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Emden :

femme russe

Emden

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Emden (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Emden
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Emden hervorgehoben
Koordinaten: 53° 22′ N, 7° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Höhe: 1 m ü. NN
Fläche: 112,33 km²
Einwohner: 51.714 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 460 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 26721, 26723, 26725 (alt: 2970)
Vorwahlen: 04921, 04927 (Knock)
Kfz-Kennzeichen: EMD
Gemeindeschlüssel: 03 4 02 000
Stadtgliederung: 26 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Frickensteinplatz 2
26721 Emden
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Alwin Brinkmann (SPD)
Rathaus mit Ratsdelft im Vordergrund
Rathaus mit Ratsdelft im Vordergrund

Emden ist eine kreisfreie Stadt an der Mündung der Ems in die Nordsee, gegenüber dem Dollart. Mit knapp 52.000 Einwohnern ist Emden die kleinste der kreisfreien Städte Niedersachsens. Die Einwohner heißen Emderinnen bzw. Emder. Das Adjektiv lautet ebenfalls so: beispielsweise Emder Rathaus oder Emder Matjes.

Die Stadt ist als friesischer Handelsort um das Jahr 800 entstanden und bis zum heutigen Tage wesentlich durch ihren Seehafen geprägt, der im vergangenen Jahrhundert auch die Basis für die Ansiedlung größerer Industriebetriebe wie den Nordseewerken und dem Volkswagenwerk war. Als Wirtschaftsstandort hat die einzige kreisfreie Stadt Ostfrieslands für die Region eine überragende Bedeutung. Seit 1973 ist die Stadt Fachhochschulstandort. Die Landesplanung des Landes Niedersachsen weist Emden seit 2007 als Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen aus.

Bekannt ist Emden zudem als Geburtsort der Komiker Otto Waalkes und Karl Dall, die durch ihr Wirken den sprichwörtlichen Ostfriesenwitz stark geprägt haben. Insbesondere „Otto“ hat seiner Heimatstadt durch Filme und Musikalben zu größerer Bekanntheit verholfen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Emsmündung
Emsmündung

Emden liegt im Nordwesten Deutschlands in der historischen Landschaft Ostfriesland und ist die westlichste Seehafenstadt Deutschlands. Sie befindet sich nahe der Mündung der Ems in die Nordsee, südlich der Stadt liegt zudem die Bucht Dollart. Der Emder Hafen liegt 38 Seemeilen von der Emsmündung bei Borkum entfernt. An der Knock, die den westlichsten Punkt des Emder Stadtgebietes bildet, befindet sich der südwestlichste Punkt der ostfriesischen Halbinsel.

Nahe gelegene größere Städte sind Oldenburg (gut 70 Kilometer ostsüdöstlich), Bremen (gut 110 Kilometer ostsüdöstlich), Groningen (gut 50 Kilometer westsüdwestlich – die Strecke per Bahn oder Auto ist allerdings deutlich länger, da der Dollart umfahren werden muss) sowie Wilhelmshaven (gut 60 Kilometer ostnordöstlich).

Die Landesplanung des Landes Niedersachsen weist Emden als Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen aus. [1] Das Einzugsgebiet variiert je nach der zu beobachtenden Funktion. Als Einkaufsstadt versorgt Emden im Wesentlichen die umliegenden Gemeinden, einige davon auch nur teilweise, da hier eine Konkurrenz zu den Städten Aurich und Leer besteht. Letztgenannte haben den Vorteil, dass ihr Einzugsgebiet in alle Himmelsrichtungen reicht, während im Süden und im Westen von Emden die Ems und der Dollart die natürliche Grenze des Einzugsgebietes bilden. Ähnliches gilt für medizinische oder beratende Dienstleistungen. Als größte Stadt Ostfrieslands hat Emden trotz seiner (als Einkaufsstadt) ungünstigen Lage dennoch eine wichtige Funktion im Einzelhandel Ostfrieslands.

Als Arbeitsort hingegen hat die Stadt eine überragende Bedeutung für die gesamte Region Ostfriesland und teilweise auch darüber hinaus. Das kulturelle Programm wird – zumindest bei einzelnen Veranstaltungen, etwa manchen Konzerten in der Nordseehalle – auch von Gästen besucht, die im Umland von Oldenburg, im mittleren bis südlichen Emsland oder im Nordosten der Niederlande wohnen. Zudem ist Emden oft Ziel von Touristen, die ihren Urlaub an der Küste verbringen und sich die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt anschauen.

Tabelle I: Flächennutzung im Jahre 2001
Nutzung Fläche in ha
Bebaute Fläche 3.532
davon Wohnbaufläche 971
davon gemischte Baufläche 133
davon gewerbliche Baufläche 1.738
davon Sonderbauflächen (bes. Hafenanlagen) 689
Gemeinbedarfsfläche 113
Verkehrsfläche 267
davon Straßenverkehr 141
davon ruhender Verkehr 2
davon Bahnanlagen 95
davon Luftverkehr 31
Grünflächen 692
davon Parkanlagen 281
davon Kleingärten 68
davon Sportplätze 105
davon Friedhöfe 23
davon sonstige Grünflächen 215
Wasserfläche 770
Landwirtschaftsfläche 5.869
Gesamtfläche 11.243

Geologie

Das gesamte Stadtgebiet Emdens liegt in der Marsch. Weite Teile der Stadtfläche im Westen Emdens wurden erst im 19. und 20. Jahrhundert eingedeicht und gelten als sehr fruchtbar. Auch darüber hinaus wurden viele landwirtschaftliche Flächen im Osten wie im Westen der Stadt im 20. Jahrhundert mit Schlick überspült, der bei Ausbaggerungen der Ems gewonnen wurde. Nach Trocknung dieser Flächen erfuhren diese nochmals eine Aufwertung, da der Schlick – um etwas anderes handelt es sich auch beim Polderboden nicht – als wertvoller Boden gilt. Diese Praxis wird auch derzeit noch fortgesetzt.

Im Rahmen des Küstenschutzes wird Emden durch Deiche vor Sturmfluten der Nordsee geschützt. Daher verläuft zwischen der Knock im äußersten Westen und der Hafeneinfahrt der Seedeich und von der Hafeneinfahrt bis zur östlichen Grenze Emdens der Emsdeich im Emder Süden entlang. Neben künstlichen Gewässern wie Hafen, Kanälen und Sielen stellen einige hier auch als Tief bezeichnete Flüsse die erforderliche Entwässerung des nur geringfügig über Normalnull liegenden Stadtgebiets sicher. Die höchsten Erhebungen sind die künstliche im Mittelalter angelegte, zirka 7,5 Meter hohe Warft, auf der die Stadt entstand, sowie die gut 15 Meter hohe Mülldeponie, die seit Mitte 2006 zu einem Landschaftspark umgestaltet wird.

Gewässer

Stadtgraben
Stadtgraben

Emden ist eine Stadt des Wassers. 770 Hektar Wasserfläche gibt es innerhalb der Grenzen. Ein Gutteil davon besteht aus Hafenbecken, jedoch verlaufen auch rund 150 Kilometer Kanäle durch das Stadtgebiet. Teile des Kanalnetzes sind natürliche Gewässerläufe, der Großteil hingegen ist künstlich geschaffen worden – etwa der Emder Stadtgraben, der zusammen mit dem Emder Wall einen Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlagen bildete, oder für die Schifffahrt angelegte Kanäle wie der Ems-Seitenkanal und der Ems-Jade-Kanal. Zudem liegen zwei Seen, das Uphuser Meer und das Bansmeer, auf dem Gebiet der Stadt Emden, an einen weiteren (Hieve bzw. Kleines Meer) grenzt die Stadt an. Alle Seen sind über Kanäle mit dem Emder Hafen und dem ostfriesischen Wasserstraßennetz verbunden, wobei auf dem als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Bansmeer Fahrverbot besteht. Das Knockster Tief verbindet Emden mit den Kanälen nördlich von Emden, das Fehntjer Tief und der Ems-Jade-Kanal mit den Kanälen östlich von Emden. Über den Ems-Jade-Kanal und weitere Abzweigungen ist eine Fahrt bis nach Oldenburg und zur Weser möglich – abschnittsweise jedoch nur mit Booten ohne höhere Aufbauten wegen niedriger Brücken. Der Emder Hafen mit der Großen Seeschleuse und der Nesserlander Schleuse bildet dabei den Durchlass von der Binnenschifffahrt zur Seeschifffahrt.

Klima

Klimadiagramm von Emden
Klimadiagramm von Emden[2]

Emden steht hauptsächlich im direkten Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist insgesamt von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.

Im Frühjahr und Herbst sind Stürme häufig, diese fallen oftmals mit einer Sturmflut zusammen. Dabei werden auch Winde in Orkanstärke gemessen. Bei der Allerheiligenflut 2006 (1. November) wurde der höchste jemals im Emder Hafen gemessene Pegelstand von 3,59 Meter über dem mittleren Tidehochwasser gemessen. Der seewärts exponierte, nicht durch Deiche und Schleusen geschützte Außenhafen wurde überflutet. Die Sturmflut richtete Schäden in sechsstelliger Höhe an. [3]

Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Emden in der Einteilung Cfb.

Das durchschnittliche Jahrestemperaturmittel liegt bei 8,8 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit einem Monatstemperaturmittel von mehr als 16nbsp;°C. Der kälteste Monat ist der Januar mit 1,3 °C im Durchschnitt.

Die Niederschlagsmenge innerhalb eines Jahres liegt in Emden bei 805 mm. Der regenreichste Monat ist der November mit 83 mm, der regenärmste Monat ist der Februar mit 45,5 mm.

Im Jahr scheint in Emden die Sonne insgesamt 1512 Stunden. Die größte Chance auf Sonne bekommt man im Mai. In diesem Monat sind es 210 Stunden Sonnenschein. Das Gegenteil im Dezember: Dann scheint die Sonne lediglich 32 Stunden lang.

Die angegebenen Werte beziehen sich auf das langjährige Mittel der Jahre 1961 bis 1990.


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Emden (Messstation Wolthusen)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 1,3 1,5 4,1 7,3 11,8 14,9 16,4 16,3 13,7 10 5,6 2,6 Ø 8,8
Niederschlag (mm) 67,1 45,5 62,3 48,6 60,2 70,5 82,1 72,8 66,6 72,8 83 73,5 Σ 805
Sonnenstunden (h/d) 41 72 112 161 210 198 194 197 142 96 57 32 Ø 126,3
T
e
m
p
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r
a
t
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N
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d
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c
h
l
a
g
67,1
45,5
62,3
48,6
60,2
70,5
82,1
72,8
66,6
72,8
83
73,5


Ausdehnung des Stadtgebiets

Die maximale Länge von Nord nach Süd beträgt 7,7 Kilometer. Die Ausdehnung von West nach Ost beträgt maximal 20,4 Kilometer, die Stadt erstreckt sich in voller Breite entlang der Ems. Die Gesamtlänge der Stadtgrenze beträgt landseitig 43,0 Kilometer. Die Gesamtfläche beträgt 112,43 Quadratkilometer, die sich wie in oben stehender Tabelle zusammensetzen.[4] Die vergleichsweise geringe Einwohnerdichte von 461 Einwohnern pro Quadratkilometer und der hohe Anteil an Landwirtschaftsflächen ergeben sich aus der Kommunalreform des Jahres 1972: Damals wurden die Dörfer Wybelsum, Logumer Vorwerk, Twixlum, Widdelswehr und Petkum mit ihrem Umland (siehe Stadtgliederung) eingemeindet. Weite Teile der Flächen im Osten und im Westen der Stadt sind daher landwirtschaftlich geprägt.

Nachbargemeinden

Unmittelbar angrenzende Gemeinden von Nordwest nach Ost im Uhrzeigersinn: Krummhörn, Hinte, Südbrookmerland und Ihlow (alle Landkreis Aurich) sowie Moormerland (Landkreis Leer). Im Süden sowie im Westen wird Emden unmittelbar von der Ems und dem Dollart begrenzt. Am gegenüberliegenden Ufer der Ems bzw. des Dollarts befinden sich die Gemeinden Jemgum und Bunde (Landkreis Leer) sowie niederländisches Gebiet, darunter die Stadt Delfzijl und die Gemeinde Reiderland. Ein Sonderfall ist die Insel Borkum: Diese gehört politisch zum Landkreis Leer. Die einzige Verbindung zum deutschen Festland führt aber über Emden, weshalb die Seehafenstadt als Schulstandort, aber auch für Dienstleistungen und die Versorgung mit Gütern eine wichtige Funktion für die Insel einnimmt.

Die intensivsten Beziehungen bestehen zwischen Hinte und Emden. Hinte ist eine Vorortgemeinde, die im Wesentlichen als Schlafgemeinde dient. Der städtebauliche Übergang ist fließend. Bei der Kommunalreform 1972 war diskutiert worden, ob das heutige Gebiet der Gemeinde Hinte komplett nach Emden eingemeindet werden sollte, dies wurde jedoch verworfen. Ähnlich eng sind die Beziehungen zwischen der Gemeinde Krummhörn und Emden, auch wenn die Krummhörn (so die umgangssprachliche Bezeichnung) im Tourismus ein eigenes wirtschaftliches Standbein hat. Einwohner beider Gemeinden nutzen jedoch in der Mehrzahl Emden als Arbeits- und Einkaufsort sowie die Freizeit-Infrastruktur der Stadt. Auch umfassen der Geschäftsbezirk des Emder Amtsgerichts und die Emder Geschäftsstelle der Bundesagentur für Arbeit neben der Stadt auch jene beiden Gemeinden.

In etwas weniger starker, aber immer noch signifikanter Form gilt diese Verflechtung auch für andere, nahe gelegene Teile des Landkreises Aurich sowie die Gemeinde Moormerland im Landkreis Leer.

Stadtgliederung

Emden hat 26 Stadtteile, die jedoch in der städtischen Einwohnerstatistik nicht alle separat aufgeführt, sondern teils zusammengefasst sind. In den vergangenen Jahrzehnten erfolgten drei Mal größere Eingemeindungen: 1928, 1945 und 1972. Besonders durch die bislang letzten Eingemeindungen im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform 1972 wurde die Stadtfläche erheblich vergrößert.

Das Stadtzentrum lässt sich in folgende Viertel unterteilen: Altstadt, Behördenviertel, Bentinkshof, Boltentor, Groß-Faldern und Klein-Faldern. Die drei größten Stadtteile sind laut Statistik der Stadt Emden das Stadtzentrum (rund 8700 Einwohner), Barenburg (rund 7000 Einwohner) und Borssum/Hilmarsum (rund 6100 Einwohner).

Das Stadtzentrum Emdens ist – im Vergleich zu vielen anderen ähnlich großen oder größeren Städten – durchaus stark bevölkert. Ein Grund hierfür ist in der Wiederaufbauphase nach dem Krieg zu suchen: Viele niedergebombte Geschäftshäuser – davon kleinere Häuser, in denen Geschäft und Wohnung unter einem Dach vereint waren – wurden in der Wiederaufbauphase durch reine Wohnbauten ersetzt. Im südlichen Teil des Stadtzentrums beginnt bereits der Emder Hafen mit kleineren Umschlagplätzen und Werften.

Der Emder Hafen ist mehreren Stadtteilen zuzuordnen: Port Arthur/Transvaal, Borssum, (Kolonie) Friesland und Stadtzentrum.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Emden

Mittelalter

Die Geschichte der Stadt Emden beginnt um das Jahr 800. In dieser Zeit wurde an der Mündung der Ems eine friesische Handelssiedlung gegründet. Die erste urkundliche Bezeugung der Emder Seefahrt stammt aus dem Jahre 1224, als ein Emder Handelsschiff in London erwähnt wird. Bis in jene Zeit handelte es sich allerdings lediglich um eine kleinere Siedlung, die auf einer Warft angelegt war.

Der Name der Stadt rührt von der Einmündung des Flüsschen Ehe (oder Aa) her, der damals auf dem heutigen Gebiet der Stadt in die Ems mündete. Aus der Lage an dieser Mündung (regional Muhde genannt) ergab sich der Name Amuthon, aus dem im Mittelalter zunächst Emuthon, dann Embden und schließlich Emden wurde. Andere Quellen sagen, dass der Name von der Mündung der Ems in die Nordsee her rührt und eine Kurzform für Emsmünden ist.[5]

Im 14. und 15. Jahrhundert geriet die Handelsstadt Emden in stetige Konflikte mit der mächtigen Hanse, da von Emden und anderen Orten in Ostfriesland wie Marienhafe aus die Seeräuber um Klaus Störtebeker unterstützt wurden. Folge dieses Konfliktes war die mehrfache Besetzung Emdens durch hanseatische (vor allem hamburgische) Kräfte. Die Hamburger zogen erst 1447 endgültig wieder aus Emden ab.

Frühe Neuzeit

Emden um 1575
Emden um 1575

Der Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit kann für Emden auf das Jahr 1495 datiert werden: In jenem Jahr verlieh König (später Kaiser) Maximilian I. der Stadt Emden ihr Stadtwappen: das Engelke up de Muer (Engelchen auf der Mauer), das noch heute das Wappen der Stadt ziert. Zugleich wurde der Stadt das Stapelrecht eingeräumt, d. h. alle Schiffe, die auf der Ems an Emden vorbeifuhren, hatten zunächst drei Tage lang ihre Waren in der Stadt feilzubieten. Von diesem Privileg profitierte Emden bis zur Abschaffung des Stapelrechts im 17. Jahrhundert. Ein herber Rückschlag für den Emder Handel ereignete sich in Gestalt der Cosmas- und Damian-Flut 1509: Verlief die Ems bis zur Flut noch in einem nordwärts geschwungenen Bogen an der Stadt vorbei, so suchte sie sich nach der Sturmflut einen geradlinigen Weg in den Dollart und weiter zur Nordsee: Der Emder Hafen drohte langsam, aber sicher zu verlanden. Die Freihaltung des Fahrwassers gestaltete sich schwierig und kostspielig.

Nichtsdestoweniger entwickelte sich Emden in den folgenden Jahrzehnten zu einer blühenden Stadt. Dies war zum einen der Tätigkeit der Emder Kaufleute und Reeder geschuldet, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aber vor allem einer politischen Entwicklung: dem Unabhängigkeitskampf der Niederländer gegen die Spanier im Achtzigjährigen Krieg. Von den Spaniern vertriebene und verfolgte Kaufleute, Reeder und Handwerker siedelten sich in der nächstgelegenen neutralen Hafenstadt an – und das war Emden.

Das Emder Rathaus um 1880
Das Emder Rathaus um 1880

Die neuen Handelsverbindungen, die die Niederländer quasi mitbrachten, bedeuteten für Emden zeitweise den Aufstieg zu einer der wichtigsten Hafenstädte Nordeuropas. Zugleich entwickelte sich Emden durch das Wirken Johannes á Lascos und weiterer reformierter Theologen zu einer wichtigen Stadt des Calvinismus, was Emden zeitweise den Beinamen „Genf des Nordens“ eintrug. Der Reichtum der Stadt um 1600 erlaubte es, die Ems durch einen Leitdamm wieder in das alte Flussbett zurückzuführen. Der Damm hielt bis 1616. In jener Phase wurde zudem der Emder Wall angelegt, der die Seehafenstadt als einzigen Ort in Ostfriesland vor der Einnahme durch Truppen im Dreißigjährigen Krieg bewahrte. Darüber hinaus wurde eine Vielzahl von Bauwerken errichtet – sakrale wie profane. Zu nennen sind hier vor allem das Rathaus (1574–1576), das Hafentor (1635) und die reformierte Neue Kirche (1643).

Johannes Althusius
Johannes Althusius

Ausdruck des bürgerlichen Selbstbewusstseins jener Zeit war die Emder Revolution von 1595, in deren Zuge der ostfriesische Graf Edzard II. in die Nachbarstadt Aurich vertrieben wurde. Der 1604 zum Stadtsyndikus berufene Rechtsgelehrte Johannes Althusius stärkte in den folgenden Jahrzehnten noch die Stellung der Stadt, insbesondere gegenüber den Grafen und den Nachbarstädten. Emden war zu jener Zeit zwar nicht de jure eine freie Reichsstadt. Mit den Niederlanden als Schutzmacht im Rücken und weitgehender Unabhängigkeit vom ostfriesischen Grafenhaus war Emden allerdings de facto eine freie Reichsstadt. Kappelhoff (1994, s. Literatur) hat dafür den Begriff quasiautonome Stadtrepublik geprägt.

1648–1918

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und der Rückkehr der Niederländer zeigte sich allerdings, dass die Boomphase vorbei war. Die Rückkehr der Exilanten und mit ihnen die Handelsverbindungen und das Kapital führten zu einem empfindlichen Aderlass im Emder Seehandel. Das Engagement des Kurfürstentums Brandenburg, das an der Hafenstadt als Basis für überseeische Expeditionen ein reges Interesse hatte, änderte daran nicht viel. Der Emder Ostasiatischen Handelskompanie des Kurfürstentums war nur ein kurzes Leben beschieden. Gleichwohl war die Stadt die treibende Kraft hinter der Annexion Ostfrieslands durch Preußen im Jahre 1744, als der letzte ostfriesische Graf kinderlos gestorben war. Die preußischen Jahre brachten einen – wenn auch bescheidenen – wirtschaftlichen Aufschwung.

In der Zeit der Napoleonischen Kriege gehörte Emden – wie die ganze ostfriesische Halbinsel – zeitweise zum Königreich der Niederlande, später zum Kaiserreich Frankreich. Nach dem Wiener Kongress trat Preußen schließlich Emden und Ostfriesland an das Königreich Hannover ab – als Ausgleich für den Erwerb ehemals polnischer Landstriche. Die Hannoversche Zeit brachte der Stadt – vom Bau der Hannoverschen Westbahn 1854/1856 abgesehen – nur wenige wirtschaftliche Impulse.

Aufnahme vom Besuch Kaiser Wilhelm II. am 2. Juli 1902 zur Einweihung des neuen Emder Hafens
Aufnahme vom Besuch Kaiser Wilhelm II. am 2. Juli 1902 zur Einweihung des neuen Emder Hafens

Dies änderte sich nach den deutschen Einigungskriegen rapide. Die Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der sich abzeichnende Aufstieg des Ruhrgebietes zum industriellen Ballungszentrum eröffneten auch dem Emder Seehafen neue Chancen, war er doch vom Ruhrgebiet aus der nächstgelegene inländische Seehafen. Die Transportwege gen Süden wurden vor allem durch den Bau des Dortmund-Ems-Kanals und weiterer Kanäle deutlich verbessert. Durch großzügige Einpolderungen im Bereich des Hafens entstanden Flächen, auf denen in den folgenden Jahrzehnten Industriebetriebe angesiedelt wurden. Der wichtigste war zu jener Zeit die 1903 gegründeten Nordseewerke. Weitere, wichtige Infrastrukturmaßnahmen dieser Jahrzehnte waren der Bau der Nesserlander Schleuse (Inbetriebnahme 1888) und vor allem der Großen Seeschleuse (1913), zu jener Zeit die weltgrößte ihrer Art mit einer Binnenlänge von 260 Metern Länge. Damit wurde der vorher tideabhängige Emder Hafen auch für große Schiffseinheiten erreichbar. Kohle aus dem Ruhrgebiet und Eisenerz retour waren die wichtigsten Umschlagsgüter jener Zeit. 1882 wurde die erste Kabelverbindung zwischen Deutschland und den USA von Emden nach Coney Island/New York City in Betrieb genommen. Außerdem war die Emder Heringsfischerei zu jener Zeit von großer Bedeutung. Die Nordseewerke bauten im Ersten Weltkrieg eine Vielzahl von Schiffen für die Reichsmarine.

Nach 1918

Siehe auch: Ostfriesland zur Zeit des Nationalsozialismus

Die Zeit zwischen den Weltkriegen war in Emden – korrespondierend mit der Entwicklung in der Weimarer Republik – von wirtschaftlichen Nöten im Zusammenhang mit der Inflation von 1923 und der Weltwirtschaftskrise nach 1929 geprägt. Auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten, die Deportation von Juden und die Ausschaltung politischer Gegner erfolgte ähnlich rasch wie anderenorts im Deutschen Reich. Durch das Aufrüstungsprogramm Nazi-Deutschlands wurden auf den Werften eine Vielzahl von Militärschiffen gebaut, während des Krieges vor allem U-Boote. Im Zweiten Weltkrieg erfolgten eine Reihe von Luftangriffen auf die wichtige Industrie- und Hafenstadt, die zunächst jedoch keine großen Zerstörungen anrichteten. Dies änderte sich am 6. September 1944 – bis heute der Tag der größten Katastrophe in der Geschichte Emdens. Alliierte Bombereinheiten zerstören rund 80 Prozent der Innenstadt und damit fast die gesamte historische Bausubstanz der vergangenen Jahrhunderte. Alliierte Bodentruppen erreichten die Stadt Anfang Mai 1945. Im Laufe des Krieges fielen 2127 Emder Soldaten. [6] Zudem wurden 408 Emder Bürger, Zwangsarbeiter und Wehrmachtsangehörige bei Bombenangriffen getötet. Während der NS-Zeit wurden 465 jüdische Bürger ermordet.

Der Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt zog sich bis in die frühen 1960er Jahre hin – noch zu Beginn jenes Jahrzehnts gab es in der Stadt Barackenlager, in denen ausgebombte Personen wohnten – zumal die Stadt trotz der Zerstörungen auch Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufgenommen hatte.

Das Wirtschaftswunder ging an der Stadt dennoch nicht vorbei: So wurden nach der Genehmigung durch die Besatzungsmächte bereits Anfang der 1950er Jahre wieder Seeschiffe auf den Werften gebaut. Die bis heute wichtigste Industrieansiedlung erfolgte mit der Grundsteinlegung 1964: das Volkswagenwerk Emden. Hier wurde ab 1965 der VW Käfer produziert, seit 1977 der VW Passat. Mit der Kommunalreform des Jahres 1972 wurde das Emder Stadtgebiet erheblich erweitert und erreichte seine heutige Größe. Darunter befand sich neben ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen auch das Industriegebiet Rysumer Nacken an der Knock, wo seit 1977 Erdgas aus norwegischen Nordsee-Feldern angelandet wird.

Der Wiederaufbau der Stadt und die Versorgung mit Wohnungen war Ende der 1960er Jahre im Wesentlichen abgeschlossen, wozu auch der Bau von höhergeschossigen (bis zu elf Etagen) Mietshäusern beitrug – vornehmlich durch den gewerkschaftseigenen Konzern Neue Heimat. Beginnend in den 1970er Jahren, wurde auch die kulturelle Infrastruktur der Stadt erheblich ausgebaut: Es entstanden das Neue Theater, die Nordseehalle, die Fachhochschule und weitere Einrichtungen. In den 1980er Jahren kam unter anderem die Kunsthalle hinzu, in den 1990ern die Johannes-a-Lasco-Bibliothek.

Siehe auch: Einwohnerstatistik der Stadt Emden

Politik

Rathaus
Rathaus

Rat der Stadt

Der Rat der Stadt besteht aus 42 Ratsfrauen und Ratsherren. Hinzu kommt als stimmberechtigtes Mitglied kraft Amtes der Oberbürgermeister. Die Stadt Emden ist seit Jahrzehnten eine Hochburg der SPD.

Der seit 1986 amtierende, zunächst ehrenamtliche und seit 1998 hauptamtliche Oberbürgermeister von Emden ist Alwin Brinkmann von der SPD. Seit der Kommunalwahl im September 2006 ist er der dienstälteste Oberbürgermeister Niedersachsens.

Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Kommunalwahl 2001 hatte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands – mit Ausnahme einer kurzen Periode in den 1950er Jahren – stets eine absolute Mehrheit der Stimmen bei den Wahlen zum Rat der Stadt. Diese Mehrheit lag teils auch bei mehr als 60 % der abgegebenen, gültigen Stimmen. Die Kommunalwahl 2001 konnte daher als kommunalpolitische Zäsur begriffen werden, da die Emder SPD „nur“ noch 39,5 % der Stimmen erhielt. Zugleich erreichte die Emder FDP mit knapp 24,3 % eines der besten Wahlergebnisse der Partei in ganz Deutschland. Bei der Kommunalwahl im September 2006 eroberten die Sozialdemokraten jedoch die Mehrheit zurück. Die FDP verlor bei dieser Wahl zwar deutlich, liegt mit dem Ergebnis aber immer noch über dem Landesdurchschnitt der Partei bei der Wahl. Umgekehrt schnitten die Christdemokraten im Landesvergleich deutlich unterdurchschnittlich ab.

Das amtliche Endergebnis der Kommunalwahl am 10. September 2006 (mit Vergleichszahlen zur Kommunalwahl vom 9. September 2001):[7]

Partei anteilige
Stimmen
Änderung Sitze Änderung
SPD 54,1 % + 14,6 23 Sitze + 5
CDU 19,3 % − 7,0 8 Sitze − 3
FDP 15,1 % − 9,2 6 Sitze − 4
Bündnis 90
Die Grünen
7,7 % + 0,0 3 Sitze 0
Linke 3,8 % + 1,6 2 Sitze + 2

Vertreter in Landtag und Bundestag

Der Landtagswahlkreis Emden/Norden besteht aus der Stadt Emden sowie der Stadt Norden und den Gemeinden Krummhörn, Hinte und Hage im Landkreis Aurich. Bei der Landtagswahl am 27. Januar 2008 kam dieser Wahlkreiszuschnitt erstmals zum Tragen. Bei der vorangegangenen Landtagswahl bestand der Wahlkreis lediglich aus Emden, Hinte und der Krummhörn. Der Landtag hatte während der Legislaturperiode 2003 bis 2008 jedoch die Verkleinerung des Landtags um 20 Abgeordnete beschlossen, womit der Wahlkreis Norden wegfiel.

Im Niedersächsischen Landtag (Wahlperiode bis 2013) sind seit derzeit zwei Abgeordnete aus dem Wahlkreis vertreten. Das Direktmandat gewann bei der Wahl 2008 der Sozialdemokrat Hans-Dieter Haase. Er ist seit 1998 Mitglied des Landtages. Über die Landesliste seiner Partei zog der FDP-Abgeordnete Roland Riese zum zweiten Mal in den Landtag ein. Der im Herbst 2005 als Nachrücker in den Landtag eingezogene Christdemokrat Reinhard Hegewald verlor sein Mandat: Bei der Direktwahl unterlag er, und sein Listenplatz reichte nicht für den Einzug in den Landtag. Das Zweitstimmenergebnis der SPD von 41,8 % war das beste dieser Partei in den 87 niedersächsischen Wahlkreisen.

Bei der Landtagswahl 2008 ergaben sich folgende Verhältnisse:[8]

Partei Erststimmen Kandidat Zweitstimmen
SPD 45,5 % Haase 41,8 %
CDU 31,9 % Hegewald 30,8 %
Bündnis 90
Die Grünen
8,7 % Stolz 7,9 %
FDP 4,9 % Riese 6,4 %
Die Linke 9,0 % Joosten 9,0 %

Der Bundestagswahlkreis Aurich/Emden umfasst die Stadt Emden und den Landkreis Aurich. Bei der jüngsten Bundestagswahl im Herbst 2005 wurde der Sozialdemokrat Garrelt Duin direkt gewählt. Mit einem Zweitstimmen-Ergebnis von 55,9 % gelang der SPD im Wahlkreis Aurich/Emden das beste Ergebnis in Deutschland. Außerdem wird der Wahlkreis von dem Bündnisgrünen Thilo Hoppe aus Aurich vertreten. Dieser zog bei der Wahl über die Landesliste in den Bundestag ein.

Bei der Bundestagswahl 2005 ergaben sich folgende Ergebnisse:[9]

Partei Erststimmen Kandidat Zweitstimmen
SPD 58,3 % Duin 55,9 %
CDU 27,1 % Reinders 24,9 %
Bündnis 90
Die Grünen
6,2 % Hoppe 6,2 %
FDP 3,1 % Kunz 6,2 %
Die Linke/PDS 3,9 % Moll 4,5 %

Wappen

"Engelke up de Muer"
"Engelke up de Muer"

Das Emder Wappen wurde der Stadt im Jahre 1495 nach langem Bitten und Zahlung von hohen Gebühren von König Maximilian I. verliehen. Das Wappen trägt den Namen „Engelke up de Muer („Engelchen auf der Mauer“) und ist in den Stadtfarben (Gold, Rot, Blau) gehalten.

Die blauen Wellen ganz unten symbolisieren Emdens Verbundenheit und Nähe zur Ems, die damals noch direkt an der Stadt vorbei floss. Die Mauer in der Mitte steht für die Sicherheit und den Schutz, den Emden bot, sowohl durch die Emsmauer, welche Emden von der Ems trennte, als auch für die riesige Wallanlage die rings um die Stadt verläuft. Der goldene Engel ist dem ehemaligen Wappen der Cirksena-Familie nachempfunden, der damals herrschenden Adelsfamilie der Stadt. Dabei handelt es sich übrigens nicht etwa um einen „echten“ Engel, sondern um eine Harpyie, einen weiblichen Unheilsdämon mit Flügeln und Krallen aus der griechischen Mythologie, in der Heraldik auch als „Jungfrauenadler“ bekannt.

Städtepartnerschaften und Patenschaften

Fregatte Emden, aufgenommen südlich von Kreta
Fregatte Emden, aufgenommen südlich von Kreta

Mit folgenden Städten ist Emden eine Städtepartnerschaft eingegangen:

London Borough of Hillingdon im Vereinigten Königreich, seit 1961
Archangelsk in Russland, seit 1989

Von 1990 bis 2008 bestand zudem eine Partnerschaft mit Prenzlau in Brandenburg. Diese diente vor allem der Hilfe bei der Reorganisation der Kommunalverwaltung in der Stadt nach der Wende und wurde inzwischen in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst.[10]

Mit Archangelsk hingegen findet ein reger Austausch statt, insbesondere auf wissenschaftlichem Niveau mit der dortigen Universität. Die Partnerschaft mit Hillingdon soll wieder intensiviert werden. Außerdem haben mehrere Ratsmitglieder angeregt, eine Partnerschaft mit einer chinesischen Hafenstadt mit Fachhochschule einzugehen.[11]

Emden ist zudem die offizielle Patenstadt der gleichnamigen Fregatte der Deutschen Marine. Das 1983 in Dienst gestellte Schiff ist das fünfte einer deutschen Marine, das diesen Namen trägt – und das erste, das auch in Emden gebaut wurde, nämlich bei den Nordseewerken.

Religion und Kirche

Christentum

Neue Kirche (1648), evangelisch-reformiert
Neue Kirche (1648), evangelisch-reformiert

Emden ist überwiegend protestantisch, geprägt durch die Aufnahme von protestantisch-calvinistischen Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Stadt war Ort berühmter theologischer Disputationen und galt lange Zeit als „Genf des Nordens“. In den folgenden Jahrhunderten nahm – vor allem durch Zuwanderung – die Zahl der Lutheraner zu, die inzwischen gegenüber den Reformierten die Mehrheit stellen.

Nach einer Statistik aus dem April 2005 leben etwa 16.800 Menschen evangelisch-lutherischer Konfession in Emden. Es gibt lutherische Kirchengemeinden in Borssum, Petkum sowie vier weitere Gemeinden, die verschiedene Gebiete der zentralen Stadtteile abdecken.

Seit 2007 ist Emden Sitz der Landessuperintendentur für den Sprengel Ostfriesland der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die Predigtkirche des Landessuperintendenten ist die Martin-Luther-Kirche. Zuvor lag der Amtssitz in der ostfriesischen Stadt Aurich.

Die Große Kirche
Die Große Kirche

Evangelisch-reformiert sind demnach etwa 16.000 Gläubige. Reformierte Kirchen stehen in Larrelt, Logumer Vorwerk, Twixlum, Wybelsum, Marienwehr, Jarssum, Uphusen, und Wolthusen. Dazu kommen die Neue Kirche und die nicht mehr für Gottesdienste genutzte Große Kirche im Stadtzentrum, früher die moederkerk (ndl. Mutterkirche) des nordwesteuropäischen Calvinismus (mehr dazu im Artikel Geschichte der Stadt Emden). Neben den reformierten Gemeinden gibt es auch eine altreformierte Gemeinde in Emden. Sie wurde 1856 gegründet und feierte somit 2006 ihr 150-jähriges Bestehen.

Nach der Reformation wurde erst 1803 wieder eine katholische Kirche gebaut. Im April 2005 lebten etwa 4300 Katholiken in der Stadt, die in einer Gemeinde mit zwei Gotteshäusern organisiert sind.

Die Emder Mennonitengemeinde ist weltweit eine der ältesten ihrer Art. Sie stammt ebenfalls aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und geht indirekt auf das Wirken des Täuferführers Melchior Hofmann zurück. Nach eigenen Angaben hat die Gemeinde 125 Mitglieder.

Die Baptistengemeinde wurde 1902 als verfasste Gemeinde gegründet. Eine ihrer Keimzellen war die hugenottische „Gemeinde unter dem Kreuz“, von der ein Teil sich dem baptistischen Tauf- und Gemeindeverständnis zuwandte – darunter ihr Prediger de Haan.

Judentum

Hauptartikel: Jüdische Gemeinde Emden

Die 1834–1836 erbaute Synagoge der jüdischen Gemeinde wurde am 9. November 1938 zerstört. Das jüdische Waisenhaus, die jüdische Volksschule und das jüdische Altersheim wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Erhalten ist nur ein jüdischer Friedhof. Es leben heute kaum noch Menschen jüdischen Glaubens in Emden, die Religion wird daher auch nicht öffentlich praktiziert.

Siehe auch: Geschichte der Juden in Ostfriesland, Liste der ehemaligen ostfriesischen Synagogen.

Sonstige/Konfessionslose

Die Statistik aus dem April des Jahres 2005 gibt eine Zahl von etwa 13.600 Menschen an, die nicht einer der drei großen christlichen Konfessionen angehören. Dazu zählen neben den Konfessionslosen auch Mitglieder der oben genannten Freikirchen, wie auch Moslems und Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften. Alle kirchlich gebundenen und ungebundenen Einwohner zusammengerechnet, ergibt sich eine kleine Differenz zur Gesamteinwohnerzahl des Aprils 2005, die sich aus unterschiedlichen Erhebungsmethoden oder -zeitpunkten erklären dürfte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Siehe auch: Bauwerke in der Stadt Emden und Emder Mühlen

Theater, Museen und Bibliotheken

Entree der Kunsthalle Emden
Entree der Kunsthalle Emden

Die Kunsthalle in Emden geht auf eine Initiative des gebürtigen Emders Henri Nannen zurück. Die Planungen begannen 1983, am 3. Oktober 1986 wurde die Kunsthalle vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eröffnet. Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf Bildern der Neuen Sachlichkeit und des deutschen Expressionismus.

Das Ostfriesische Landesmuseum befindet sich in dem ursprünglich von 1574 bis 1576 durch den Antwerpener Stadtbaumeister Laurens van Steenwinckel errichteten und bis 1962 nach fast völliger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg neu erbauten Emder Rathaus. Es wurde am 6. September 2005 – dem 61. Jahrestag der Zerstörung der Stadt im Bombenkrieg – nach zweijähriger (Um-)Bauzeit und Erweiterung wiedereröffnet. Das Landesmuseum ist ein Regionalmuseum mit dem Schwerpunkt Emden/Friesland/Europa. Im Landesmuseum ist eine große Sammlung von Harnischen sowie Hieb- und Stichwaffen der frühen Neuzeit ausgestellt. Es handelt sich dabei um die größte in städtischem Besitz befindliche Sammlung Europas.

Die Johannes á Lasco-Bibliothek in den Ruinen der Großen Kirche wurde 1995 nach dreijähriger (Um-)Bauzeit eröffnet. Sie geht auf das Archiv und die seit 1559 bestehende Büchersammlung der reformierten Gemeinde Emden zurück und dient als öffentliche Bibliothek mit dem Schwerpunkt reformierter Protestantismus. Benannt wurde die JALB nach dem polnischen Theologen und Reformator Jan Laski, genannt Johannes á Lasco, der zwischen 1540 und 1555 in Emden wirkte. Die Bibliothek wird in der Rechtsform einer Stiftung betrieben und wurde im Jahre 2001 vom Deutschen Bibliotheksverband und der Zeit-Stiftung zur Bibliothek des Jahres gewählt.

Das 1986 eröffnete Otto-Huus zeigt den Werdegang des im Emden geborenen Komikers Otto Waalkes. Neben kuriosen Jugenderinnerungen und Requisisten werden Ausschnitte aus Veranstaltungen des Komikers gezeigt.

Das Leben in den Bunkern der Stadt während des Zweiten Weltkriegs dokumentiert das Bunkermuseum. Es wurde am 6. Mai 1995 eröffnet (siehe auch Bunker in Emden).

Museumsschiffe im Ratsdelft
Museumsschiffe im Ratsdelft

Im Ratsdelft sind drei Museumsschiffe vertäut. Das Feuerschiff Amrumbank, gebaut 1915 auf der Meyer Werft in Papenburg, war 1984 das erste der Museumsschiffe im Ratsdelft. Das Schiff war ab 1917 als „schwimmender Leuchtturm“ auf mehreren Positionen in der Nordsee im Einsatz. Die Amrumbank beherbergt ein schifffahrtshistorisches Museum mit dem Schwerpunkt Seezeichentechnik. Auf dem Logger Stadt Emden wird die Geschichte der Heringsfischerei anschaulich dargestellt. Der Seenotkreuzer Georg Breusing nahm am 23. Dezember 1988 seinen „letzten Liegeplatz“ im Ratsdelft ein. Der Rettungskreuzer der DGzRS wurde 1963 in Dienst gestellt und bis 1988 auf der Station Borkum eingesetzt. Bereits am 2. März 1861 hatte sich ein neu gegründeter Verein die Rettung Schiffbrüchiger als Ziel vorgenommen.

Die Pelzerhäuser in der Pelzerstraße Nr. 11 und 12
Die Pelzerhäuser in der Pelzerstraße Nr. 11 und 12

An der Pelzerstraße in der Altstadt Emdens befinden sich die Pelzerhäuser, eine Außenstelle des Ostfriesischen Landesmuseums. Es handelt sich dabei um zwei Häuser, gelegen an der Pelzerstraße Nummer 11 und 12. Das Pelzerhaus 11 ist ein dreigeschossiges, 1909 in Anlehnung an den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Vorgängerbau neu errichtetes Wohngebäude mit wieder verwendeten Originalteilen. Beim Pelzerhaus 12, erbaut in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, ist nur noch die dreigeschossige Backsteinfassade mit Volutengiebel erhalten. Das zugehörige Haus wurde 1983 durch einen Neubau ersetzt. Sie gehören zu den ältesten Häusern der Stadt.

Das Neue Theater Emden bietet etwas mehr als 600 Plätze und wurde in den frühen 1970er Jahren errichtet. Es liegt im so genannten Kulturviertel, in dem sich auch die Veranstaltungshalle Nordseehalle befindet. Im Neuen Theater werden Theaterstücke und Konzerte gegeben. Die Friesenbühne bietet Plattdeutsches Theater und verfügt über eine eigene Bühne im Stadtteil Groß-Faldern. In wechselnden Abständen finden in Emden Freilufttheater-Veranstaltungen statt.

Weitere Bauwerke

Das Hafentor
Das Hafentor

Das Emder Hafentor wurde 1635 vom Emder Stadtbaumeister Martin Faber erbaut. Es ist eines von mehreren künstlerisch bedeutenden Stadttoren, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet wurden - und das einzig erhalten gebliebene. Allerdings wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrfach Restaurierungen vorgenommen, so dass der jetzige Zustand zwar den Originalzustand zeigt, jedoch keine ursprünglichen Materialien mehr aufweist. Auf dem Torbogen steht der lateinische Sinnspruch „Et pons est Embdae et portus et aura deus“ („Gott ist für Emden Brücke, Hafen und Segelwind“).

Die Neue Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde wurde in den Jahren 1643 bis 1648 von dem Emder Stadtbaumeister Martin Faber erbaut. Sie ist der Noorderkerk in Amsterdam nachempfunden.

Die Kesselschleuse ist die einzige Rundkammerschleuse Europas, die vier Wasserstraßen miteinander verbindet, und daher ein einzigartiges Bauwerk. Die in den 1880er Jahren erbaute Schleuse steht unter Denkmalschutz und erfüllt noch heute eine wichtige Funktion im Wasserstraßennetz Emdens.

Das Gödenser Haus am Roten Siel, rechts der Turm der Neuen Kirche, links der Emder Fernsehturm
Das Gödenser Haus am Roten Siel, rechts der Turm der Neuen Kirche, links der Emder Fernsehturm

Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg haben sich nur noch spärliche Reste der historischen Wohnbebauung erhalten. Den besten Eindruck vom alten Emden vermittelt das weitgehend verschont gebliebene Stadtviertel Klein-Faldern mit vorwiegend kleinbürgerlichen Häusern. An Einzelbauten hervorzuheben sind das Gödenser Haus und weitere Wohnhäuser. Das Gödenser Haus ist ein zweigeschossiges Backsteinhaus im Specklagensystem mit jüngerem Krüppelwalmdach. Es wurde 1551 errichtet und ist damit eines der ältesten Gebäude Emdens. Es dient seit 1985 als Studentenwohnheim.

Jüngeren Datums sind die Häuser an der Torumer Straße und Wilgumer Straße. Die beiden Straßenzüge bilden den Ausgangspunkt der Entwicklung des Stadtteils Port Arthur/Transvaal, die im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts begann. Viele der kleinen, geduckten Gebäude, typisch für eine Arbeitersiedlung, sind noch weitgehend in ihrem Ursprungszustand erhalten. Ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand der Wasserturm der Stadt. Das Jugendstil-Gebäude nahe dem Bahnhof ist 42 Meter hoch.

Der Wasserturm in Emden. Er gehört den Stadtwerken und ist immer noch in Betrieb.
Der Wasserturm in Emden. Er gehört den Stadtwerken und ist immer noch in Betrieb.

Im Emder Stadtgebiet existierte in früheren Zeiten eine Reihe von Mühlen, bei denen es sich zumeist um Holländermühlen handelte. Die älteste stammt aus dem Jahre 1732 und steht im Stadtteil Larrelt. Die weiteren Mühlen befinden sich auf dem Wall im Stadtzentrum und im Stadtteil Tholenswehr.

Im Stadtgarten unweit des Rathauses befindet sich ein Denkmal zu Ehren des früheren Oberbürgermeisters Leo Fürbringer. Es ist in Gestalt eines Brunnens angelegt. Fürbringer, Oberbürgermeister von 1878 bis 1913, machte sich sehr um den Ausbau des Emder Hafens in jener Zeit verdient. Am Siel und Schöpfwerk Knock im äußersten Westen Emdens stehen die Denkmäler von Friedrich dem Großen und dem Großen Kurfürsten. Bis zum Kriege hatten sie vis-à-vis des Rathauses gestanden. Beide Monarchen haben sich um Ostfriesland verdient gemacht: der Große Kurfürst durch die Förderung des Seehandels in Emden, Friedrich II. durch die Urbarmachung von Mooren und den Küstenschutz.

Als Wahrzeichen Emdens gelten aus früheren Jahrhunderten das Rathaus (wenn es sich auch nach der Kriegszerstörung um einen Neubau handelt) und das Hafentor. Aus dem Industriezeitalter sind der Wasserturm und der Bockkran der Nordseewerke zu nennen.

Grünanlagen

Emder Wall
Emder Wall
Der Rest der "Roten Mühle". Er beherbergt heute einen ev.-ref. Kindergarten.
Der Rest der "Roten Mühle". Er beherbergt heute einen ev.-ref. Kindergarten.
Siehe auch: Emder Wall

Emden liegt in der Marsch und ist daher nur sehr spärlich natürlich bewaldet. 1999 wurde daher damit begonnen, auf landwirtschaftlichen Grundstücken im Norden Emdens an der Grenze zur Gemeinde Hinte einen Stadtwald anzulegen. Dieser soll der Naherholung dienen, aber auch ein Beitrag zur Klimaverbesserung werden.

Die Mühle "Vrouw Johanna" auf dem Wall.
Die Mühle "Vrouw Johanna" auf dem Wall.

Größte und älteste Grünanlage der Stadt ist der Emder Wall. Ursprünglich als Verteidigungsanlage erbaut, erfüllt der Wall heute eine Naherholungsfunktion. Er wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Verteidigung der damals sehr wohlhabenden Stadt errichtet und bestand früher aus elf Zwingern (fünfeckigen Bastionen), die sich nahezu ringförmig um die Stadt legten. Im frühen 19. Jahrhundert wurden auf den Anhöhen Windmühlen errichtet, von denen noch drei stehen. Heute sind von den einstmals elf Zwingern noch acht übrig.

Der Zentralfriedhof der Stadt, gelegen zwischen den Stadtteilen Tholenswehr und Wolthusen, ist insbesondere in seinem älteren Teil parkähnlich angelegt. Ein weiterer Park ist der Burgplatz in der Innenstadt auf dem Gelände der mittelalterlichen und später geschleiften Burg. Der Stephansplatz im Stadtteil Groß-Faldern wurde im Bett einer nach dem Krieg mit Trümmerschutt verfüllten Gracht, dem Brauersgraben, angelegt und ist neben dem Burgplatz der zweite zentrumsnahe Park. Im Jahr 2006 wurde mit der Umgestaltung der früheren städtischen Mülldeponie zu einem Landschaftspark begonnen. Auf dem Gelände soll die dann mit mehr als 15 Metern höchste Erhebung Emdens entstehen. In Emden gibt es darüber hinaus sieben Schrebergarten-Anlagen.

Veranstaltungen und Freizeit

Konzerte vor größerem Publikum finden in der Nordseehalle mit einem Fassungsvermögen von bis zu 5500 Personen statt. Hinzu kommen Konzerte vorwiegend im Bereich Rock/Pop im Kulturzentrum Alte Post. Konzerte, Theaterstücke, Revuen und festliche Veranstaltungen werden im Neuen Theater gegeben. Das Forum der örtlichen Volkshochschule in deren Gebäude dient vor allem für Vorträge, Diskussionsrunden und Konzerte vor kleinerem Publikum. In der Johannes á Lasco-Bibliothek sowie in den Kirchen, darunter insbesondere in der Neuen Kirche und der Martin Luther-Kirche, finden darüber hinaus Konzerte statt – vorwiegend klassische Musik, in den Kirchen auch Gospel-Konzerte. Die Bibliothek dient darüber hinaus für festliche Veranstaltungen wie etwa Preisverleihungen. 2005 ist der zum sogenannten Kulturbunker umgebaute Bunker im Stadtteil Barenburg als Veranstaltungsraum hinzugekommen. Im Frühjahr und Sommer gibt es an vielerlei Orten Freiluftveranstaltungen.

Einmal im Jahr finden das Matjesfest, das Delftfest und das Emder Filmfest im Frühjahr und Sommer statt. Im Juli und August wird zum Musikalischen Sommer Ostfriesland/Groningen eingeladen – stets mindestens eines der Klassik-Konzerte wird in Emden gegeben. Im Spätsommer gibt es vor Kneipen in der Innenstadt diverse Konzerte (u. a. die Reihe Summer In The City). Im September wird seit dem 19. Jahrhundert das Schützenfest gefeiert, das allerdings auf deutlich ältere Traditionen zurückgeht. An einem Freitag zu Beginn des Novembers findet seit Ende der Achtziger Jahre die Blues Night in verschiedenen Emder Innenstadt-Kneipen statt. Der Emder Weihnachtsmarkt befindet sich seit wenigen Jahren zum Teil auf einem Ponton im Ratsdelft (Schwimmender Weihnachtsmarkt).

Blick vom Rathausturm auf den Ratsdelft, wo das Matjesfest und das Delftfest stattfinden
Blick vom Rathausturm auf den Ratsdelft, wo das Matjesfest und das Delftfest stattfinden

Mit dem Matjesfest, das in der Emder Innenstadt rund um das Rathaus und den Ratsdelft stattfindet, würdigen die Emder die Geschichte der Heringsfischerei ihrer Stadt. Das Delftfest (meist im Juli) war bis in die 1990er Jahre das Stadtfest Emdens. Durch die Einbeziehung des Ratsdelftes soll der maritime Charakter der Stadt hervorgehoben werden. Eine große Anzahl an historischen Schiffen sowie Booten von Freizeitkapitänen legt dann im Ratsdelft an. Dazu wird ein Unterhaltungsprogramm „rund ums Wasser“ geboten. Das Internationale Filmfest Emden-Norderney (meist Anfang/Mitte Juni) hat sich seit seiner Gründung 1990 als das größte Filmfestival Niedersachsens etabliert. Es wurde in seinen Anfangsjahren besonders vom deutschen Regisseur Bernhard Wicki gefördert. Federführend bei der Ausrichtung des Filmfestes ist die Volkshochschule Emden. Nach deren Angaben liegen die Besucherzahlen seit mehreren Jahren konstant über 20.000.

In Emden sind zwei Kinos zu finden. Das traditionsreichere, Ende der 1920er Jahre errichtete Apollo-Kino mit drei Sälen war bis zu Beginn dieses Jahrzehnts das einzige Kino der Stadt. Zu Beginn dieses Jahrzehnts wurde zudem in Bahnhofsnähe ein Multiplex-Kino der CineStar-Gruppe errichtet. Dieses Kino hat sechs Säle mit insgesamt 927 Plätzen.

Durch viele erhalten gebliebene Bunker der Stadt bieten sich gute Übungsbedingungen für die lokale Musikszene. Das Nachtleben der Stadt spielt sich vor allem rund um den Neuen Markt ab. Emden hat eine überdurchschnittlich hohe Kneipendichte.[12] Aus jener Zeit, in der die Schiffsbesatzungen bei Hafenaufenthalten noch länger an Land verweilten, haben sich auch mehrere Freudenhäuser im Hafen und in der Innenstadt erhalten. Obwohl die Liegezeiten der Schiffe (und damit auch die Landgänge der Besatzungen) in den vergangenen Jahrzehnten stets kürzer geworden sind, existieren mehrere jener Häuser noch heute.

Kulinarische Spezialitäten

Grünkohlgericht mit Pinkel, Kassler und Speck
Grünkohlgericht mit Pinkel, Kassler und Speck

Als traditioneller wenn auch ehemaliger Seefischereistandort gehört Fisch zu den kulinarischen Spezialitäten Emdens. Hier ist insbesondere der Matjes zu nennen, der in verschiedenen Verarbeitungsformen dargereicht wird. Auch Krabben, die beispielsweise im nahe gelegenen Greetsiel angelandet werden, gehören zu den Spezialitäten. Die zahlreichen Binnengewässer sind ebenfalls fischreich, so dass selbst gefangener und zubereiteter Fisch auch oft auf der Speisekarte steht. Beliebt ist dabei das Räuchern des Fisches.

Im Winter wird gerne Grünkohl – bevorzugt mit Pinkel, Kochwurst, Kassler und Speck – gegessen. Ein Klarer (Korn) gehört dazu. Kohlessen sind oft Bestandteil einer Boßeltour.

Sprache

In Emden wird Ostfriesisches Platt gesprochen. Wie in anderen Städten und Gemeinden Ostfrieslands auch, hat die Zahl der Sprecher gerade unter den Jüngeren allerdings abgenommen. Zudem gibt es in Emden im Vergleich zu anderen ostfriesischen Kommunen (besonders Landgemeinden) überdurchschnittlich viele Menschen, die nicht mit dem Plattdeutschen aufgewachsen sind und es kaum oder gar nicht sprechen – zurückzuführen zum einen auf die Fachhochschule, zum anderen auf die Unternehmen, wo viele Studenten und Beschäftigte arbeiten, die nicht gebürtig aus Ostfriesland stammen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Siehe auch: Wirtschaft in der Stadt Emden, Emder Hafen

Hafen, Industrie und Energie

Emder Produkt: VW Passat (hier die neueste Baureihe B6)
Emder Produkt: VW Passat (hier die neueste Baureihe B6)
Emder Produkt: Fregatte Hessen der Deutschen Marine bei der Ausrüstung (2004)
Emder Produkt: Fregatte Hessen der Deutschen Marine bei der Ausrüstung (2004)
Kräne der Nordseewerke und der Cassens-Werft
Kräne der Nordseewerke und der Cassens-Werft

In Emden befindet sich ein Seehafen an der Mündung der Ems in die Nordsee. Es handelt sich dabei um den westlichsten Seehafen Deutschlands. Der Hafen hatte bereits um 1600 große Bedeutung, die aber in den folgenden Jahrhunderten abnahm. Seit dem späten 19. Jahrhundert erfolgten ein großzügiger Ausbau und Industrieansiedlungen.

Der drittgrößte Autoverladehafen Europas in Emden schlägt fast ausschließlich Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns um. Hinzu kommen unter anderem Forstprodukte, Baustoffe und zunehmend auch Windenergieanlagen. Außerdem besteht ein Fährverkehr nach Borkum.

Größter Arbeitgeber in Emden ist das VW-Werk. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten handelt es sich um den größten industriellen Produktionsstandort westlich von Bremen und nördlich des Ruhrgebietes. Das Werk zählt etwa 8.100 Beschäftigte. Das Werk nahm nach neunmonatiger Bauzeit 1965 die Produktion auf, zunächst mit dem VW Käfer. Hier lief 1978 der letzte in Deutschland produzierte Käfer vom Montageband. Seit 1978 wird im Emder Werk der VW P