Netencyclo, The wikipedia mirror - Enzyklopädie : Elsass-Lothringen

- Elsass-Lothringen -

Elsass-Lothringen :

femme russe

Reichsland Elsaß-Lothringen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(Weitergeleitet von Elsass-Lothringen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reichsland Elsaß-Lothringen
Wappen Flagge
Wappen des Reichslandes Elsaß-Lothringen
Dienstflagge des Reichslandes Elsaß-Lothringen 1911–1918
Lage im Deutschen Reich
Lage des Reichslandes Elsaß-Lothringen im Deutschen Kaiserreich
 
Landeshauptstadt Straßburg
Regierungsform Teil des Deutschen Kaiserreiches
Staatsoberhaupt Deutscher Kaiser, vertreten durch einen Reichsstatthalter
Dynastie -
Bestehen 1871–1918
Fläche 14.522 km²
Einwohner 1.815.000 (1905)
Bevölkerungsdichte 134 Einwohner/km²
Entstanden aus Abgetretene Gebiete Frankreichs
Aufgegangen in Frz. Départements Moselle, Bas-Rhin, Haut-Rhin
Stimmen im Bundesrat 3 Stimmen (seit 1911)
Kfz-Kennzeichen VI A, B, C
Karte

Reichsland Elsaß-Lothringen ist die Bezeichnung für ein aus Teilen der alten Landschaften Elsass und Lothringen gebildetes Verwaltungsgebiet des Deutschen Reiches von 1871 bis 1918.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

[Bearbeiten] Bevölkerung

Die Volkszählung von 1900[1] ergab folgendes Ergebnis:

Muttersprache:

Religiöse/konfessionelle Zugehörigkeit:

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Vorgeschichte bis zur Gründung des Reichslandes

Hauptartikel: Geschichte des Elsass

Die heutigen Regionen Elsass und Lothringen gehörten seit dem Vertrag von Mersen im Jahr 870 zum Ostfränkischen Reich (später Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Wie überall bestanden auch hier verschiedene reichsstädtische, geistliche und reichsständische Territorien.

Der größte Teil des späteren Reichslandes wurde durch Frankreich unter Ludwig XIV. im Zuge der Reunionspolitik in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach und nach annektiert. Straßburg wurde 1681 von Truppen Ludwigs XIV. besetzt. Das Elsass spielte jedoch noch lange Zeit eine Sonderrolle im französischen Königreich und blieb kulturell deutsch geprägt. Es herrschte auch im Gegensatz zum übrigen Frankreich eine weitgehende Toleranz gegenüber den Protestanten und wirtschaftlich war das Elsass durch eine Zollgrenze vom übrigen Frankreich getrennt.

In der französischen Revolutionszeit wurde die Region vollständig Teil der französischen I. Republik und blieb auch während des I. Kaiserreiches, der Restaurationszeit, der Julimonarchie, der II. Republik und des II. Kaiserreiches ein Teil Frankreichs. Es war – wie das übrige französische Staatsgebiet – in Départements unterteilt, deren Grenzen sich nicht mit den späteren Grenzen des Reichslandes deckten.

[Bearbeiten] Elsaß-Lothringen im Deutschen Reich

Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde das Gebiet mit dem Frieden von Frankfurt wieder dem deutschen Hoheitsbereich, dem neu gegründeten Deutschen Kaiserreich angegliedert. Die Grenzziehung im Bereich des Elsass folgte im Wesentlichen der Sprachgrenze entlang dem Hauptkamm der Vogesen. Die historisch zum südlichen Elsass (d.h. zum Sundgau) gehörige, aber seit Alters her französischsprachige Stadt Belfort mit ihrem Umland (Terre de Belfort) an der Burgundischen Pforte verblieb bei Frankreich.

Auch der größte Teil des alten Gesamt-Lothringens (Lorraine) mit der Hauptstadt Nancy (Nanzig) blieb bei Frankreich, die ehemals Freie Deutsche Reichsstadt Metz mitsamt Festung und Umland wurde allerdings – aus strategisch-militärischen und nicht zuletzt auch aus diesen traditionellen Beweggründen – dem Deutschen Reich zugeschlagen. Der deutschsprachige Bevölkerungsanteil der Stadt selbst lag zum Zeitpunkt der Reichsgründung bei etwa 78 %, Metz war aber eine deutsche Sprachinsel ohne Sprachkorridor zum Mutterland, es lagen ca. 20km geschlossenes französischsprachiges Gebiet dazwischen. Dadurch wurden 200.000 Lothringer mit französischer Muttersprache Reichsbürger. Es handelte sich dabei zwar nur um ca. 10% der Bevölkerung Elsaß-Lothringens, somit wesentlich weniger als zuvor und danach deutschsprachige Elsässer in Frankreich, allerdings belastete dieser Umstand die deutsch-französischen Beziehungen in den folgenden Jahrzehnten zusätzlich.

Schon 1871 gab es Pläne für eine strategische Eisenbahnlinie von Berlin über Wetzlar und Koblenz nach Metz, um das neue Reichsland auch militärstrategisch einzubinden. Die Kanonenbahn wurde dann in den 1870er Jahren realisiert.

Die dortigen Eisenbahnen der privaten Französischen Ostbahn-Gesellschaft (Compagnie des chemins de fer de l'Est) – insgesamt 740 Kilometer Strecken – wurden von Frankreich formal käuflich erworben und dann wieder dem Deutschen Reich verkauft. Der Kaufpreis von 260 Mio. Goldmark wurde auf die Kriegskostenentschädigung angerechnet. Daraus wurden die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen gebildet, die erste im Eigentum des Deutschen Reiches befindliche Eisenbahn.

[Bearbeiten] Der Status „Reichsland“

Da das neue Reich ein Bundesstaat aus verschiedenen Ländern war, aber man dem Neugewinn zunächst keine Eigenständigkeit zugestehen wollte, wurden verschiedene Möglichkeiten der Eingliederung diskutiert:

Vor allem die „preußische Lösung“ wurde anfangs von verschiedenen Seiten sehr lebhaft vertreten. Der Historiker Heinrich von Treitschke plädierte 1871 im Reichstag für diese Lösung mit folgender Begründung: „Die Aufgabe, diese entfremdeten Stämme deutscher Nation unserem Lande wieder einzufügen, ist so groß und schwer, daß man sie nur erprobten Händen anvertrauen darf, und wo ist eine politische Kraft im Deutschen Reiche, die die Gabe, zu germanisieren, erprobt hat, wie das alte glorreiche Preußen.“ Angesicht des bevorstehenden Kulturkampfes gegen den Katholizismus machte auch der hohe katholische Anteil unter den Neubürgern Sorgen.

Bismarck setzte sich im Reichstag für die Lösung ein, dass Elsaß-Lothringen an den Gemeinschaftsstaat überging, nicht zuletzt, weil er vor allem auf die Interessen der süddeutschen Bundesstaaten Rücksicht nehmen musste.

Die Möglichkeit, Elsaß-Lothringen den Status eines Bundesstaats des Deutschen Reiches mit eigenem Landesherrn und eigener Verfassung zuzugestehen, wurde nicht erwogen, nicht zuletzt deshalb, weil man in Preußen der Überzeugung war, dass die Bevölkerung des Landes doch zuerst germanisiert werden müsste. Deshalb wurde das Reichsland zunächst als besetztes Gebiet behandelt und unmittelbar durch das Reich verwaltet. Viele sich zu Frankreich gehörig fühlende, insbesondere französischsprachige Einwohner, die sogenannten Optanten, verließen die Region und zogen unter Mitnahme ihres Vermögens nach Frankreich, insbesondere nach Belfort. Andere verliessen die Heimat aus politischen Gründen, gingen in die Schweiz oder die USA.

[Bearbeiten] Ergebnisse der Reichstagswahlen 1874–1912

Die Einwohner erhielten das Wahlrecht zum deutschen Reichstag, in dem das Reichsland ab 1874 mit 15 Abgeordneten (von 397) fortan vertreten war. Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse der Reichstagswahlen in Elsaß-Lothringen 1874 bis 1912.[2]

1874 1877 1878 1881 1884 1887 1890 1893 1898 1903 1907 1912
Einwohnerzahl (in Tsd.) 1550 1532 1567 1564 1604 1641 1719 1815 1874
Wahlberechtigte (in %) 20,6 21,6 21,0 19,9 19,5 20,1 20,3 20,3 21,0 21,7 21,9 22,3
Wahlbeteiligung (in %) 76,5 64,2 64,1 54,2 54,7 83,3 60,4 76,4 67,8 77,3 87,3 84,9
Konservative (K) 0,0 0,2 2,8 0,0 12,5 14,7 10,0 4,8
Deutsche Reichspartei (R) 0,2 12,0 0,8 1,5 6,6 7,6 6,1 4,1 3,5 2,7 2,1
Nationalliberale (N) 2,1 0,0 1,9 0,7 11,5 8,5 3,6 10,3
Liberale 0,2
Freisinnige Vereinigung (FVg) 0,0 0,1 6,2 6,4
Deutsche Fortschrittspartei 1,4 0,0 1,8 0,5 14,0
Zentrum (Z) 0,0 0,6 7,1 31,1 5,4
Sozialdemokraten (S) 0,3 0,1 0,4 1,8 0,3 10,7 19,3 22,7 24,2 23,7 31,8
Regionale Parteien (EL) 96,9 97,8 87,5 93,3 95,9 92,2 56,6 47,7 46,9 36,1 30,2 46,5
Sonstige 0,7 0,6 0,2 0,6 0,8 0,2 1,1 1,9 12,0 7,0 5,9 0,2
  1874 1877 1878 1881 1884 1887 1890 1893 1898 1903 1907 1912
Mandatsverteilung
EL 15
EL 15
EL 15
EL 15
EL 15
EL 15
K 1
EL 10
R 1
N 2
S 1
K 3
EL 8
R 1
S 2
FVg 1
K 1
EL 10
R 2
S 1
FVg 1
K 1
EL 9
R 1
N 1
FVg 1
Vp 1
U 1
R 1
EL 7
Z 5
S 2
FVg 1
EL 9
S 5

FVp: Fortschrittliche Volkspartei, durch Zusammenschluss aller linksliberalen Gruppierungen entstanden.

Die Zusammenstellung zeigt, dass die große Mehrheit der Bewohner des Reichslandes in den ersten beiden Jahrzehnten dem Deutschen Reich skeptisch gegenüberstanden und regionale Parteien (elsaß-lothringische Autonomisten) wählten (EL). Nach der Entlassung Bismarcks 1890 lockerte sich die Parteienlandschaft jedoch auf und reichsdeutsche Parteien (SPD, Zentrum, Nationalliberale, Linksliberale, Konservative) fanden mehr und mehr Anhänger. Auf dem Land und in den überwiegend französischsprachigen Wahlkreisen Lothringens blieben die Autonomisten weiterhin stark, in den Städten, insbesondere in Straßburg, spielten sie zunehmend nur noch eine untergeordnete Rolle, hier dominierten die Sozialdemokraten. Das zum deutschen Reichstag gültige Mehrheitswahlrecht begünstigte jedoch regionale Parteien und benachteiligte große Massenparteien, wie die SPD.

[Bearbeiten] Landtag

1911 wurde der erste und einzige Landtag des Reichslandes Elsaß-Lothringen gewählt.

[Bearbeiten] Sprachenfrage

Im Reichsland sprach die Bevölkerung im Jahr 1900 zu 11,6%, 1905 zu 11,0% und 1910 zu 10,9% französisch als Muttersprache. Die Sprachenfrage wurde in einem Gesetz vom März 1872 geregelt: Deutsch wurde grundsätzlich die amtliche Geschäftssprache, in den Landesteilen mit überwiegend französischsprechender Bevölkerung jedoch sollte den öffentlichen Bekanntmachungen und Erlassen eine französische Übersetzung beigefügt werden. In einem weiteren Gesetz von 1873 wurde für die Bezirksverwaltungen von Lothringen und die Kreisverwaltungen derjenigen Kreise, in denen die französische Sprache ganz oder teilweise Volkssprache war, der Gebrauch des Französischen als Geschäftssprache zugelassen.

In einem Gesetz über das Unterrichtswesen von 1873 wurde geregelt, dass in den Gebieten mit Deutsch als Volkssprache diese auch die ausschließliche Schulsprache war, während in den Gebieten mit überwiegend französischsprechender Bevölkerung der Unterricht ausschließlich in französischer Sprache gehalten wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die allgemeine Schulpflicht eingeführt (in Frankreich erst 1882).

[Bearbeiten] Politische Eigenständigkeit

1874 wurde hier die reichsdeutsche Verfassung eingeführt. Das Land erhielt im Deutschen Reich ab 1877 das Recht, Gesetze vorzuschlagen.

Es besaß nunmehr eine gewisse Eigenständigkeit. Ein beratender Landesausschuss wurde eingerichtet. 1879 wurde das Amt des Statthalters eingeführt, der als Oberhaupt das Reichsland Elsaß-Lothringen repräsentierte.

Ein Staatssekretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen leitete die Regierung des Reichslandes. 1884 wurde die Universität Straßburg zur Reichsuniversität.

Während dieser Zeit erlebte das Elsass eine wirtschaftliche Blütezeit, viele neue Errungenschaften wie die Sozialversicherung und Krankenversicherung wurden entsprechend der Entwicklung in den übrigen Teilen des deutschen Kaiserreichs eingeführt.

Erst im Jahre 1911 wurde Elsaß-Lothringen den übrigen deutschen Bundesstaaten gleichgestellt und erhielt eine eigene Verfassung und ein eigenes, frei gewähltes Parlament, eine eigene rot-weiße Fahne und drei Vertreter im deutschen Bundesrat. Das Parlament bestand aus zwei Kammern: die erste Kammer bestand aus Abgeordneten der Handels- und Landwirtschaftskammern, der Städte und Religionsgemeinschaften, der Universität und des Oberlandesgerichts, während die 60 Abgeordneten der zweiten Kammer in freier, gleicher und geheimer Wahl für fünf Jahre gewählt wurden. Dennoch gab es auch Probleme, insbesondere mit den nicht gerne gesehenen preußischen Verwaltungsbeamten und Militärs, wie die Vorgänge um die Zabern-Affäre zeigten.

Oberpräsidenten und Reichsstatthalter 1871–1918

Oberpräsident des Reichslandes Elsaß-Lothringen
Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Eduard von Moeller 1871 1879
Reichsstatthalter des Reichslandes Elsaß-Lothringen
Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Edwin von Manteuffel 1879 1885
2 Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst 1885 1894
3 Hermann Fürst zu Hohenlohe-Langenburg 1894 1907
4 Karl Graf von Wedel 1907 1914
5 Nikolaus Michael Louis Hans von Dallwitz 1914 1918
6 Rudolf Schwander 1918 1918

[Bearbeiten] Anschluss an Frankreich

Nach dem Ersten Weltkrieg erklärte sich das Elsass unter Eugen Ricklin im November 1918 zunächst für unabhängig. Nach etwa einer Woche rückten französische Truppen ein und beendeten die Unabhängigkeit. Anfangs reagierten einige Bevölkerungsteile enthusiastisch auf die Rückkehr nach Frankreich. Dies ließ nach, als die Franzosen ihre Assimilationspolitik durchsetzten.

Das Reichsland Elsaß-Lothringen wurde am 17. Oktober 1919 aufgelöst und fortan von einer Generaldirektion in Paris verwaltet.

[Bearbeiten] Vertreibungen

Die Bewohner des Elsass wurden nach dem Ende dieser Zeit des „Reichslands Elsaß-Lothringen“ ab 14. Dezember in vier Gruppen eingeteilt, je nach Abstammung:

  1. A Vollfranzosen: d.h. Einwohner, die oder deren Eltern/Großeltern in Frankreich oder in Elsaß-Lothringen vor 1870 geboren wurden
  2. B Teilfranzosen: ein Eltern/Großelternteil nicht aus Frankreich oder dem Elsaß-Lothringen vor 1870
  3. C Ausländer: Einwohner bzw. deren Eltern/Großeltern aus einem mit Frankreich verbündeten oder neutralen Staat
  4. D Deutsche: Einwohner bzw. deren Eltern/Großeltern aus dem übrigen Deutschen Reich oder aus Österreich-Ungarn stammen.

Personen der Klasse D, nach 1870 eingewanderte Personen deutscher Abstammung und deren Nachkommen, etwa 200.000 Personen, wurden Opfer einer Vertreibung, mussten den Rhein überqueren bzw. ins Rheinland. Etwa die Hälfte davon konnte in den folgenden Monaten wieder nach Elsaß-Lothringen zurückkehren nachdem US-Präsident Woodrow Wilson auf die Regierung in Paris Druck ausgeübt hatte.

[Bearbeiten] Nachwirkungen

Aufgrund der Assimilierungspolitik wuchs innerhalb der elsässischen Bevölkerung der Missmut. Dies hatte eine starke autonomistische Bewegung zur Folge. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung erzielten die elsässischen Autonomisten, die mit der kommunistischen Partei sowie den bretonischen und korsischen Nationalisten kooperierten, in allen elsässischen Wahlkreisen die absolute Mehrheit der Stimmen. Die Abgeordneten und Politiker, die sich für Autonomie aussprachen, wurden vom französischen Staat oft zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, der Führer der Autonomistenpartei, Karl Roos, am 7. Februar 1940 in Nancy wegen angeblicher Spionage hingerichtet.

[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg – deutsche Besatzung

Ab dem 19. Juni 1940 besetzte die Wehrmacht das Elsass.

Unter den Nationalsozialisten wurde Elsaß-Lothringen zwar faktisch aber nicht offiziell dem Großdeutschen Reich eingegliedert. Nach dem Sieg über Frankreich hoffte man auf einen Frieden im Westen, der durch eine direkte Annexion Elsaß-Lothringens zusätzlich erschwert worden wäre.

1941 wurde die Reichsuniversität Straßburg gegründet.

Ab 1942 galt auch für die Elsässer und Lothringer die allgemeine Wehrpflicht. Viele von ihnen mussten ihren Kriegsdienst „malgré nous“ in der Wehrmacht bzw. in der Waffen-SS ableisten; es gab unter ihnen allerdings auch viele Freiwillige. Viele Elsässer waren beim Massaker von Oradour-sur-Glane beteiligt, der Prozess nach 1950 war eine Zerreißprobe für Frankreich.

[Bearbeiten] Nachkriegszeit in Frankreich

Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb die französische Regierung sprachlich eine Assimilierungspolitik („c'est chic de parler français“). Dadurch kam die deutsche Muttersprache (Elsässerdeutsch und insbesondere das Lothringische) so ins Hintertreffen, dass die Mehrheit der jungen Leute (die nach etwa 1970 Geborenen) sie heute nicht mehr sprechen können (Quelle: Sondages de 2001 des DNA Dernières Nouvelles d’Alsace).

Seit 1972 gibt es in Elsass und Lothringen wieder regionale Parlamente. Autonomistisch orientierte Parteien, beispielsweise Alsace d’abord, erhalten derzeit unter 10 % der Wählerstimmen.

Die 1871 durch den Anschluss Elsaß-Lothringens verursachten Grenzveränderungen der Departements Meurthe (danach Meurthe-et-Moselle), Moselle und Vosges, sowie die Abspaltung des Territoire-de-Belfort vom Département Haut-Rhin, wurden von Frankreich nach 1918 beibehalten. Die seitherigen Départements Haut-Rhin, Bas-Rhin und Moselle sind deckungsgleich mit den im Reichsland geschaffenen Bezirken Oberelsass, Unterelsass und Lothringen. Auch die nach 1871 eingeführte Verwaltungsgliederung auf kommunaler Ebene wurde von Frankreich nicht rückgängig gemacht, so dass die jetzigen Arrondissements den nach 1871 gebildeten Kreisen entsprechen (wenn man von jüngeren Zusammenlegungen wie etwa Selestat-Erstein absieht)

Das Gebiet des ehemaligen Reichslands („Alsace-Moselle“) hat innerhalb Frankreichs einige Besonderheiten aus der Zeit vor 1918 bewahrt. Dazu gehören zusätzliche Feiertage (Karfreitag, zweiter Weihnachtsfeiertag), einige Eigenheiten im Rechtswesen, sowie die Nichtanwendung des französischen Laizitätsgesetzes von 1905 auf bestehende Religionsgemeinschaften – Priester, Pastoren und Rabbiner sind infolge des Konkordats von 1801 staatliche Gehaltsempfänger, in der Schule wird Religionsunterricht erteilt, es gibt staatliche theologische Fakultäten an der Universität Straßburg und staatlich refinanzierte konfessionelle Schulen. Für nach 1918 entstandene Religionsgemeinschaften, wie Muslime und orthodoxe Christen, gilt allerdings auch hier das Laizitätsgesetz. Der Eisenbahnverkehr verläuft nach wie vor rechts (im übrigen Frankreich Linksverkehr).

Siehe auch: Elsass, Geschichte des Elsass

[Bearbeiten] Kreise im Reichsland Elsaß-Lothringen 1918

[Bearbeiten] Bezirk Lothringen

Stadtkreis

1. Metz

 
Übrige Kreise

1. Bolchen
4. Diedenhofen-West
7. Saarburg

2. Château-Salins
5. Forbach
8. Saargemünd

3. Diedenhofen-Ost
6. Metz, Land

[Bearbeiten] Bezirk Oberelsaß

Kreise

1. Altkirch
4. Mülhausen

2. Colmar
5. Rappoltsweiler

3. Gebweiler
6. Thann

[Bearbeiten] Bezirk Unterelsaß

Stadtkreis

1. Straßburg

 
Übrige Kreise

1. Erstein
4. Schlettstadt
7. Zabern

2. Hagenau
5. Straßburg, Land

3. Molsheim
6. Weißenburg

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Film

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.verwaltungsgeschichte.de/elsasslothringen.html#bevoelkerung
  2. Volkszählung vom 31. Dezember 1910, veröffentlicht in: Vierteljahreshefte und Monatshefte sowie Ergänzungshefte zur Statistik des Deutschen Reiches. Zusammengefasst in: Gerhard A. Ritter, unter Mitarbeit von M. Niehuss (Hrsg.): Wahlgeschichtliches Arbeitsbuch – Materialien zur Statistik des Kaiserreichs 1871–1918. Verlag C.H. Beck München, ISBN 3-406-07610-6

[Bearbeiten] Weblinks

Wikisource Wikisource: Themenseite Deutsch-Französischer Krieg mit vielen Rechtstexten zum Reichsland Elsaß-Lothringen – Quellentexte

Elsass-Lothringen - Artikel des Tages

Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva

Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.

Femme russe Elsass-Lothringen - In den Nachrichten

"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."

© 2008 Netencyclo - Netencyclo Hauptseite - Datenschutz - Impressum - Program Policies
Netencyclo, the Wikipedia mirror : the biggest multilingual free-content encyclopedia on the Internet. Diese Artikel wurde zuletzt am 16. Mai 2007 um 23:12 Uhr geändert. Ihr Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. All Wikipedia content is licensed under the GNU Free Documentation License (see details). Content on this web site is provided for informational purposes only. We accept no responsibility for any loss, injury or inconvenience sustained by any person resulting from information published on this site. We encourage you to verify any critical information with the relevant authorities.