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Der Begriff Elfenbeinturm bezeichnet einen geistigen Ort der Abgeschiedenheit und Unberührtheit von der Welt.
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Er hat seinen Ursprung als elfenbeinerner Turm im biblischen Hohen Lied (7, 5). In Luthers Bibelübersetzung heißt es: „Dein Hals ist wie ein Elffenbeinen thurm“. Dieses Gleichnis aus einem Liebesgedicht wird in der christlichen Tradition dann als Symbol edler Reinheit interpretiert. Daher wird in der Lauretanischen Litanei Maria in einer langen Reihe von symbolhaften Bezeichnungen auch mit „Du elfenbeinerner Turm“ angerufen.
Das heute übliche Verständnis des Elfenbeinturms als einem immateriellen Ort der Abgeschiedenheit und Unberührtheit, an dem sich vor allem Literaten und Wissenschaftler aufhalten, entstand im Lauf des 19. Jahrhunderts in Europa. Der früheste Beleg findet sich beim französischen Literaturkritiker und Schriftsteller Charles-Augustin Sainte-Beuve etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, der es mit der Rede vom tour d'ivoire auf eine literaturkritische Beschreibung eines möglichen Autorenstandpunkts absah. Im deutschen Sprachgebrauch tauchte der Elfenbeinturm in dieser Bedeutung zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals auf.
Forschung und Produktion von Kunst im Elfenbeinturm bezeichnet einen Intellektuellen, der einzig für seine Aufgabe lebt und sich nicht um die gesellschaftlichen Folgen seiner Tätigkeit kümmert, sondern einzig nach wissenschaftlicher und künstlerischer Wahrheit sucht. In dieser Verwendung mischt sich in dem Ausdruck Spott über einen weltabgeschiedenen Gelehrten mit der Bewunderung für einen Menschen, der sich mit all seiner Kraft einer edlen Aufgabe (deshalb Elfenbein) widmet.
Heute überwiegt der negative Beigeschmack des Begriffs. Dieser bezieht sich auf einen akademischen Habitus von Forschern oder Wissenschaftlern beliebiger Disziplinen, der darin besteht, dass die innerhalb der Disziplinen herrschende extreme Spezialisierung in Bezug auf die nicht-akademische Außenwelt nicht als kommunikatives Problem erkannt werden will.
Vielmehr akzeptiert ein im Elfenbeinturm „lebender“ Forscher den Umstand, dass auch ein überdurchschnittlich gebildeter Bürger sein Fachgebiet nicht verstehen kann, als unvermeidliche – manchmal auch begrüßenswerte – Tatsache (siehe auch Fatalismus). Diese gelte es hinzunehmen, anstatt nach kommunikativen Lösungen zu suchen, mit denen sich das Verständigungsproblem zwischen Wissenschaft und Gesellschaft überwinden ließe; wenngleich dieses Unterfangen in manchen Disziplinen a priori erfolglos sein wird. Der negative Beigeschmack des Begriffes betont die Verantwortlichkeit der Seite der Wissenschaft für dieses Kommunikationsproblem.