Die Encyclopédie ist eine französischsprachige Enzyklopädie von Denis Diderot, Jean Baptiste le Rond d’Alembert und weiteren 138 Bearbeitern, den sogenannten Enzyklopädisten ab 1751. Sie ist die wohl berühmteste frühe Enzyklopädie im heutigen Verständnis.
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Die Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers war als Sammlung des gesamten Wissens der Zeit konzipiert; der Titel umschreibt Enzyklopädie mit „dictionnaire raisonné“, „vernünftig aufgebautes (kritisch durchdachtes) Wörterbuch“. Die Autoren notieren dazu:
Das Werk ist die letzte bedeutende Enzyklopädie, die auf einem Baum des Wissens nach Art Francis Bacons aufbaut, aber bereits an bedeutsamen Stellen von diesem abweicht; sie leitet damit einen erkenntnistheoretischen Richtungswechsel [ein], der die Topographie allen menschlichen Wissens verwandelte (Robert Darnton).
Die Herausgeber erhoben den Anspruch, die gesamten menschlichen Aktivitäten am Maßstab der Vernunft zu messen und hinterfragbar zu machen, und verstanden die Encyclopédie als Werk der Aufklärung, das alles Wissen der Welt nach philosophischen Gesichtspunkten organisiert. Sowohl die Methoden Thomas von Aquins als auch Cartesius’ werden verworfen und einzig die empiristische Herangehensweise John Lockes und Isaac Newtons als maßgeblich angesehen. Das Werk wurde deshalb während seiner gesamten Frühgeschichte der Gottlosigkeit verdächtigt. Mehrere Anträge auf sein Verbot und seine Zensur wurden gestellt. Faktisch war das Buch nicht offiziell erlaubt, gleichzeitig konnte es weitgehend problemlos vertrieben werden. Von Kirche und Staat mit Misstrauen und Verboten begleitet, leitete die Arbeit der Enzyklopädisten die militante Phase der Aufklärung und damit die Französische Revolution ein.
Erstmals wird in der Encyclopédie das Handwerk enzyklopädisch gewürdigt; sie enthält ausführliche Beschreibungen sowie zahlreiche Abbildungen von Geräten, Werkzeugen, Maschinen und Werkstätten.
1728 hatte Ephraim Chambers in England mit beachtlichem Erfolg die zweibändige Enzyklopädie Cyclopaedia herausgegeben. Ab 1743 verfolgten der Engländer John Mills und der Deutsche Gottfried Sellius ein Projekt, das die Übersetzung der Cyclopaedia ins Französische und die Erweiterung auf ein fünfbändiges Werk zum Ziel hatte. Dafür arrangierten sie sich mit dem französischen Verleger André-François Le Breton, der das zwingend erforderliche königliche Privileg zum Druck eines derartigen Werkes zu besorgen hatte. Er erhielt dieses 1746 als sein persönliches (vererbbares!) Eigentum, hinterging dabei also seine Partner.
Als die fünf Foliobände im Manuskript annähernd vorlagen, starb Sellius, und der des Französischen wenig kundige Mills überwarf sich mit dem Verleger. Um das Werk zu retten, gewann dieser den als Übersetzer und Mathematiker bekannten Abbé Jean Paul de Gua de Malves, der zwar eine gründliche Neubearbeitung anstelle des Bisherigen vorschlug, jedoch keine andere Leistung erbracht zu haben scheint. Daraufhin wandte sich Le Breton an Denis Diderot, der die Arbeit in Angriff nahm.
Le Bretons wirtschaftliche Kapazität wurde dem neuen Riesen-Projekt nicht gerecht, und Diderots philosophische Kenntnisse genügten nicht, um die Bereiche Physik und Mathematik adäquat abzudecken. Der Verleger brauchte also Geldgeber, Diderot einen kompetenten und kongenialen Partner, den er in d’Alembert fand. Ab 1750 arbeitete unter Diderot eine Gruppe von „Enzyklopädisten“ (139 weitere sind namentlich bekannt, darunter Melchior Grimm, Jean-François Marmontel, Montesquieu, d’Holbach, Quesnay, Jean-Jacques Rousseau, Turgot und Voltaire). Die Unternehmung wurde nochmals verzögert, weil Diderot 1749 wegen seiner Publikation Lettre sur les aveugles mehrere Monate Haftstrafe abzusitzen hatte und erst auf Bitten der Verleger freikam.
„Gedankenfreiheit“ war im damaligen Frankreich ein unerhört neuer Begriff. Faktisch wurde sie in der Unternehmung unter der Protektion der Madame Pompadour eher erschlichen als erkämpft, nämlich durch die Nachsicht von Ministern, die Schlauheit der Buchhändler und das geschickte Verhalten des Herausgebers. Durch unauffällige Verweise innerhalb der Encyclopédie wurde Kritik an Kirche und Religion angebracht, ohne dass sich der Herausgeber dem Vorwurf des „Unglaubens“ aussetzen musste. Die Buchhändler konnten stets auf die Ausgewogenheit des Werkes verweisen, während das gebildete Publikum zwischen den Zeilen zu lesen verstand.
Konservative Kräfte versuchten demzufolge, das Unternehmen zu Fall zu bringen. Um 1752 hatten sich Jesuiten und Jansenisten in seltener Einmütigkeit verbündet, um über die Sorbonne und das Parlament gegen die „Ungläubigen“ vorzugehen. Die Abwehr dieses Angriffs war ein Meisterstück, das unter Beteiligung der Pompadour, Voltaires und zweier Minister gelang, wohl auch, weil zwischenzeitlich Friedrich der Große d’Alembert nach Berlin eingeladen hatte, um die Encyclopédie dort erscheinen zu lassen. Nun artikulierten die Buchhändler lautstark die drohenden Verluste und forderten den französischen Nationalstolz heraus. Minister Malesherbes, liberaler Vorsitzender der obersten Zensurbehörde und mit vielen Literaten persönlich befreundet, erreichte Gutachten, nach denen die Buchhändler nichts mehr zu befürchten hatten. Auch weitere Attacken gegen die Encyclopédie wurden mit Rückendeckung aus französischen Regierungskreisen abgewendet, obwohl das königliche Privileg zurückgezogen worden war, nachdem der Artikel Genève im siebenten Band (1757) den dortigen kalvinistischen Klerus verärgert hatte[1]. D’Alembert zog sich daraufhin 1759 aus dem Projekt zurück, im selben Jahr stand das Werk auf dem Index der katholischen Kirche, und die heimlich in Frankreich gedruckten Textbände 8 bis 17 verzeichnen Neuchâtel in der Schweiz als Erscheinungsort. Für die Tafelbände konnte mit Unterstützung durch Malesherbes ein neues Privileg erwirkt werden. Louis de Jaucourt trat ab 1760 neben Diderot an Stelle d’Alemberts als Herausgeber auf.
Die 1751 begonnene Veröffentlichung wurde zunächst 1772 mit dem 28. Band abgeschlossen; 17 Textbände enthalten auf rund 18.000 Seiten 71.818 Artikel, die elf Bildtafel-Bände auf rund 7.000 Seiten 2.885 Kupferstiche und 2.575 Erläuterungen. Der Text umfasst 20.736.912 Wörter, davon 391.893 verschiedene.
| Frontispiz | 17 Textbände | 11 Tafelbände |
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18. Erster Tafelband: 1762 |
Die Encyclopédie war ein enormer finanzieller Erfolg, zusammen mit den sechs Nachdrucken aus der Schweiz und Italien wurden bis 1789[?] rund 25.000 Exemplare abgesetzt (eine Enzyklopädie galt bereits als erfolgreich, wenn etwa 2.000 Exemplare verkauft wurden; etwa 1.500 Subskribenten reichten beispielsweise zur Finanzierung des „Zedler“, die Encyclopédie hatte jedoch bis zu 4.000 Subskribenten).
Um der Zensur zuvorzukommen, wurden von Le Breton ab dem 8. Band Texte verändert − hinter dem Rücken Diderots, der das erst hinterher merkte und tobte: „Sie haben die Arbeit von zwanzig anständigen Menschen […] gemordet oder morden lassen…“.
Der Verleger Charles-Joseph Panckoucke, ab 1770 Inhaber der Rechte an der Encyclopédie, produzierte insgesamt sieben Suppléments (Ergänzungen; Herausgeber war Jean-Baptiste Robinet): 1776 zwei Textbände, 1777 zwei weitere und einen Bildtafel-Band, und 1800 ein von Pastor Pierre Mouchon ausgearbeitetes zweibändes Register, Table analytique et raisonnée de l’Encyclopédie….
Die Encyclopédie ist unter anderem im Rahmen des ARTFL-Projektes im Internet zugänglich:
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."