Das Fin de siècle [ˌfɛ̃ dəˈsjɛkl] (frz. für Ende des Jahrhunderts), auch Dekadentismus genannt, bezeichnet die Zeit von 1890 bis 1914 mit der Konnotation der Dekadenz, die als zwangsläufige Folge einer fruchtbaren Epoche (Belle Epoque) angesehen wird.
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Die Bezeichnung Fin de siècle wurde erstmals 1886 in der französischen Zeitschrift Le Décadent erwähnt. In Bezug auf die Literatur wird auch von Dekadenzdichtung gesprochen. Sie wird 1910 vom Expressionismus abgelöst.
Obwohl der Begriff in Frankreich geprägt wurde und sich auf ein spezifisch französisches Lebensgefühl der Zeit bezieht, wird Fin de siècle auch zur Kennzeichnung der gesamteuropäischen allgemeinen Befindlichkeit der kulturellen Szene vor dem Ersten Weltkrieg verwendet.
Diese Zeit ist geprägt von einem Schwanken zwischen Aufbruchsstimmung, Zukunftseuphorie, diffuser Zukunftsangst (siehe Degeneration) und Regression, Endzeitstimmung, Lebensüberdruss, Weltschmerz, Faszination von Tod und Vergänglichkeit, Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz. Das heißt, dass eine allgemeine Krise das Bewusstsein der gesellschaftlich maßgeblichen Schichten ergriffen hat, weil die Grundwerte des sozialen Lebens als gefährdet erscheinen. In einer überall zu beobachtenden politischen Überreaktion der europäischen Führungsschichten auf die Krisenerscheinungen und einer „großen Angst, die unter den Herrschenden umging“, vollzieht sich eine kontinuierliche militärische Aufrüstung: „Die Militarisierung nahm einen jeden geschichtlichen Vergleich sprengende Dimension an.“[1]
Für Intellektuelle, Künstler und Literaten wird ein Gefühl von Ohnmacht charakteristisch, weil sie sich angesichts einer einerseits vom Marktgesetz und anonymen Massen beherrschten Großstadtgesellschaft und andererseits von einer zunehmend von Naturwissenschaften und Technik gezeichneten Welt abgestoßen fühlen.[2] Sie fliehen in ästhetische Gegenwelten und schaffen oder pflegen als Kulturfiguren Bohemien, Dandy, Snob, Femme fatale im Gegensatz zu den verachteten Philistern, Kleinbürgern und Spießern.[3]
Für die allgemeine Weltanschauung der Zeit maßgeblich sind der von Charles Darwin geprägte Sozialdarwinismus und die von Friedrich Nietzsche vorgebrachte Kritik an den bürgerlichen Erscheinungsweisen seiner Zeit, denen gegenüber er den Übermenschen auf den Plan ruft. Diese Weltanschauung wird auch von den nach wie vor herrschenden Eliten des Ancien Régime instrumentalisiert:
„Formeln aus dem Arsenal des Sozialdarwinismus und der Nietzscheschen Philosophie gehörten zwischen 1890 und 1914 in den höheren Sphären von Politik und Gesellschaft zur allgemeinen Weltanschauung. Aufgrund ihrer antidemokratischen, elitären und militanten Tendenz eigneten sie sich vorzüglich als ideologische Hilfsmittel, mit denen die unbeugsam rückwärts gewandten Elemente der herrschenden und regierenden Klassen ihren tiefwurzelnden und stets regen Antiliberalismus gleichsam erheben, intellektualisieren konnten.“[4]
Folgende Personen werden mit dem fin de siècle assoziiert:
Siehe auch: Ästhetizismus, L’art pour l’art, Renaissancismus
Naturalismus — Impressionismus | Symbolismus | fin de siècle | Heimatkunst | Expressionismus | Neue Sachlichkeit —
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."