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Dithmarschen :

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Dithmarschen

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Friedrichskoog/Trischendamm

Dithmarschen ist eine Region und ein Landkreis in Schleswig-Holstein zwischen Nordsee, Eider, Elbe und Nord-Ostsee-Kanal, dessen Grenzen seit dem Mittelalter bestehen. Dithmarschen wird traditionell als eine freie Bauernrepublik bezeichnet. Dies stimmt insofern nicht, da Dithmarschen nie lehensunabhängig (d.h. frei) war. Weil einige Lehnsherrn, wie z.B. die Bremer Erzbischöfe ihre Lehnshoheit nicht straff ausübten, konnte sich eine Art Selbstverwaltung herausbilden. Die Landschaft Dithmarschen gehört daher zusammen mit den Landschaften Eiderstedt und Fehmarn zu den Bereichen in Schleswig-Holstein, in denen sich keine adlige Gutsherrschaften entwickelten.

Von der Nordseeküste ausgehend besteht Dithmarschen aus Marschland, im Landesinnern aus Geest-Gebieten. Wichtige Orte sind Heide, Meldorf mit seiner Dom genannten Pfarrkirche, Brunsbüttel, Burg, Marne, Wesselburen und der bekannte Ferienort Büsum. Da der Nord-Ostsee-Kanal als künstliche Wasserstraße nicht nach den Verwaltungsgrenzen gebaut wurde, befindet sich die Kreisgrenze heute z.T. links und rechts des Kanals.

Verwaltungsmäßig umfasst das Gebiet seit der Verwaltungsreform 1970, die Norderdithmarschen und Süderdithmarschen zusammenlegte, den Kreis Dithmarschen. Heide ist seither Kreisstadt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die ältesten Funde aus Dithmarschen stammen aus dem Mittel- und Jungpaläolithikum und befinden sich in der Geest bei Schalkholz.

Insbesondere die Siedlungsgeschichte des Küstengebietes ist gut erforscht. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass die vor 2500 Jahren entstandene alte Marsch im frühen 1. Jahrhundert besiedelt wurde. Ein niedriger Sturmflutspiegel erlaubte zunächst die Anlage von Flachsiedlungen (Tiebensee, Haferwisch westlich von Heide). Steigende Sturmflutspiegelstände erforderten bereits seit 50 n. Chr. den Bau von Wurten (u. a. Süderbusenwurth). Nachdem das Küstengebiet im 3./4. Jahrhundert n. Chr. weitgehend verlassen wurde, erfolgte eine Neubesiedlung der Marschen seit dem 7. Jahrhundert. Ausgrabungen auf frühmittelalterlichen Dorfwurten erfolgten in Wellinghusen und Hassenbüttel. Seit dem 12. Jahrhundert erfolgte durch genossenwirtschaftliche Verbände (Geschlechter) eine Bedeichung der Seemarschen und eine damit verbundene Entwässerung der bis dahin vermoorten Sietlandsmarschen. Hier entstanden in der Folgezeit zahlreiche Marschhufensiedlungen (Barlt, Wennemannswisch, Haferwisch, Hödienwisch u. a.).

Dithmarschen wurde 804 von Karl dem Großen zusammen mit den beiden anderen nordelbischen Sachsengauen, dem Holstengau im mittleren Holstein und Stormarn erobert, zunächst den slawischen Abodriten übergeben und gehörte dann ab 810 für die folgenden tausend Jahre (zumindest theoretisch) als Teil des alten Herzogtums Sachsen zum Reich.

Die Dithmarscher Urkirchspiele. In Schwarz: die heutige Küstenlinie

Bereits im frühen Mittelalter war Dithmarschen daher sächsisch geprägt. Adam von Bremen berichtet 1075? (Buch II, Kapitel 15): Transalbianorum Saxonum populi sunt tres: primi ad occeanum sunt Tedmarsgoi, et eorum ecclesia mater in Melindorp, d. h.: Der nordelbischen Völker der Sachsen sind drei: die ersten am Ozean (gemeint ist der Oceanus Britannicus, die Nordsee) sind die Dithmarscher, und ihre Mutterkirche (ist) in Meldorf. Er berichtet weiter, dass Hamburg die Hauptstadt für alle drei sächsischen Völker nördlich der Elbe sei.

Nach der Schlacht bei Bornhöved 1227 gehörte das Gebiet zum Erzbistum Bremen, wobei der Einfluss von Bremen in Dithmarschen nicht sehr ausgeprägt war. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts entwickelte sich Dithmarschen zu einer Föderation eigenständiger Kirchspiele.

1447 wurde das Dithmarscher Landrecht aufgezeichnet. Es wurde ein Obergericht geschaffen mit 48 auf Lebenszeit eingesetzten Richtern (Achtundvierziger). Diese entwickelten sich zum eigentlichen Führungsorgan der Bauernrepublik Dithmarschen.

Vor allem im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Dithmarschen von Wohlstand der großbäuerlichen Oberschicht und hohem Selbstbewusstsein gekennzeichnet. Gewaltsame Unterwerfungsversuche scheiterten (Schlacht von Wöhrden 1319 gegen Holstein; Süderhamme 1403/04 gegen Albrecht von Holstein und Gerhard VI. von Holstein-Rendsburg). 1500 besiegten die Dithmarscher unter Wulf Isebrand in der Schlacht bei Hemmingstedt das dänisch-schleswig-holsteinische Heer unter König Johann, in Personalunion König von Dänemark, Norwegen und Schweden, und seinem Bruder Friedrich, Herzog von Schleswig und Holstein. Die Bauern konnten das vor allem aus einer im Marschenkrieg spezialisierten Infanterietruppe, der aus Landsknechten zusammengesetzten "Schwarzen Garde", und einigen adligen Reitereinheiten bestehende und schlecht geführte Heer vernichten, indem sie eine offene Schlacht vermieden und im Marsch-Land die Deiche öffneten und das anrückende Heer auf dem engen Damm der Straße von Meldorf nach Heide in eine nasse Falle tappte. Ihr Schlachtruf "Wohr di, Garr, de Buer de kümmt!" Ein Großteil der Söldner, die dicht gedrängt an der Spitze des Heeres marschierten, und der schwer gepanzerten schleswig-holsteinischen Ritter kam um, als er den völlig verstopften und nicht zu verteidigenden Straßendamm verließ und in der gefluteten Marsch von den hier überlegenen Bauern gestellt wurde. Der nächste, gründlich vorbereitete Einmarsch dänisch-schleswig-holsteinischer Truppen, die Letzte Fehde 1559 unter dem Feldherrn Johann Rantzau konnte dann allerdings nicht mehr aufgehalten werden.

Westerkoog (Dithmarschen)

Nach der Eroberung wurde Dithmarschen in drei Teile geteilt: Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf erhielt den nördlichen, sein Bruder Herzog Johann von Schleswig-Holstein-Hadersleben den mittleren und König Friedrich II. von Dänemark den südlichen Teil. Nach dem Tod von Johann 1581 teilten Adolf und Friedrich Johanns Anteile unter der Gottorfer und der königlichen Linie auf. Norder- und Süderdithmarschen existieren fortan als Landschaften mit einer eigenen Landschaftsordnung und einem Landvogt bzw. Statthalter an der Spitze. Dieser war nicht nur der Obrigkeit, sondern auch den Kirchspielsleuten verpflichtet. Nach 1864 wurden die beiden Landschaften zu Landkreisen gleichen Namens umgestaltet. Das Dithmarscher Landrecht blieb in einer reformierten Fassung von 1567 bis in das 19. Jahrhundert hinein bestehen, die weiterhin stattfindende Prosperität zeigt sich auch daran, dass 1585 Büsum (damals Busen) eingedeicht und so von einer Insel zum Teil des Festlands gemacht werden konnte.

Eindeichungen in Dithmarschen

In den folgenden Jahrzehnten durchlitt Dithmarschen mehrere Kriege und Sturmfluten, die die Landschaft stark in Mitleidenschaft zogen. Im Dreißigjährigen Krieg bekämpften sich vor allem schwedische und kaiserliche Truppen, während im nordischen Krieg schwedische und herzögliche Truppen auf dänische stießen. Während die Burchardiflut 1634 vor allem Nordfriesland traf und in Dithmarschen weniger schwere Verwüstungen anrichtete, litt die Landschaft vor allem unter der Weihnachtsflut von 1717.

1773 war dann auch Norderdithmarschen dem dänischen König in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein unterstellt. Ende des 18. Jahrhunderts reformierte der dänische König die durch häufige Kriege zerstörte Landschaft durch Aufteilung der Meente (Allgemeinbesitz), Verkoppelung der Einzelhöfe und die Anlage von Knicks und strukturierte das ländliche Wegenetz neu. Nach 1814 beteiligten sich Dithmarscher an den Aufständen gegen Napoleon.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg wurde 1867 Dithmarschen mit Schleswig und dem restlichen Holstein gegen den Willen der Einwohner zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein vereinigt.

Kohlfeld b. Neuenkirchen

Ende des 19. Jahrhunderts begann großflächig der Kohl-Anbau in der Region, der sie bis heute bekannt macht. Nach einem mit dem Nord-Ostsee-Kanal (ehem. Kaiser-Wilhelm-Kanal) einhergehenden Aufschwung erfolgte mit dem Ersten Weltkrieg ein Niedergang.

Dithmarschen war eine frühe Hochburg des Nationalsozialismus. Eine antirepublikanische und gegen die Moderne gerichtete Grundstimmung führte dazu, dass die nationalsozialistische Blut- und Bodenideologie in Dithmarschen auf fruchtbaren Boden fiel und die NSDAP schon bei der Reichstagswahl am 20. Mai 1928 18 Prozent erzielte, in der Provinz Schleswig-Holstein lag sie zu dieser Zeit bei 4 %. Bei den Reichstagswahlen 1930 waren es bereits 40 Prozent und 1932/33 holte die NSDAP über 60 Prozent der Stimmen. Bei den Reichstagswahlen im März 1933 lagen mit Hennstedt, Südermeldorf-Geest, Albersdorf und Tellingstedt vier der zehn Gemeinden mit den reichsweit höchsten NSDAP-Ergebnissen in Dithmarschen[1], ebenso wie die Region die meisten Träger des Goldenen NSDAP-Parteiabzeichens in Deutschland vorzuweisen hatte.[2]

Am 1. April 1934 wurden die meisten Orte in Norder- und Süderdithmarschen aus Teilen der Kirchspiele neu gebildet.

Noch in den 1990er Jahren gestaltete sich die Aufarbeitung der Nazi-Zeit in Dithmarschen schwierig. Seit 2005 wird mit der Aktion Stolpersteine in Heide der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. 2008 hat Gunter Demnig auch in Meldorf zwei Stolpersteine verlegt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Dithmarschen bis auf Luftangriffe auf den Hafen Brunsbüttel und die Erdölraffinerien in Ostermoor und Hemmingstedt von Kampfhandlungen weitgehend verschont. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Dithmarschen und Eiderstedt (zusammen damals unter 120.000 Einwohner) zum Internierungsgebiet der Alliierten für bis zu 400.000 Wehrmachtssoldaten. Während des Krieges und danach wurden, wie im übrigen Schleswig-Holstein, sehr viele Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands in Dithmarschen aufgenommen.

Besonders in den 1950er bis 1970er Jahren betrieb die Landesregierung von Schleswig-Holstein ein umfangreiches Industrieansiedlungsprogramm. Mit Hilfe von einigen 100 Millionen DM an Subventionen wurde vor allem der Standort Brunsbüttel ausgebaut. Durch dieses Programm wurden dort die Ansiedlung der chemischen Industrie und der Bau des Elbehafens und des Kernkraftwerks gefördert.

1973 wurde das zwischen Dithmarschen und der zu Nordfriesland gehörigen Halbinsel Eiderstedt gelegene und ausschließlich dem Küstenschutz dienende Eidersperrwerk fertiggestellt.

Heute wandert die Industrie zum Teil wieder ab. Der Landstrich ist vor allem ein Ferienland (Nordsee, Radurlaub) und einer der deutschen Hauptproduzenten von Windenergie und Kohl. Das größte deutsche Ölfeld (Mittelplate) befindet sich ebenfalls im Dithmarscher Kreisgebiet, wenn auch in der Nordsee mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Film

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Frank Omland: "Du wählst mi nich Hitler; Norderstedt Book on Demand ISBN 3833448946, S. 25
  2. Heiko Buschke: "Deutsche Presse, Rechtsextremismus und nationalsozialistische Vergangenheit in der Ära Adenauer"; Frankfurt 2003 Campus Verlag ISBN 3593373440, S. 331

[Bearbeiten] Weblinks

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