Netencyclo, The wikipedia mirror - The biggest multilingual encyclopedia : Fin de siècle

- Fin de siècle -

Fin de siècle :

Outils :

Vous avez un site web ? Un blog ?

 Netencyclo Directory Project 




Mettre en favoris !

Add to Netvibes
Technorati reactions
rencontre

Fin de siècle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Fin de siècle [ˌfɛ̃ dəˈsjɛkl] (frz. für Ende des Jahrhunderts), auch Dekadentismus genannt, bezeichnet die Zeit von etwa 1890 bis 1914 mit der Konnotation der Dekadenz.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Herkunft des Begriffs

Die Bezeichnung Fin de siècle wurde erstmals 1886 in der französischen Zeitschrift Le Décadent erwähnt. 1888 wurde unter diesem Titel ein Lustspiel von Francis de Jouvenot und H. Micard aufgeführt. In Deutschland veröffentlichte Hermann Bahr im Jahr 1891 einen Novellenband unter diesem Titel.

Obwohl der Begriff in Frankreich geprägt wurde und sich auf ein spezifisch französisches Lebensgefühl jener Zeit bezieht, wird Fin de siècle auch gesamteuropäisch zur Kennzeichnung der allgemeinen Befindlichkeit vor dem Ersten Weltkrieg verwendet.

[Bearbeiten] Historisches Umfeld

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stand in dem Bewusstsein, dass eine Epoche endgültig vorbei war.

Der Positivismus in den Naturwissenschaften und der Naturalismus in der Literatur hatten die Ideologie der Objektivität und eine Stimmung des Fortschritts begünstigt, und die Ingenieurwissenschaften waren auf dem Vormarsch. Sigmund Freud erforschte die Hysterie. Dagegen war die Weltordnung des Ancien Régime mit der Vorherrschaft des Adels im Kern noch mittelalterlich, und das Mittelalter wurde ständig zu deren Rechtfertigung aufgeboten. Die Industrialisierung und die Gewerbefreiheit hatten alte Sozialstrukturen aber stark verändert, die Kirche hatte an Einfluss verloren und ein allgegenwärtiger Nationalismus führte zu Konflikten.

Diese Zeit ist geprägt von einem Schwanken zwischen Aufbruchsstimmung, Zukunftseuphorie, diffuser Zukunftsangst und Regression, Endzeitstimmung, Lebensüberdruss, Weltschmerz, Faszination von Tod und Vergänglichkeit, Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz. Eine allgemeine Krise ergriff die maßgebenden Gesellschaftsschichten, weil Grundwerte des sozialen Lebens gefährdet schienen. Als Überreaktion der europäischen Führungsschichten auf die Krisenerscheinungen und in einer „großen Angst, die unter den Herrschenden umging“ vollzog sich eine kontinuierliche militärische Aufrüstung: „Die Militarisierung nahm einen jeden geschichtlichen Vergleich sprengende Dimension an.“[1]

Für Intellektuelle, Künstler und Literaten wurde ein Gefühl von Ohnmacht charakteristisch, weil sie sich angesichts einer einerseits vom Marktgesetz und anonymen Massen beherrschten Großstadtgesellschaft und andererseits von einer zunehmend von Naturwissenschaften und Technik gezeichneten Welt angezogen und abgestoßen fühlten.[2] Sie flohen in ästhetische Gegenwelten. Eine Subkultur oder Gegenkultur zum bürgerlichen Leben entstand mit den Kultfiguren Bohemien, Dandy, Snob, Femme fatale. Sie verachteten die „Philister“, Spießer und Kleinbürger.[3]

Aus einer Mischung aus Unsicherheit und Überheblichkeit formte sich der Sozialdarwinismus und die von Friedrich Nietzsche vorgebrachte Kritik am bürgerlichen Leben seiner Zeit, gegen das er den Übermenschen auf den Plan rief, was vom Adel teilweise unterstützt wurde. Der Historiker Arno J. Mayer beschrieb dies folgendermaßen:

„Formeln aus dem Arsenal des Sozialdarwinismus und der Nietzscheschen Philosophie gehörten zwischen 1890 und 1914 in den höheren Sphären von Politik und Gesellschaft zur allgemeinen Weltanschauung. Aufgrund ihrer antidemokratischen, elitären und militanten Tendenz eigneten sie sich vorzüglich als ideologische Hilfsmittel, mit denen die unbeugsam rückwärts gewandten Elemente der herrschenden und regierenden Klassen ihren tiefwurzelnden und stets regen Antiliberalismus gleichsam erheben, intellektualisieren konnten.[4]

[Bearbeiten] Ausdrucksformen

Das Fin de siècle fand seinen künstlerischen Ausdruck in vielfältigen und widersprüchlichen Bewegungen. Gegen einen Abbild-Realismus und gegen eine übersteigerte Objektivität wandte sich der Symbolismus zuerst in der Literatur. Ein Vorbild war Paul Verlaines Les poètes maudits. In Anlehnung daran gab es auch einen Symbolismus in der Bildenden Kunst, der von Malern wie Paul Gauguin begründet wurde.

Vor allem in der Gebrauchskunst des Jugendstils, der als Überwindung des übermächtigen Historismus gesehen wurde, zeigte sich eine paradoxe gleichzeitige Hinwendung zum Elitären wie zum Populären. Der kühle Impressionismus ebenso wie die gefühlsintensive Spätromantik in der Musik und die ersten Anfänge der Avantgarden in allen Künsten sind in der Stimmung des Fin de siècle entstanden. Vorformen der Abstrakten Malerei wie der Pointillismus oder der Fauvismus fallen in diese Zeit.

Claude Debussys Oper Pelléas et Mélisande wird ebenso mit dem Fin de siècle verbunden wie Rainer Maria Rilkes Dichtung Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke oder das Wiener Secessionsgebäude von Joseph Maria Olbrich.

In Bezug auf die Literatur wird auch von Dekadenzdichtung gesprochen. Sie wird etwa 1910 vom Expressionismus abgelöst.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Arno J. Mayer, Adelsmacht und Bürgertum. Die Krise der europäischen Gesellschaft 1848–1914, München 1984, S. 301; 309.
  2. Vgl. Claudia Becker, Fin de siècle. In : Harenberg Lexikon der Weltliteratur, Bd. 2, Dortmund 1989, S. 948 f.
  3. Vgl. Gerd Stein (Hg.): Kulturfiguren und Sozialcharaktere des 19. und 20. Jahrhunderts, 4 Bände, Frankfurt a. M. 1985: Bd. 2: Dandy, Snob, Flaneur. Exzentrik und Dekadenz; Bd. 3: Femme fatale, Vamp, Blaustrumpf. Sexualität und Herrschaft; Bd. 4: Philister, Kleinbürger, Spießer. Normalität und Selbstbehauptung.
  4. Arno J. Mayer (1984), S. 286.


rencontre

Fin de siècle - En savoir plus

Rencontre Fin de siècle - Articles à  la une


"Je rencontre quelques peines, je rencontre beaucoup de joie, c'est parfois une question de chance, souvent une rencontre de choix."
© 2009 Netencyclo - Netencyclo Home - Terms of Service - Privacy Policy - Program Policies
Netencyclo, the Wikipedia mirror : the biggest multilingual free-content encyclopedia on the Internet. Cet article, miroir de l'article de Wikipédia est conforme aux termes de la GFDL All Wikipedia content is licensed under the GNU Free Documentation License (see details). Content on this web site is provided for informational purposes only. We accept no responsibility for any loss, injury or inconvenience sustained by any person resulting from information published on this site. We encourage you to verify any critical information with the relevant authorities.