Entwicklungszusammenarbeit, auch Entwicklungshilfe genannt, ist das gemeinsame Bemühen von Industrieländern und Entwicklungsländern, weltweite Unterschiede in der sozioökonomischen Entwicklung und in den allgemeinen Lebensbedingungen dauerhaft und nachhaltig abzubauen.
Seit den 1990er Jahren löst die partnerschaftlich orientierte Entwicklungszusammenarbeit als Begriff in der Entwicklungspolitik den der Entwicklungshilfe ab. Entwicklungshilfe verfolgte im Kern weitgehend dieselben Ziele. Im Gegensatz zur Entwicklungszusammenarbeit war Entwicklungshilfe besonders in den frühen Anfangsjahren wenig oder überhaupt nicht von partnerschaftlicher Gleichberechtigung, sondern von der dominierenden Rolle des Fachwissens und des Reichtums geprägt.
Flüchtlings-, Hunger-, Katastrophen- und humanitäre Hilfe erfolgt hingegen kurzfristig und ist darauf bedacht, die schlimmsten Auswirkungen von Naturkatastrophen und Kriegen möglichst schnell zu mildern und die momentanen Lebensbedingungen zu verbessern. Ihnen folgt meist die Entwicklungszusammenarbeit als sogenannte Aufbauhilfe, die im Gegensatz langfristige, nachhaltige Ziele und strukturelle Änderungen beabsichtigt.
Ressourcentransfer als weiterer aus dem Englischen stammender Begriff ist wesentlich weiter als Entwicklungszusammenarbeit gefasst und beschreibt den Austausch von Ressourcen im Rahmen der Globalisierung.
Entwicklungspolitik ist auf übergeordneter, politischer Ebene die Suche eines, mehrerer Staaten oder der Staatengemeinschaft Planung, Umsetzung und Auswertung der Entwicklungszusammenarbeit.
1961 entstand der Begriff der Entwicklungshilfe das erste Mal, als am 30. September 1961 die Organisation für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Sitz in Paris gegründete wurde. Ihre Aufgabe war die damalige so genannte Entwicklungshilfe international zu koordinieren und untereinander besser abzustimmen.
Bis dahin bestand die einzige Hilfe in Form von Krediten für die in die Unabhängigkeit entlassenen Kolonien, mit denen die Hoffnung verbunden war, sie würden eine ähnliche wirtschaftliche Dynamik entfalten wie nach dem Zweiten Weltkrieg der Marshallplan in Europa.
Der Gründung der Organisation für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung führte zu Bildung von Entwicklungsministerien in zahlreichen Ländern. Der Gründung vorausgegangen war eine Welle von in die Unabhängigkeit entlassenen afrikanischen Staaten.
Anfang der 1960er Jahre herrschte in der Entwicklungszusammenarbeit die Vorstellung einer „Grünen Revolution“ vor. Man müsse die Landwirtschaft nur mit modernen Produktionsmethoden versehen, um die Ernährung der Weltbevölkerung sicherzustellen. Die landwirtschaftliche Produktion wurde gesteigert. Allerdings wuchsen die Abhängigkeiten in der Landwirtschaft und das Wissen um traditionelle Anbaumethoden gingen vielfach verloren.
1964 gründete sich die Gruppe der 77 als Interessenvertretung, der mittlerweile 131 Entwicklungsländer angehören.
1965 entstand das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Seit 1970 koordiniert es die Programme und Aktivitäten der Vereinten Nationen. In seinem jährlich veröffentlichten „Human Development Report“ legt das Entwicklungsprogramm (UNDP) eine umfassende Analyse der sozialen Entwicklungen in der Welt vor.
1970 formulierten die Vereinten Nationen das Ziel, dass die Industrieländer 0,7% ihres Bruttonationaleinkommens bzw. Bruttosozialprodukts für öffentliche Entwicklungshilfe aufwenden sollen. Es wurde vielfach bis heute nicht erreicht.
In einem langfristigen Prozess begannen die Vereinten Nationen auf Initiative Ende 1983 ihrer damaligen Ausschußvorsitzende, Gro Harlem Brundtland, eine globale Agenda 21 für einen weltweiten, nachhaltigen Wandel zu formulieren [1], der zu einer völligen Neubewertung von Umwelt- und Entwicklungsproblemen führte und deren Umsetzungen bis in die Gegenwart anhält.
→ Für die Entwicklungszusammenarbeit einzelner Länder siehe Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands, Französische Entwicklungszusammenarbeit, Österreichische Entwicklungszusammenarbeit, Schweizer Entwicklungszusammenarbeit
Sie begann 1963 mit den Yaoundé-Abkommen, die zwischen der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und seinen ehemaligen Kolonien den Aufbau einer Freihandelszone und den Abbau von Handelshemmnissen vorsah. Nach dem Beitritt von Großbritannien 1973 in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft erweiterte sich der Kreis der Entwicklungsländer als auch die Art der Entwicklungszusammenarbeit. Ab 1975 wurden die Vorhaben als Lomé-Abkommen in Abständen von fünf bzw. 10 Jahren regelmäßig fortgeführt. Von 2000 an wurden die Lomé-Abkommen durch das Cotonou-Abkommen abgelöst, das über eine längere Laufzeit - insgesamt zwanzig Jahre bei einer Überprüfung der Vertragsbedingungen alle fünf Jahre - verfügt und deren Entwicklungszusammenarbeit stärker an die Erfüllung der Kriterien der good governance geknüpft wird.
1992 wurde das Europäische Amt für humanitäre Hilfe (ECHO) geschaffen, um schneller und flexibler humanitäre Hilfe in Katastrophen- und Notfällen zu leisten. ECHO arbeitet mit mehr als 200 Partnern zusammen, die einen Partnerschaftsrahmenvertrag mit der EU-Kommission unterzeichnet haben.
Seit 2001 das Amt für Zusammenarbeit EuropeAid die zentrale Stelle für die praktische Umsetzung der europäischen Entwicklungspolitik. EuropeAid verwaltet die Programme und Projekte in allen Entwicklungsländern. Den Vorsitz von EuropeAid hat deshalb der EU-Kommissar für Außenbeziehungen, die Geschäftsführung der Kommissar für Entwicklung.
Die Entwicklungszusammenarbeit war seit Anfang an den Spannungsfelder von höchst unterschiedlichen Interessen ausgesetzt.
Die meisten der heutigen Entwicklungsländer waren nach dem Zweiten Weltkrieg mit Ausnahme Lateinamerikas noch unter Kolonialherrschaft. Nach Erlangung ihrer häufig blutig erkämpften Unabhängigkeit waren diese Länder ausgebeutet, verarmt und gegenüber den entwickelten Ländern verschuldet. Entwicklungsländer besaßen häufig reiche Rohstoffvorkommen, nicht aber die Mittel sie zu veredeln. Die Industrienationen waren auf die Rohstoffe angewiesen, verfügten dagegen über diese Mittel, jedoch nicht mehr über diese Rohstoffe.
Im Spannungsfeld des sogenannten Ost-West-Konfliktes suchten die konkurrierenden Blöcke unter den Entwicklungsländern nach Verbündeten. Aus Furcht ein Land nach dem anderen würde wie beim Domino zum kommunistischen Block übertreten, wurden häufig nach dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund" strategisch wichtige Entwicklungsländer gefördert, auch wenn es sich um blutige und korrupte Diktaturen handelte, die die Entwicklungschancen des jeweiligen Landes behinderten.
Andere Entwicklungsländer pendelten zwischen beiden Blöcken hin- und her, um opportunistisch die jeweils besten Möglichkeiten zu nutzen ("Schaukeldividende").
1964 gründete sich die Gruppe der 77 mit mittlerweile 131 Entwicklungsländern als Mitgliedern, die in der Charta von Algier die wirtschaftlichen Rechte der Dritten Welt, Wiedergutmachung für Jahrhunderte Kolonialpolitik und die Umgestaltung der Weltbank in eine Entwicklungsbank fordern und verlangen. Eine zentrale Forderung ist es, jährlich mindestens ein Prozent des in den Industriestaaten erwirtschafteten Bruttosozialprodukts den Entwicklungsländern zugute kommen zu lassen.
Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA provozierten massive Reaktionen, so die von der US-amerikanischen Regierung mit sicherheitspolitischen Gründen legitimierten Kriege gegen die Taliban in Afghanistan 2001 und 2003 gegen die Diktatur Saddam Husseins im Irak. Diese Sicherheitspolitik setzte neben politischen und militärischen Druckmitteln auch auf entwicklungspolitische Unterstützungsmaßnahmen, um die Entwicklungsländer zur Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus zu bewegen.
Einige der Entwicklungsländer, besonders im asiatischen Raum, bergen in sich ein enormes Potential von Wirtschaftswachstum und werden von den Industrienationen als zukünftige Absatzmärkte für ihre eigenen Produkte für wirtschaftlich strategisch wichtig erachtet.
Infolge des Jom-Kippur-Krieges verhängten die arabischen Erdöl exportierenden Staaten vom Oktober 1973 bis März 1974 einen Ölboykott gegen Israel freundlich gesinnte Länder. Dies führte zu einer Energieverknappung in den Industrienationen und löste die erste Ölkrise aus. Zwischen 1973 und 1974 vervierfachte sich der Preis für Rohöl von fast drei US-Dollar auf fast zwölf US-Dollar pro Barrel.
Die Entwicklung in den Entwicklungsländern wurde gebremst. Die sich verschlechternden Handelsbedingungen für viele ihrer Rohstoffe in den siebziger und achtziger Jahren führten zu sinkenden Deviseneinahmen, die sie wiederum vermehrt für das verteuerte Rohöl ausgeben mussten. Dies verstärkte ihre Abhängigkeit von den Großkrediten der Geschäftsbanken.
1979 und 1980 stimmten die arabischen Erdöl exportierenden Staaten für eine zweite Preissteigerungsrunde, die den Richtpreis für Erdöl auf über 30 US-Dollar pro Barrel anhob. In den Industriestaaten kam es zur zweiten Ölkrise und einer noch stärkeren Weltwirtschaftsrezession als nach der ersten Ölkrise. Banken und Regierungen erhöhten die Zinssätze, wodurch die Probleme bei der Schuldenrückzahlung vor allem für die Entwicklungsländer verschärft wurden und zu noch geringeren Exporterträgen der Entwicklungsländer führten.
In den achtziger Jahren wurde es für die Entwicklungsländer zunehmend schwieriger, frühere Kredite von Geschäftsbanken zu decken, und sie mussten sich an die Weltbank um Hilfe wenden. Diese gewährte in der Folge nur dann Kredite, wenn die Empfängerländer sogenannten Strukturanpassungsprogrammen zustimmten, die Wirtschaftsreformen zur Verringerung der Importe und Förderung der Marktwirtschaft erzwangen.
Der klassische Ost-West-Konflikt endete 1989 bis 1991 mit dem politischen und ökonomischen Zusammenbruch der meisten kommunistischen Regime. Der Ostblock und seine Führungsmacht Sowjetunion fielen auseinander. Diese Vorgänge veränderten das internationale System und Ansichten in der Entwicklungspolitik in mehrfacher Hinsicht.
Unterstützung menschenverachtender Diktaturregime, die mit "Blockrücksichten" entschuldigt wurden, wurden überflüssig wie auch die aus dem Ost-West-Konflikt entstandenen "Stellvertreterkriege" zwischen und innerhalb von Entwicklungsländern. Es verbesserten sich die Chancen, gegenüber Entwicklungsländern Mindestbedingungen wie die Einhaltung der Menschenrechte, den Kampf gegen Korruption sowie Entwicklungsengagement zu fordern und die Einhaltung dieser Standards an die Weiterleistung von Entwicklungshilfe zu knüpfen. Andererseits hatte die "Blockdisziplin" auch zur Unterdrückung und Eingrenzung inner- und zwischenstaatlicher Konflikte beigetragen, die sich nunmehr verschärften und teilweise gewaltsam ausgetragen wurden.
Strategisch interessante Entwicklungsländer konnten Ost und West nicht länger zum eigenen Vorteil gegeneinander ausspielen. Zudem fiel die Entwicklungshilfe der Ostblockstaaten schlagartig weg, die allerdings von bescheidener Größenordnung und zudem auf "sozialistische", blockangehörige Entwicklungsländer wie Kuba und Nordkorea konzentriert gewesen war. Angesichts wachsender Probleme auch im Norden kamen es nicht zur Umschichtung von Verteidigungsausgaben zur Entwicklungszusammenarbeit. Des Weiteren kam hinzu, dass nun ein Teil der früheren Ostblockländer mit den Entwicklungsländern um die Mittel des Westens konkurrierte.
Mit dem Kommunismus war auch das zentralistisch-planwirtschaftliche Entwicklungsmodell der Ostblockstaaten gescheitert, das mit starkem staatlichem Zwang gearbeitet hatte. Dies führte nicht nur zu grundlegenden Veränderungen sowohl in der entwicklungspolitischen Strategie vieler Entwicklungsländer und ihrer Träger, sondern auch in der wissenschaftlichen Diskussion der Entwicklungstheorie. Bündnispolitik, Freund-Feind-Denken und geostrategische Interessen beeinflussen aber nach wie vor die Entwicklungszusammenarbeit.
Die Erfahrungen von Frauen, ihre Kreativität und ihre Schaffenskraft sind wesentlich für die Entwicklung ihrer Länder und für lebendige Demokratien. Die Weltbank hat nachgewiesen, dass Länder, in denen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Erziehung, Beschäftigung und Eigentumsrechten gering sind, weniger Unterernährung und Kindersterblichkeit kennen. Die Wirtschaft dieser Länder wächst schneller, mit weniger Umweltschäden, und sie werden zunehmend verantwortungsvoller regiert. Verbesserte Bildungs- und Lebenschancen für Frauen tragen außerdem zu einer bewussten Familienplanung und einem moderaten Bevölkerungswachstum bei.
Eine Studie der Weltbank stellt fest: „Investitionen in Bildung für Mädchen sind die wirksamsten Einzelinvestitionen, die ein Entwicklungsland vornehmen kann. Die Ausbildung von Mädchen wirkt auf alle Dimensionen der Entwicklung: geringere Kinder- und Müttersterblichkeit, eine geringere Fruchtbarkeitsrate, höherer Bildungsstand bei Töchtern und Söhnen, höhere Produktivität und besserer Umgang mit der Umwelt.“
Wenn Frauen diskriminiert oder unterdrückt werden, bilden sie in den entsprechenden Gesellschaften ein „blockiertes Entwicklungspotential“. Die Gesellschaft ist somit nicht in der Lage eine vorhandene und bedeutende Entwicklungsressource zu nutzen. Abgesehen davon ist die Diskriminierung von Frauen ein Menschenrechtsproblem.
In den letzten Jahren hat sich zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass Entwicklung auf Good Governance, Partizipation und Dezentralisierung aufbauen muss, um nachhaltig sein zu können. Damit rücken Kommunen und kommunale Selbstverwaltung ins Blickfeld der Entwicklungszusammenarbeit. Für die Vereinten Nationen, die Weltbank und andere internationale Organisationen sind heute kommunale Projekte bzw. auf eine Stärkung selbstverwalteter Strukturen gerichtete Aktivitäten ein wichtiges Element ihrer Arbeit. Zugleicht hat die Bedeutung der Kommunen als Akteure der internationalen Entwicklungszusammenarbeit international stark zugenommen. Das ist beim Millennium-Gipfel, der UN-Generalversammlung im Jahr 2000, unterstrichen worden. Die Weltunion der Kommunen ( United Cities and Local Governments - UCLG) hat sich 2005 der UN-Millenniumkampage angeschlossen und die Umsetzung der Millenniumentwicklungsziele als Aufgabe der Städte und Gemeinden angenommen.
Die Kultur fristet in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ein Schattendasein. Dies betrifft einerseits Kultur im weiteren Sinne, als Lebensweise, Tradition und Brauchtum (so genannte soziokulturelle Schlüsselfaktoren), im Besonderen aber Kultur im engeren Sinne, als Kunst und Kreativität in den Bereichen Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Literatur, Musik und Medien sowie deren Einfluss auf die Entwicklung eines Individuums, einer Gesellschaft oder eines Staates.
Für die deutsche Außenpolitik ist festzustellen, dass sich die beiden jeweils zuständigen Ministerien für Entwicklungspolitik und Auswärtige Kulturpolitik, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und das Auswärtige Amt (AA) nur in wenigen Teilbereichen zuständig fühlen. Inzwischen gibt es das Referat 214 Gleichberechtigung der Geschlechter; Menschenrechte; Kultur und Entwicklung
Auf internationaler Ebene gewinnt das Thema in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Zentrales und zugleich jüngstes Moment ist das UNESCO Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen von 2005: „Die Bedeutung des Zusammenhangs zwischen Kultur und Entwicklung für alle Länder, insbesondere für die Entwicklungsländer, zu bekräftigen und die Maßnahmen zu unterstützen, die auf nationaler und internationaler Ebene ergriffen werden, um die Anerkennung des wahren Wertes dieses Zusammenhangs sicherzustellen“...„Die internationale Zusammenarbeit und Solidarität in einem Geist der Partnerschaft zu stärken, um insbesondere die Fähigkeiten der Entwicklungsländer zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen zu erhöhen.“ Staaten wie Schweden (SIDA), Dänemark (Danida), die Niederlande, Österreich (OEZA) und die Schweiz (DEZA) widmen sich bereits intensiv dem Thema.
In den letzten Jahren widmen sich zunehmend auch deutsche Akteure dem Gegenstandbereich, etwa in den Konferenzen zu „Fortschritt“ 2004 und „Kultur, Entwicklung und Fortschritt“ 2006 des Goethe-Instituts und der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH. Die Szene der NROs auf diesem Gebiet ist weiter dünn bestellt. Deutsche Beispiele sind der seit 1992 in Münster ansässige und in Nicaragua agierende gemeinnützige Verein Pan y Arte und der in Tansania aktive Freundeskreis Bagamoyo. Ein internationales Beispiel ist das von Jeunesse Musical International initiierte Projekt im südlichen Afrika Music Crossroads Southern Africa.
Im Oktober 2006 wurde nun das von verschiedenen deutschen NROs und Experten formulierte „Manifest für eine enge Zusammenarbeit zwischen Auswärtiger Kulturpolitik und Entwicklungspolitik, Kultur und Kunst für nachhaltige Entwicklung“ veröffentlicht. Es beinhaltet einen Katalog an Leitsätzen zur Implementierung von „Kultur & Entwicklung“ in Politik und Praxis.
Kritik an Entwicklungszusammenarbeit kommt aus verschiedenen Richtungen. Teilweise wird der "Utopismus" der klassischen Entwicklungsansätze kritisiert, die kein Auge für die Realitäten vor Ort habe und grundlegende ökonomische Einsichten missachten würde[2].
Viele linke Kritiker bemängeln, dass westliche Entwicklungshilfe sich an kapitalistischer Produktionsweise orientiere und die Souveränität der Empfängerländer durch politische Vorgaben der Geberländer und internationaler Organisationen untergraben werde. Der ghanaische Ökonom George Ayittey weist jedoch darauf hin, dass viele Entwicklungsländer von korrupten Eliten geprägt sind, die nicht im Interesse ihrer Bevölkerungen handeln.
Sowohl Globalisierungskritiker als auch Ökonomen wie Ayittey und Jeffrey Sachs kritisieren einen zu großen Fokus auf industrielle und städtische Entwicklung und die Vernachlässigung der landwirtschaftlichen Entwicklung, die für viele Entwicklungsländer ein sehr wichtiger Wirtschaftssektor ist.
Die gelegentlich geäußerte Kritik, Entwicklungsländer würden netto gar keine Entwicklungshilfe erhalten, da die Rückzahlungen von Schulden größer als die geleistete Hilfe sei ist jedoch falsch. Sowohl die Zahlen, die die OECD veröffentlicht[3], die Zahlen, die vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht werden, [4] als auch mehrere Untersuchungen unabhängiger Wissenschaftler [5] [6] zeigen, dass diese Behauptung falsch ist. In allen Jahren seit 1960 sind die Netto-Flüsse von Entwicklungshilfegeldern (Hilfsgelder abzüglich Schuldenrückzahlung) positiv. So flossen beispielsweise im Jahr 2004 netto $26,5Milliarden nach Sub-Sahara Afrika. Eine Ausnahme bildet Südkorea, das mittlerweile selbst ein Geberland ist und von vielen als Vorbild für erfolgreiche Entwicklung angeführt wird. Da es selbst keine Entwicklungshilfe mehr bezieht aber noch alte Schulden abbezahlt, hatte es in den letzten Jahren negative Mittelflüsse.
Die römisch-katholische Kirche kritisiert, dass bei der auf rein technisch-materiellen Prinzipien aufgebauten Entwicklungszusammenarbeit, Gott nicht nur ausgelassen wurde, sondern die Menschen von Gott abgedrängt werden und damit die Dritte Welt zur Dritten Welt im heutigen Sinn gemacht wurde.[7] Auch Vertreter katholischer Orden, die 2007 sich mit 118 Mio. Euro in der Entwicklungszusammenarbeit engagierten, fordern eine stärkere Präsenz in den deutschen Fachgremien der Entwicklungshilfe.[8]
Es wird auch angeführt, dass die Gelder hauptsächlich der eigenen Wirtschaft zu Gute kommen. So wirbt das Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit selbst damit, dass jeder Euro der Entwicklungszusammenarbeit für die deutsche Wirtschaft einen dreimal so großen Effekt in Form von anschließenden Exporten hat [9]. CDU und FDP hingegen kritisieren seit Jahren, dass die Entwicklungshilfe in Deutschland in einer "Schieflage" sei und zu wenig Wirtschaftshilfe im Blickpunkt habe. Insbesondere wird die Entwicklungshilfe für China kritisiert (im Jahr 2006 wurden 56,5 Millionen Euro Entwicklungshilfe an China gezahlt. [10] ; im Jahr 2008 werden 187 Millionen Euro Entwicklungshilfe für China gezahlt) [11]), da China längst kein Entwicklungsland mehr sei und mittlerweile zu einem Hauptkonkurrenten in der globalisierten Weltwirtschaft aufgestiegen sei. [12] [13] [14]
Afrika gilt für viele Kritiker in seiner Gesamtheit als Musterbeispiel für eine fehlgeleitete Entwicklungspolitik, wenn, als ein möglicher Gradmesser, Lebensstandard und Einkommensituation der Menschen auf dem Land zur Zeit der Unabhängigkeit mit der Situation 40 Jahre später verglichen werden. Kritiker, die die Höhe der in einem Zeitraum geleisteten Hilfszahlungen in einem bestimmten Gebiet abschätzen und die früher ausgesprochenen Erwartungen mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung vergleichen, stellen eine Diskrepanz fest. Das Eingeständnis von verfehlter Entwicklungshilfe prägte in liberalen Kreisen den Begriff „Hilfspessimismus“,[15] der entwicklungspolitische Resignation bedeutet. Besonders in Afrika zeigt sich, dass Entwicklungshilfe gerade bei der Bekämpfung der größten Armut versagt hat und häufig nur eine Abhängigkeit von dieser Hilfe geschaffen wurde.[16]
Eine radikale Kritik aus liberaler Sicht, wie sie der britische Ökonom Peter Bauer und der kenianische Ökonom James Shikwati äußern, meint, dass Entwicklungshilfe eine der Gründe für Afrikas Probleme und einzustellen sei, da die wirtschaftliche Intervention den freien Warenaustausch zwischen den Entwicklungsländern und die Herausbildung einer privaten Wirtschaft behindere. James Shikwati kritisiert Entwicklungshilfe als ein Mittel um afrikanische Länder an westliche Kapitalgeber zu binden und somit eine einseitige wirtschaftliche und politische Abhängigkeit zu erzeugen.[17] Eine politische Kritik will Entwicklungszusammenarbeit mit der Frage nach demokratischen Strukturen in den Empfängerländern und ihrem für das Gemeinwohl sinnvollen Einsatz des Staatshaushalts verknüpft sehen. In beiden Punkten werden den meisten Ländern Afrikas Defizite attestiert. Unter anderem George Ayittey[18] kritisiert, dass ein großer Teil der Entwicklungshilfe, die in afrikanische Länder geflossen ist, von korrupten Eliten missbraucht werden und kommt daher zu dem Schluss: „African problems must be solved by Africans“.
Unabhängig von theoretischer Kritik aus marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten wird von unabhängigen Entwicklungshelfern vor Ort und von Journalisten die ungerechte Verteilung der langfristigen Hilfe und insbesondere die als Überbrückungsmaßnahme angelegte Katastrophenhilfe kritisiert. Katastrophenhilfe hat mit Entwicklungshilfe prinzipiell nichts zu tun, steht aber oft vor ähnlichen Problemen, wie die Operation Lifeline Sudan zeigte. Es gibt das unvermeidliche praktische Problem, dass die Verteilung der Hilfe aufgrund machtpolitischer Strukturen erfolgt und von den Entwicklungsorganisationen nicht ausreichend kontrolliert werden kann.[19] Hierbei kommt zur Sprache, dass auf Güter, die im Rahmen der Entwicklungshilfe eingeführt werden sollen, von zahlreichen Empfängerländern Einfuhrzölle erhoben und Forderungen gestellt werden, die mit den Projekten in keinem Zusammenhang stehen. Weder Geber- noch Empfängerländer oder die „Hilfsindustrie“ können laut den Kritikern der Entwicklungspraxis ein Interesse haben, diese Kosten vor Ort zu bilanzieren [20]
1 Zur Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste (AGdD) gehört auch das Förderungswerk für rückkehrende Fachkräfte der Entwicklungsdienste. foerderungswerk.de
2 Zum Arbeitskreis "Lernen und Helfen in Übersee" e.V. (AKLHÜ) gehören noch weitere Organisationen an, die mögliche Freiwilligen-Einsätze anbieten wie zum Beispiel Internationale Bauorden www.entwicklungsdienst.de
3 "Eirene - Internationaler Christlicher Friedensdienst" nimmt insofern eine Sonderrolle unter den Entwicklungsdiensten ein, da es auch schweizerische, niederländische, belgische, französische und deutsche Entwicklungshelfer entsendet.
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."