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Commentariolus, lat. kleiner Kommentar, bezeichnet eine Zusammenfassung der Überlegungen von Nicolaus Copernicus, den er unter einigen Bekannten verbreitet hat, einige Jahrzehnte bevor er 1543 mit seinem Hauptwerk De revolutionibus sein heliozentrisches Weltbild in ausgearbeiteter Form drucken ließ.
Die Entstehungszeit ist unklar[1], hauptsächlich der Zeitraum 1502 bis 1515 kommt in Frage, man nimmt das Jahr 1509[2] herum an, als er am Bischofssitz in Heilsberg im Ermland tätig war, aber danach nach Frauenburg ging.
Copernicus beschrieb darin auf sechs Doppelseiten die Grundzüge seines Weltbildes, der Theorie von der Sonne als Mittelpunkt der Planetenkreise und der durch die Drehung der Erde scheinbaren Bewegung der Fixsterne. Sein (mathematisches) Planetenmodell entspricht dem geozentrischen Modell des syrischen Astronomen Ibn al-Shatir (1304-1375). Kenntnisse darüber könnte er von den Almanachen auf die Jahre 1510 und 1512 von Johannes Engel erlangt haben. Auch kündigte er in dieser Schrift eine ausführlichere mathematische Ausarbeitung seiner Theorien an.
Den Commentariolus machte Copernicus nur Vertrauten zugänglich, um, wie er später in der Vorrede an Papst Paul III. darlegte, dem Beispiele der Pythagoräer und einiger Anderen zu folgen und wegen der Verachtung, welche ich wegen der Neuheit und scheinbaren Widersinnigkeit meiner Meinung zu fürchten hatte.[3] Außerdem gab er an, über 27 Jahre gezögert zu haben.[4]
Trotzdem lernten und lehrten Kollegen auf Basis dieser Arbeit. Johann Albrecht Widmannstetter hielt 1533 eine Vortragsreihe in Rom. Papst Clemens VII. ließ sich persönlich unterrichten. In den 1530er Jahren wurde der nun über 60-Jährige von mehreren Seiten zur Publikation gedrängt, so auch 1536 von Nikolaus Kardinal Schönberg, der die Druckkosten übernehmen wollte.
Erst um 1540, ungefähr drei Jahrzehnte nach Verfassen des Commentariolus, entschloss er sich zur Veröffentlichtung seines Hauptwerkes. Es wurde 1540 vorab von Rheticus unter dem Titel Narratio Prima beschrieben, in Danzig veröffentlicht und fand positive Resonanz. Daraufhin wurden in Nürnberg De revolutionibus in Druck gegeben, Copernicus erhielt kurz vor seinem Tode eine Kopie.
Bis zum Jahr 1877 kannte man nur Hinweise, etwa eine Notiz von Tycho Brahe, aber kein erhaltenes Exemplar des Commentariolus, dann wurde von Maximilian Curtze eine unvollständige Abschrift[5] in der Hofbibliothek in Wien (MS. 10530) gefunden, mit dem Titel Nicolai Copernici de hypothesibus motuum coelestium a se constitutis commentariolus, der vermutlich bei der Abschrift des nicht signierten Werkes hinzugefügt wurde. Curtze publizierte 1878[6], daraufhin wurden innerhalb einiger Jahre vollständige Exemplare in Stockholm[7] und in Duncan Liddels (1561–1613) Nachlass in Aberdeen[8] aufgefunden.[9] [10] Es handelt sich dabei vermutlich um von Tycho Brahe angefertigte Kopien.[11]