Netencyclo, The wikipedia mirror - The biggest multilingual encyclopedia : Empirische Sozialforschung

- Empirische Sozialforschung -

Empirische Sozialforschung :

Outils :

Vous avez un site web ? Un blog ?

 Netencyclo Directory Project 




Mettre en favoris !

Add to Netvibes
Technorati reactions
rencontre

Empirische Sozialforschung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Empirische Sozialforschung bezeichnet die systematische Erhebung von Daten über soziale Tatsachen durch Beobachtung, Befragung/Interview, Experiment oder durch die Sammlung sog. prozessgenerierter Daten und deren Auswertung. Neben der Allgemeinen Soziologie und den speziellen Soziologien (wie beispielsweise die Familien-, Organisations- oder Berufssoziologie) gilt die empirische Sozialforschung als dritter großer Bereich der Soziologie. Zugleich ist sie eine disziplinübergreifende Erfahrungswissenschaft, da sie anderen Sozialwissenschaften Erhebungsverfahren und Methoden zur Verfügung stellt (z. B. der Politologie in der Wahlforschung; der Volks- und Betriebswirtschaftslehre in der Marktforschung; der Sozialpsychologie mit Experimenten; der Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit quantitativen Verfahren), an deren Entwicklung die Soziologie zwar in prominenter, aber nicht ausschließlicher Weise beteiligt war.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die empirische Sozialforschung entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert aus verschiedenen Vorgängerdisziplinen. Zu nennen ist in erster Linie die Kameralistik, die statistische Methoden für die merkantilistische Staatsverwaltung entwickelt hatte. Sodann wurden im 19. Jahrhundert vor allem in Großbritannien Social Surveys zur Untersuchung von Integrationsproblemen und zur Armutsbekämpfung durchgeführt.[1] In Deutschland erhob der Verein für Socialpolitik im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zahlreiche Enqueten, die auf die "soziale Frage" fokussiert waren und der Vorbereitung zur Sozialgesetzgebung dienen sollten.[2] Starke Impulse gingen seit Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem von Untersuchungen in den Vereinigten Staaten aus. Vornehmlich Gemeindestudien (z. B. Middletown von Robert S. Lynd und Helen M. Lynd[3]), Betriebsuntersuchungen (wie die in den Hawthornewerken von Elton Mayo und seinen Mitarbeitern[4]) und schließlich die ethnographischen Methoden und differenzierten Erhebungsverfahren der sogenannten Chicagoer Schule) bereicherten das Repertoire der empirischen Sozialforschung. Seit den 1930er Jahren gewann die Meinungs- und Marktforschung eine große Bedeutung. In Europa kam die empirische Sozialforschung, so auch die empirische Wahlforschung, vor allem unter amerikanischem Einfluss, erst nach dem zweiten Weltkrieg zur vollen Entfaltung.

[Bearbeiten] Ziele

Mit empirischer Sozialforschung können eine Reihe sehr unterschiedlicher Ziele verfolgt werden:

[Bearbeiten] Qualitative vs. quantitative Verfahren in den Sozialwissenschaften

In den Sozialwissenschaften wird bis heute eine sehr kontroverse Diskussion darüber geführt, ob es besser ist, empirische Forschung mittels qualitativer Methoden oder quantitativer Methoden durchzuführen. In diesem Methodenstreit, der besonders zu Ende der 1960er-Jahre sehr heftig ausgetragen wurde, fließen methodologische, soziologisch-theoretische und manchmal auch politisch-weltanschauliche Fragen mit ein.

In der quantitativen Sozialforschung wird vor allem mit standardisierten Daten gearbeitet (etwa mit den Ergebnissen von Umfragen, bei denen die Befragten zwischen festen Antwortalternativen wählen), weil standardisierte Informationen besonders leicht mit statistischen Methoden (Mittelwert, Varianz etc.) verarbeitet werden können. Als methodologische Grundlage der quantitativen empirischen Sozialforschung dienen bestimmte Strömungen der modernen Wissenschaftstheorie, wie die Analytische Philosophie oder der Kritische Rationalismus von Karl Popper und Hans Albert. Ein wichtiger Grundsatz der quantitativen Sozialforschung ist, dass Forschung prinzipiell unabhängig von der Subjektivität der Forscherin/des Forschers ablaufen soll (Prinzip der Intersubjektivität). Das Ziel quantitativer Sozialforschung kann einerseits in der Beschreibung gesellschaftlicher "Makrophänomene" (etwa Geburtenraten, Arbeitslosenquoten usw.) bestehen oder in der Überprüfung von Hypothesen, die aus sozialwissenschaftlichen Theorien abgeleitet werden.

Parallel zur quantitativen Sozialforschung hat sich seit den 1920er-Jahren die qualitative Sozialforschung entwickelt, die mit unstandardisierten Daten arbeitet, wie sie bspw. in offenen Interviews, die eher einem normalen Gespräch als einer standardisierten Befragung ähneln, gesammelt werden. Im Rahmen der historischen Soziologie und der Ideengeschichte der Soziologie gehört auch die Quellenkritik zu den qualitativen Verfahren. Vorteile der in den 1990er Jahren weiterentwickelten Verfahren qualitativer Datenerhebung und kombinierter Techniken (z. B. teilnehmende Beobachtung, qualitatives Interview, Gruppendiskussion) werden von Vertretern der Qualitativen Sozialforschung darin gesehen, dass hiermit die Handlungsorientierungen, Relevanzsetzungen und Deutungsmuster der Akteure im Gegenstandsbereich oft besser erfasst werden könnten als mit standardisierten Methoden.

In der Regel zielt qualitative Sozialforschung dabei nicht auf die Überprüfung einer vorab (d. h. vor dem Kontakt mit dem empirischen Feld) formulierten wissenschaftlichen Hypothese, sondern das Ziel besteht darin, soziale Strukturen und Prozesse tiefergehend zu erkunden und zu erforschen und soziale Sinnstrukturen sichtbar zu machen.

[Bearbeiten] Kritik

Zum Paradigma unterschiedlicher Auffassungen über das Verhältnis von soziologischer Theorie zur empirischen Sozialforschung wurde die Diskussion dreier Soziologen: Paul Lazarsfeld, der als Begründer des "administrative research" gilt, Theodor W. Adorno, der zuletzt die empirische Forschung von seiner philosophischen Position zunehmend stärker kritisierte (siehe Zur gegenwärtigen Stellung der empirischen Sozialforschung in Deutschland und Soziologie und empirische Forschung), und Robert K. Merton, der mit dem Konzept der Theorien der mittleren Reichweite eine Vermittlung zwischen großen Theorien und theorieferner Sozialstatistik suchte.[5]

C. Wright Mills hat in seinem einflussreichen Werk The Sociological Imagination einerseits in der Konzentration auf die "administrative research" (schon aus der Notwendigkeit der Projektfinanzierung heraus) die Gefahr des Bürokratismus und technokratischer Unterordnung der Sozialwissenschaften gesehen, andererseits in der von wirklichen gesellschaftlichen Problemen abgewandten "großen Theorie" den ausschließlich ideologischen Nutzwert derselben.[6]

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Allgemein

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Zur quantitativen Sozialforschung

[Bearbeiten] Zur qualitativen Sozialforschung

[Bearbeiten] Einzelnachweise und Fußnoten

  1. Eine der umfangsreichsten "Inquiries" war die 17-bändige Untersuchung von Charles James Booth Life and Labour of the People in London (1880-1891).
  2. Horst Kern: Empirische Sozialforschung. München 1982, S. 67ff.
  3. Robert S. Lynd, Helen M. Lynd: Middletown. A Study in Contemporary American Culture. New York 1929; Dies.: Middletown in Transition. A Study in Cultural Conflicts. New York 1937.
  4. F. J. Roethlisberger / William J. Dickson: Management and the Worker. An Account of a Research Program Conducted by the Western Electric Company, Hawthorne Works, Chicago. Harvard University Press, Cambridge/Mass. 1939.
  5. Wolf Lepenies: Geschichte der Soziologie. Studien zur kognitiven, sozialen und historischen Identität einer Disziplin. Bd. 1. (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 367) Frankfurt am Main 1981
  6. C. Wright Mills: The Sociological Imagination. Oxford University Press : New York 1959. S. 117f

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Nachschlagewerke

[Bearbeiten] Wissenschaftliche Institute

rencontre

Empirische Sozialforschung - En savoir plus

Rencontre Empirische Sozialforschung - Articles à  la une


"Je rencontre quelques peines, je rencontre beaucoup de joie, c'est parfois une question de chance, souvent une rencontre de choix."
© 2010 Netencyclo - Netencyclo Home - Terms of Service - Privacy Policy - Program Policies
Netencyclo, the Wikipedia mirror : the biggest multilingual free-content encyclopedia on the Internet. Cet article, miroir de l'article de Wikipédia est conforme aux termes de la GFDL All Wikipedia content is licensed under the GNU Free Documentation License (see details). Content on this web site is provided for informational purposes only. We accept no responsibility for any loss, injury or inconvenience sustained by any person resulting from information published on this site. We encourage you to verify any critical information with the relevant authorities.