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Die Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers ist eine französischsprachige Enzyklopädie von Denis Diderot, Jean Baptiste le Rond d’Alembert und weiteren 138 Bearbeitern, den sogenannten Enzyklopädisten. Der erste Band erschien im Jahr 1751. 1780 wurde die Reihe mit dem 35. und letzten Band abgeschlossen. Die Encyclopédie ist die wohl berühmteste frühe Enzyklopädie im heutigen Verständnis. [1]
Der Name würde ins Deutsche übersetzt Enzyklopädie oder ein vernünftiges Wörterbuch über die Wissenschaften, die Künste und die Handwerke bedeuten.
Inhaltsverzeichnis |
Die Encyclopédie war mit dieser Erscheinungszeit das Hauptwerk der Zeitepoche Aufklärung. Sie umfasst etwa 60.000 Artikel, wodurch es selbstverständlich eine gut strukturierte Ordnung bzw. System geben muss. Da die Encyclopédie darauf abzielt, alle Wissenschaftsbereiche zu erklären, werden in jedem Band ein paar wenige, immer unterschiedliche Bereiche durchgenommen, wobei die Artikel untereinander alphabetisch geordnet sind.
Ein Schwerpunkt der Encyclopédie waren Abbildungen, die sehr exakt und detailgetreu gezeichnet wurden. Das waren zum Beispiel anatomische Schnitt durch Lebewesen, Monumente, damals bekannte Ruinen, Kunstwerke, Architektur oder Alltagsgegenstände. [2]
Die Grundidee der Encyclopédie war das gesamte Wissen der Zeit zu sammeln und der Welt öffentlich zugängig zu machen. Der Titel umschreibt Enzyklopädie mit „dictionnaire raisonné“, „vernünftig aufgebautes (kritisch durchdachtes) Wörterbuch“. Die Autoren notieren dazu:
Das Werk ist die letzte bedeutende Enzyklopädie, die auf einem Baum des Wissens nach Art Francis Bacons aufbaut, aber bereits an bedeutsamen Stellen von diesem abweicht; sie leitet damit einen erkenntnistheoretischen Richtungswechsel [ein], der die Topographie allen menschlichen Wissens verwandelte (Robert Darnton).
Die Herausgeber erhoben den Anspruch, die gesamten menschlichen Aktivitäten am Maßstab der Vernunft zu messen und hinterfragbar zu machen. Des Weiteren wollte man die Menschheit als eine Einheit aufzeigen, wodurch man verdeutlichen wollte, dass sich Kirche und Staat nicht als absolut hinstellen sollen. Ebenso wollte man Gleichberechtigung, sprich, dass niemand über jemanden herrschen soll. Unauffällig wurden deshalb innerhalb der Encyclopédie Kritik an Staat und Kirche ausgeübt, ohne dass sich der Herausgeber dem Vorwurf des „Unglaubens“ aussetzen musste. Die Buchhändler konnten stets auf die Ausgewogenheit des Werkes verweisen, während das gebildete Publikum zwischen den Zeilen zu lesen verstand. Dadurch entstand eine neue „Gedankenfreiheit“. Sowohl die Methoden Thomas von Aquins als auch Cartesius’ werden verworfen und einzig die empiristische Herangehensweise John Lockes („Erkenntnis durch Erfahrung“) und Isaac Newtons als maßgeblich angesehen. Auch der Slogan „Wissen ist Macht“ von Francis Bacon wurde immer mehr zum Leitbegriff. Die Encyclopédie leitete somit die Aufklärung ein und war Träger dieser neuen Idee.
1728 hatte Ephraim Chambers in England mit beachtlichem Erfolg die zweibändige Enzyklopädie Cyclopaedia herausgegeben. Ab 1743 verfolgten der Engländer John Mills und der Deutsche Gottfried Sellius ein Projekt, das die Übersetzung der Cyclopaedia ins Französische und die Erweiterung auf ein fünfbändiges Werk zum Ziel hatte. Dafür arrangierten sie sich mit dem französischen Verleger André-François Le Breton, der das zwingend erforderliche königliche Privileg zum Druck eines derartigen Werkes zu besorgen hatte. Er erhielt dieses 1746 als sein persönliches (vererbbares!) Eigentum, hinterging dabei also seine Partner. [3]
Als die fünf Foliobände im Manuskript annähernd vorlagen, starb Sellius, und der des Französischen wenig kundige Mills überwarf sich mit dem Verleger. Um das Werk zu retten, gewann dieser den als Übersetzer und Mathematiker bekannten Abbé Jean Paul de Gua de Malves, der zwar eine gründliche Neubearbeitung anstelle des Bisherigen vorschlug, jedoch keine andere Leistung erbracht zu haben scheint. Daraufhin wandte sich Le Breton an Denis Diderot, der die Arbeit in Angriff nahm. [3]
Le Bretons wirtschaftliche Kapazität wurde dem neuen Riesen-Projekt nicht gerecht, und Diderots philosophische Kenntnisse genügten nicht, um die Bereiche Physik und Mathematik adäquat abzudecken. Der Verleger brauchte also Geldgeber, Diderot einen kompetenten und kongenialen Partner, den er in d’Alembert fand. Ab 1750 arbeitete unter Diderot eine Gruppe von „Enzyklopädisten“ (139 weitere sind namentlich bekannt, darunter Louis de Jaucourt, Melchior Grimm, Jean-François Marmontel, Montesquieu, d’Holbach, Quesnay, Jean-Jacques Rousseau, Turgot und Voltaire). Die Unternehmung wurde nochmals verzögert, weil Diderot 1749 wegen seiner Publikation Lettre sur les aveugles mehrere Monate Haftstrafe abzusitzen hatte und erst auf Bitten der Verleger freikam. [3]
Dadurch, dass die Encyclopédie von wissenschaftlicher Seite aus geschrieben ist, wurde heftig an Religion und Kirche gerüttelt. Anstatt Gottes Macht, traten Naturgesetze in Kraft. Selbst d’Alembert fand als beste Lösung, dass man Gott in der Natur sehen muss - der Naturalismus. Das ließ sich die Kirche selbstverständlich nicht gefallen und schrieb die Encyclopédie 1759 auf den Index Librorum Prohibitorum. Auch der Staat war misstrauisch gegenüber dem Werk. Glücklicherweise bekam die Encyclopédie große Unterstützung von Regierungskreisen, wie Ludwigs Geliebte Madame de Pompadour, welche auch die Protektorin war, oder Voltaire. [3]
Konservative Kräfte versuchten demzufolge, das Unternehmen zu Fall zu bringen. Um 1752 hatten sich Jesuiten und Jansenisten in seltener Einmütigkeit verbündet, um über die Sorbonne und das Parlament gegen die „Ungläubigen“ vorzugehen. Die Abwehr dieses Angriffs war ein Meisterstück, das unter Beteiligung der Pompadour, Voltaires und zweier Minister gelang, wohl auch, weil zwischenzeitlich Friedrich der Große d’Alembert nach Berlin eingeladen hatte, um die Encyclopédie dort erscheinen zu lassen. Nun artikulierten die Buchhändler lautstark die drohenden Verluste und forderten den französischen Nationalstolz heraus. Minister Malesherbes, liberaler Vorsitzender der obersten Zensurbehörde und mit vielen Literaten persönlich befreundet, erreichte Gutachten, nach denen die Buchhändler nichts mehr zu befürchten hatten. Auch weitere Attacken gegen die Encyclopédie wurden mit Rückendeckung aus französischen Regierungskreisen abgewendet, obwohl das königliche Privileg zurückgezogen worden war, nachdem der Artikel Genève im siebenten Band (1757) den dortigen kalvinistischen Klerus verärgert hatte. Dennoch wurden die Textbände 8 bis 17 heimlich in Frankreich publiziert; um für Verwirrung zu sorgen wurde Neuchâtel in der Schweiz als Erscheinungsort verzeichnet. D’Alembert zog sich 1759 schließlich aus dem Projekt zurück und an dessen Stelle trat ab 1760 Louis de Jaucourt. [3]
Für die Tafelbände konnte mit Unterstützung durch Malesherbes ein neues Privileg erwirkt werden. [3]
| Frontispiz | 17 Textbände | 11 Tafelbände |
|---|---|---|
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18. Erster Tafelband: 1762 |
Die 1751 begonnene Veröffentlichung wurde zunächst 1772 mit dem 28. Band abgeschlossen; 17 Textbände enthalten auf rund 18.000 Seiten 71.818 Artikel, die elf Bildtafel-Bände auf rund 7.000 Seiten 2.885 Kupferstiche und 2.575 Erläuterungen. Der Text umfasst 20.736.912 Wörter, davon 391.893 verschiedene.
Die Encyclopédie war ein enormer finanzieller Erfolg, zusammen mit den sechs Nachdrucken aus der Schweiz und Italien wurden bis 1789[?] rund 25.000 Exemplare abgesetzt (eine Enzyklopädie galt bereits als erfolgreich, wenn etwa 2.000 Exemplare verkauft wurden; etwa 1.500 Subskribenten reichten beispielsweise zur Finanzierung des „Zedler“, die Encyclopédie hatte jedoch bis zu 4.000 Subskribenten).
Um der Zensur zuvorzukommen, wurden von Le Breton ab dem 8. Band Texte verändert − hinter dem Rücken Diderots, der das erst hinterher merkte und tobte: „Sie haben die Arbeit von zwanzig anständigen Menschen […] gemordet oder morden lassen…“.
Der Verleger Charles-Joseph Panckoucke, ab 1770 Inhaber der Rechte an der Encyclopédie, produzierte insgesamt sieben Suppléments (Ergänzungen; Herausgeber war Jean-Baptiste Robinet): 1776 zwei Textbände, 1777 zwei weitere und einen Bildtafel-Band, und 1780 ein von Pastor Pierre Mouchon ausgearbeitetes zweibändes Register, Table analytique et raisonnée de l’Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers . [4]
Die Encyclopédie ist unter anderem im Rahmen des ARTFL-Projektes im Internet zugänglich: