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Erfüllungspolitik

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Als „Erfüllungspolitik“ bezeichnete man die außenpolitische Strategie der Weimarer Republik von der Annahme des Londoner Ultimatums 1921 bis zur Ruhrbesetzung 1923. Diese Strategie sah vor, die als überzogen eingeschätzten Forderungen der Westmächte so weit zu erfüllen, dass schließlich deren Unerfüllbarkeit offensichtlich werden sollte.

Der Begriff wurde von den Politikern der Weimarer Koalition selbst in diesem Sinne verwendet. Dagegen benutzte die Rechte den Begriff meist in einem diffamierenden Zusammenhang.

Da Deutschland politisch, militärisch und wirtschaftlich zu schwach war, eine Revision des Friedensvertrages von Versailles zu erzwingen, versuchte die deutsche Außenpolitik unter Führung von Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum) und Wiederaufbau- bzw. Außenminister Walther Rathenau (DDP), die Reparationszahlungen des Vertrages möglichst vollständig zu leisten. Damit sollte die völlige Zerrüttung der deutschen Wirtschaft und die Unerfüllbarkeit der internationalen Zahlungsforderungen demonstriert werden. Die Alliierten, vor allem Frankreich, sahen in der „Erfüllungspolitik“ aber keineswegs einen tatsächlichen Offenbarungseid der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands. Sie forderten vor dem Hintergrund der stetig steigenden Verschuldung und Inflationsrate in Deutschland vielmehr eine konsequente Steuerpolitik der Haushaltssanierung. Eine solche Politik wurde im Grunde aber erst mit der Währungsreform im November 1923 eingeschlagen. Die damit verbundene Stabilisierung der Währung ermöglichte 1924 die Neuregelung der Reparationszahlungen im Rahmen des Dawes-Plans.

Von den Rechten wurden die Protagonisten dieser außenpolitischen Strategie als „Erfüllungspolitiker“ diffamiert und wurden zu Opfern von Fememorden in der Weimarer Republik. Unter anderem wurden der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger († 26. August 1921) und der liberale Außenminister Walther Rathenau († 24. Juni 1922) von der Organisation Consul erschossen.

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