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Faltschachteln sind industriell vorgefertigte Schachteln, die platzsparend in zusammengelegtem Zustand vom Hersteller an die verarbeitenden Unternehmen geliefert werden, um dort mit einfachen Handgriffen oder maschinell zur Schachtel aufgefaltet zu werden.
Die Bauart ist eine faltbare Schachtel, die aus einem Faltschachtelrumpf (Zarge) mit seitlicher, parallel zur Höhe verlaufender Verbindung mit anhängenden Boden- und Deckelklappen bzw. anhängendem Einsteckboden und -deckel besteht.
Die meisten Schachteln sind heute bereits ab Werk an der Seitennaht verklebt. Der Kunde muss einen leichten Druck auf die Seiten der gefalteten Schachtel anwenden damit sich diese zur befüllbaren Schachtel auffaltet.
Faltschachteln erfüllen primär drei Funktionen:
Inhaltsverzeichnis |
Die Klassifizierung der Schachteln erfolgt abhängig vom verwendeten Material (Karton/Pappe ↔ Wellpappe) bzw. vom Anwendungsbereich (Primärverpackung ↔ Transportverpackung).
a) Karton/Pappe bzw Primärverpackung
Nach dem Klassifizierungssystem der European Carton Makers Association (ECMA) für Verpackungen aus Karton/Pappe werden 6 Kategorien von Schachteltypen unterschieden:
| Schachteltyp | ECMA-Bezeichnung |
|---|---|
| Standardschachteln | A |
| Stülpfaltschachteln | B |
| Gürtelfaltschachteln | C |
| Faltschachtelzuschnitte für ungeheftete und ungeklebte Konfektionierung | D |
| Faltschachtelzuschnitte ungeleimt, um bei Gebrauch geklebt zu werden | E |
| Sonderformen und Spezialkonstruktionen (Zuschnitte) | F |
In den einzelnen Kategorien wird eine dezimale Unterklassifizierung vorgenommen
| A10 | Faltschachteln mit Einsteckverschlüssen |
| A2420 (alt A111) | Faltschachteln mit Einsteckverschlüssen und gegenüberliegenden Klappen |
| A2220 (alt A112) | Faltschachteln mit Einsteckverschlüssen und versetzten Klappen |
b) Wellpappe bzw. Versandverpackung
Nach dem Klassifizierungssystem der European Solid Fibreboard Case Manufacturer's Association (assco) und European Federation of Corrugated Board Manufacturers (FEFCO) − kurz FEFCO-ESBO-Code genannt − für Versandverpackungen aus Wellpappe werden 8 Kategorien von Schachteltypen unterschieden.
Die Maße sind in der Reihenfolge A x B x H anzugeben. Hierbei bedeuten:
| A | Das Maß zwischen den Seitenklappen |
| B | Das andere Breitenmaß |
| H | Das Höhenmaß parallel zur Länge der Klebenaht gemessen |
Alle Maße sind grundsätzlich in Millimeter (mm) anzugeben. Sie werden am flachliegenden Zuschnitt von Rillenmitte bis Rillenmitte gemessen.
Faltschachteln werden werden vorwiegend aus Karton, Vollpappe oder Wellpappe hergestellt. Die Auswahl des Materials richtet sich nach der Anwendung der Schachtel.
z.B.
Verbundmaterialien (PE- oder Alu-kaschiertes Material) werden aber ebenso verwendet. Faltschachteln aus Kunststoff (PET, PP) oder Weißblech sind eher die Ausnahme, kommen aber durchaus vor.
Weiterhin werden Faltschachteln mit Fensterhinterklebung (PE und PET teilweise Cellofaniert) angeboten.
Die Faltschachtel ist individuell in Form und Funktionalität. Es gibt einige Standardversionen aber im Grunde wird jede Faltschachtel für das jeweilige Produkt erstellt.
Die Standardfaltschachtel, wie im ECMA beschrieben, hat oben (Deckel) sowie unten eine Einstecklasche mit Sicherheitsschlitzen (in der Kosmetik können es auch oben Stoppriller sein). Meistens ist die Einstecklasche von hinten nach vorne verschließbar. Außer in der Kosmetikindustrie, um offene Kanten des Kartons zu vermeiden, wird die Faltschachtel (FS) von vorn nach hinten geschlossen. Die Staublaschen können für eine Automatenbefüllung ausgespart sein (Magazinschlitze).
Der Boden (unten) variiert noch viel mehr, es gibt ihn mit Einstecklaschen (gegenüberliegend oder versetzt). Auch ein Steckboden, der einen stabileren Halt des Bodens ergibt, ist möglich. Der geklebte Faltboden bzw. Patentboden ist eine der Macharten die eine schnelle Konfektionierung gewährleistet. Da er sich selbst durch gefaltet und geklebte 45° Winkellaschen aufrichtet, und man nur noch die Ware/Inhalt einfüllen muss und den Deckel zu verschließen.
Einen weitere Machart ist die Maschinenfaltschachtel, deren Laschen in der Befüllungsanlage oben und unten verklebt werden. Bei Streugut werden sie sogar staubdicht verschlossen. Also ist nur die Seitennahtklebung notwendig.
Die Staublasche ist Bestandteil einer Faltschachtel.
Ihre Aufgabe ist es, das Eindringen von Staub und anderen Fremdkörpern in das Schachtelinnere zu verhindern.
Darüber hinaus dienen Staublaschen bei Einsteckfaltschachteln zur Arretierung der Einstecklasche, so dass sich der Deckel der Schachtel nicht mehr öffnen kann. Die Staublaschen dienen auch dazu, dass die Deckellasche nicht in die Faltschachtel einbricht, sozusagen als Gegendruck.
Bei Stülpfaltschachteln sitzen die Staublaschen in den vier Schachtelecken. Allen Staublaschen gemein ist, dass sie bei geschlossener Schachtel nicht mehr sichtbar sind.
Die Faltschachtel wird am Computer mit einem CAD-Programm entwickelt.
Meist hat der Konstrukteur nur die „ABH“-Maße oder das Packgut selbst als Vorlage. Hierfür muss er das richtige Material (Karton oder Wellpappe) auswählen. Weiter muss er eine Machart festlegen, die der Kunde erwünscht oder die sich aus den Vorlagen ergibt.
Um erste Weißmuster für den Kunden zu erstellen, werden die Daten an einen Flachbettplotter gesendet, der mit Hilfe verschiedener Werkzeuge (Schneidmesser, Oszillationsmesser, Ritzmesser, Rillrad usw.) ein Weißmuster erstellt. Hierauf können auch Kleinstauflagen hergestellt werden, sowie Andrucke oder kaschierte Muster.
Außerdem wird am CAD-System auch das Stanzwerkzeug erstellt. Es wird hierfür eine Bogeneinteilung angelegt, das bedeutet mehrere Nutzen mit Zwischenschnitten und Greiferrand werden als ein Bogen eingeteilt.
Siehe auch: