Die Geistige Landesverteidigung war eine politisch-kulturelle Bewegung in der Schweiz, die von ca. 1932 bis in die sechziger Jahre aktiv von den Schweizer Behörden, speziellen Institutionen, Gelehrten und der Presse aber auch von Kulturschaffenden getragen wurde. Das Ziel dieser Bewegung war die Stärkung von als «schweizerisch» wahrgenommenen Werten und Bräuchen, um damit totalitäre Ideologien abzuwehren. Zuerst richtete sie sich vornehmlich gegen den Nationalsozialismus und den Faschismus, später während des Kalten Krieges gegen den Kommunismus. Selbst nachdem die Geistige Landesverteidigung nicht mehr aktiv von den Behörden betrieben wurde, blieb sie bis weit in die achtziger Jahre wirksam und noch heute verwenden schweizerische Politiker oft Begriffe und Metaphern der Geistigen Landesverteidigung.
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Die Forderung nach einer «geistigen» Verteidigung der schweizerischen Demokratie gegen den Faschismus mit damals modernen Mitteln wie Radio und Film stammte aus linken Kreisen und erhielt grössere Aktualität, als Hitler 1933 in Deutschland die Macht übernahm. Damit schloss sich der Kreis um die Schweiz, da nun in allen Nachbarländern der Schweiz – ausser in Frankreich – faschistisch-autoritäre Regierungen an der Macht waren. In dieser ersten Phase hatte die Geistige Landesverteidigung einen deutlich antideutschen Charakter, da die schweizerische Eigenart vornehmlich gegenüber Deutschland betont werden sollte. Eine Spezialform der Geistigen Landesverteidigung stellte der so genannte Elvetismo im Tessin dar, wo es um die Abwehr des italienischen Irredentismus ging - d.h. die Betonung der Tessiner Eigenart gegenüber Italien.
Die zentrale Idee der Geistigen Landesverteidigung war die Schaffung einer «Volksgemeinschaft» in der Schweiz. Dies bedeutete die Überwindung der Klassengegensätze und die Erschaffung einer geschlossenen schweizerischen Identität, einer «Schicksalsgemeinschaft», die kulturelle Unterschiede und die Viersprachigkeit der Schweiz mit einschloss. Der von Jost diesbezüglich geprägte Begriff des «helvetischen Totalitarismus» greift zu kurz, da er sich einseitig nur auf die bürgerliche Geistige Landesverteidigung bezieht.[1] Ab 1938 wurde die Geistige Landesverteidigung offiziell vom Bundesrat mitgetragen. Bundesrat Philipp Etter legte in einer grundlegenden Schrift die Betonung vor allem auf die Zugehörigkeit der Schweiz zu den drei dominanten europäischen Kulturkreisen, die kulturelle Vielfalt, der bündische Charakter der Demokratie und die Ehrfurcht vor der Würde und Freiheit des Menschen. Je nach politischer Gesinnung wurden zudem weitere Ideen in die Bewegung projiziert wie der Föderalismus, der bäuerliche Charakter der Schweiz, soziale Gerechtigkeit, Religionsfreiheit etc.
Die Landesausstellung 1939 in Zürich gilt als wirkungsvollster Ausdruck der Geistigen Landesverteidigung. Der so genannte «Landigeist» durchströmte die Schweiz und gab den Menschen kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges das Gefühl eines ungebrochenen Willens der Schweiz zur Selbständigkeit gegen alle Ansprüche aus Deutschland und der unfreiwilligen Einvernahme des deutschen Teils der Schweiz in ein zu schaffendes grossdeutsches Reich, nachdem bereits Österreich und das Sudetenland in Deutschland eingegliedert worden waren.
Das Hauptproblem der Geistigen Landesverteidigung stellte der Einfluss der staatlich gelenkten deutschen und italienischen Propaganda dar, die vornehmlich über Radio, Bücher und Zeitschriften in die Schweiz einwirkte. Um diesen Einflüssen entgegenzutreten wurden von privater wie staatlicher Seite kulturelle Institutionen geschaffen, die «schweizerische» Propaganda betrieben. Speziell die Kulturstiftung Pro Helvetia sowie die Neue Helvetische Gesellschaft und die Armee-Sektion «Heer und Haus», sind hier zu nennen. Auch das Schweizer Filmschaffen wurde erstmals stark gefördert um die geistige Landesverteidigung auch über die Kinos zu betreiben. Die bedeutendsten dieser Filme waren Leopold Lindtbergs Füsilier Wipf (1938) und Landammann Stauffacher (1941) sowie Franz Schnyders Gilberte de Courgenay (1941).
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Bewegung aktiv und richtete sich gegen die befürchtete Gefahr einer kommunistischen Unterwanderung. Dem Zeitgeist entsprechend wurde die Betonung nun eher auf den Rechts- und Sozialstaat, die Neutralität sowie den Milizcharakter einer starken schweizerischen Armee gelegt. Seit den fünfziger Jahren mündete die Geistige Landesverteidigung zunehmend in «Bunkermentalität», politischem und geistigem Isolationismus und einer Militarisierung der Zivilgesellschaft.
Wegen der starken Kritik aus kulturellen und intellektuellen Kreisen mussten die schweizerischen Behörden ab 1962 die offizielle Förderung der Geistigen Landesverteidigung aufgeben. Dennoch förderte die schweizerische Armee weiterhin den Wehrwillen und propagierte die unbedingte Abhängigkeit der Schweiz von einer zahlenmässig starken und hochgerüsteten schweizerischen Milizarmee bei gleichzeitiger unbedingter politischer und wirtschaftlicher Neutralität.
Der Bundesrat bediente sich noch 1989 im Abstimmungskampf um die Armeeabschaffungsinitiative im Vokabular und in der Bildsprache bei der Geistigen Landesverteidigung. In ähnlicher Tradition standen auch die Feierlichkeiten zum fünfzigjährigen Jubiläum der Kriegsmobilmachung 1989. Die Anlässe der so genannten «Diamant»-Feiern sollten den Geist der Aktivdienstgeneration in Hinblick auf bevorstehende Abstimmungen über die Beschaffung von neuem Rüstungsmaterial für die Armee wiederbeleben.
Auch politische Parteien, vornehmlich aus dem rechts-bürgerlichen Spektrum wie die SVP, bedienen sich bis zur heutigen Zeit der Ideen der Geistigen Landesverteidigung im Kampf gegen eine EU-Integration oder gegen die «Überfremdung» der Schweiz, so beispielsweise im Abstimmungkampf über den Beitritt der Schweiz zum europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 1992 oder bei der Kampagne gegen einen Beitritt der Schweiz zu den Abkommen von Schengen und Dublin 2005. Daneben leben auch weniger bekannte Aspekte der Geistigen Landesverteidigung aus der Nachkriegszeit unbestritten weiter, etwa die Idee der sozialen Marktwirtschaft oder der Sozialpartnerschaft.
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."