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Buch Daniel

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Prophetenbücher
des Alten Testaments

„Große“

„Kleine“ (Zwölfprophetenbuch):

Namen nach dem ÖVBE.
Kursiviert: Katholischer Deuterokanon.

Das Buch Daniel erzählt die Geschichte des Propheten Daniel im Tanach, der hebräischen Bibel. Seit dem Mittelalter wird es in 12 bzw. 14 Kapitel unterteilt. Die Kapitel 7 bis 11 gehören zur apokalyptischen Literatur des Judentums. Sie enthalten u. a. umfangreiche Zahlenmystik, Symbolbilder und Metaphern, die auf die geglaubte Endzeit gerichtet sind und in der Offenbarung des Johannes aufgegriffen werden.

Deshalb wird das Buch oft für Endzeiterwartungen herangezogen. Es findet heute bei den Zeugen Jehovas, den Adventisten und den Brüdergemeinden stärkere Beachtung als bei den übrigen Kirchen.

Inhaltsverzeichnis

Umfang und Kanonisierung

Daniel wurde als letztes biblisches Buch in den Kanon des Tanach aufgenommen. Im katholischen und evangelischen Kanon des Alten Testaments steht es zwischen den Büchern der drei großen Schriftpropheten und den Zwölf kleinen Propheten. In den Ostkirchen steht es ganz am Ende, da dort die Großen Propheten nach den Kleinen Propheten stehen und Daniel zu den großen Propheten gezählt wird.

Der Umfang des Buches ist zwischen Juden und Christen wie auch unter den christlichen Konfessionen umstritten. Katholische und orthodoxe Christen folgen der Septuaginta und betrachten das Gebet des Asarja (Dan 3,24-50), den Lobgesang der drei jungen Männer im Feuerofen (Dan 3,51-90), die Rettung der Susanna (Dan 13, bei den Orthodoxen am Anfang des Buches vor Dan 1) und die Szenen vom Bel und dem Drachen (Dan 14) als Bestandteile des Buches, das sie insgesamt aber zu den deuterokanonischen Schriften zählen. Juden und Protestanten folgen der masoretischen Texttradition, die diese Texte nicht überliefert, und halten sie für apokryph.

Datierung

Der Prophet Daniel (Glasmalerei im Augsburger Dom, erste Hälfte des 12. Jahrhunderts)

Dan 1,7 datiert Daniels Erlebnisse und Visionen in die Zeit des israelitischen Exils in Babylon. Er sei zusammen mit Hananja, Mischaël und Asjra dorthin verschleppt worden und dann zum Minister unter den babylonischen Königen Nebukadnezar II. und Belsazar sowie Darius von Medien aufgestiegen. Er habe dort den Namen Beltschazar getragen.

In der historisch-kritischen Bibelforschung werden diese Angaben meist nicht als historisch, sondern als legendarisch beurteilt. Sie sollten Daniels später berichtete Visionen als vorausgegangene Prophezeiungen darstellen (vaticinia ex eventu). Im Buch beschriebene Details beziehen sich auf Vorgänge aus der Makkabäerzeit, als die Fremdherrschaft der Seleukiden das jüdische Volk bedrohte. Deshalb wird angenommen, dass das Buch in dieser Zeit entstand und bald nach den siegreichen ersten Aufständen gegen Antiochos IV. fertig gestellt und - eventuell mehrfach - überarbeitet wurde. Für diese Spätdatierung spricht auch, dass das Buch im Judentum lange umstritten blieb und nicht zu den „Propheten" (Neviim), sondern zu den späteren und theologisch weniger bedeutenden „Schriften" (Ketubim) gezählt wurde.

Andererseits fassten sowohl die Qumran-Gemeinde als auch das Urchristentum Daniel als echten exilischen Propheten auf. Für die Frühdatierung in die Zeit der Meder und Perser spricht, dass das Buch im Vergleich mit Keilschriftfunden aus Babylon ein recht genaues Detailwissen von babylonischen Bräuchen zeigt:

Aufbau

Das Buch Daniel besteht aus zwei sehr verschiedenen Hauptteilen, die inhaltlich nur durch den Namen des Propheten Daniel verbunden sind:

Hinzu kommen in der Septuaginta weitere, nur auf Griechisch überlieferte Teile (siehe Apokryphen), welche nicht von allen Christen als Teil der Bibel anerkannt werden:

Dan 1-6

Die Geschichten des ersten Teils stellen das Thema „Bewahrung des Glaubens an JHWH unter Lebensgefahr in der Fremde" in verschiedenen Konflikten dar, in die Daniel und seine drei Freunde Schadrach, Meschach und Abed-Nego am Königshof Babylons geraten.

Der Feuerofen (Wandgemälde von Franz Joseph Hermann, 1771)

Dan 5

  1. im Königreich = Nabonid (der König)
  2. im Königreich = Belsazar (sein Sohn)
  3. im Königreich = der Schriftdeuter (Daniel)

Die geheimnisvolle Schrift

Daniel konnte die Schrift - oder besser Zahlen und Münzangaben deuten:

Die hebräische Schrift, wie auch die arabische, bestand ursprünglich nur aus Konsonantenzeichen, sie enthielt keine Zeichen für Vokale. Demnach: mn tkl prs

Im Gesamten soll gezeigt werden, wie Daniel aus Gewichts- und Münzangaben wortspielartig im mehrdeutigen Sinn die geheimnisvolle Schrift in verständnisvolle Worte zu kleiden weiß. So lautet der Text:

Gott hat die Tage und die Zeit deines Königreichs gezählt und festgestellt, dass die voraus bestimmte Zahl voll erreicht und damit zu Ende gekommen ist. Du wurdest gewogen und für zu leicht gezählt. Dein Königreich wird dir weggerissen und den Persern gegeben.

Zum Schluss wird Daniel die versprochene Belohnung ausgehändigt. Aber in der kommenden Nacht wurde Belsazar getötet.

Historischer Bezug

Der Abstammungshinweis Belšazar, Sohn des Nebukadnezar, nimmt Bezug auf den Großvater; der leibliche Vater Belšazars war Nabu-na'id.

Das Wortspiel mene mene tekel u-pharsin ist höchstwahrscheinlich ein Rebus und stellt eine Ableitung der akkadischen Worte manû šiqlu parsu dar, die als Bezeichnungen im Zusammenhang von Gewichtseinheiten benutzt wurden. Vor diesem Hintergrund ist klar, warum niemand von den Anwesenden den Sinn dieser Worte erklären konnte, obwohl die Begriffe zur Umgangssprache gehörten. Der Redaktor des Daniel-Buches macht hieraus ein Wortspiel in aramäischer Sprache, dessen wörtliche Übersetzung heute wie damals unklar bleibt.

Letztmalig wird Belšazar als Stellvertreter im 13. Regierungsjahr des Nabu-na'id genannt, den er seit dem 4. Regierungsjahr vertrat. Ein direkter Hinweis auf die Königswürde Belšazars existiert außerhalb des Buches Daniels nicht - es existiert jedoch ein Beleg, dass auf ihn, als Sohn des Königs, Eide geschworen wurden.

Die Aussage, dass mit dem Tod Belšazars das babylonische Reich beendet war, ist historisch um den Hinweis zu ergänzen, dass nach der Rückkehr des Babylonierkönigs aus Tayma im 14. Regierungsjahr der Name Belšazars in den Dokumenten nicht mehr erwähnt wird. In den Nabonaid-Chroniken ist ein vorzeitiger Tod seines Sohnes nicht vermerkt. In diesem Zusammenhang ist es bedeutsam, dass den Nachkommen des Babylonierkönigs kein nachfolgendes Königtum geweissagt wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein historischer Bezug besteht und Belšazar tatsächlich von der Marduk-Priesterschaft umgebracht wurde.

Daniel in der Löwengrube

Daniel in der Löwengrube (Gemälde von Briton Rivière, 1890)
Daniel mit Löwen, Detail aus der Portalanlage von St.Trophime in Arles

„Er ist der lebendige Gott, der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich und seine Herrschaft hat kein Ende.“

Dan 7-12

  1. Die Griechen siegen über die Meder und Perser (8:20), vier griechische Kleinreiche entstehen
  2. Derjenige, der das tägliche Opfer im Tempel verhindert, der wird ohne Zutun von Menschenhand zerschmettert (8,25)
  3. Gewalt sei unnötig zur Befreiung des Tempels (womit das Buch Daniel möglicherweise eine Antwort gibt auf die im damaligen Judentum unter Antiochus IV. viel diskutierte Frage, wie der Tempel befreit wird)
  1. 7,10 "es werden Bücher aufgeschlagen"
  2. 10,21 "ich will dir mitteilen, was im Buch der Wahrheit aufgezeichnet ist"
  3. 12,1 "jeder, der im Buch verzeichnet ist"
  4. 12,4 "versiegele das Buch bis zur Zeit des Endes"

Dan 3b und 13-14

  1. Asarjas Gebet hört sich etwa so an: „Alle deine Strafen sind richtig, alle deine Urteile sind wahr. Wir vertrauen dir ganz und gar.“
  2. Obwohl der Ofen so stark angeheizt wurde, dass herausschlagende Flammen die umstehenden töten konnten, blieben Asarja und seine Gefährten im Feuer unversehrt. Ein Engel des Herrn trieb die Flammern heraus.
  3. Die Geretteten beteten daraufhin Gott zuliebe einen umfangreichen Lobpreis, in dem sie u.a. forderten, dass alle Naturerscheinungen Gott preisen sollen, außerdem alle Tiere, Menschen, Seelen und Geister.
  1. Zwei alte Richter sehen im Hause Jojakims seine schöne Frau Susanna
  2. Diese beiden Richter lauern Susanna beim Bade auf und erpressen sie zum Beischlaf mit der Drohung, sie würden sie ansonsten des Ehebruchs mit einem jungen Mann beschuldigen
  3. Susanna weigert sich und schreit. Die beiden Richter schreien ebenfalls und stellen Susanna wie zuvor angedroht unter Falschanklage. Die Richter behaupten, sie hätten Susanna beim Ehebruch ertappt. Die beiden Richter verurteilen Susanna zum Tode.
  4. Daniel rettet Susanna, indem er mit Hilfe eines Kreuzverhörs beweist, dass die beiden Alten lügen.
  1. Daniel weigert sich, bei König Cyrus dem Bel-Kult zu huldigen und eine angeblich Essen verzehrende Bel-Statue aus Bronze anzubeten. Durch eine List (mit gestreuter Asche) kommt Daniel den Machenschaften der Bel-Priester und ihrer Geheimtür auf die Schliche und überzeugt König Cyrus, dass Baal kein lebendiger Gott ist.
  2. Danach zerstört Daniel einen Bel-Drachen mit Kuchen aus Pech und Haaren, was die betroffenen Belpriester des Drachens das Leben kostet. Daraufhin empören sich die Babylonier und behaupten, dass König Cyros Jude geworden sei. Notgedrungen, um sein Reich zu retten, wirft der König Daniel in eine Löwengrube mit sieben Löwen. Die Löwen weigern sich, Daniel zu fressen, jedoch droht Daniel während der Frist von sieben Tagen zu verhungern. Daraufhin kommt der Prophet Habakuk mit Hilfe eines Geistes zur Löwengrube und gibt Daniel Essen. Am Ende der sieben Tage sieht der König, dass Daniel noch lebt, bekennt, dass es außer Daniels Gott keine anderen Gott gibt und lässt die Belpriester in die Löwengrube werfen, wo sie von den Löwen mit Behagen verspeist werden.

Auslegungen

Dan 2

Dan 7-8

Daniel in der Löwengrube

Interessant ist vor allem Daniels Vision der vier Weltreiche - symbolisiert durch vier wilde Tiere, welche aus dem Meer aufsteigen. Die Löwin für das Reich Babylons, der Bär für das Reich der Meder und Perser, der Leopard für das Griechenreich Alexander des Großen und schließlich ein gehörntes Tier, welches für das Römerreich steht. (So die klassische Interpretation bei Juden wie bei Christen; dagegen historisch-kritisch: Babylonier, Meder, Perser, Griechen). Eine alternative Auslegung, die in der Tat die älteste Interpretation zu sein scheint, stellt das erste Reich mit Neobabylonien gleich, identifiziert die zweite und dritte Mächte mit Medopersien und dem griechischen Reiche Alexanders. Mit dem vierten Untier wären dann die Diadochenreiche Ägypten und Syrien gemeint. Diese Interpretation ist von einer Reihe von Exegeten vertreten worden: u.a. van der Burg, Chase, Grotius, Lagrange, Lattey, Stuart, Zöckler.

Eine Fußnote der Geschichte: Der Historiker Josephus erzählt, dass Alexander der Große bei seinem Einzug in Jerusalem von den Älteren Männern die Prophezeiung Daniels über den Ziegenbock und den Widder gezeigt bekommen haben soll. Alexander interpretierte die Prophezeiung auf sich selbst. Er behandelte die Juden, die nachweislich mit den Persern befreundet waren, sehr freundlich. Man bedenke, dass er zu dieser Zeit auf einem Feldzug gegen Persien und seine Verbündeten war.

Stand- und Denkmale

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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