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Enthymem :

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Enthymem

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Das Enthymem (gr.: ἐνθύμημα enthýmema - das Erwogene, das Beherzigte, das Argument) ist ein auf Aristoteles zurückgehender Begriff der Rhetorik bzw. der Argumentationslehre.

Man spricht auch von einem "enthymemischen Wahrscheinlichkeitsschluss"[1] oder (nur) "rhetorischem" oder "dialektischen" Schluss[2].

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Begriff

Der Ausdruck ist mehrdeutig und bezeichnet anfänglich (bei Aristoteles) einen Wahrscheinlichkeitsschluss[3] und (seit Quintilian) einen verkürzten Syllogismus[4], bei dem eine Prämisse fehlt, aber „in Gedanken“ zu ergänzen ist[5]. Im Grunde sind damit drei Bedeutungen zu unterscheiden:

[1] Wahrscheinlichkeitsschluss: Schluss, dessen Argumente und Schlussregel nicht wahr, sondern nur wahrscheinlich sein müssen[6].

[2] Verkürzter Schluss: Logisch unvollkommener Schluss, der nicht in allen seinen Teilen explizit gemacht wird.

[3] Verkürzter Wahrscheinlichkeitsschluss (Kombination von [1] und [2]).

Das Enthymem (in der Hauptbedeutung von [3]) ist damit ein Schlussverfahren der Alltagssprache, das nicht den strengen Regeln eines Syllogismus genügt und sich mit der Glaubhaftmachung einer strittigen Aussage begnügt.

Gemeint ist damit eine deduktive Argumentationsweise mit den drei Schlussteilen Argument, Schlussregel und Konklusion[7].

In der Form ähnelt das Enthymem dem logischen Syllogismus. Der Sache nach sind die beiden Begriffe insofern zu trennen, als es beim Syllogismus –in der Logik– um das Erfassen der Wahrheit im strengen Sinne geht, beim Enthymem –in der Rhetorik– aber nur um das Glaubhafte, Überzeugende.

In der Rede wird die vierteilige Struktur des strengen Syllogismus nur selten angewandt, sondern das Argument wird auf drei oder zwei Schritte reduziert; der fehlende Rest (die Proposition, eine der beiden Prämissen oder auch die Konklusion) wird vom Zuhörer "in Gedanken" ergänzt. In vielen Schriften zur Rhetorik wird speziell nur dieser verkürzte Beweisgang Enthymem genannt, der vollständige Beweis heißt dann, wenn auch nicht im aristotelischen Sinne, Syllogismus.

Zum Teil wird der enthymemische Wahrscheinlichkeitsschluss vom bewussten Trugschluss ("eristischer Syllogismus") unterschieden[8] und lediglich darauf hingewiesen, dass verkürzte Schlüsse für die persuasive Argumentation und Werbesprache charakteristisch sind[9]. Anderenorts[10] wird darauf hingewiesen, dass die Verkürzung des Beweisganges der bewussten Verschleierung einer Schwäche des Arguments dienen kann, wenn z. B. eine Prämisse weggelassen wird, die, wenn man sie ausformulierte, dem Zuhörer unglaubhaft erscheinen müsste.

[Bearbeiten] Beispiele

[Bearbeiten] aus dem Alltag

a) vollständig:

Es wird Regen geben (Proposition/Beweisziel); denn wenn der Luftdruck fällt, gibt es Regen (erste Prämisse/Obersatz). Nun ist der Luftdruck gefallen (zweite Prämisse/Untersatz), also wird es regnen (Konklusion/Schlussfolgerung).

b) verkürzt:

[Bearbeiten] bewusste Verschleierung

Er ist nicht bestechlich. Schließlich ist er Beamter. (Es fehlt die Prämisse: Alle Beamten sind unbestechlich.)

[Bearbeiten] Quellen

  1. Metzler Philosophielexikon, 2. Aufl. (1999)/Enthymem
  2. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002)/Enthymem
  3. Aristoteles Anal. prior. II, 27, 70a
  4. dtv-Lexikon (1990)/Enthmymem
  5. Quintilian Inst. orat. V 10,3 nach Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005), Enthymem
  6. Vgl. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002)/Enthymem
  7. Nach Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002)/Enthymem dient es allerdings nicht der "logischen Deduktion, sondern der alltagssprachlichen Begründung und Durchsetzung von Meinungen"
  8. Metzler Philosophielexikon, 2. Aufl. (1999)/Enthymem
  9. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. Aufl. (2002)/Enthymem
  10. So die Vorgängerversion hier.

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