Unter Dimotiki (griechisch δημοτική [γλώσσα], „Volkssprache“) versteht man die historisch gewachsene und in direkter Kontinuität aus dem Altgriechischen entstandene neugriechische Volkssprache. Der Begriff als solcher ist seit 1818 belegt.[1] Die Dimotiki war (bzw. ist) die natürliche Muttersprache der Griechen und stand zu Zeiten der Diglossie als Umgangssprache der künstlichen und antikisierenden Katharevousa als Staatssprache gegenüber; begrifflich bilden Dimotiki und Katharevousa ein Komplementpaar. Die Vertreter der Dimotiki wurden Demotizisten (δημοτικιστές) genannt, ihre Bewegung war der Demotizismus (δημοτικισμός); als abwertender Begriff war für die Anhänger der Volkssprache seitens der Vertreter der Hochsprache unter anderem auch οι μαλλιαροί („die Langhaarigen") im Umlauf.
Während die Dimotiki in Form von regionalen Dialekten schon in frühen Werken neugriechischer Literatur (z. B. im Erotokritos von Vitsentzos Kornaros im 17. Jh.), und dann im frühen 19. Jahrhundert von einigen griechischen Dichtern („Ionische Schule", z. B. Dionysios Solomos) als Literatursprache verwendet wurde, dauerte es noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, bis sie sich als allgemeine griechische Literatursprache in Lyrik und Prosa inoffiziell gegenüber der altertümlichen und wenig kreativen Staatssprache Katharevousa durchsetzen konnte. Auch wenn im 20. Jahrhundert praktisch alle Schriftsteller in der Dimotiki schrieben, blieb der Volkssprache die gesetzliche Anerkennung – von kurzen Zwischenspielen einmal abgesehen – bis in die 70er Jahre verwehrt. Faktisch ist die Auseinandersetzung zwischen der Dimotiki und der Katharevousa, die im 19. und 20. Jahrhundert als „griechischer Sprachstreit“ das öffentliche Leben in Griechenland entscheidend prägte, seit 1976 beendet, indem die Dimotiki zur alleinigen offiziellen Staatssprache erhoben wurde. Im Gegensatz zur seitdem weitgehend obsoleten Katharevousa wird der Begriff Dimotiki als Synonym zum modernen Neugriechisch von vielen weiterhin verwendet.
Die Dimotiki wird oft mit der neugriechischen Sprache gleichgesetzt, doch sind die beiden Begriffe nicht vollständig synonym. Während die Dimotiki nämlich historisch gesehen die einfache Sprache des Volkes darstellt(e), lässt sich das heutige, moderne Neugriechisch (Standard Modern Greek; Νεοελληνική Κοινή) eher als eine Synthese aus Dimotiki und Katharevousa beschreiben, wenn auch freilich mit einem starken Übergewicht der Ersteren; es besteht also aus einem „volkstümlichen" Grundgerüst, welches heutzutage um „gelehrte" Elemente bereichert und damit seiner ursprünglich rein volkstümlichen Ebene enthoben ist. Das heutige Neugriechisch als Dimotiki zu bezeichnen, ist für die einfache, gesprochene Sprache nicht falsch, doch lässt es die Tatsache außer Acht, dass die moderne neugriechische Sprache - besonders in einer geschriebenen oder offiziellen Form - zahlreiche Wörter, grammatikalische Formen und phonetische Phänomene enthält, die es in der traditionellen Volkssprache nicht gab und die erst über die Hochsprache in die zeitgenössische Sprache gelangt sind. Auch ist zu bedenken, dass selbst die attizistischsten Auswüchse der Katharevousa nicht als Altgriechisch, sondern von ihren Vertretern und in der offiziellen Terminologie als Neugriechisch bezeichnet wurden, weswegen der Begriff Neugriechisch strenggenommen eine Sammelbezeichnung für Dimotiki, Standard Modern Greek und unter gewissen Gesichtspunkten sogar Katharevousa (als strukturell „pseudo-altgriechisches", sprachgeschichtlich jedoch neugriechisches Sprachphänomen) ist.
Die typisch volkstümlichen Aspekte der Dimotiki sind heute weitgehend in Gebrauch. In manchen Fällen steht neben der volkstümlichen eine ebenfalls gebräuchliche gelehrte Form, wobei die volkstümliche meist in gesprochener Sprache vorherrscht, während sich gelehrtere Varianten eher auf die Schriftsprache beschränken.
Folgende Beispiele aus der modernen neugriechischen Sprache spiegeln den Beitrag der Hochsprache zum heutigen Neugriechisch wider. Sie waren in der traditionellen Dimotiki nicht vorhanden und gelangten meist erst über die Katharevousa (z. B. als Neologismen) in die Alltagssprache, wo sie heute zumeist schriftlich (etwa in Zeitungsartikeln), z. T. auch mündlich verwendet werden. Vor allem im Bereich der „Wörter und festen Ausdrücke“ werden sie auch von Ungebildeten verstanden und oft auch aktiv verwendet:
Im modernen Neugriechisch gibt es zahlreiche Wörter, die Buchstabenkombinationen enthalten, die in der traditionellen Volkssprache vermieden wurden, z. B.:
Bei einigen dieser „gelehrten“ Aspekte des modernen Neugriechisch liegt die Fehlerquote der griechischen Muttersprachler ziemlich hoch; so begegnen beispielsweise häufig Fehler wie προήχθη statt προήχθην (ich wurde befördert), λόγου του ότι/λόγο το ότι statt λόγω του ότι (aufgrund der Tatsache, dass), τον ενδιαφέρον άνθρωπο statt τον ενδιαφέροντα άνθρωπο (den interessanten Menschen), οι ενδιαφέροντες γυναίκες statt οι ενδιαφέρουσες γυναίκες (die interessanten Frauen), ο ψήφος statt η ψήφος (die [Wahl]-Stimme).
Als einer der radikalsten Verfechter einer rein volkstümlichen und von allen Archaismen freien griechischen Sprache tat sich Giannis Psycharis hervor, ein in Frankreich lebender Gelehrter, der vor allem durch sein Werk Meine Reise („το ταξίδι μου", 1888) bekannt wurde. Psycharis propagierte nicht nur die alleinige Verwendung der natürlich gewachsenen neugriechischen Volkssprache, sondern ging noch einen Schritt weiter und trat dafür ein, diese noch „volkstümlicher" zu machen, als sie ohnehin bereits war, und sie auch noch von den letzten in irgendeiner Form als „gebildet" zu identifizierenden Wendungen zu befreien. So schlug er vor, das seit dem Altgriechischen unveränderte το φως (Gen. του φωτός; =das Licht) in ein neugriechisches Deklinationssystem zu pressen und zu το φώτο (Gen. του φώτου) umzuformen. Derart radikale und gänzlich unnatürliche Formen konnten sich jedoch nicht durchsetzen und gelten heute eher als markante Beispiele für die bizarren Dimensionen des Sprachstreits denn als ernstzunehmende Vorschläge.[4] Darüber hinaus forderte Psycharis, die historische Orthographie des Griechischen gegenüber einer phonetischen aufzugeben, also unter anderem die sechs verschiedenen Schreibweisen für den Laut „i" zu reduzieren und auch auf Doppelkonsonanten zu verzichten. Konsequenterweise schrieb er seinen eigenen Namen Γιάνης, und nicht Γιάννης. Der radikale Demotizismus Psycharis' fand um 1900 einige Anhänger und ging als Psycharismus in die griechische Sprachgeschichte ein.
Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva
Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux russes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.
"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."