Die Etrusker (lat. Etrusci, Tusci; vgl. Toskana; griech. Τυρσηνοί, Τυρρηνοί Tyrsenoi, Tyrrhenoi, davon abgeleitet Tyrrhenisches Meer = etruskisches Meer), die sich selbst Rasenna nannten, waren ein antikes Volk, das im nördlichen Mittelitalien im Raum der heutigen Regionen Toskana, Umbrien und Latium lebte. Die etruskische Kultur ist in diesem Gebiet zwischen 800 und 100 v. Chr. nachweisbar. Die Etrusker gingen nach der Eroberung durch die Römer (300 bis 90 v. Chr.) im Römischen Reich auf.
Mit der Erforschung der etruskischen Geschichte, Sprache und Kultur beschäftigt sich die Etruskologie.
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Die etruskische Kultur hat sich zwar erst auf dem Boden Etruriens entwickelt, unklar bleibt jedoch, ob die Bevölkerungsmehrheit erst unmittelbar vor Entstehen jener Kultur eingewandert ist und woher die etruskische Sprache kam, die ein wesentlicher Baustein der etruskischen Kultur wurde. Schon im Altertum waren dazu zwei verschiedene Hypothesen bekannt:
Der Einwanderungstheorie nach stammen die Etrusker aus dem kleinasiatischen Lydien (Herodot) und sind nach dem Jahr 1000 v. Chr. in das Gebiet der heutigen Toskana eingewandert. Für dieses Szenario spricht eine offensichtliche Verwandtschaft zwischen dem Etruskischen und einer auf Lemnos gefundenen, dem Früh-Etruskischen sprachlich nahe stehenden Inschrift in lemnischer Sprache. Auch die künstlerische Entwicklung im frühen ersten Jahrtausend im orientalisierenden Stil zeigt erstaunliche Parallelen zum lydischen Raum. Diese Auffassung wurde schon in der Antike vertreten, beispielsweise von Herodot. Eine Studie des Erbgutes toskanischer Rinder zeigte, dass sie einst aus Kleinasien eingeführt wurden. [1]
Neuere Genforschungen der Universität Turin (Alberto Piazza) liefern weitere Hinweise darauf, dass die Etrusker Siedler aus Lydien gewesen sein könnten. „Wir haben festgestellt, dass die DNA-Proben von Männern aus Murlo und Volterra näher mit denen östlicher Nachbarn verwandt sind als mit anderen italienischen Proben. Speziell in Murlo gibt es eine Genvariante, die sonst nur Menschen aus der Türkei teilen.“ [2] Die Europäische Gesellschaft für Humangenetik spricht von „überwältigenden Belegen“ der Gentests von Alberto Piazza (Quelle: Europäische Gesellschaft für Humangenetik).[3]
Der Geoarchäologe Eberhard Zangger vermutet als Ursache für die Einwanderung aus Kleinasien eine politische Krisensituation am Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr., von der der gesamte östliche Mittelmeerraum betroffen war.[4] Zangger bringt diese Wanderungsbewegung in Zusammenhang mit dem Zusammenbruch mehrerer Reiche und Kulturen im östlichen Mittelmeerraum am Ende der Bronzezeit.
Die autochthone Theorie demgegenüber nimmt an, dass sich die etruskische Kultur in Mittelitalien aus der Villanova-Kultur entwickelt hat. Die etruskische Sprache sei eine vor-indoeuropäische Sprache, welche durch die recht späte Einwanderung der indoeuropäischen Stämme der Italiker innerhalb der italienischen Halbinsel isoliert worden sei. Die kulturelle und künstlerische Blüte der Etrusker erkläre sich durch die Einbindung der Toskana in den erblühenden Handel im Mittelmeerraum durch Phönizier und Griechen im frühen 8. Jahrhundert v. Chr. Die Nutzung der reichen Erzvorkommen habe die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung beschleunigt. Diese Theorie wird durch den nahtlosen Übergang der Villanovakultur in die etruskische Kultur vor allem im Norden z. B. in Felsina (heute Bologna) unterstützt. Um die Zeitenwende vertrat Dionysios von Halikarnassos diese Theorie.
Die heutige Etruskologie fragt nicht mehr nach der Herkunft der Etrusker, sondern nach deren Entstehung als Volk. Dabei geht man von einer alt-mediterranen Volksschicht aus, die bis ca. 1000 v. Chr. eine sesshafte Bauernkultur entwickelte und in die fremde Volkselemente sowohl aus dem Osten (mykenische und phönizische Seefahrer) als auch aus dem Norden (indoeuropäische Italiker) eindrangen. Auf diese Weise entstand die Villanovakultur. Diese Bevölkerung wurde durch eine sehr dünne Schicht von Einwanderern aus Kleinasien (Tyrrhener) überlagert. Aus der Vermischung mit der lokalen Bevölkerung entwickelte sich das etruskische Volk.
Die ersten Grabfunde stammen aus dem 9. Jh. vor Chr. Es sind steinerne Urnenbehälter in sogenannten Pozzogräbern (kleinen Erdeintiefungen), die belegen, dass die Proto-Etrusker ursprünglich die Feuerbestattung pflegten. Ab dem 8. Jahrhundert entstehen sogenannte Fossagräber, Mulden, in die der intakte Körper gelegt wurde und die mit einer Platte verschlossen wurden. Um 750 v. Chr. entwickelte sich die etruskische Seeherrschaft über das Tyrrhenische Meer. Dabei ging die Entwicklung vor allem von den Städten im südlichen Etrurien aus. Um 600 v. Chr. waren die Etrusker auf der Höhe ihrer Macht angelangt. Sie beherrschten, zusammen mit den verbündeten Karthagern, das westliche Mittelmeer und expandierten sowohl nach Süden bis in die Gegend des heutigen Kampanien (Salerno) wie nach Norden in die Poebene (Bologna).
Die Städte waren in einem losen Städtebund (Zwölfstädtebund) zusammengeschlossen, der vor allem religiösen, weniger aber politischen Charakter hatte. Religiöses Zentrum war das bei Orvieto oder Bolsena gelegene Fanum Voltumnae. Einen etruskischen Zentralstaat gab es nicht. Die Etrusker beherrschten auch Rom (der Name Roma ist vermutlich von einem etruskischen Geschlecht, den Rumlna, latinisiert Romilii, abgeleitet). Die Herrschaftsform in den Städten war monarchisch. In lateinischer Umschrift bezeichnete lucumo den etruskischen König einer Stadt. Ansonsten ist nur wenig über die inneren Verhältnisse bekannt, auch wenn viele etruskische Elemente von den Römern übernommen wurden. Dazu zählt unter anderem die Purpurtunika und der Purpurmantel, die Rutenbündel mit Beil (fasces) und die Vorzeichenschau, um so den Willen der Götter zu erforschen. Wahrscheinlich lebte der Großteil der Bevölkerung in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zum Adel. Außergewöhnlich war die Stellung der Frau, der ein recht hohes Maß an Prestige zukam.
In Küstennähe und im Süden Etruriens waren die wichtigsten Zentren der etruskischen Kultur Pupluna (Populonia) mit der Verhüttung des Eisenerzes der Insel Elba; Tarquinia mit der Bronzeverarbeitung; Caere (Cerveteri), das die Kupfer-, Eisen- und Bleigruben der Tolfa-Berge ausnutzte; Vulci und schließlich Veji im südlichen Landesinneren. Im Norden und im Landesinneren entwickelten sich Cortona, Arezzo, Perugia, Chiusi und Volterra zu wichtigen Zentren. Dabei waren hier vor allem die Metallverarbeitung, die Keramikproduktion und wohl auch die Produktion landwirtschaftlicher Produkte vorherrschend. In kultureller Hinsicht gab es, trotz verschiedener militärischer Konflikte, auch einen sehr fruchtbaren Austausch mit der griechischen Welt. So war die etruskische Kunst sehr stark von der griechischen beeinflusst.
Wohl nicht im Jahre 510 v. Chr. (wie die Sage berichtet), sondern erst einige Zeit später begann mit der Vertreibung der Tarquinier aus Rom der langsame, aber stetige Niedergang der Etrusker. Die Niederlage gegen eine griechische Flotte in der Schlacht von Kyme im Jahr 474 v. Chr. schwächte die Seeherrschaft Etruriens nachhaltig. In Kampanien brach einige Zeit später die etruskische Herrschaft infolge von Kriegszügen der Samniten zusammen. Um 396 v. Chr. wurde Veji von Rom erobert und zerstört. Wenig später überrannten die Gallier das etruskische Gebiet im Norden; wenngleich sie dieses auch nicht dauerhaft besetzten, trug dies zusätzlich zur Schwächung der Etrusker bei. Bis 265 v. Chr. war das südliche Etrurien Zug um Zug von Rom erobert worden. Die Städte im Norden (Arezzo, Volterra, Perugia, Cortona) schlossen Bündnisverträge mit Rom ab und erreichten damit eine weniger dramatisch verlaufende Assimilation ins Römische Reich. Sie wurde auch formal im Jahr 90 v. Chr. mit der Gewährung der uneingeschränkten römischen Bürgerrechte durch Rom abgeschlossen.
Versinnbildlicht wird das Aufgehen der etruskischen Kultur im Römischen Reich etwa durch die Person des Maecenas, der aus einer altadligen etruskischen Familie stammte und ein Vertrauter des ersten römischen Kaisers Augustus war.
Die Epochen der etruskischen Kultur entwickeln sich parallel zu denen Griechenlands und zeugen von intensiven Kontakten im Mittelmeerraum:
Der größte Teil der Kunstgegenstände wurde in den etruskischen Nekropolen (Cerveteri, Tarquinia, Populonia, Orvieto, Vetulonia, Norchia) ausgegraben. Bauliche Hinterlassenschaften wurden nur selten gefunden, meist handelt es sich lediglich um die Fundamente größerer Komplexe. Die zahlreichst vertretende Gruppe bilden dabei die etruskischen Tempel, die seit ungefähr 140 Jahren systematisch ergraben werden. Erst in letzter Zeit sind auch Reste der Profanarchitektur (Murlo bei Siena, Acquarossa bei Viterbo, Talamone) wissenschaftlich ausgegraben und ausgewertet worden.
Die wichtigsten Museen für etruskische Kunstgegenstände sind das Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia in Rom und das Archäologische Museum in Florenz. Daneben sind die Sammlungen in Tarquinia, Chiusi, Orvieto, Arezzo, Volterra und Cortona wichtig.
Die berühmte Bucchero-Keramik, die Metallgefäße imitiert, war ebenfalls aus etruskischer Produktion und verbereitetes Exportgut.
Auch die Religion der Etrusker ist stark von der griechischen Überlieferung beeinflusst. Obwohl es sich – im Gegensatz zu allen anderen vorchristlichen Religionen des Abendlandes – um eine Offenbarungsreligion handelt, werden die Gottheiten durch griechischen Einfluss anthropomorphisiert und lehnen sich, vor allem in der Spätzeit, stark an den griechischen Olymp an.
Im Altertum sehr berühmt war die Disciplina etrusca, die Lehre von der Interpretation göttlicher Signale und vom korrekten Umgang mit der Götterwelt. Leberschau (Haruspizium) und Interpretation des Vogelfluges und der Blitze sind ebenso Teil dieser Lehre wie das korrekte Vorgehen bei der Landvermessung. Diese Überlieferungen wurden von der etruskischen Priesterschaft streng gehütet.
Voltumna gilt als oberster Gott der Etrusker.
Nur wenige längere Schriftstücke in etruskischer Sprache und Schrift sind erhalten. Die vielen Grabinschriften sind sehr kurz und geben keinen wirklichen Einblick in die Sprache. Von den längeren Schriftstücken ist vor allem die Zagreber Mumienbinde (schon seit dem 19. Jhdt. bekannt, wird im Archäologischen Museum Zagreb ausgestellt), die Tontafel von Capua und die Goldbleche von Pyrgi zu nennen.
Die etruskische Schrift hat sich aus einem frühen griechischen Alphabet entwickelt, wird von rechts nach links geschrieben und kann problemlos abgelesen werden. Die Sprache ist auf Grund des spärlichen Materials nicht vollständig entschlüsselt, die vorhandenen Texte können jedoch, mit einigen Unschärfen, übersetzt werden. Ein Vokabular von etwa 200 Wörtern ist inzwischen bekannt.
Sicherlich handelt es sich um keine indogermanische Sprache. Eine Ähnlichkeit mit alten kleinasiatischen Sprachen kann festgestellt werden, ein schlüssiger Nachweis fehlt jedoch, um das Etruskische in eine Sprachgruppe einordnen zu können.
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"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."