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First Nations

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Mit First Nations (französisch Premières nations, deutsch Erste Nationen) werden die indianischen Völker in Kanada (ohne die Métis und Inuit) bezeichnet. Als nationales Repräsentationsorgan fungiert die Versammlung der First Nations.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Begriff

Der Begriff First Nations wird zur Bezeichnung der indianischen Ureinwohner Kanadas ohne die Métis und Inuit verwendet. Als Eigenbezeichnung wurde er erstmals wohl 1982 bei der Benennung der Versammlung der First Nations benutzt. Als Selbstbezeichnung hat er bei den zahlreichen ethnischen Gruppen weitgehend den Begriff Band abgelöst, so dass der Begriff auch im Singular auftaucht. Daneben ist der Begriff Band im offiziellen Sprachgebrauch weiterhin üblich, wobei er wie eine Art Oberbegriff gebraucht wird, der First Nations, Tribes und Bands umfasst.[1]

Obwohl der Begriff First Nations auch von den kanadischen Behörden verwendet wird, ist er juristisch nicht genau festgelegt. Noch immer steht er in Konkurrenz zum Begriff Indian. Im Indian Act werden dabei drei Arten von Indianern unterschieden:

  1. Status Indian: Angehöriger eines Indianervolks, der als Indianer registriert ist oder dazu berechtigt ist.
  2. Non-Status Indian: Angehöriger eines Indianervolks, der nicht zur Registrierung als Indianer berechtigt ist.
  3. Treaty Indian: Angehöriger eines Indianervolks, das zwischen 1871 und 1921 mit der britischen Krone einen der elf „nummerierten Verträge“ (Numbered Treaties) abgeschlossen hat.[2]

Alle Begriffe setzen die Zugehörigkeit zu einem bestehenden Stamm voraus. Dabei hängt an dem Begriff Status Indian eine Anzahl von Rechten und Ansprüchen gegenüber der Regierung. Diese beziehen sich auf Landrechte, materielle Zuwendungen und Schutz vor Enteignungen. Doch konnte allein durch Verlassen des Reservats, Umzug in ein anderes Reservat, durch Heirat oder ähnliches der Status verloren gehen. Jedoch scheint sich diese Entwicklung langsam umzukehren, da sich immer mehr Ureinwohner registrieren lassen und der Geburtenüberschuss höher ist, als im Rest der Bevölkerung.

Alle Mitglieder der First Nations, die Ansprüche auf staatliche Leistungen nach dem Indian Act erlangen wollen, müssen ins Indian Register eingetragen sein. Dieses Indianerregister wird vom Department of Indian Affairs and Northern Development geführt.

[Bearbeiten] Bevölkerung

Ende 2007 waren 632 Stämme anerkannt,[3], bzw. werden auf der Webiste des Department of Indian Affairs and Northern Development aufgeführt, davon 198 in British Columbia in 1702 Reservaten, gefolgt von Ontario mit 139 in 206 Reservaten, dann Saskatchewan und Manitoba mit 70 bzw. 63 in 602 bzw. 195 Reservaten, Alberta und Québec mit 70 bzw. 39 Stämmen in 137 bzw. 44 Reservaten. Die übrigen 77 Stämme verteilten sich auf die Northwest Territories (26 Stämme in 29 Reservaten), Yukon (18 Stämme in 15 Reservaten), New Brunswick (15 Stämme in 26 Reservaten), Nova Scotia (13 Stämme in 39 Reservaten), schließlich Neufundland (3 Stämme in 3 Reservaten) und Prince Edward Island (2 Stämme in 4 Reservaten). Von den fast genau 3.000 Reservaten liegen rund 57 % in British Columbia.

Die größten First Nations leben jedoch nicht dort sondern weiter im Osten:[4]

  1. Six Nations of the Grand River Irokesen, Ontario (21.379)[5]
  2. Akwesasne Mohawk Nation, Ontario (10.660, März 2008)
  3. Kainai Nation (Blood), Alberta (10.311)
  4. Kahnawake Mohawk Nation, Québec (9.092)
  5. Saddle Lake Cree Nation, Alberta (8.809)
  6. Lac La Ronge, Saskatchewan (8.541)
  7. Peter Ballantyne Cree Nation, Saskatchewan (8.389)
  8. Peguis, Manitoba (8.317)

22 % der Indianer lebten in Ontario, 19 % in British Columbia, 15 % in Manitoba, je 14 % in Alberta und Saskatchewan. Mehr als 50 % von ihnen sind unter 23,5 Jahre alt, während dieser Wert im übrigen Kanada bei 37,7 Jahren liegt. Sie sind also sehr jung (35 % sind jünger als 14), und dementsprechend ist absehbar, dass ihr Anteil an der Bevölkerung stark steigen wird.

Die Volkszählung von 2006 erfasste 1.172.790 Ureinwohner (3,8% der Gesamtbevölkerung), 1996 waren dies noch weniger als 800.000. 2006 gaben 698.025 an, zu einer der First Nations zu gehören, womit ihre Zahl innerhalb von 10 Jahren um 26 % gestiegen ist. 564.870 waren registriert, 133.155 nicht, womit die Zahl der nicht registrierten doppelt so schnell anwuchs, wie die Zahl der registrierten.

Dabei lebten 158.395 First Nations People (oder23 %) in Ontario, 129.580 (19 %) in British Columbia, 100.645 (14 %) in Manitoba, 97.275 (14 %) in Alberta und 91.400 (13 %) in Saskatchewan. 2006 waren 615 First Nations anerkannt. Der Anteil der Indianer außerhalb der Reservate überstieg die 50 %, davon lebten in den Städten Winnipeg 25.900, Vancouver 23.515, Edmonton 22.440 und Toronto 17.275, in Saskatoon 11.510, Calgary 10.875, Ottawa‑Gatineau 10.790, Montréal 10.130, Regina 9.495 und Thunder Bay 7.420. In Prince Rupert stellen sie 32 % der Bevölkerung. Das Durchschnittsalter der Indianer liegt bei 25, also 15 Jahre unter dem kanadischen Durchschnitt, in Saskatchewan sogar bei 20 Jahren.[6]

[Bearbeiten] Sprachen

Indianersprachen in Nordamerika
Indianersprachen in Nordamerika

Amerika ist von einer enormen Sprachenvielfalt gekennzeichnet, jedoch stehen viele Sprachen vor dem Aussterben, bzw. sind bereits tot. Eine ganze Reihe von Sprachen der kanadischen First Nations gilt hingegen als nicht gefährdet. Unter ihnen waren 1976 zum einen Gruppen mit 100 bis 1.000 Sprechern, womit das Überleben der Sprache als einigermaßen gesichert galt: Tsimshian (3.452 Stammesmitglieder), Niska (2.892), Gitksan (3.149), Haisla-Kitimat (989), Bella Bella-Heiltsuk (1.424), Kwakiutl (3.155), Nootka (3.753), Lillooet (2.961), Shuswap (4.347), Thompson (3,023) und Okanagan-Sanpoil-Colville-Lake (1.753), Squamish (1.430), Songish-Lummi-Clallam (1.443), Assiniboine (1.376), Mohawk (16.640), Ottawa (1.874), Algonkin (4.648), Malecite-Passamaquoddy (694), Haida (1.560), Tlingit (522), Loucheux-Kutchin (2.600) (s. Gwich'in), Nahani (Tanana-Koyokan-Han-Tutchone) (1.305), Dogrib-Bear Lake-Hare (2.461), Tahltan-Kaska (793), Sekani-Beaver-Sarsi (2.197), Dakota (6.517). Zum anderen galten als sicher überlebensfähig nur folgende Sprachen, die mehr als tausend Sprecher aufwiesen: Cowichan (7.118), Blackfoot (9.875), Ojibwa-Saulteaux (62.545), Cree (92.664), Montagnais (6.987), Micmac (11.525), Chipewyan-Slave-Yellowknife (11.097) und Carrier-Chilcotin (7.204). Doch selbst im ländlichen Saskatchewan, mit einer relativ hohen Indianerbevölkerung, ging der Gebrauch der Muttersprachen von 1961 bis 1971 von 85 auf 64 % zurück. Im städtischen Bereich benutzten zu dieser Zeit nur noch 22 % der Indianer ihre Sprachen zu Hause.[7]

Zu diesen Sprachen kommen noch das Michif, eine aus den Sprachen der Cree, Ojibwa, Assiniboine und Französisch entstandene Sprache der Métis, und die Bungee-Sprache (auch Bungy, Bungay oder Red River-Dialekt genannt). Sie ähnelt dem Michif, wird aber nur am namengebenden Red River in Manitoba gesprochen und ist eine Mischung aus Cree und schottischem Gälisch.

Seit den 70er Jahren gibt es zahlreiche Bemühungen, die noch existierenden Sprachen zu unterrichten, Wörterbücher und Grammatiken herauszugeben, Lernmöglichkeiten über das Internet zu schaffen.[8] Dennoch sind die meisten Sprachen mehr gefährdet denn je. Von den rund 50 Sprachen der Ureinwohner Kanadas galten 1996 nur Cree, Inuktitut und Ojibway als in ihrem Überdauern gesichert, nur noch 26 % gaben eine solche Sprache als Muttersprache an.

Die knapp 50 Sprachen der First Nations gehören 10 Sprachfamilien an. Die drei größten Sprachen repräsentieren dabei rund 93 % der indigenen Muttersprachler. 147.000 Sprecher gehörten dabei der Algonkin-Sprachfamilie an, 20.000 dem Athapaskischen. Acht Sprachfamilien stellten nur 7 % der Sprecher. Dabei nahm die Zahl der Sprecher mit dem Alter zu, umgekehrt sprachen nur noch 20 % der unter fünf Jahre alten Kinder eine indigene Sprache. Noch dramatischer ist der Sprachverlust in den Städten.

Dennoch tragen manche Bemühungen Früchte. Sie basieren oftmals auf der Arbeit von wenigen Individuen, die sehr verschiedene Wege gegangen sind. Diese reichen von verschiedenen Lernszenarien zwischen Schule, Musik, Kombinieren von Ritualen in natürlicher Umgebung mit Sprachlernen, eigenen Schriftzeichen, aber auch Internetsprachlehrgängen und universitären Ausbildungen, bis hin zur Forderung nach Aufnahme der jeweiligen Sprache in die Amtssprachen.

Für den Zensus des Jahres 2006 gaben 51 % der Reservatsbewohner an, in ihrer Muttersprache kommunizieren zu können, in den Städten waren es nur 12 %. 18 % der über 75-Jährigen in den Reservaten sprachen ausschließlich ihre Muttersprache. 21 % der Kinder unter 14 sprechen inzwischen wieder ihre Muttersprache (39 % der Kinder in Reservaten, nur noch 6 % in Städten), 24 % der 15-24-jährigen.

Die Zahl der Sprecher ist bei den Cree mit 87.285 am höchsten, es folgen 30.255 bei Ojibway, 12.435 bei Oji-Cree und 11.080 bei Montagnais-Naskapi, 9.250 Dene, 8.540 Mi'kmaq, 6.285 Siouan-Sprachen und 5.320 Atikamekw, schließlich 4.760 bei Blackfoot. Am schnellsten wuchs diese Zahl bei den Oji-Cree (20 %). Die Zahl der Sprecher bei den Haida (-31 %), Tlingit (-30 %) und Malecite (-30 %) ging hingegen in den letzten zehn Jahren stark zurück. Dabei lag der Anteil derjenigen, die ihre ererbte Sprache als Zweitsprache erwarben bei manchen Stämmen bei über 30 %.[9]

[Bearbeiten] Kulturareale

Von den zehn nordamerikanischen Kulturarealen (nach Alfred Kroeber) berühren im Wesentlichen fünf die Wohngebiete der First Nations:

Ähnliche Umweltbedingungen und weit zurückreichende Beziehungen haben ähnliche Kulturen hervorgebracht, die sich sehr stark von denen der anderen Kulturareale unterscheiden.

[Bearbeiten] Subarktis

Die Subarktis umfasst von borealem Wald dominierte Gebiete von Zentralalaska bis zum Sankt-Lorenz-Strom. Hier lebten die beiden Sprachgruppen der Nord-Athapasken, deren bedeutendste Stämme die Anishinabe und Cree waren, und die Nord-Algonkin. Der Wald bot ihnen Waldkaribus, Waldbisons, Hirsche und Elche, die Gewässer Fisch und Meeresfrüchte. Stetigkeit der Versorgung lieferte das Sammeln von Waldprodukten und deren Vorratshaltung. Angepasst an die Bedürfnisse lebten die Bewohner in Stangenzelten, giebelförmigen Holzhütten oder Wigwams. In der extremen Weite entwickelten die kleinen Gruppen weder Stammesverbände, noch feste Siedlungen oder übergreifende Hierarchien.

[Bearbeiten] Nordwestküste

Die Siedlungskammern im Nordwesten waren dagegen sehr klein, die Ernährung sehr stark auf das Meer eingestellt. Dichte Wälder, z. T. gemäßigte Regenwälder mit riesigen Bäumen, boten völlig andere Baumaterialien. So lebte man in Holzhäusern, überwiegend Plankenhäusern. Das gleiche galt für Waffen, Kleidung, Behältnisse usw. Auch die Totempfähle sind ohne diese Baumbestände nicht denkbar.

Die Gesellschaften waren in drei Gruppen eingeteilt: eine Art Adel, dann die einfachen Stammesmitglieder und schließlich Sklaven - meist Kriegsgefangene und deren Nachkommen. Diese Gesellschaftsordnung wurde von Süden nach Norden, von den Küsten-Salish über Kwakwaka'wakw und Nuu-chah-nulth, Haida und Tlingit immer strenger. Innerhalb dieser Gruppen standen Lokal- oder Hausgruppen, Klane und Verwandtschaftssysteme im Vordergrund, das Konzept des Stammes war im Süden von geringerer Bedeutung. Die Rangunterschiede wurden durch öffentliche Rituale manifestiert, von denen der Potlatch das bekannteste sein dürfte. Dieser diente durch die Praxis äußerst großzügigen Verschenkens auch dem sozialen Ausgleich.

[Bearbeiten] Plateau

Im heute kanadischen Teil des Kulturareals lebten Stämme der Sprachfamilien der Binnen-Salish, der Kutenai und der Sahaptin, von denen die wichtigsten die Thompson und die Kutenai waren.

Der Fischfang, besonders von Lachs, bestimmte weite Teile der Kultur und der Technik. Jedoch spielten auch Wurzeln, Beeren und Jagdwild eine wichtige Rolle. Ähnlich wie die Küstenbewohner betrieben die Stämme des Plateaus einen weiträumigen Handel. Sie lebten in Erdhäusern und Plankenhäusern, aber auch in Tipis.

[Bearbeiten] Nordöstliches Waldland

Ausgedehnte Laub- und Mischwälder prägen das Nordöstliche Waldland. Hier lebten zahlreiche Gruppen der Algonkin. Sie ernährten sich teils vom Landbau, im Süden sogar überwiegend von Mais, Bohnen und Kürbissen, im Westen kam Wildreis hinzu, teils von der Jagd. Hier entstanden regelrechte Stammesföderationen und Großdörfer, besonders südlich der Großen Seen und des St. Lorenz.

[Bearbeiten] Prärie und Plains

Nur wenige First Nations, wie einige Blackfoot-Stämme leben im nördlichen Teil dieses Kulturareals, das im Windschatten der Rocky Mountains gelegen, von Trockenheit gekennzeichnet ist. Erst die Pferde der Spanier ermöglichten eine dünne Besiedlung, überwiegend in Tipis. Lokalgruppen bestimmten das Bild. Hier galt Kriegsruhm als Mittel der Statuserhöhung.

[Bearbeiten] Geschichte

Siehe auch Hauptartikel Geschichte der First Nations.

Nomadismus ohne Viehzucht - abgesehen von Hunden und Pferden - prägte die Kulturareale bis in das 19. Jahrhundert, wobei das religiöse Weltbild grundlegend von schamanistischen Vorstellungen geprägt war. Mythen bestimmten die Weltordnung. So beruhten die indigenen Religionen nicht auf einer Heilsgeschichte, sondern auf der Heiligkeit von Orten, Ritualen oder dazugehörigen Gegenständen, von Wissen und Geschichten, Tänzen und Musik. Religionen waren orts- und verwandtschaftsspezifisch und besaßen keinerlei universellen Geltungsanspruch.

Die koloniale Phase ab Ende des 15. Jahrhunderts begann an der Ostküste mit Pelzhandel, der bald in gewaltsame Konflikte umschlug. Dann kam es zu regelrechten Koalitionskriegen, mehrfach als Nebenschauplätze europäischer Kriege. Letztlich entlud sich der Konflikt zwischen den Hauptkontrahenten Frankreich und Großbritannien im Rahmen des Siebenjährigen Krieges. Eine Sonderrolle spielten die USA, die sich 1812 einen Krieg mit den Briten und Franzosen sowie ihren indianischen Verbündeten in Kanada lieferten - infolge dessen sich eine erste Grenzziehung etablierte, die jenseits der Großen Seen ab 1846 entlang des 49. Breitengrads den Kontinent zerschnitt (Oregon-Kompromiss).

Die Politik der Briten war stärker von Siedlungs- als von Handelsinteressen gekennzeichnet, allerdings übernahm im Norden und Westen Kanadas die Krone die administrative Kontrolle der indigenen Völker durch die Hudson's Bay Company, deren Geschäftsinteressen ein friedlicheres Einvernehmens mit und zwischen den Indianern nahelegten. Erst die Zuwanderung zahlreicher Goldsucher veranlasste Großbritannien als Gegengewicht eine eigene Zuwanderung zu fördern.

Waren die Indianer erst in Abhängigkeit geraten, glaubten die Eroberer, sie in für Siedler ungünstige Gebiete abdrängen oder - wie in Kanada meistens - sie in kleine Reservate zusammendrängen und an die eigenen Vorstellungen einer gesitteten Lebensweise anpassen zu müssen. Der Phase der Missionierung und Einweisung in Reservate (bis ca. 1840 bzw. 1880) folgte eine Epoche, in der durch ökonomische Marginalisierung, Verbote zentraler Elemente der Kultur und Einweisung aller Kinder in eigens dafür eingerichtete, internatartige Schulen, die gesamte Kultur ausgelöscht werden sollte.

Heute gibt es Bemühungen wirtschaftlicher und kultureller Erholung. Letztere kreist zum einen um die Sprache und die Rituale, bei einigen Stämmen aber auch um die Wiederherstellung der eigenen Gesellschaftssysteme und der Forderung nach Selbstregierung. Erstere bemüht sich, traditionelle Ressourcen und verwertbare Kulturtechniken zurückzugewinnen.

[Bearbeiten] Eigenständige Entwicklung

[Bearbeiten] Frühgeschichte

Die ältesten Spuren menschlichen Lebens im Norden des Kontinents finden sich in Alaska und reichen mindestens 12.000 Jahre zurück. Diese frühe arktische Kultur breitete sich weiter südwärts aus. Ihr Kennzeichen sind kleine bis winzige Steinklingen und beidseitig geschärfte Werkzeuge.

Der frühen (ca. 8000 bis 6000 v. Chr.) und mittleren archaischen Phase (ca. 6000 bis 4000 v. Chr.) gehören Kulturen am Ohio, um Niagara und in Süd-Ontario an. Dazu folgten so genannte Plano-Leute Karibu-Herden ostwärts, immer an der Vereisungsgrenze entlang. Im Süden Ontarios fanden sich Speerschleudern, eine wichtige technologische Neuerung.

Schwerpunkte der östlichen Kulturen waren der untere Sankt-Lorenz-Strom und die Großen Seen. Älteste Monumente sind Grabhügel, die auf eine gefestigte Hierarchie innerhalb dieser Gesellschaften entlang des Erie-Sees, am Lake Huron, am Lake Ontario sowie am St. Lorenz hindeuten.

Die Plano-Kulturen, deren Name sich von den Plains ableitet, umfassen den riesigen Raum zwischen dem Binnenland British Columbias und den Nordwestterritorien bis zum Gold von Mexiko. Vor 8000 v. Chr. wurden hier Spitzen der Projektile nicht mehr in gespaltene Schäfte eingespannt sondern in den Schaft eingetieft. Eine Art Handel ist fassbar. Erst später teilte sich der riesige Kulturraum in zwei Großräume auf, die Frühe Shield- und die Frühe Plains-Kultur. Am südlichen South Fowl Lake an der Grenze zwischen Ontario und Minnesota wurden 6.800 Jahre alte Kupferfunde gemacht.

Im Westen wurde die wohl bis vor 9000 v. Chr. zurückreichende Besiedlung um 4250 v. Chr. durch die Frühe Plateaukultur überlagert.

Die Küstenkulturen an der Westküste lassen sich mindestens bis 8000 v. Chr. nachweisen. Dabei ist die Jagd auf Meeressäuger sehr früh fassbar.

Der äußerste Norden einschließlich Grönland ist wohl erst um 2500 v. Chr. besiedelt worden, der Norden Ontarios wohl erst um 2000 v. Chr.

Ab 2500 v. Chr. lassen sich im Westen Siedlungen anhand zahlreicher Muschelhügel nachweisen, dazu erste Anzeichen einer sozialen Differenzierung, in den Plains lassen sich Häuser und Dörfer fassen. Die Jagd mit Pfeil und Bogen verbreitete sich nur sehr langsam von Norden (um 3000 v. Chr.) ostwärts, dann in den Westen (um Chr. Geb.).

Zwischen 2000 und 1500 v. Chr. kühlte Labrador ab. Inuit zogen südwärts und auch Jäger aus dem Inland erreichten die Küsten. Das Gebiet nördlich des St. Lorenz scheint aufgegeben worden zu sein.

An den Großen Seen lassen sich Hunde nachweisen. Die Laurentian Archaic genannte Kultur hatte ihr Zentrum um Québec und in Ontario. Das Ottawa-Tal gilt als ein Zentrum der Kupferproduktion, ähnlich wie die Inseln im Oberen See.

Der kanadische Schild wurde erst 6000 bis 2000 v. Chr. besiedelt. Hierauf gehen die Cree, Ojibwa, Algonkin, Montagnais und die Beothuk zurück. Um 2000 v. Chr. bestanden hier bereits komplexe Rituale, Kupferbearbeitung, Handelsbeziehungen.

Die Mittlere Plateau-Kultur entwickelte um 2500 v. Chr. das Pit House, das teilweise in die Erde eingegraben war. Die heutigen Salish-Stämme lassen sich mit dieser halbsesshaften Kultur in Verbindung bringen. Ausnahmen in diesem Gebiet sind die Nicola Eyak-Athapaskisch-Sprecher und die Kutenai.

Eine ähnliche Entwicklung vollzog sich an der Westküste, deren Kulturen sich zunehmend regional differenzierten und eine Gesellschaftshierarchie ausprägten.

Im Gegensatz dazu hielt sich am Yukon und am Mackenzie mit ihren riesigen Einzugsgebieten eine Kultur weiträumiger Jagd mit extremer Beweglichkeit kleiner Gruppen.

[Bearbeiten] Bis zur „Entdeckung“

Die Frühe Woodland-Periode löste die archaische im Osten ab und erstreckte sich bis zu den Großen Seen und dem St. Lorenz (etwa 1000 v. Chr. bis 500 n. Chr.). Tonwaren sind hier kennzeichnend. Manche Dörfer waren schon ganzjährig bewohnt und beherbergten weit über tausend Menschen. Hier nahm die Bedeutung des Kürbis, der wohl schon um 4000 v. Chr. in Maine auftaucht, immer mehr zu, später kamen Bohnen und Mais hiinzu. Schließlich entwickelte man eine Reusentechnik, mit der man auch in Stromschnellen Fische fangen konnte. Von der weit entfernten Adenakultur übernahm sie teilweise die Beerdigungspraktiken. So breiteten sich die aus dem Ohiotal kommenden Burial Mounds aus, kleine bis monumentale Grabhügel. Auf sie gehen wohl die Irokesen zurück, aber auch einige Algonkin-Stämme.

Die Kulturen auf dem kanadischen Schild gehen auf die Mittlere Schild-Kultur zurück. Die für die Adena-Kultur typischen Mounds erscheinen sogar in der westlichen Schild-Kultur (Laurel), z. B. am Rainy River im Süden Ontarios.

Birkenholzkanus waren hier das Haupttransportmittel. Auf ihnen dehnten die Gruppen ihre Schweifgebiete auch in frühere Plain-Gebiete west- und südwestwärts aus. Auch der Fernhandel mit Chalzedon aus Oregon und Obsidian aus Wyoming hing vom Flusstransport ab. Wahrscheinlich kam es aufgrund der Domestizierung von wildem Reis zu einer herausgehobenen Schicht von Landbesitzern, die sich auch kulturell vom Rest der Bevölkerung absetzten.

Die späte Plains-Kultur lebte in hohem Maße von Büffeln (Amerikanischer Bison). Spätestens ca. 500 v. Chr., löste der Bogen die Speerschleuder ab. In Montana bestanden große Zeltdörfer (100 ha) mit rund tausendjähriger Nutzungsdauer. Fernhandel mit Obsidian, Feuerstein und anderen Materialien reichte bis zum Pazifik. Zumindest manche der Verstorbenen wurden vor der Grablegung auf Gerüsten getrocknet.

Die späte Plateau-Kultur sammelte in Erdlöchern Vorräte, heiße Steine dienten zum Backen und Kochen, der Lachs lieferte den Löwenanteil des Nährwerts. Der Handel mit den Küstenvölkern nahm zu, die Dörfer wurden größer.

Die Küstenkultur am Pazifik war von Süden nach Norden strenger hierarchisiert. Bestimmte Familien beherrschte den Handel, den Zugang zu Ressourcen und die politische und spirituelle Macht. Auch hier tauchen wohl erstmals Begräbnishügel auf. Erst um 400 n. Chr. erreichte der Bogen diese Region.

Die heutigen Küsten-Salish lassen sich auf die Marpole-Kultur zurückführen. Sie war bereits von der gleichen sozialen Differenzierung, von Plankenhäusern, in denen mehrere Familien lebten, von Lachsfang und -konservierung, Schnitzwerken von monumentalen Ausmaßen und komplexen Zeremonien gekennzeichnet. Zwischen 500 und 1000 n. Chr. änderten sich erneut die Begräbnissitten. Die Toten erhielten nun immer öfter ihre letzte Ruhestätte in Bäumen, Pfählen, Grabhäusern und Höhlen. Um 500 bis 700, tauchten vermehrt befestigte Dörfer auf, vor allem im Süden. Diese kriegerische Phase erstreckte sich bis in die Zeit des ersten Kontakts mit Europäern, durch den sie weiter gesteigert wurde.

Besonders schwach erforscht ist die Frühgeschichte des nordwestlichen Binnenlands.

[Bearbeiten] Franzosen, Briten, Kanadier

Der erste Europäer Giovanni Caboto, bekannt als John Cabot, nahm 1497 drei Mi'kmaq nach England mit. Spätestens ab 1501 hatten die Mi'kmaq häufiger Kontakt mit spanischen, französischen, britischen und irischen Fischern, die die Küste jeden Sommer aufsuchten. Ab 1519 begann der Pelzhandel und die Küstenstämme tauschten Pelze gegen europäische Messer, Äxte, Beile und Kessel. Bald führten sie wegen der Handelskontakte Krieg untereinander.

1604 errichtete eine Flottenexpedition an der Mündung des St. Croix River die erste Siedlung, die ein Jahr später nach Port Royal verlegt wurde. Bald folgten weitere befestigte Anlagen. Bereits 1607 kam es zu einem Krieg zwischen den Penobscot und den Mi'kmaq, der Ausdruck ihrer Rivalität im Pelzhandel war. Dieser Tarrantiner-Krieg dauerte acht Jahre. Es folgten weitere.

1608 wurde Québec gegründet. Bald schickte man Waldläufer, aus, die unter den Indianern lebten, während die Handelsagenten ihre Forts zu Tauschzentren ausbauten. 1669 lieferte eine Station an der James Bay erste Pelze nach London, ein Handel, aus dem die Hudson's Bay Company hervorging. Zwar scheiterte die Suche nach der Westgrenze des Kontinents, doch wurden Kontakte zu Indianern bis an den oberen Mississippi und nach Santa Fé hergestellt. Die Verbindungen zwischen französischen Männern und indianischen Frauen waren so zahlreich, dass ihre Nachkommen eine eigene Nation gebildet haben, die Métis.

Streitigkeiten im Pelzhandel führten zwischen 1640 und 1701 dazu, dass die Irokesenliga die Wyandot, Tionontati und Erie mit Arkebusen vernichtete. Erst 1701 unterzeichneten Engländer und Franzosen sowie 39 Häuptlinge einen Friedensvertrag.

Währenddessen veränderten spanische Pferde die Kultur der Plains radikal. Sie vereinfachten die Jagd und die Wanderung in dem unwegsamen Gebiet, wobei manche der Stämme von mächtigeren Nachbarn abgedrängt, zu dieser Lebensweise veranlasst wurden.

Jedoch beendete der Siebenjährige Krieg (1756-1763) die französische Epoche. Mit Erfolg verlangten die in Kanada verbleibenden Franzosen, ihre Konfession behalten zu dürfen, womit die bekehrten Indianer ebenfalls katholisch blieben.


Nachdem Großbritannien die alleinige Kolonialherrschaft in Kanada übernommen hatte, begann die Krone den Indianern Land abzukaufen.

Ende des 18. Jahrhunderts geriet im Verlauf eines Wettlaufs um Pelze und Einfluss zwischen Spanien, Russland und Großbritannien, die Pazifikküste in den Blickpunkt. 1794 einigte man sich mit Spanien darauf, keine Handelskolonien einzurichten. Doch moderne Waffen und der Pelzhandel veränderten sowohl die Strukturen innerhalb der Stämme, als auch die regionalen Machtverhältnisse. Einigen Häuptlingen gelang es, ein Handelsimperium an der Westküste von Vancouver Island zu errichten. Andere Stämme nutzten die Waffen zu ausgedehnten Raubzügen. Die Stämme der Küsten-Salish litten schon ab 1775 unter schweren Epidemien, vor allem Pocken.

Die Hudson's Bay Company errichtete einige Forts am Columbia River, dann in Oregon und im späteren British Columbia, gründete schließlich 1843 Victoria. Mit dem Grenzvertrag von 1846, der den Kontinent entlang des 49. Breitengrades zerschnitt und die Indianer dem britischen Einflussbereich bzw. den USA zuwies, wurden zahlreiche Stammesgebiete zerschnitten, Handel und Wanderungen zunehmend erschwert.

Die Hudson's Bay Company bemühte sich, nachdem sie durch den Vertrag weite Gebiete hatte räumen müssen, die britische Herrschaft gegen die amerikanischen Goldsucher durchzusetzen. Die First Nations entlang der Route nach Norden litten vor allem unter den eingeschleppten Krankheiten, wie Pocken (vor allem 1862). Douglas, der Gouverneur, schloss mit 14 Stämmen Verträge, die bis heute gültig sind.

In den Epidemien (v.a. Pocken, aber auch Masern und Grippe) sahen viele einen Schadenszauber der Fremden, und zugleich erschütterte er das Vertrauen in die eigene Religion. Das Christentum wurde als eine Form der religiösen Heilung betrachtet und zeremoniell angereichert.


Der Rückgang der Büffelherden nach 1875 zwang die Stämme der Prärie, ihr Land gegen geringe Gegenleistung zu veräußern. Dafür erhielten sie Reservate, Entschädigungen und vor allem Jagd- und Fischereirechte in den abgetretenen Gebieten. Dazu sollten Hilfen bei der Umstellung auf Landwirtschaft kommen.

Der Indian Act von 1876 definierte, wer als Indianer galt. Der Indianeragent und Vizegouverneur von Saskatchewan, Manitoba und der Nordwest-Territorien, Edgar Dewdney begann mit Hilfe der Kirchen die Einrichtung von Schulen für die Indianerkinder außerhalb der Reservate. So begann eine Politik der Eingliederung in die kanadische Kultur. Bald wurden Internate (Residential Schools) eingerichtet, in die die Kinder zwangsweise verbracht wurden, und wo sie ihre Sprache nicht sprechen durften, um sie von ihrer angestammten Kultur und ihrer Familie zu entfremden. Dewdney teilte Lebensmittel nur gegen Arbeit aus, gleichzeitig erhoben sich die Métis. Der damit zusammenhängende indianische Aufstand scheiterte letztlich in der Schlacht am Loon Lake vom 3. Juni 1885. Nun sollten individuelle Farmen das „Indianersystem“ endgültig zerstören.

Die Zeit passiven Widerstands oder der Kleinkriege, wie der Chilcotin-Krieg, war endgültig vorbei. Richtungweisend reiste Häuptling Joseph Capilano 1906 nach London, um dem König eine Petition zu überreichen. Damit wehrte man sich gegen die weitere Enteignung von Reservaten, andere Widerstandsformen wurden gewaltsam oder durch Hunger gebrochen. 1927 wurde Indianern verboten eine politische Organisation zu bilden, um ihre Interessen zu vertreten.

Frühe, nationale Versuche der Selbstorganisation nach dem Ersten Weltkrieg scheiterten an Repressalien von Regierungsseite, aber auch am geringen Sinn für die gemeinsame Situation. Seit den 1950er Jahren etablierten sich jedoch Stammesräte, die mehrere Stämme vertraten.

1951 wurden die Verbote von Potlatch und Sonnentanz aufgehoben. 1960 durften Indianer erstmals an landesweiten Wahlen teilnehmen. 1961 entstand der National Indian Council, der drei der vier Hauptgruppen der Indianer vertrat, die Vertrags- und Statusindianer, die Nicht-Status-Indianer und die Métis. Doch 1968 sprengten die divergierenden Interessen die Organisation und es entstanden, als Vertreter der Vertrags- und Statusindianer die National Indian Brotherhood, während die beiden anderen Gruppen sich im Native Council of Canada verbanden.

1973 gelang es den Nisga'a als erstem Stamm, vor dem höchsten Gericht des Landes, Landansprüche durchzusetzen. Der Gerichtshof erklärte die Bestimmungen der königlichen Erklärung von 1763 für weiterhin bindend. Mehrere Kampagnen brachten Bildungs-, Gesundheits- und Wirtschaftsprobleme in das Bewusstsein der kanadischen Öffentlichkeit.

Doch Ende der 70er Jahre zeigten sich innerhalb der politischen Organisationen starke Regionalisierungstendenzen. Es bildete sich 1982 eine neue, den Bedürfnissen der zahlreichen Gruppen besser angepasste Gesamtvertretung, die Versammlung der First Nations. Sie vertrat nicht mehr so sehr die Regionen, sondern mehr die führenden politischen Kräfte der Stämme und ihrer Organisationen.

In dieser Zeit erreichten die Frankokanadier für ihr Gebiet Sonderrechte, die anderen Nationen schwerlich vorenthalten werden konnten. Die Landansprüche erhielten den gleichen Verfassungsschutz wie die abgeschlossenen Verträge, und Ontario, Manitoba, Neubraunschweig unterstützten den Anspruch auf Selbstregierung. Dazu kam harsche Kritik von seiten der UNO mit Blick auf die Politik gegegnüber den Ureinwohnern. Gegen den Widerstand der kanadischen Regierung, aber auch derjenigen der USA, Australiens und Neuseelands, verabschiedete die UNO am 13. September 2007 eine Resolution, in der nicht nur die Beseitigung jeder Benachteiligung gefordert wird, oder das Recht auf Mitsprache in sie betreffenden Angelegenheiten, sondern auch das Recht „anders zu bleiben“ (to remain distinct).

1990 kam es zu einem Aufstand der Mohawk nahe der Stadt Oka in Québec, in dessen Folge ein Kommissionsbericht über Armut, schlechte Gesundheit, Alkohol- und Drogenprobleme, das Auseinanderbrechen von familiären Strukturen und eine hohe Selbstmordrate berichtete. Erstmals gelangten diese Fakten ins Bewusstsein der ganzen kanadischen Öffentlichkeit.

1993 kam es in British Columbia zu einem groß angelegten Versuch, mit den dortigen Stämmen zu vertraglichen Regelungen zu kommen. 1996 empfahl eine Kommission, den Stämmen eine Selbstregierung zuzugestehen und mit ihnen „von Nation zu Nation“ zu verhandeln. Zwei Jahre später entschuldigte sich der Premierminister, ähnlich wie Vertreter der Kirchen, für die schlechte Behandlung in der Vergangenheit.

Eine der schwierigsten Fragen ist die der Fischrechte. 1995 besetzten Shuswap unweit 100 Mile House ihre Fangstellen einen Monat lang. James Pitawanakwat, floh in die USA und erhielt dort - als erster und einziger Indianer - politisches Asyl. Andere Auseinandersetzungen berührten die Frage des landbesitzes - der Caledonia Land Dispute in Ontario dauert noch 2008 an - oder soziale Fragen - 2005 erreichte etwa die Trinkwasserkrise der Kashechewan First Nation nationales Medieninteresse, als eine Bakterienverseuchung in ihrer Wasserversorgung entdeckt wurde. Ende 2005 lud der Premierminister zu einer First Ministers-Konferenz ein. Im Abkommen von Kelowna sagte er zu, innerhalb der nächsten fünf Jahre fünf Milliarden kanadische Dollar zur Verbesserung der Lebensbedingungen der First Nations, Métis und Inuit zur Verfügung zu stellen. Von der Regierung seines Nachfolgers wurde das Abkommen jedoch fallengelassen.

Andererseits sind die Vertragsverhandlungen zwischen Kanada und den Provinzen auf der einen Seite und den First Nations auf der anderen an einigen Stellen vorangekommen. In British Columbia warten die Lheidli T'enneh und die Tsawwassen nur noch auf die Ratifizierung durch das Parlament. Auch von den Nuu-chah-nulth-Stämmen haben sich fünf zusammengefunden und sich 2007 für einen Vertrag entschieden. Andere Stämme hingegen haben die Verhandlungen abgebrochen, weil sie darin einen Bruch des Vertrags mit James Douglas sehen, oder eine schleichende Enteignung.

Einer der größten Konflikte entsponn sich um das Baie-James-Wasserkraftprojekt mit Stauseen von über 15.000 km², das rund 7.000 Cree und 4.500 Inuit, als Bedrohung ihrer Lebensweise betrachteten. Er mündete 1975 in einen Vertrag. 1984 wurden die Stämme aus der Vormundschaft des Indianerministeriums formal entlassen, und sie besitzen seitdem alle Rechte der kanadischen Gebietskörperschaften. Sie dürfen Verträge schließen, Verordnungen erlassen, ein eigenes Budget verwalten usw. 1991 gestatteten Cree und Inuit Kanada die Nutzung der Wasserkraft - gegen Kompensationszahlungen und Selbstverwaltungsrechte in einem kleinen Teil (etwa 1,3 % der Fläche) des Konventionsgebiets.

Neben vielen Fortschritten zeigt sich jedoch ein Problem: Die Zersplitterung und Individualisierung schreitet voran, eine neue Führungsschicht entstand, die die Verwaltung dominierte. Daneben existieren weiterhin die der traditionellen Jagd nachgehenden Familien, dazu die Jungen, deren Zahl schnell wächst, die aber weder in der einen noch in der anderen Gruppe ausreichend vertreten sind.

Das gigantische James Bay Project wird mittlerweile kritischer betrachtet. In der Schlussphase (seit 2007) wird der Rupert River weitgehend umgeleitet, ein Projekt, gegen das sich der 2005 gewählte Grand Chief of the Crees of Quebec, Matthew Mukash, gewandt hat. Damit stellt er die Abmachung von 2002, die als Paix des Braves bekannt wurde, in Frage, und fordert die Förderung von Windkraftanlagen.


Über Selbstverwaltung und Tourismus entstehen in den zahlreiche Parks, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, für viele Reservatsbewohner Arbeitsplätze, die weder die natürlichen Ressourcen im bisherigen Ausmaß zerstören, noch von staatlicher Wohlfahrt abhängig halten. Dennoch wächst die Unzufriedenheit der Stämme, bei denen die Jungen inzwischen eine Mehrheit bilden und in Kürze auch politisch dominieren werden.

Ein vergleichsweie kleiner Stamm am Westende Kanadas, die Tla-o-qui-aht, versucht seit 2005 einen anderen Weg. Sein Konzept zielt auf eine Rekonstruktion der traditionellen Gesellschaft unter Zuhilfenahme aller Quellen, und auf ihre tatsächliche Wiederherstellung ab.

[Bearbeiten] Aktuelle Situation

[Bearbeiten] Politik

Seitens der kanadischen Regierung ist das Department of Indian Affairs and Northern Development für die First Nations zuständig. Jede Provinz wiederum hat ein Ministerium, das gleichfalls mit dieser Thematik befasst ist. Daher werden die anstehenden Vertragsverhandlungen mit den lt. Volkszählung von 2006 genau 615 First Nations nicht nur von Ottawa geführt, sondern auch von den Provinzen. Jede Provinz geht dabei auf eigene Art und Weise vor. British Columbia beispielsweise setzte 1993 die B.C. Treaty Commission ein, doch sind bisher nur sehr wenige Verträge abgeschlossen worden.

Auf der anderen Seite steht die Assembly of First Nations, als eine Art Dachorganisation. Sie ist aber nicht nur das Sprachrohr aller kanadischen Indianer, und führt die aufwendigen Prozesse vor kanadischen Gerichten, sondern betätigt sich inzwischen über die Staatsgrenzen hinaus, etwa bei der UNO, wenn es um Menschenrechtsfragen geht. Zahlreiche Tribal Councils, Stammesräte, die manchmal nur wenige, manchmal mehrere Dutzend Stämme und Unterstämme vertreten, bewahren oftmals die Archive auf, führen die Vertragsverhandlungen und bilden meist eine Vertretung der sich sprachlich-kulturell nahe stehenden Stämme gegenüber der Regierung, wirken aber auch auf die Stämme zurück. So hat etwa der Nuu-chah-nulth Tribal Council das Zusammengehörigkeitsgefühl der beteiligten 14 Stämme, die bis dato noch nicht einmal einen übergreifenden Namen hatten, erheblich gefördert.

Unterhalb dieser Ebene liegen zwei Systeme im Widerstreit, das von der Regierung vorgeschriebene System gewählter Häuptlinge und ihrer Berater einerseits, und andererseits das vielfach noch vorhandene oder wieder belebte System der traditionellen Häuptlinge. Schließlich wird es, da sehr viele Indianer in den Städten leben, immer schwieriger, diese Menschen in die vorhandenen Strukturen auch politisch einzubinden. Änderungen im Abstimmungsrecht tragen dieser Entwicklung z. T. Rechnung.

Die Frage nach der Möglichkeit quasi-staatlicher Souveränität mit entsprechenden Territorien steht dabei in hartem Kontrast zum Versuch der Provinzen, die Stämme als Summe von Individuen zu behandeln.

[Bearbeiten] Wirtschaft

[Bearbeiten] Wirtschaftsfaktor Indigene Völker

2007 traf König Tuheitia von den neuseeländischen Maori, genauer dem aus 127.000 Menschen bestehenden Tainui-Stamm, eine Delegation der Squamish und Nisga'a in Vancouver. Dort wurden bei gemeinsamen Feierlichkeiten kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbart. Die Maori investierten erhebliche Summen in Unternehmen der indigenen Völker und wollen dies in Kanada fortsetzen. Das gilt vor allem für die Stämme, die über Rohstoffvorkommen verfügen.[10] So wird heute die Abgrenzungsdefinition gegenüber der Vorherrschaft der dominierenden Völker, sei es in Asien, Australien oder Amerika zunehmend zu einem ökonomischen Faktor, der aus der Erkenntnis der Jahrhunderte währenden Marginalisierung gespeist wird.

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Hier sei als ein Beispiel für viele der Guide to Aboriginal Organizations and Services in British Columbia für2005/06 genannt, der hier zu finden ist (PDF 452 kB): [1].
  2. Karten zu diesen Verträgen und zu weiteren Verträgen mit den First Nations finden sich hier: [2].
  3. In den USA waren Mitte 2002 genau 562 Stämme anerkannt (vgl. [3]).
  4. Department of Indian Affairs and Northern Development: Registered Indian Population by Sex and Residence 2001. Ottawa 2002. ISBN 0-662-31134-5
  5. Im August 2007 waren das im Einzelnen folgende Bands: Bay of Quinte Mohawk: 659, Bearfoot Onondaga: 537, Delaware: 602, Konadaha Seneca: 496, Lower Cayuga: 3193, Niharondasa Seneca: 347, Oneida: 1809, Onondaga Clear Sky: 686, Tuscarora: 1943, Upper Cayuga: 3115, Upper Mohawk: 5402, Walker Mohawk: 441. Die Reservate umfassen rund 183 km² (nach First Nation Profiles.
  6. Nach Statistics Canada, digital: [4].
  7. nach John A. Price, The viability of Indian Languages in Canada, Department of Anthropology, York University, digital (PDF): [5].
  8. Eine der umfangreichsten Seiten ist FirstVoices: [www.firstvoices.ca]. Einen Überblick über den Gebrauch der Sprachen bietet Ethnologue: [6]. Auch die University of Saskatchewan bietet einen Überblick: [7].
  9. Nach Statistics Canada, digital: [8].
  10. Ein Interview mit dem Sprecher des Stammes, Tuku Morgan, findet sich bei YouTube (ab ca. 5:54min.): [9].

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Film

One of many, Kanada / Frankreich / Deutschland 2003 35 mm, Farbe, 97 Minuten, Buch und Regie: Jo Bérenger, Doris Buttignol, Inhalt: „Sie war vier Jahre alt, als man sie eines Tages abholte und einer fremden Pflegefamilie übergab. Ihre leibliche Mutter sollte sie erst 30 Jahre später wiedersehen. Sally Tisiga stammt aus dem »Wolf Clan« der »Kaska Nation«. Geboren wurde sie im Lower Post-Reservat in Yukon, Kanada. Gemeinsam mit ihren Söhnen macht sie sich 1992 auf die Suche nach ihren indianischen Wurzeln... Von Whitehorse in Yukon über British Columbia bis nach Saddle Lake in Alberta führt Sally die Reise in die eigene Vergangenheit... Generationen indianischer Kinder hatte man den Eltern entrissen, in staatliche Internate gebracht oder zur Adoption freigegeben. Indem man ihre Erziehung übernahm, wollte man sie »weiß« machen, um sie leichter in die Gesellschaft eingliedern zu können. Doch der Verlust der eigenen Identität hinterließ tiefe Wunden.“

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: First Nations – Bilder, Videos und Audiodateien

First Nations - Artikel des Tages

Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva

Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.

Femme russe First Nations - In den Nachrichten

"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."

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