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Deutsche Post

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Dieser Artikel behandelt das 1995 entstandene Unternehmen; zu anderen, historische Bedeutungen siehe Deutsche Post (Begriffsklärung).
Deutsche Post AG
DP-Logo
Unternehmensform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005552004
Gründung 1995 (Privatisierung)
Unternehmenssitz Bonn
Unternehmensleitung

Dr. Frank Appel (Vorstandsvorsitzender), John Allan (CFO)

Mitarbeiter 520.112 (2006), davon in Deutschland 150.000
Umsatz 63,512 Mrd. Euro (2007)
Branche Logistik
Website www.deutschepost.de

Die Deutsche Post AG mit Sitz in Bonn zählt zu den größten Logistikunternehmen und Postunternehmen weltweit. Deutsche Post World Net ist der Name, unter dem der Konzern in der Öffentlichkeit auftritt. Das Unternehmen entstand 1995 durch Privatisierung der früheren Behörde „Deutsche Bundespost“ und ist seit 2000 auch Bestandteil des deutschen Leitindex' an der Frankfurter Wertpapierbörse.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die heutige Deutsche Post entstand in den Jahren 1989 bis 1995 durch Privatisierung der Behörde Deutsche Bundespost – Postdienst („gelbe Post“). Gleichzeitig entstand aus dem Bereich Fernmeldedienst („graue Post“) die Deutsche Telekom sowie aus dem Bereich Postbank („blaue Post“) die Postbank. Das Bundesministerium für Post und Telekommunikation blieb zunächst weiterhin für die hoheitlichen Aufgaben im Postwesen zuständig. Später übernahm die neu geschaffene Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) die Aufgaben der Mittelbehörden. Dazu zählt unter anderem die Überwachung der Einhaltung der wettbewerbsregulierenden Vorschriften im Bereich der Post-Dienstleistungen. Für beamten- und versorgungsrechtliche Aufgaben der bei den Unternehmen verbliebenen Postbeamten wurde die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation Deutsche Bundespost (BAPost) eingerichtet.

Das Unternehmen wurde seit 1990 bis 2008 von Klaus Zumwinkel geführt. Er bot am 15. Februar 2008 nach großem öffentlichen Druck seinen Rücktritt an, nachdem kurz zuvor Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung gegen ihn öffentlich wurden.[1] Klaus Zumwinkel war zum Ende seiner Amtszeit der dienstälteste Vorsitzende eines Dax-Unternehmens.

Seit 1998 fördert die Deutsche Post über die hauseigene Post-Stiftung das Institut zur Zukunft der Arbeit mit umfangreichem Wissenschaftssponsoring.

Postaktien wurden erstmals am 20. November 2000 auf dem organisierten Kapitalmarkt gehandelt. Dabei konnte ein Emissionserlös von 6,6 Milliarden Euro erzielt werden. Im selben Jahr wurde außerdem der Grundstein des Bonner Post Towers gelegt, der seit 2002 als Konzernzentrale dient.[2]

Das Unternehmen befindet sich nicht mehr mehrheitlich in Staatsbesitz, seit die KfW Bankengruppe (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) am 14. Juni 2005 Postaktien im Wert von 2 Mrd. Euro verkaufte. Heute hält die KfW noch 30,5% der Aktien, die restlichen 69,5% befinden sich in Streubesitz.

Seit 2006 betreibt der Konzern in Troisdorf bei Bonn das Forschungs- und Entwicklungszentrum „DHL Innovation Center“, das Geschäftskunden zur Information über Technologien wie RFID, Geodaten- und GPS-Anwendungen zur Verfügung steht.

Das Postgesetz hatte der Deutschen Post AG bis zum 31. Dezember 2007 eine Reihe von befristeten Exklusivrechten zugestanden, es wurden aber dafür Universaldienstleistungspflichten verlangt. Seit dem 1. Januar 2008 hat die Post keine Exklusivlizenzen mehr, auf dem deutschen Postmarkt herrscht seitdem theoretisch ein freier Wettbewerb. Die vollständige Liberalisierung des Postmarktes in Europa wird zum 1. Januar 2011 erfolgen. Das Unternehmen arbeitet daher daran, ihren Auslandsanteil am Umsatz kontinuierlich zu steigern.

Die Deutsche Post ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.

Kennzahlen

Im Jahr 2007 erzielte der Konzern bei Umsätzen von 63,5 Mrd. € (+4,9 % gegenüber 60,5 Mrd. € im Vorjahr) einen Gewinn (EBIT) von 3,20 Mrd. € (-17,3 % gegenüber 3,87 Mrd. € im Vorjahr). Für den Rückgang des EBIT macht die Deutsche Post Einmaleffekte wie eine Wertberichtigung des Anlagevermögens im Geschäftsbereich „EXPRESS Americas“ verantwortlich. Gegenläufig zum gesunkenen EBIT wurde die Dividende je Aktie gegenüber 2006 von 0,75 auf 0,90 € erhöht.[3]

Der Konzern erzielte im Jahr 2006 einen Umsatz von 60,5 Mrd. € und einen Gewinn (EBIT) von 3,87 Mrd. €. Verglichen mit 2005 wurden damit der Umsatz um 35,8 % und der Gewinn um 2,9 % gesteigert. Die starke Erhöhung des Umsatzes ist vor allem auf den Erwerb des Logistikkonzerns Exel zurückzuführen. Das Jahr 2006 zeigte aber auch einen Rückgang des Netto-Konzerngewinns um 14,3 % auf 1,92 Mrd. €. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Anteil an der Postbank auf 50 % plus eine Aktie verringert hat. Daher entfällt eine anteilig geringere Summe des Jahresergebnisses auf die Aktionäre der Deutschen Post. Die Dividende wurde von 0,70 € auf 0,75 € angehoben, was einer Ausschüttungssumme von etwa 903 Mio. € entspricht.

Zum 31. Dezember 2005 war die Deutsche Post in über 220 Ländern aktiv und beschäftige zu diesem Zeitpunkt 502.545 Menschen, die Mehrheit davon im Ausland und ist somit zugleich das größte Unternehmen, nach Mitarbeitern, in Europa. In Deutschland beschäftigt die Deutsche Post rund 150.000 Mitarbeiter und verfügt über ein Filialnetz von 12.500 Niederlassungen und 930.000 Postfächer. Nach Angaben des Unternehmens suchen durchschnittlich 2,5 Millionen Bundesbürger täglich eine Postfiliale auf.

80.000 Postzusteller für 54.200 Zustellbezirke in Deutschland verteilen pro Tag rund 71 Millionen Briefe in 43 Millionen deutsche Haushalte.

Konzernaufbau

Post Tower, Konzernzentrale der Deutschen Post AG in Bonn
Post Tower, Konzernzentrale der Deutschen Post AG in Bonn

Die Deutsche Post wuchs seit ihrer Privatisierung vor allem durch Unternehmenskäufe (darunter etwa DHL, Danzas oder Exel) zu einem großen Logistikkonzern. Allein die Übernahme des angelsächsischen Logistikunternehmens Exel im November 2005 kostete 5,5 Mrd. €.

Der Konzern teilt sich in vier Unternehmensbereiche auf: Brief, Express, Logistik und Finanzdienstleistungen. Seit Juni 2004 werden die Aktien der Finanz-Tochter Postbank an der Börse gehandelt.

Im Unternehmensbereich Brief betreiben etwa 125.000 Beschäftigte das deutsche Briefnetz. An jedem Werktag stellen sie durchschnittlich 70 Mio. Briefe an 3 Mio. Geschäftskunden und 39 Mio. Privathaushalte zu, von denen 95,7 % (gemessen 2005) einen Tag nach Einwurf ihren Empfänger erreichen. 123 Briefzentren und Zustellstützpunkte bilden ein deutschlandweites Netz, sodass auch abgelegene Wohnorte wie die nordfriesischen Halligen bedient werden. Private Zustellfirmen wie PIN oder TNT bieten zunehmend vergleichbare Leistungen besonders für Geschäftskunden und entwickeln sich so bereits vor Ablauf des Briefmonopols zu Konkurrenten der Post.

Die Niederlassung Philatelie der Deutschen Post hat ihren Sitz in Weiden, Oberfranken

Der Bereich Express befördert nicht nur Expresssendungen, auch die täglichen Paket- und Kuriersendungen laufen unter dem Namen DHL-Express. Es besteht aus 131.000 Mitarbeitern. Das weltweite Netz besteht aus 33 Paketzentren in Deutschland und über 4.700 Stützpunkten weltweit. Seit 2004 können Pakete auch an fast 800 bundesweiten Paketautomaten; sogenannten Packstationen, eingeliefert und zugestellt werden. Der Bereich Express verfügt mit 72.000 Zustellfahrzeugen über die größte deutsche Fahrzeugflotte.

Den Bereich Logistik bilden 148.000 Mitarbeiter. Er erstreckt sich über 170 Länder und befördert jährlich 2 Mio. Tonnen Luftfracht und 1 Mio. Container Seefracht.

Der Bereich Finanzdienstleistungen besteht aus der Postbank und den Filialen. In den Postfilialen bieten 19.000 Mitarbeiter die Postdienstleistungen an. Das Filialnetz besteht aus 12.000 Filialen.

Im Bereich Service ist die Tochter Deutsche Post Fleet GmbH tätig.

Durch die Übernahme des britischen Logistikunternehmens Exel im Dezember 2005 ist die Deutsche Post AG Weltmarktführer in den Bereichen Luft-, See- (beide DHL Global Forwarding) und Kontraktlogistik (DHL Exel Supply Chain) mit einem Jahresumsatz von 55 Milliarden Euro geworden. Zudem wurden die Aktivitäten im Bereich der europäischen Landverkehre im Geschäftsgebiet DHL Freight [4] gebündelt. Die Deutsche Post ist gemessen an ihren 500.000 Mitarbeitern das siebtgrößte Unternehmen weltweit und das größte deutsche Unternehmen.

Die Deutsche Post ist außerdem im US-Expressgeschäft aktiv und steht dort in Konkurrenz zu UPS und FedEx. 2007 schnitt der Unternehmensbereich Express mit einem operativen Verlust von 174 Millionen Euro ab. Im Mai 2008 soll ein Sanierungskonzept präsentiert werden.[5]

Vorstand

Frank Appel links neben Klaus Zumwinkel (2007)
Frank Appel links neben Klaus Zumwinkel (2007)

Klaus Zumwinkel führte das Unternehmen von 1990 bis 2008, zuletzt war er der dienstälteste Vorsitzende eines Dax-Unternehmens. Frank Appel wurde am 18. Februar einstimmig und mit sofortiger Wirkung zu seinem Nachfolger gewählt.[6] Gemäß Aufsichtsratsbeschluss vom 14. September 2007 gehören dem Konzernvorstand außerdem folgende Mitglieder an:[7]

Wolfgang Klein ist zugleich seit 2007 als Nachfolger Wulf von Schimmelmanns Vorsitzender des Vorstands der Postbank. Die Einkommen der Mitglieder des Vorstands der Deutschen Post setzen sich aus einem Fixum und zwei kurz- und langfristigen Boni zusammen. Im Geschäftsjahr 2006 belief sich die Vergütung der aktiven Vorstandsmitglieder auf insgesamt auf 18,50 (Vorjahr: 14,76) Mio. Euro.[8] Die individuellen Einkünfte werden im Geschäftsbericht veröffentlicht.

Kritik

Schließung von Postfilialen

Postamt ohne Postfiliale in Bad Liebenstein
Postamt ohne Postfiliale in Bad Liebenstein

Da die Deutsche Post seit Jahren die Zahl der Filialen verringert und mit Partnerunternehmen wie McPaper oder Supermärkten zusammenarbeitet, gab es Widerstand in breiten Kreisen der Bevölkerung. Wurden anfangs nur Postfilialen auf dem Land geschlossen und durch Postagenturen ersetzt, so trifft dies zunehmend auch auf die Vororte von Großstädten zu. Kritisiert wird ebenfalls die Anfang und Mitte der 2000er-Jahre vorgenommene massive Reduzierung der Anzahl von Briefkästen.[9][10]

Irak-Krieg

Seit 2003 liefert die Deutsche Post im Auftrag des Militärs der Vereinigten Staaten täglich mehrere Dutzend Tonnen Feldpost in den Irak. Pakete, Päckchen und Briefe werden von Bahrain aus über gefährliches Terrain mit Antonow-Transportflugzeugen nach Bagdad gebracht. Dabei müssen die Piloten, moldawische Ex-Soldaten, ohne Radar und für Teile der Strecke ohne Funkkontakt auskommen.[11]

Mehrwertsteuerbefreiung

Die Deutsche Post ist auch nach dem Ende des Briefmonopols zum 1. Januar 2008 – im Gegensatz zu ihren Konkurrenten – nicht umsatzsteuerpflichtig. Dies wurde in der Vergangenheit damit begründet, dass die Post als einziges Unternehmen „flächendeckende Universaldienste“ angeboten hat. Inzwischen hat die Europäische Union die Bundesregierung angemahnt, das Steuerprivileg der Post zu kippen und gleiche Bedingungen für alle Postunternehmen auf dem deutschen Markt zu schaffen.[12]


Trivia

Quellen

  1. Justiz wirft Zumwinkel Millionen-Betrug vor Handelsblatt.com, 14. Februar 2008
  2. 2000 - Börsengang der Deutschen Post dpwn.de, Geschichte 2000
  3. Mitteilung der Deutschen Post vom 6. März 2008
  4. DHL Freight
  5. Post - Alles neu macht der Mai boerse.ard.de, 6. März 2008.
  6. Frank Appel wird neuer Post-Chef Spiegel Online, 18. Februar 2008
  7. Neuer Finanzvorstand bei der Deutschen Post World Net dpwn.de, 14. September 2007
  8. Vergütung des Vorstands für das Geschäftsjahr 2006 dpwn.de
  9. Hans-Gerd Öfinger im LabourNet Germany
  10. Große Anfrage im Bundestag
  11. How the Deutsche Post (the German Postal Service) is serving the U.S. Army in Iraq Spiegel Online, 30. Juni 2003.
  12. Blauer Brief aus Brüssel an die Bundesregierung faz.net, 19. März 2008.

Weblinks

Commons
 Commons: Deutsche Post – Bilder, Videos und Audiodateien

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