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Franz Blei (* 18. Januar 1871 in Wien; † 10. Juli 1942 in Westbury, USA) war ein österreichischer Schriftsteller, Übersetzer und Literaturkritiker.
Nach einem Studium in Wien, Zürich, Genf und Bern, wo er 1895 mit einer Dissertation über die Dialoge des Abbé Galiani zum Doktor der Nationalökonomie promovierte, war Franz Blei ab 1900 Redakteur der Zeitschrift Die Insel. Er gehörte zu dem Kreis um Alfred Adler und war mit diesem befreundet. Bekannt wurde Blei vor allem als Essayist (Prinz Hypolit und andere Essays. Leipzig: Insel-Vlg. 1903 u.v.a.) sowie als Herausgeber von Zeitschriften und erotischen Texten (z. B. die Zeitschriften Der Amethyst, 1905, und Die Opale, 1907, oder die Sammlung erotischer Barockliteratur Das Lustwäldchen, 1907 ff.) bzw. philosophischer Essays über Pornografie. In einer seiner Zeitschriften - Hyperion (1908-1910 im Verlag Georg Müller, München) - debütierte Franz Kafka. Robert Musil, mit dem er zeitlebens befreundet war, publizierte für Der Lose Vogel (Leipzig 1912/13) und Summa (1917).
Sein bekanntestes Werk als Schriftsteller und Kritiker ist Das große Bestiarium der deutschen Literatur (erstmals 1920 in München, ab 1922 bei Rowohlt). Dort beschrieb Blei spöttisch alle wichtigen Autoren in alphabetischer Ordnung als exotische Tiere. In späteren Auflagen wurde dieses Werk jeweils erweitert, unter anderem um Beiträge von Robert Musil und Hermann Broch, deren Namen nur verschlüsselt im Vorwort erwähnt werden.
Einige seiner Dramen bzw. Dramenübersetzungen wurden auch vertont, darunter das Nusch Nuschi 1920 von Paul Hindemith und seine Übersetzung von André Gides König Kandaules von Alexander Zemlinsky. Zu Bleis Pseudonymen als Autor zählen Medardus und Doktor Peregrinus Steinhövel.
Als Herausgeber publizierte er u. a. Robert Walser, Franz Kafka sowie Robert Musil und übersetzte Charles Baudelaire, Paul Claudel, Choderlos de Laclos, Marcel Schwob, André Gide, Nathaniel Hawthorne und Oscar Wilde.
Blei lebte in München, Berlin und Wien, bevor er 1932 aus finanziellen und politischen Gründen nach Mallorca emigrierte. Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs begann eine leidvolle Odyssee, die ihn über Wien, Florenz, Lucca, Cagnes sur mer, Marseille und Lissabon nach New York führte. Verheiratet war er mit der Zahnärztin Maria Franziska Lehmann (* 2. Januar 1867 in Offenburg; † 8. November 1943 in Gengenbach); aus der Ehe gingen die Tochter Maria Eva Sibylla (* 22. März 1897 in Zürich) und der Sohn Peter Maria (* 17. Juni 1905 in München) hervor. 1959 wurde die Bleigasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt.
- Die Puderquaste. Ein Damen-Brevier. Aus den Papieren des Prinzen Hippolyt. Verlag Hans von Weber, München 1908
- Vermischte Schriften. 6 Bände. München, Georg Müller-Verlag 1911
- Der Knabe Ganymed. Moralische Erzählungen, 1923
- Das große Bestiarium der Literatur, 1923
- Frauen und Abenteurer, 1927
- Himmlische und irdische Liebe in Frauenschicksalen, 1928
- Ungewöhnliche Menschen und Schicksale, 1929
- Erzählung eines Lebens, 1930 (Autobiografie; Neuauflage Paul Zsolnay, Wien 2004, ISBN 3-552-05310-7)
- Männer und Masken, 1930
- Die göttliche Garbo – mit einem Nachwort von Greta Garbo, 1930
- Die Lust der Kreatur, 1931
- Talleyrand oder der Zynismus, 1932
- Zeitgenössische Bildnisse, 1940
- Franz Blei: Briefe an Carl Schmitt 1917-1933. In Zusammenarbeit mit Wilhelm Kühlmann hrsg. u. erläutert v. Angela Reinthal. Manutius Verlag, Heidelberg 1995, ISBN 3-925678-53-0.
- Franz Blei – André Gide. Briefwechsel (1904-1933), 1997
- Die tiefe Beschauung. Oper. Musik (~1914): Friedrich Hollaender
- Es waren einmal zwei Geschwister. Märchenspiel. Musik: Friedrich Hollaender. UA 1915 Berlin
[Bearbeiten] Übersetzungen (Auswahl)
- William Beckford: Vathek. Zus. mit Robert Picht. Frankfurt am Main: Insel-Verlag, 1964.
- Jacques Cazotte: Biondetta. E. Hoffman, 1961.
- Paul Claudel: Die Musen. Leipzig: Kurt Wolff, 1917.
- Paul Claudel: Der Tausch. München: Hyperion, 1910.
- André Gide: Der schlechtgefesselte Prometheus. Zus. mit Pierre Bonnard. Frankfurt am Main: Dielmann, 2003.
- Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe. München: dtv, 2004.
- Nathaniel Hawthorne: Der Garten des Bösen. Berlin: Maschler, o.J.
- Nathaniel Hawthorne: Ein tragischer Sommer. Potsdam: Müller, 1922
- Nathaniel Hawthorne: Ein Mann namens Wakefield und andere Erzählungen. Zus. mit Hans Hennecke. Potsdam: Müller & Kiepenheuer, 1949.
- Jules Laforgue: Pierrot, der Spassvogel. Frankfurt am Main, Insel Verlag 1965 (Insel-Bücherei 850).
- Marcel Schwob: Das Buch Monelle. Leipzig, Insel Verlag 1983 (Insel-Bücherei 681/2).
- Walt Whitman: Hymnen für die Erde. Leipzig, Insel Verlag 1914 (Insel-Bücherei 123/1).
- Oscar Wilde: Die Erzählungen und Märchen. Zus. mit Felix Paul Greve. Frankfurt am Main, Insel Verlag 1986.
- Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville. Leipzig, Insel Verlag 1926 (Insel-Bücherei 390)
- Oscar Wilde: Bunbury. Stuttgart, Reclam-Verlag 1965 (RUB Stuttgart 8498).
- Oscar Wilde: Der glückliche Prinz und andere Erzählungen. Leipzig, Insel Verlag 1931 (Insel-Bücherei 413).
- Oscar Wilde: Lehren und Sprüche. Leipzig, Insel Verlag 1913 (Insel-Bücherei 53/1 und 781)
- Gregor Eisenhauer: Franz Blei: Der Literat. Ein biographischer Essay. Mit Texten von Franz Blei über Robert Walser, Eugen Arram, Frank Wedekind, Karl Kraus und Buck Whaley auf CD. Elfenbein Verlag, Berlin 2004.
- Dietrich Harth (Hrsg.): Franz Blei. Mittler der Literaturen. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1997, ISBN 3-434-52002-3.
- Helga Mitterbauer: Rastloser Ruhestand. Zur Emigration von Franz Blei; in: "Mit der Ziehharmonika. Zeitschrift für Literatur des Exils und des Widerstands", 14 Jg., Nr. 3, Wien, November 1997.
- Helga Mitterbauer: Ein Mann mit vielen Eigenschaften. Studie zur Rolle Franz Bleis als Kulturvermittler, 2000.
- Helga Mitterbauer: Die Netzwerke des Franz Blei. Kulturvermittlung im frühen 20. Jahrhundert. Tübingen, Basel: Francke 2003.
- Karl H. Salzmann: Blei, Franz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, S. 297.
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