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Mit Favela werden die besonders in Randlagen der großen Städte Brasiliens liegenden Armenviertel bezeichnet. Es handelt sich um informelle Siedlungen, bei denen die Bewohner nicht über legalen Grundbesitz verfügen.
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Die Behausungen in Favelas bestanden am Anfang nur aus Kistenbrettern, Blechkanistern und Palmwedeln als Baumaterialien, mittlerweile aber gerade in Großstädten auch aus Steinen und Holzbrettern. Sie werden oft als „Stadt in der Stadt“ bezeichnet; sie sind weitgehend unabhängig von der offiziellen Stadtverwaltung organisiert, oft unter der Leitung des Anführers des dortigen Drogenkartells. Deshalb gestaltet sich die Lebensqualität der Bewohner in den einzelnen Favelas auch durchaus unterschiedlich.
Die Bezeichnung für die Armenviertel kommt von einer brasilianischen Kletterpflanze, welche den Namen Favela trägt. Ähnlich wie die Kletterpflanze siedeln sich die Armenviertel in Rio De Janeiro an den Bergen an und "klettern diese hoch" - daher der Name.
Vergleichbare informelle Siedlungen findet man auch in den meisten anderen Entwicklungsländern, wo sie jedoch andere Bezeichnungen haben. Es ist begrifflich nicht ganz richtig, Favelas als Slums zu bezeichnen, da sie nicht durch den Verfall städtischer Zonen, sondern durch unregulierte Besiedlung entstehen.
Die ersten Favelas entstanden im Zuge der Sklavenbefreiung 1888 aufgrund des danach einsetzenden großen Zustroms in die Städte und haben sich seitdem ständig ausgebreitet. Man schätzt, dass 2004 etwa 30 % der Einwohner Rio de Janeiros in Favelas lebten.
Seit der Entstehung der ersten Favelas schwankt die Politik der brasilianischen Regierung sowie der zuständigen Stadtregierungen zwischen Aussiedlungsbemühungen auf der einen und Hilfsangeboten zur Verbesserung der Infrastruktur für die Bewohner auf der anderen Seite. Die Militärdiktaturen 1964–79 versuchte, durch zum Teil gewaltsame Umsiedlungsprogramme eine Zurückdrängung dieser urbanen Siedlungsräume zu erreichen, was jedoch scheiterte.
Seit Ende der 1960er Jahre und verstärkt ab etwa 1990 wird verstärkt auf die Sanierung der Favelas gesetzt, zunächst mit punktuellen Eingriffen, in neuerer Zeit dann durch integrative Großprojekte. In Rio de Janeiro wurde im Jahr 1994 das vielbeachtete großangelegte Sanierungsprogramm „Favela-Bairro“ begonnen, welches bis 2010 in alle Favelas Strom, Wasser, Kanalisation etc. bringen soll und in seinen ersten beiden Phasen bereits 600.000 Einwohner erreichte.[1]
Als größte Favela Lateinamerikas wird immer wieder Rocinha im Süden von Rio de Janeiro mit ca. 250.000 Einwohnern bezeichnet (wobei offiziell (2006) allerdings nur 56.000 angegeben werden.[2] Dem kann entgegengehalten werden, dass allein in Rio mehrere Stadtgebiete existieren, in denen verschiedene Favelas so stark gewachsen sind, dass sie mittlerweile riesige geschlossene „Komplexe“ von Favelas bilden, die von außen nur noch als eine einzige Favela zu erkennen sind. So nehmen etwa die Complexos do Alemão und da Maré im Nordteil Rios bei gleich dichter Bebauung jeweils die doppelte bis dreifache Fläche der Rocinha ein. Solche „Complexos“ sind in vielen Großstädten Brasiliens zu finden. Letztlich ist die Berühmtheit der Rocinha wohl nur auf ihre Lage inmitten der wohlhabenden und durch ihre Strände Copacabana und Ipanema weltberühmten Südzone Rios zurückzuführen.