, noch 14 weitere Bilder. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte der König in Paris noch zwei weitere, ebenfalls zum Verkauf stehende Bilder der Giustiniani-Sammlung, die er ebenfalls noch erwerben konnte. In Berlin wurden die Bilder, die eigentlich zur qualitativen Bereicherung der königlichen Sammlung gedacht waren, zunächst an die Akademie übergeben, die sie 1816 öffentlich präsentierte. Noch im selben Jahr wurden erste Stimmen laut, die forderten, die Giustinani-Bilder sofort dem neuen Museum zuzuführen, und nicht in die königliche Sammlung zu integrieren.[26]
Zur Ergänzung der Giustiniani-Sammlung, die bis auf wenige Ausnahmen vorwiegend Werke des italienischen Frühbarock enthielt, darunter Arbeiten von Caravaggio, den Carracci und Guido Reni, wurde nun der Erwerb der bekannten Heidelberger Sammlung Boisserée mit ihrer „vaterländischen Kunst“ vorgeschlagen.[27] Trotz ernsthafter Bemühungen des preußischen Staates schlugen die Verhandlungen fehl. Stattdessen entschied man sich für den Ankauf der sehr viel bedeutenderen Gemäldesammlung des in Berlin lebenden englischen Kaufmanns Edward Solly, der ein guter Freund von Hirt und Schinkel war und von diesen beraten wurde. Zu seinen weiteren Beratern gehörten noch Ruhmor und Gustav Friedrich Waagen. Bereits 1819 hatte er seine etwa 3000 Bilder umfassende Bildersammlung für einen Kredit an Preußen verpfändet. Unfähig, diesen zurückzuzahlen, begannen 1820 durch Vermittlung von Benjamin Wegner, Freund und Agent Sollys, die Verhandlungen über einen Ankauf der Sammlung, die 1821 abgeschlossen wurden. Für 500.000 Reichstaler gingen die Gemälde in preußischen Besitz über. Damit gelangte eine große Sammlung italienischer Bilder des 13. bis 16. Jahrhunderts, eine bedeutende Anzahl altniederländischer, altdeutscher Bilder und eine kleine Anzahl von Werken anderer Malschulen in den Besitz des geplanten Museums.[28] [29]
Etwa zur gleichen Zeit begannen auch die Planungen für einen repräsentativen Museumsbau, der die Sammlung später aufnehmen sollte. Anfänglich hatte man noch mit dem Gedanken gespielt, die Bilder dauerhaft im Akademiegebäude unterzubringen, doch dann setzten sich die Befürworter eines Neubaus durch. An ihrer Spitze stand unter anderem Schinkel, der ein Konzept für einen prächtigen Museumsbau vorlegte. [30][31] Seine Pläne fanden eine Mehrheit, so dass am 24. April 1823 endgültig die Errichtung des heute Altes Museum genannten Bauwerks beschlossen wurde. Gleichzeitig nahm eine Expertenkommission ihre Arbeit auf, die eine Auswahl der später auszustellenden Bilder treffen sollte. Neben Schinkel und Hirt gehörte ihr, anfänglich noch als Gehilfe, Waagen an. 1828 wurde er dann festes Mitglied. Durch Diskrepanzen zwischen Schinkel und Hirt, es ging noch immer um die Frage, ob Bildung oder Freude an den Kunstwerken den Vorrang haben sollten, wurde die Kommission aufgelöst und 1829 durch eine neue ersetzt. Neben Schinkel und Waagen gehörten ihr nun auch Wilhelm von Humboldt, Christian Daniel Rauch, Richard Dähling, Wilhelm Wach, Jakob Schlesinger und Friedrich Tieck an. Federführend war dabei der zum Vorsitzenden ernannte Humboldt, der die künftige Organisationsstruktur des Museums entwarf. Gustav Friedrich Waagen fiel die direkte Auswahl für die auszustellenden Gemälde zu, womit er die Voraussetzung dafür schuf, dass er zum ersten Direktor der Gemäldeabteilung ernannt wurde. Unterstützt wurde er dabei von Carl Friedrich von Rumohr.[32]
Parallel zu der Auswahl der Ausstellungsstücke wurden noch etwa 110 weitere Bilder angekauft. Bei einer abermaligen Durchsicht der Königlichen Sammlung traf man nun eine endgültige Auswahl für das Museum, die durch die zahlreichen eigenen Zugänge geringer ausfiel, als von Hirt veranschlagt. Die dort durch die Entnahme entstandenen Lücken wurden mit Bildern aus den Sammlungen Giustiniani und Solly aufgefüllt, die für das Museum als nicht geeignet bewertet worden waren. [33][34]
Am 3. August 1830 wurde das Museum eröffnet. Die Gemäldesammlung umfasste damals 1198 Gemälde, die in der oberen Etage des Schinkelschen Museumsbaus ausgestellt wurden. Von den ausgestellten Gemälden kamen 378 aus der zuvor über zahlreiche Schlösser verstreuten Königlichen Sammlung, 677 Bilder aus der Sammlung Solly, 76 Bilder aus der Sammlung Giustiniani und der Rest aus sonstigen Erwerbungen.[35] Präsentiert wurden die Bilder in drei Abteilungen, die Waagen folgendermaßen klassifizierte:
Während die ersten beiden Abteilungen dem historischen Kontext der Schulen nach ihrer Entstehungszeit folgten, enthielt die dritte Abteilung jene Werke, die aus verschiedenen, meist ästhetischen oder moralischen Gründen ausgesondert worden waren und nur ausgewählten Besuchern zugänglich gemacht wurden. [37]
Der Eintritt in das Museum war frei, musste aber anfänglich vorher angemeldet werden.[38]
| Sammlung Giustiniani | |
| Französische Meister | Claude Lorrain: Römische Ideallandschaft (428) • Nicolas Poussin: Landschaft mit Juno und Argus (463) • Simon Vouet: Verkündigung (479) |
| Holländische Meister | Willem van Aelst: Stillleben mit Rebhuhn; Ente und Goldammer (921) • Dirck van Baburen • Fußwaschung (1135) • Wouter Pietersz. Crabeth II.: Grablegung Christi (353) • Gerbrandt van den Eeckhout: Darstellung Christi im Tempel (820) • Gerrit van Honthorst: Befreiung Petri (431) |
| Italienische Meister | Giovanni Baglione: Himmlischer und irdischer Amor (381) • Luca Cambiaso: Caritas (358) • Caravaggio: Bildnis einer jungen Frau (356); Christus am Ölberg (359); Hl. Matthäus mit Engel (365); Amor als Sieger (369) • Annibale Carracci: Christus am Kreuz (372 A); Römische Flusslandschaft (372) • Ludovico Carracci: Madonna mit Lamm (361) • Dosso Dossi: Hl. Familie (227) • Domenico Ghirlandaio: Judith (21) • Giovanni Lanfranco: Der hl. Karl Borromäus (386) • Lorenzo Lotto: Bildnis eines Architekten (153); Bildnis eines jungen Mannes (182); Bildnis eines jungen Mannes (320) • Palma il Vecchio: Hl. Familie (183) • Guido Reni: Johannes der Ev. (257); Paulus und Antonius in der Wüste (373) • Domenico Tintoretto: Ein Prokurator von S. Marco (298) • Paolo Veronese: Der tote Christus mit zwei Engeln (295) |
| Sammlung Solly | |
| Altniederländische Meister | Pieter Aertsen: Kreuzigung Christi (726) • Petrus Christus: Bildnis einer jungen Frau (532) • Gerard David: Christus am Kreuz (573) • Jan van Eyck: Die gerechten Richter (512); Die Streiter Christi (513); Singende Engel (514); Musizierende Engel (515); Heilige Einsiedler (516); Heilige Pilger (517); Johannes d. T. (518); Der Stifter Jodocus Vydt (519); "Erzengel Gabriel (520); Maria (521); Isabella Vydt (522); Johannes d. Ev. (523) • Jan Gossaert: Neptun und Amphitrite (648); Madonna (650); Sündenfall (661) • Adriaen Isenbrant: Madonna (554); Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (621) • Quinten Massys: Bildnis eines jungen Mannes (574) • Joachim Patenier: Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (608) |
| Deutsche Meister | Albrecht Altdorfer: Diptychon (638) • Lucas Cranach d. Ä.: Hl. Hieronymus (565); Kardinal Albrecht von Brandenburg (589); Pfalzgraf Philipp bei Rhein (601); Junger Patrizier (618); Katharina von Bora (637) • Lucas Cranach d. J.: Leonhard Badehorn (614) • Hans Holbein d.J.: Georg Gisze (586) • Georg Pencz: Erhard Schwetzer (582); Elisabeth Schwetzer (587) |
| Französische Meister | Nicolas Poussin: Selbstbildnis (1488) |
| Holländische Meister | Ferdinand Bol: Neptun und Amphitrite (809); Venus und Amor (1279) • Pieter Claesz.: Stillleben (948) • Cornelis Cornelisz. van Haarlem: Bathseba im Bade (734) • Jan van Goyen: Dünenlandschaft (865); Flusslandschaft (901) • Simon Kick: Elisa weigert sich, die Geschenke Naemans anzunehmen (826) • Pieter Lastman: Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (747) • Rembrandt: Jakob ringt mit dem Engel (828) • Matteus Stomer: Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht (434) • Joachim Anthonisz. Wtewael: Loth und seine Töchter (1704) |
| Italienische Meister | Fra Angelico: Madonna (60) • Antonello da Messina: Bildnis eines jungen Mannes (18) • Bacchiacca: Taufe Christi (267); Enthauptung Johannes d. T. (1539) • Fra Bartolomeo: Himmelfahrt Mariae (249) • Gentile Bellini: Madonna (1180) • Giovanni Bellini: Beweinung Christi (4); Mdonna (11); Altarretabel und drei Heilige (20); Der tote Christus mit zwei Engeln (28); Madonna (1177) • Giovanni Antonio Boltraffio: Hl. Barbara (207); Auferstehung Christi (90 B) • Paris Bordone: Thronende Madonna mit vier Heilige (177); Thronende Madonna mit vier Heiligen (191) • Sandro Botticelli: Madonna mit Leuchtertragenden Engeln (102); Hl. Sebastian (1128) • Francesco Botticini: Christus am Kreuz mit vier Heiligen (70 A) • Giovanni Cariani: Bildnis eines jungen Mannes (188) • Vittore Carpaccio: Madonna mit zwei Heiligen (14); Weihe des hl. Stephanus (23) • Vincenzo Catena: Madonna mit Heiligen (19); Segnender Christus (1184); Madonna (III. 126) • Lorenzo Costa: Darstellung Christi im Tempel (114); Beweinung Christi (115) • Lorenzo di Credi: Anbetung des Kindes (89); Anbetung des Kindes (100); Hl. Maria Ägyptiaca (103) • Bernardo Daddi: Altartafel (573) • Francesco Francia: Madonna in der Glorie von Heiligen verehrt (122); Hl. Familie (125) • Agnolo Gaddi: Triptychon (1039); Vier Heilige (1138); Madonna mit Heiligen (III. 72) • Raffaellino del Garbo: Thron. Madonna mit vier Heiligen (87); Thron. Madonna mit zwei Engeln und zwei Heiligen (98) • Domenico Ghirlandaio: Der hl. Vincentius Ferrerius (74); Der hl. Antonius (76) • Luca Giordano: Euklid (452); Archimedes (453) • Giotto di Bondone: Kreuzigung Christi (1074) • Filippino Lippi: Madonna (82); Christus am Kreuz mit Maria und dem hl. Franziskus (96); Madonna (101) • Fra Filippo Lippi: Anbetung im Walde (69); Schutzmantelmadonna (95) • Pietro Lorenzetti: Die hl. Humilitas heilt Kranke (1077); Eiswunder der hl. Humilitas (1077A); Thron. Madonna mit Heiligen (1384) • Lorenzo Monaco: Thron. Madonna mit zwei Heiligen und vier Engeln (1119); Enthauptung der hl. Katharina v. Alexandrien (1063); Geburt Christi (1113) • Lorenzo Lotto: Die Hll. Sebastian und Christophorus (323); Christi Abschied von seiner Mutter (325) • Andrea Mantegna: Darstellung Christi im Tempel (29) • Maso di Banco: Madonna (1040); Der hl. Antonius Eremita (1529); Der hl. Johannes d.T. (1530) • Matteo di Giovanni: Madonna mit Heiligen (1127); Madonna mit Heiligen (1441) • Palma il Vecchio: Madonna (31) • Parmigianino: Taufe Christi (1179) • Piero di Cosimo: Anbetung des Kindes (204) • Pietro Perugino: Madonna (108) • Pintoricchio: Madanonna mit hl. Hieronymus (1481) • Raffael: Madonna Solly (141) • Luca Signorelli: Zwei Altartafeln mit je drei Heiligen (79) • Gherardo Starnina: Altarflügel mit zwei heiligen und Stifter (1123) • Taddeo di Bartolo: Die Hl. Dreifaltigkeit (III.44) • Domenico Tintoretto: Ein Prokurator von S. Marco (1181) • Tizian: Selbstbildnis (163) • Cosimo Tura: Thron. Madonna mit vier Heiligen (111); Der hl. Sebastian (1170 B); Der heilige Christophorus (1170 C) • Giorgio Vasari: Amor und Psyche (339) • Marco Zoppo: Thron. Madonna mit Heiligen (1170) |
| Königliche Schlösser | |
| Altniederländische Meister | Pieter Aertsen: Funge Frau mit Kind auf der Schulter (719) • Maerten van Heemskerck: Mommus tadelt die Werke der Götter (655) |
| Deutsche Meister | Lucas Cranach d. Ä.: Kardinal Albrecht von Brandenburg (559); Flügelaltar: Das Jüngste Gericht (563); Sündenfall (567); Johann Friedrich I. der Großmütige (590); Jungbrunnen (592); Venus und Amor (594); Venus und Amor als Honigdieb (1190) • Angelika Kauffmann: Bacchantin (499) |
| Flämische Meister | Jan Brueghel d.J.: Schmiede des Vulkan (678); Landschaft mit hl. Hubertus (765) • Anthonis van Dyck: Verspottung Christi (770); Beweinung Christi (778); Die beiden Johannes (799) • Jan Fyt: Diana neben erlegtem Wild (967); Die Rehhatz (989) • Jacob Jordaens: Lustige Gesellschaft (879) • Peter Paul Rubens: Krönung Mariae (762); Kind mit Vogel (763); Diana auf der Hirschjagd (774); Thron. Madonna mit Heiligen (780); Die hl. Cäcilie (781); Auferweckung des Lazarus (783); Perseus befreit Andromeda (785); Drei Reiter (797); Madonna (917) • Daniel Seghers: Blumengirlande mit Madonna und Johannesknaben (978) • David Teniers d.J.: Puffspieler im Wirtshaus (856); Der Maler mit seiner Familie (857); Versuchung des hl. Antonius (859); Versuchung des hl. Antonius (866) |
| Französische Meister | Nicolas Poussin: Jupiter als Kind von der Ziege Amalthea genährt (467); Helios und Phaeton mit Saturn und den vier Jahreszeiten (478) • Antoine Watteau: Die franz. Komödie (468); Die ital. Komödie (470) |
| Holländische Meister | Nicolaes Pietersz. Berchem: Düstere Winterlandschaft (836); Landschaft mit mythologischer Szene (887; Halt vor dem Wirtshaus (890); Halt vor der Schmiede (896) • Gerard Dou: Allegorie der Habgier (843); Rembrandts Mutter (847) • Gerbrandt van den Eeckhout: Merkur und Argus (829) • Jan Davidsz. de Heem: Gemalter Rahmen mit Früchten und Blumen (963) • Gerrit van Honthorst: Amalia v. Solms (1017) • Salomon Koninck: Geistlicher im Studierzimmer (819); Berufung Matthäus (822) • Pieter Lastman: Taufe des Kämmerers (677) • Jan Lievens: Abendlandschaft (818) • Jan Miense Molenaer: Bänkelsänger (946); Dorfschenke (949) • Adriaen van Ostade: Alte Frau vor Hausmauer (841); Raucher (855 A) • Cornelis van Poelenburgh: Amaryllis bekränzt Myrtill (956) • Rembrandt: Simson bedroht seinen Schwiegervater (802); Frau des Tobias mit Ziege (805); Der Traum Josephs (806); Selbstbildnis (810); Moses zerschmettert die Gesetzestafeln (811); Raub der Proserpina (823); Minerva (828 A) • Jacob van Ruisdael: Bewegte See bei aufsteigendem Wetter (884) • Hügellandschaft mit Eichen (885) • Emanuel de Witte: Innenansicht einer Kirche (898) • Philips Wouwerman: Reiterschule am Ufer eines Flusses (899) • Halt einer Jagdgesellschaft am Fluss (900); Der Heuwagen (903) |
| Italienische Meister | Jacopo Bassano: Der barmherzige Samariter (314) • Pompeo Girolamo Batoni: Vermählung Amors und Psyche (504) • Paris Bordone: Schachspieler (169) • Giovanni Cariani: Ruhende Frau in einer Landschaft (185) • Correggio: Leda (218]] • Carlo Dolci: Hl. d. Ev. (423) • Luca Giordano: Urteil des Paris (441) • Pietro Liberi: Diana und Aktäon (455) • Bernardino Luini: Madonna (217) • Francesco Melzi: Vertumnus und Pomona (222) • Palma il Veccio: Mann im Hermelinpelz (174); Danae (I.354) • Guido Reni: Venus und Amor (377) • Sebastiano Ricci: Bathseba im Bade (454) • Tizian: Bildnis eines jungen Mannes (301) • Giorgio Vasari: Die Apostel Petrus und Johannes segnend (334) |
| Sonstige Erwerbungen | |
| Altniederländische Meister | Michiel Coxcie: Kreuzabnahme Christi (534) • Maerten van Heemskerck: Mommus tadelt die Werke der Götter (655) • Quinten Massys: Thron. Madonna (561) |
| Deutsche Meister | Christoph Amberger: Kaiser Karl V." (556); Sebastian Münster (583) • Hans Baldung: Kreuzigung Christi (603) • Lucas Cranach d. Ä.: Apollo und Diana in waldiger Landschaft (564); Sündenfall (566) • Georg Pencz: Bildnis eines jungen Mannes (585) |
| Holländische Meister | Willem van Aelst: Stillleben mit Schnepfen, Stieglitz und Steinhühnern (961) • Gerard ter Borch: Die väterliche Ermahnung (791) |
| Italienische Meister | Sandro Botticelli: Thronende Madonna (106) • Francesco Botticini: Krönung Mariae (72) • Bernardo Daddi: Versuchung des hl. Thomas v. Aquino (1094) • Domenichino: Vincenzo Scamozzi (375) • Lippo Memmi: Verkündigung mit sechs Heiligen (1142) • Lorenzo Monaco: Abendmahl (1108) • Davide Ghirlandaio: Junge Frau im Profil (83); Junger Mann im Profil (86) • Andrea Mantegna: Kardinal Lodovico Trevisano (9) • Piero di Cosimo: Venus, Mars und Amor (107) • Raffael: Madonna mit zwei Hll. (145) • Andrea del Sarto: Bildnis einer jungen Frau (240) • Taddeo di Bartolo: Maria der Verkündigung (1083) |
Schon kurz nach der Eröffnung war klar, dass das neue Museum keine abgeschlossene Sammlung sein würde. Wilhelm von Humboldt forderte darum einen jährlichen Etat für Neuerwerbungen, um die jetzt noch bestehende Lücken schließen zu können. Der König genehmigte einen Etat von jährlich 20.000 Talern, von denen allerdings jeweils 1000 Taler an jährlichen Gehaltszahlungen abgingen. Dieser Etat blieb im Wesentlichen bis 1872 bestehen, wurde aber zwischendurch hin und wieder durch Sonderzuwendungen für bedeutende Kunstobjekte aufgestockt. Trotzdem stagnierte die Sammeltätigkeit. Zum einen war der Etat für das gesamte Museum bestimmt, also auch für die im Erdgeschoss angesiedelte Antikenabteilung und zum anderen mussten damit auch andere Kosten beglichen werden, wie z. B. Leibrenten für Personen, die dem Museum später ihre Kunstsammlung in Aussicht stellten, deren Objekte dann aber oftmals nicht dem Wert der tatsächlich geleisteten Zahlungen entsprachen. Ein weiteres Hindernis war, das Ankäufe über 1000 Taler jeweils vom König, später vom Kaiser genehmigt werden mussten. [39] Um trotzdem Ankäufe tätigen zu können, musste die Gemäldesammlung wiederholt Kredite aufnehmen, die dann teilweise über Jahre hinweg aus dem regulären Ankaufsetat getilgt werden mussten. Der erste Kredit dieser Art wurde 1832 für den Erwerb von Tizians Mädchen mit der Fruchtschale und einem damals dem Pordenone zugeschriebenes Altarbild des Antonio Badile aufgenommen. [40]
Nachteilige für die Gemäldegalerie war neben dem zu gering bemessenen Ankaufsetat auch die Tatsache, dass Waagen, während seiner gesamten Amtszeit, gegen Bürokratismus und Inkompetenz der zuständigen Entscheidungsstellen anzukämpfen hatte.[41] Abgesehen von der Tatsache, dass bedeutende Summen z. B. für Abgüsse klassischer Skulpturen ausgegeben wurden,[42] unterschätzte man auch die rapide Preisentwicklung auf dem internationalen Kunstmarkt, so dass die Galerie, bei den Versteigerungen bedeutender Privatsammlungen in London und Paris nur selten zum Zug kam.[43] Im Inland war man zwar erfolgreicher, doch hatte das angebotene Material bei weitem nicht die Qualität, die über die großen internationalen Auktionshäuser zu erwerben gewesen wäre.[44] Als weiteres Manko stellte sich bereits nach kurzer Zeit heraus, dass sich die moderne Kunstgeschichtsschreibung noch in der Entwicklung befand und viele Kunstwerke, die als Werke großer Meister angeboten wurden, gar nicht von diesen gemalt sein konnten.[45] Außerdem wurde nicht selten erst nach den Ankauf erkannt, dass sich Bilder in schlechtem Zustand befanden. Ein typisches Beispiel, wo schlechter Zustand und falsche Zuschreibung zusammentrafen, war das damals als Raffael Ancaiani bekannte Altarbild mit der Anbetung der Könige, das als eines der bedeutendsten Frühwerke von Raffael galt. 1833 wurde es durch Kreditaufnahme für 22.705 Mark in Rom erworben und stellte sich dann, bei der Ankunft in Berlin, als Ruine heraus, die unmöglich von Raffael gemalt worden sein konnte. Heute wird das Bild dem Giovanni di Pietro, gen. Lo Spagna zugeschrieben.[46]
Gustav Friedrich von Waagen musste schon bald erkennen, dass es unmöglich war, die Lücken in der Sammlung nur durch Angebote an das Museum oder Ankäufe auf Auktionen zu schließen.
So entwickelte er 1841 Pläne für eine Italienreise, um dort direkt Werke aus Kirchen und Fürstenhäusern zu erwerben. Er fand beim jungen König Friedrich Wilhelm IV. ein offenes Ohr und konnte noch im gleichen Jahr, ausgestattet mit einem Sonderetat von 100.000 Talern, eine Einkaufsreise nach Italien durchführen, die dem Museum zwar nicht ganz den erhofften Erfolg, aber doch immerhin den Gewinn einiger bedeutender Kunstwerke einbrachte. Zu Waagens Erwerbungen in Italien zählen Werke von Fra Bartolomeo, Domenico Veneziano, Lorenzo Lotto, Giovanni Battista Moroni, Palma il Vecchio, Raffael, Jacopo Tintoretto, Tizian und Paolo Veronese. Doch schon bei seiner Rückkehr nach Berlin bemerkte Waagen, dass man dort mit seinen Ankäufen nicht sehr glücklich war. Seine Expertenmeinung wurde immer mehr infrage gestellt, so dass in der Folge seine weiteren Gestaltungsmöglichkeiten für die Sammlung drastisch einschränkt wurden. Niemand trug dabei dem Umstand Rechnung, dass Waagen vielfach gerade einmal erste lockere Kontakte geknüpft hatte und dass mögliche Anbieter durchaus längere Zeit umworben werden wollten. Auch fehlte dem Berliner Museum ein europaweites Netz von Kunstagenten, die bedeutende Werke und ihre Verfügbarkeit im Auge behalten konnten. Aufgrund solcher Kurzsichtigkeiten kam die Sammeltätigkeit noch weiter ins Stocken und kam, bis zur Reichsgründung fast völlig zum erliegen. Die Wertigkeit, die die Sammlung zu dieser Zeit besaß, wird dadurch verdeutlicht, dass sie nach Waagens Tod 1868 erstmal nur durch Kommissarische Direktoren im jährlichen Wechsel betreut wurde. [47]
Trotz der schlechten Voraussetzungen gelang es der Gemäldegalerie in der Amtszeit Waagens, mehr als 400 Bilder zu erwerben.[48] Neben zahlreichen Werken italienischer Künstler zählt vor allem der weitere Aufbau der Sammlung altniederländischer Bilder, die heute die bedeutendste weltweit ist, zu den Glanzpunkten seiner Amtszeit. Zu den erworbenen Gemälden dieser Schulen gehörten Werke von Dieric Bouts, Petrus Christus, Joos van Cleve, Jan Gossaert, Hans Memling und Rogier van der Weyden.[49]
| Altniederländische Meister | Dieric Bouts: Der Prophet Elias in der Wüste (533); Passahfest (539); Maria in Anbetung (545 B) • Robert Campin: Bildnis eines Mannes (537) • Petrus Christus: 2 Altarflügel (529 A und 529 B) • Joos van Cleve: Flügelaltar mit Anbetung der Könige (578); Bildnis eines Mannes (615) • Hans Memling: Madonna (528 B); Madonna (529) • Rogier van der Weyden: Johannesaltar (534); Mirafloresaltar (534 A); Middelburger Altar (535) |
| Deutsche Meister | Hans Burgkmair: Hl. Ulrich (569); Hl. Barbara (572); Geburt Christi (584) • Lucas Cranach d. Ä.: Christus im Hause des Pharisäers (568) • Bürgermeister von Weißenfels (618 A) |
| Flämische Meister | Jan Brueghel d. Ä.: Blumenstrauß (688 A) • Anthonis van Dyck: Thomas François de Carignan (782) |
| Französische Meister | Charles Lebrun: Familienbildnis Jabach (471) |
| Holländische Meister | Willem van Aelst: Stillleben mit Schnepfen, Stieglitzen und Steinhühnern (961) • Ferdinand Bol: Bildnis einer Frau (596) • Gerard ter Borch: Familie des Schleifers (793) • Aelbert Cuyp: Flachlandschaft mit Ziehbrunnen (861) • Gerbrandt van den Eeckhout: Erweckung der Tochter des Jarius (804) • Frans Hals: Bildnis eines Mannes (766); Bildnis eines Mannes (800); Bildnis einer Frau (801) • Pieter de Hooch: Galante Gesellschaft mit Trompeter (1401) • Thomas de Keyser: Familienbildnis (750) • Gabriel Metsu: Familie des Amsterdamer Bürgermeisters Dr. Gillis Valckenier (792) • Adriaen van Ostade: Leiermann vor Bauernhaus (855) |
| Italienische Meister | Barnaba da Modena: Madonna (1171) • Vincenzo Catena: Raimund Fugger (32) • Gentile da Fabriano: Thron. Madonna mit zwei Heiligen und Stifter (1130) • Domenico Ghirlandaio: Begegnung des Christusknaben mit dem Johannesknaben (93) • Lippo Memmi: Madonna (1081 A) • Palma il Vecchio: Bildnis eines Frau (197 A) • Raffael: Madonna Terranuova (247 A) • Guido Reni Venus und Amor (377) • Andrea del Sarto: Thron. Madonna mit Heiligen (246) • Tizian: Mädchen mit Fruchtschale (166) |
| Italienreise 1841/42 | Fra Bartolomeo: Der büßende hl. Hieronymus (124) • Jacopo Bassano: Kreuzigung Christi (324) • Lorenzo Costa: Bildnis eines Mannes (25) • Bernardino Luini: Geburt Christi (219); 9 Fresken mit der Entführung der Europa (219 A – 219 H) • Lippo Memmi: Madonna (1067) • Giovanni Battista Moroni: Bildnis eines Mannes (193) • Raffael: Madonna Diotalevi (147) • Sodoma: Charitas (109) • Jacopo Tintoretto: Madonna von zwei Evangelisten verehrt (300); Luna und die Horen (310); Die drei venez. Stadtkämmerer (316) • Tizian: Bildnis des Giovanni Moro (161) • Domenico Veneziano: Martyrium der hl. Lucia (64) • Paolo Veronese: Jupiter, Fortuna und Germania (303); Saturn hilft der Religion die Ketzerei zu überwinden (304); Minerva und Mars (309); Apollo und Juno (311); 4 Tafeln mit schwebenden Genien (327 – 330) |
| Spanische Meister | Alonso Cano Hl. Agnes (414 B) • Bartolomé Esteban Murillo: Der hl. Antonius von Padua mit Christkind (414) • Francisco de Zurbaran: Der hl. Bonaventura verweist den hl. Thomas von Aquino auf den Gekreuzigten als Quelle des Wissens (404 A) |
Ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts begannen für die Berliner Museen und damit auch für die Gemäldegalerie neue Zeiten. Am Anfang des Jahrzehnts kam es in Europa zu massiven politischen Veränderungen, die auch an den Kunstsammlungen nicht spurlos vorbeigingen. Infolge des Sieges über Frankreich und der Gründung des Deutschen Reiches mit Berlin als Hauptstadt sah sich die ehemalige Preußenmetropole mehr als vorher in der Pflicht, mit den anderen großen Hauptstädten Europas konkurrieren zu können. Um sich im großen Prestigewettkampf der Metropolen behaupten zu können, unternahm man vielfältige Bemühungen, um auch die Berliner Museen zu einer Sammlung auszubauen, die denen in London und Paris vergleichbar war. Hatte sich Berlin bisher damit abgefunden, dass sich die bedeutendsten deutschen Gemäldesammlungen in Dresden und München befanden, entwickelte man nun den Ehrgeiz, diesen, aus fürstlichem Sammeleifer entstandenen Kollektionen, den Rang ablaufen zu wollen.[50]
Dieser Wunsch ging mit einer zeitgleichen Umorientierung des internationalen Kunstmarktes vor sich. Bisher hatte die Gemäldegalerie vor allem mit der National Gallery in London, dem Louvre in Paris, dem Zarenhof in St. Petersburg und im deutschsprachigen Raum mit dem ebenfalls sehr ambitionierten Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt/M. im Wettstreit gestanden. Nun aber kamen zahlreiche neue Konkurrenten hinzu.[51]
Angeregt durch den Wettkampf der Museen um herausragende Kunstwerke, etablierte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Generation von privaten bürgerlichen Sammlern, die oft über erhebliche Geldmittel verfügten, die die Museumsetats oft weit überstiegen. Dies hatte zur Folge, dass die hohen Marktpreise, die von Berlin bisher nur als eine zeitlich begrenzte Modeerscheinung eingeschätzt worden waren, noch weiter explodierten und damit alle Museen vor erhebliche finanzielle Schwierigkeiten stellte. Diese Preisentwicklung hatte aber auch zur Folge, dass nun viele alte, vorwiegend adlige Sammler dazu bereit waren, sich von ihren Schätzen zu trennen, so dass jetzt auch viel mehr Kunstwerke auf den Markt kamen.[52]
In dieser Situation übernahm mit Julius Meyer ein Mann die Führung der Gemäldegalerie, der wieder über Durchsetzungskraft verfügte und auch bereit war, neue Wege zu beschreiten. Ihm zur Seite stand ab 1872 sein neuer Assistent Wilhelm von Bode. Beide betrachteten es als ihre vorrangige Aufgabe, die noch immer bestehenden Lücken der Sammlung zu schließen, wobei sie sich darin einig waren, dass es im Endeffekt wichtiger war, mit einer zur Verfügung stehenden Summe lieber ein bedeutendes Werk zu kaufen, anstatt viele mittelklassige Bilder, wie es bisher meist der Fall gewesen war.[53] Um ihren Plänen Taten folgen zu lassen, beantragten sie für die Jahre 1872/73 eine erneute Einkaufsreise nach Italien, die auch genehmigt wurde. Ausgestattet mit 100.000 Talern und wie sie glaubten besser vorbereitet als Waagen, traten sie ihre Reise an und erlebten eine riesige Enttäuschung. Die massenhafte Ausfuhr italienischer Kunstwerke in den letzten Jahrzehnten hatte die dortige Bevölkerung mobilisiert und sie begannen sich, gegen die ausländischen Käufer zu organisieren. Trotz angelaufener Verhandlungen über den Ankauf mehrerer kirchlicher Altarbilder, mussten diese aufgrund massiver Proteste abgebrochen werden. Lediglich der Ankauf aus Privatsammlungen und über Kunsthändler war noch problemlos möglich. Allerdings zeigte sich schnell, dass Ankäufe aus privaten Sammlungen meist nicht ohne lange Vorbereitungen (manchmal dauerten sie mehrere Jahre) möglich waren und Kunsthändler nur selten die gesuchte Qualität anboten. Dementsprechend mager fiel die Ausbeute für die Berliner Gemäldegalerie aus. Immerhin konnten einige wenige gute Bilder von Künstlern wie Luca Signorelli, Giovanni Battista Tiepolo, Jacopo Tintoretto und Andrea del Verrocchio angekauft werden.[54]
Als Konsequenz aus der eher enttäuschenden Reise begannen Meyer und Bode, schon in Italien, an einem neuen Konzept für zukünftige Erwerbungen zu arbeiten. Es wurde beschlossen, ein europaweites Netz von Kunstagenten aufzubauen, die den Markt, im Dienst der Berliner Galerie, im Auge behalten und bevorstehende Verkäufe rechtzeitig melden sollten. Darüber hinaus begann man langfristige Kontakte zu englischen Kunsthändlern zu knüpfen, was zu Waagens Zeit, wegen der angeblich überhöhten Preise, noch weitgehend abgelehnt worden war. Diese Bemühungen trugen bald erste Früchte und brachten dem Museum in den folgenden Jahren zahlreiche Bilder ersten Ranges ein, für die aber meist auch sehr hohe Preise gezahlt werden mussten.[55]
Obwohl man sich bei der Ankaufspolitik mittlerweile mehr auf einzelne, herausragende Arbeiten konzentrierte, bot sich 1874 die Möglichkeit, die in der internationalen Presse hoch bewertete Sammlung des Aachener Industriellen Barthold Suermondt zu erwerben. Dieser befand sich in einer finanziell schweren Lage und sah sich dazu gezwungen, sich von seiner Kunstsammlung zu trennen, die als größte Altmeistersammlung in deutschem Besitz galt und vor allem Werke der nordeuropäischen Schulen enthielt. Nachdem er sie offensichtlich nicht auf dem internationalen Markt verkaufen konnte, bot er sie Berlin an und wandte sich dabei, die Museumsfachleute umgehend, an den Staat, die seine Offerte sofort anzunehmen bereit waren. Obwohl Bode die Sammlung im Ganzen für überbewertet hielt und gerne nur einzelne Bilder erworben hätte, wurde schließlich, nach langen Verhandlungen der gesamte Bestand, einschließlich der Zeichnungen, für 350 000 Taler erworben.[56] Zu den so erworbenen Gemälden gehörten beispielsweise Jan van Eycks Kirchenmadonna und Jan Vermeers Junge Dame mit Perlenhalsband. Weitere Werke waren von Frans Hals, Hans Holbein d. J., Peter Paul Rubens und Jan Steen. [57] Des weiteren gab es in der Sammlung auch mehrere Werke spanischer Malerei, die in Berlin bisher, trotz großer Anstrengungen,[58] nur durch einige wenige Bilder vertreten war, so dass in der Folgezeit, der Ankauf weiterer Gemälde, ganz oben auf der Liste der gewünschten Erwerbungen standen. Trotz zahlreicher Bemühungen und einer Spanienreise von Bode im Jahr 1881 gelangten bis heute nur wenige weitere spanische Bilder in den Besitz der Sammlung.[59] Darunter nur eine Handvoll Spitzenwerke.
Bode selbst entwickelte sich, im Dienst des Museums, zu einem manischen Sammler, dem es in den Folgejahren gelang, die Sammlung nicht nur auszubauen, sondern ihre Qualität erheblich zu erhöhen. Seinem Geschick ist es zu verdanken, dass die Gemäldegalerie zu einem der führenden Institute alter europäischer Malerei heranwuchs. Sein Sammeleifer bescherte Berlin eine der besten Sammlungen von italienischen Quattrocento-Gemälden, eine der größten Sammlungen von Bildern Rembrandts und eine gut ausgebaute und repräsentative Rubens-Sammlung. Dies hatte zur Folge, dass der Bilderbestand Ausmaße annahm, der sich kaum noch vernünftig ausstellen ließ. Da die Bilder bereits Rahmen an Rahmen an den Wänden hingen, mussten bei Neuerwerbungen alte Bilder weichen. Die ausgesonderten Bilder wurden in ein provisorisches Depot verbracht, das sich unter dem Dach des Alten Museums befand und ebenfalls schon hoffnungslos überfüllt war. Unter den dort schon eingelagerten Bildern befanden sich unter anderem noch mehr als 1.000 Bilder der Solly-Sammlung, die seit dem Ankauf noch nicht systematisch erfasst und untersucht worden waren. Um der Platznot Herr zu werden, beschlossen Meyer und Bode, 1886, einen Großteil dieser Bilder aus der Sammlung abzugeben. Nach einer oberflächlichen Durchsicht wurde eine Auswahl von 1.062 Gemälden getroffen, neben Werken aus der Solly-Sammlung vermutlich auch einige heute nicht mehr nachweisbare Werke, die erst nach 1830 angekauft worden waren und unter denen sich Bilder befanden, die bei ihrer Erwerbung unter anderem Paris Bordone, Guercino, Tizian und Paolo Veronese zugeschrieben wurden. Leider wurden die Bilder nur mit solch dürftigen Beschreibungen wie „Italienisch, 14. Jahrhundert“ oder „Niederländisch, 15. Jahrhundert“ ohne genaue Bildbeschreibung und Maße an das Auktionshaus Rudolph Lepke abgegeben, wo sie 1887, unter den übernommenen bescheidenen Angaben, versteigert wurden,[60] so dass es heute nahezu unmöglich ist, einzelne dieser Werke in anderen Sammlungen zu identifizieren.
Trotz dieser, aus heutiger Sicht eher zweifelhaften Aktion, die zu damaliger Zeit aber durchaus gängige Praxis war, waren es vor allem die positiven Verdienste Bodes für die Gemäldesammlung und die Berliner Museen im Ganzen, die die Verantwortlichen dazu bewogen, ihm 1890 zu Direktor von Gemäldegalerie und Skulpturensammlung zu ernennen.
Seine dringendste Aufgabe im neuen Amt sah Bode vor allem darin, einen gangbaren Weg aus dem akuten Raummangel der von ihm betreuten Sammlungen zu finden, der im Übrigen alle Berliner Sammlungen betraf. Schon in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte man damit begonnen gehabt, dem Platzmangel im Alten Museum durch umfangreiche Umbauarbeiten, dazu gehörte unter anderem der Einbau von Oberlicht, Herr zu werden. Trotzdem war es sowohl Meyer als auch Bode klar, dass man auf lange Sicht nicht um einen Museumsneubau herumkommen würde. So begann man spätestens 1880 mit den Planungen für einen solchen. Dabei griff man auf eine ältere Idee des Generaldirektors Guido von Usedom zurück, der die Idee hatte, dass schon bestehende Museumsensemble durch ein weiteres Museum für Abgüsse von Skulpturen des Mittelalters und der Renaissance zu erweitern. Ausgehend von dieser Idee entwickelte wohl erst Meyer und dann hauptsächlich Bode, ab den 90er Jahren, das Konzept für ein Renaissancemuseum, in dem verschiedene Kunstgattungen integrativ in gemeinsamen Räumen präsentiert werden sollten. Bodes Absicht war es, Gemälde, Skulpturen, ausgesuchte Möbel und Gobelins nebeneinander in Räumen zu präsentieren, die mit originalen Wandverkleidungen, Decken, Fußböden, Portalen, Kaminen und Simsen ausgestattet waren und so ein ideales Gesamtbild einer Epoche zeigen sollten. Um seinen Plan, gegen den es viele Widerstände gab, umsetzen zu können, bemühte er sich um möglichst prominente Unterstützung. Eine gute Gelegenheit bot sich ihm, als er 1896 für die Kaiserin Viktoria deren Kunstsammlung im Schloss Friedrichshof, genau nach diesem Konzept, umgestaltete und damit ihr Wohlwollen und ihre Unterstützung beim Kaiser erlangte. Dieser gab am 6. März 1896 seine Zustimmung für den Neubau. Im Folgejahr wurde dann auch das Geld für den Neubau im Abgeordnetenhaus bewilligt. Der Auftrag für Planung und Bau ging an den Architekten Ernst von Ihne. Anlässlich der Neueröffnung erhielt die Sammlung eine Reihe von Schenkungen aus denen vor allem die von Adolph Thiem und James Simon gestifteten Bilder herausragen. Am 18. Oktober 1904 wurde das Museum, das zu Ehren des Kaisers Friedrich III. Kaiser-Friedrich-Museum benannt wurde, feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Der Eintritt blieb, wie schon seit der Eröffnung, erstmal noch frei.
| Einzelerwerbungen | |
| Altniederländische Meister | Petrus Christus: Exeter-Madonna (523 B) • Jan van Eyck: Giovanni Arnolfini (523 A); Baudoin de Lannoy (525 G) • Hugo van der Goes: Beweinung Christi (1622); Anbetung der Hirten (1622 A) • Lucas van Leyden: Madonna mit Engeln (584) • Quinten Massys: Klagende Maria Magdalena (574 C) ׇ Hans Memling: Thronende Madonna (529 D) • Aelbert van Ouwater: Auferweckung des Lazarus (532 A) • Jan van Scorel: Bildnis eines Mannes (683 A) |
| Deutsche Meister | Albrecht Altdorfer: Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (638 B); Der Bettel sitzt der Hoffahrt auf der Schleppe (638 C); Christus am Kreuz (638 D); Geburt Christi (638 E) • Hans Baldung: Dreikönigsaltar (603 A) • Lucas Cranach d. Ä.: Madonna (559 A); Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (564 A); Die hl. Anna Selbdritt (567 A); David und Bathseba (567 B) • Albrecht Dürer: Friedrich III., der Weise (557 C); Jakob Muffel (557 D); Hieronymus Holzschuher (557 E); Madonna mit dem Zeisig (557 F); Junge Venezianerin ( |