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Das Bruttoinlandsprodukt (Abkürzung: BIP) gibt den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen) an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen. Bei der Berechnung werden Güter, die nicht direkt weiterverwendet, sondern auf Lager gestellt werden, als Vorratsveränderung berücksichtigt.
Im Unterschied zum Bruttonationaleinkommen werden bei der Berechnung des BIP die Leistungen von In- und Ausländern erfasst (sogenanntes Inlandsprinzip). Werden vom BIP die Abschreibungen abgezogen, ergibt sich das Nettoinlandsprodukt.
Das BIP ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Die Veränderungsrate des realen BIP dient als Messgröße für das Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften. Das BIP gilt damit als die wichtigste Größe der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Das nominale BIP gibt die Summe der inländischen Wertschöpfung beziehungsweise der Wertschöpfung von Regionen in aktuellen Marktpreisen an. Dadurch ist das BIP abhängig von Veränderungen des Preisindex der betrachteten Volkswirtschaft. Das nominale BIP steigt bei Inflation und daraus folgenden steigenden Marktpreisen. Umgekehrt sinkt das nominale BIP bei Deflation und daraus folgenden sinkenden Marktpreisen. So führt eine Inflationsrate von zum Beispiel fünf Prozent bei gleich bleibender Warenproduktion zu einem nominalen BIP-Anstieg von ebenfalls fünf Prozent.
Um das BIP unabhängig von Veränderungen der Preise betrachten zu können, verwendet man das reale BIP (siehe Abbildungen 2, 3 und 7), in dem alle Güter und Dienstleistungen zu den Preisen eines Basisjahres bewertet werden (BIP zu konstanten Preisen). Neuerdings werden Kettenindizes verwendet.
Wenn man die Preissteigerung seit dem Basisjahr kennt, lässt sich das reale BIP mittels folgender Formel aus dem nominalen BIP errechnen:

Der BIP-Deflator ist der Quotient aus nominalem und realem BIP eines Jahres. Er wird als impliziter Preisindex des BIP bezeichnet.

Die Berechnung des BIP kann nach verschiedenen Verfahren erfolgen, je nachdem ob Entstehung, Verwendung oder Verteilung betrachtet werden. Für eine konkrete Volkswirtschaft ergeben sich im selben Zeitraum der Betrachtung identische Ergebnisse.
| + Produktionswert | 3.680,60 Mrd. € |
| − Vorleistungen | 1.824,40 Mrd. € |
| = Bruttowertschöpfung | 1.856,20 Mrd. € |
| + Gütersteuern abzüglich -subventionen | 206,30 Mrd. € |
| = Bruttoinlandsprodukt | 2.062,50 Mrd. € |
| + Bruttoinvestitionen | 449,18 Mrd. € |
| + Konsumausgaben | 1.214,16 Mrd. € |
| + Staatsausgaben | 391,91 Mrd. € |
| + Außenbeitrag | 7,25 Mrd. € |
| = Bruttoinlandsprodukt | 2.062,50 Mrd. € |
| + Arbeitnehmerentgelt | 1.100,06 Mrd. € |
| + Unternehmens-/Vermögenseinkommen | 424,37 Mrd. € |
| = Volkseinkommen | 1.524,43 Mrd. € |
| + Produktions- und Importabgaben abzüglich Subventionen | 210,25 Mrd. € |
| = Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen | 1.734,68 Mrd. € |
| + Abschreibungen | 308,48 Mrd. € |
| = Bruttonationaleinkommen zu Marktpreisen | 2.043,16 Mrd. € |
| − Saldo der Primäreinkommen aus der übrigen Welt | −19,34 Mrd. € |
| = Bruttoinlandsprodukt | 2.062,50 Mrd. € |
Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass in Deutschland keine eigenständige Berechnung des BIP über die Verteilungsseite vorgenommen wird, weil keine ausreichenden Angaben über die Unternehmensgewinne vorliegen.
Werden vom BIP die Abschreibungen abgezogen, ergibt sich das Nettoinlandsprodukt (siehe Abbildung 1).
| + Bruttoinlandsprodukt |
| − Abschreibung |
| = Nettoinlandsprodukt |
Die Methoden zur Erhebung der Daten und Berechnung des BIPs werden in unregelmäßigen Abständen revidiert. So werden seit der letzten Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vom 28. April 2005 beispielsweise die bis dahin nicht erfassten indirekten Entgelte der Banken aus dem Kredit- und Einlagengeschäft berücksichtigt. Um den historischen Vergleich zu gewährleisten, werden die Daten für die vergangenen Jahre entsprechend angepasst.
Berechnet wird das BIP in Deutschland vom Statistischen Bundesamt (StBA). Das StBA legt jedes Jahr zweimal Berechnungen für das jährliche BIP des Vorjahres vor, im Frühjahr (etwa März/April) und im Herbst (etwa August/September). Zum Herbst werden nicht nur die Zahlen für das Vorjahr, sondern auch die für die früheren Jahre einer Prüfung unterzogen und in der Regel etwas revidiert. Für den Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung im Januar liefert das StBA ebenfalls Zahlen im Januar für das gerade beendete Jahr, die dann natürlich noch teilweise auf Hinzuschätzungen beruhen. Ansonsten legt das StBA für die einzelnen Vierteljahre Zahlen zum BIP und seinen Aggregaten vor.
Das BIP pro Kopf wird wie folgt berechnet:

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 2004:[2]
| Staat | BIP pro Kopf |
|---|---|
| Welt | 6.411 US-Dollar |
| ökonomisch entwickelte Staaten | 33.052 US-Dollar |
| ökonomisch sich entwickelnde Staaten | 1.648 US-Dollar |
| Luxemburg | 69.423 US-Dollar (höchstes BIP pro Kopf) |
| Schweiz (3. Rang) | 49.367 US-Dollar |
| Vereinigte Staaten (6. Rang) | 39.650 US-Dollar |
| Japan (9. Rang) | 36.501 US-Dollar |
| Österreich (10. Rang) | 35.777 US-Dollar |
| Deutschland (16. Rang) | 32.708 US-Dollar |
| Simbabwe | 55 US-Dollar (niedrigstes BIP pro Kopf) |
Weltweit lagen im Jahr 2004 15 der 20 Staaten mit dem weltweit niedrigsten BIP pro Kopf in Afrika. Afrika ist auch der Kontinent mit dem niedrigsten BIP pro Kopf.
Bruttoinlandsprodukt 2004:[3]
| Region | BIP |
|---|---|
| Nordamerika | 12.705 Mrd. US-Dollar |
| Mittelamerika und Karibik | 952 Mrd. US-Dollar |
| Südamerika | 1.176 Mrd. US-Dollar |
| Europa | 13.393 Mrd. US-Dollar |
| Naher Osten | 1.132 Mrd. US-Dollar |
| Afrika | 793 Mrd. US-Dollar |
| Süd-Osteuropa und GUS | 935 Mrd. US-Dollar |
| Asien | 9.128 Mrd. US-Dollar |
| Ozeanien | 746 Mrd. US-Dollar |
Das BIP weltweit lag im Jahr 2004 bei 40.960 Mrd. US-Dollar. Die Industriestaaten haben davon einen Anteil von 77 Prozent, das sind 31.618 Mrd. US-Dollar. 8.408 Mrd. US-Dollar, was etwa 20,5 Prozent entspricht, fallen auf die Entwicklungsländer. Zwei Prozent entfallen auf Süd-Osteuropa und die GUS.
Die Staaten mit den höchsten BIP – Vereinigte Staaten, Japan, Deutschland, Großbritannien und Frankreich – haben allein einen Anteil vom Welt-BIP von 56,8 Prozent. Dies entspricht 23,3 Billionen US-Dollar. Allein die Staaten in den „Top Ten“ der höchsten BIP haben einen Anteil von 71,5 Prozent des Welt-BIP (29,3 Billionen US-Dollar).
Während im Jahr 2004 auf Europa beziehungsweise die Vereinigten Staaten und Kanada 32,7 beziehungsweise 31 Prozent des Welt-BIP entfielen, hatte ganz Afrika mit 793 Mrd. US-Dollar lediglich einen Anteil von 1,9 Prozent am Welt-BIP. Ebenfalls gering sind die Anteile Südamerika beziehungsweise Mittelamerika und der Karibik mit 2,9 beziehungsweise 2,3 Prozent. Innerhalb Asiens fielen mit 13,1 Prozent des Welt-BIP auf Japan und Südkorea, wobei 9,2 Prozent auf die anderen Staaten Asiens fielen. In den anderen Staaten Asiens, deren Anteil an der Weltbevölkerung im Jahr 2004 bei über 52 Prozent lag, lebten allerdings neunzehnmal so viele Menschen wie in Japan und Südkorea.
Das Wirtschaftswachstum, gemessen als Veränderungsrate des Bruttoinlandsproduktes, wird gemeinhin von der Politik als Erfolgskriterium benutzt.[4] Alle Sozialproduktvergleiche sind aber letzten Endes nichts anderes als Vergleiche zweier unter Befolgung bestimmter Regeln in Geld veranschlagter Güterkombinationen, also zweier Geldsummen, durch die man vielleicht manchen Aufschluss erhalten kann, wenn man ihre Berechnungsmethode kennt, niemals aber Einblick in "Nutzen" oder "Befriedigung".[5] Das BIP allein und für sich erlaubt streng genommen keine Aussagen zu machen bezüglich Wohlstand, Lebensqualität oder Gerechtigkeit für und zwischen den Menschen einer Volkswirtschaft.
Auch der langfristige Zustand der sozialstaatlichen Sicherungssysteme (Gesetzliche Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung) und weitere Faktoren wie z. B. sozialer Frieden, Luftqualität, Erholungsgebiete und der Zustand der natürlichen Ressourcen werden vom BIP nicht erfasst. [6][7] Daher können alternativ oder zusätzlich zur Einbeziehung dieser Ziele in der Wirtschaftspolitik folgende volkswirtschaftliche Indizes verwendet werden:
Die Umrechnung nationaler BIPs auf Grundlage nominaler Wechselkurse ist bei manchen Fragestellungen irreführend. Ein anderes Maß stellt der Kaufkraftparitäten-Kurs (Purchasing Power Parity, PPP) dar. Der Big-Mac-Index ist ein Wechselkurs, zu dem ein Big Mac in allen Ländern dasselbe kostet wie in den Vereinigten Staaten. Dieses Maß eignet sich besser als Vergleich, da Big Macs nicht international gehandelt werden. Preise für Big Macs enthalten Informationen über Preise für nicht handelbare Güter. Die durchschnittlichen Preise in armen Ländern (für nicht-handelbare Güter) sind typischerweise niedriger als Preise in entwickelten Volkswirtschaften. Ein offizieller Wechselkurs basiert vorwiegend auf Preisen handelbarer Güter und überschätzt damit das Preisniveau in armen Ländern.[8]
Die Aussagekraft des BIPs bezüglich der Wirtschaftsleistung der Menschen in einer Volkswirtschaft ist ungenau, da folgende Faktoren nicht oder nur näherungsweise mitberechnet werden:
Es ist zusammenfassend zu sagen, dass das BIP nur die Produktionsleistung, nicht den Wohlstand einer Volkswirtschaft widerspiegelt. Auch ein Länder- und Zeitvergleich ist aufgrund dessen nur bedingt möglich.
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