La Brabançonne (französisch) bzw. De Brabançonne (niederländisch), zu deutsch „Das Lied von Brabant“, ist der Name der Nationalhymne Belgiens. Faktisch gilt sie seit der Unabhängigkeit des Landes als Nationalhymne; offiziell dazu erklärt worden ist sie jedoch bis heute nicht.
1930, zum 100-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit, wurde der Brabançonne auf der Place Surlet de Chokier (Surlet de Chokierplein) in Brüssel ein Denkmal errichtet, in dem die Anfangszeilen des Liedes auf Französisch und Niederländisch eingraviert sind.
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Die Brabançonne entstand auf dem Höhepunkt der belgischen Revolution. Eine Aufführung der Oper Die Stumme von Portici von Auber im Brüsseler Théâtre de la Monnaie stachelte das Publikum derart auf, dass im ganzen Land Unruhen ausbrachen, in denen sich der Unmut über die nordniederländische Vormacht im Königreich entlud. In dieser Situation verfasste der französische Dichter Jenneval den Text, zu dem François Van Campenhout kurz darauf die Melodie komponierte. Die vermutliche Erstausgabe trägt den Titel « La Brabançonne, chantée au grand théâtre, parole de Jenneval, musique de F. Campenhaut [sic!], dédiée aux défenseurs de Bruxelles, chez Mme Nolot, Montagne de la cour Bruxelles. Lithographie de J. B. Madou ».
Der französische Originaltext wurde mehrfach überarbeitet. Heute ist ein Teil der Fassung von Charles Rogier noch gültig, zu der später niederländische Übersetzungen angefertigt wurden. Eine deutsche Fassung – Deutsch ist eine der drei Amtssprachen Belgiens – gibt es, sie ist jedoch wenig verbreitet. Die Übersetzung stammt aus der Zwischenkriegszeit.
Der Autor des ursprünglichen Hymnentextes ist Jenneval. In den Revolutionswirren dichtete er in zwei Tagen vier Strophen, in denen er den Forderungen der zum König gereisten belgischen Gesandtschaft Nachdruck verlieh:
Am 7. September 1830 wurde diese erste Version der Brabançonne im Courrier des Pays-Bas abgedruckt, was vom Norden als weitere Provokation empfunden wurde und mit dazu beitrug, dass sich die Lage zuspitzte.
Als am 23. September die Truppen Wilhelms I. von allen Seiten auf Brüssel zumarschierten, schrieb Jenneval, empört über diese Aggression, die sogenannte Nouvelle Brabançonne, in der er nun einen sehr viel schärferen Ton gegen die Orangisten anschlug:
Bis 1860 blieb diese scharf antiholländische Fassung Jennevals bestehen. Als sich die nationalistischen Wogen etwas glätteten, wurden aber Rufe nach einer gemäßigteren Haltung den Holländern gegenüber laut, der eine gehässige Nationalhymne nicht im Weg stehen sollte. Schon 1852 unternahm Louis Hymans einen Versuch in dieser Richtung (« Ne crions plus mort aux Bataves ! Les peuples libres sont amis ! »), und auch andere Autoren versuchten sich an einem neuen Text. Keiner von ihnen hatte aber den politischen Einfluss von Charles Rogier, der einer der führenden Köpfe der Revolution und erster Premierminister Belgiens war. Mit einer Kommission aus Dichtern arbeitete er 1860 eine Neufassung aus, die nicht nur völlig von ihren Spitzen gegen die Niederlande bereinigt war, sondern auch als ein Signal der Versöhnung mit dem Norden verstanden werden sollte.
Relativ zeitnah zum Original geschrieben (und dazu noch von einem „Waffenbruder“ Jennevals), kann der neue Text zwar eine gewisse Authentizität für sich in Anspruch nehmen, literarisch gesehen aber ist die neue Version kein großer Wurf. So beginnt die erste Strophe des neuen Textes mit einem schiefen Bild: „Nach Jahrhunderten der Sklaverei / Entstieg der Belgier dem Grab …“ (wer erst Jahrhunderte der Sklaverei überlebt hat, kommt auch nicht ins Grab; wer dem Grab entsteigen kann, kann kein Sklave geworden sein), und später: „Und deine Hand … prägte in dein altes Banner …“ (Stoff kann man nicht "prägen").
Zu der bescheidenen literarischen Qualität kommt die Tatsache, dass den Silben der neuen Hymnenworte nicht je eine, sondern teilweise mehrere Noten zugeordnet sind, was das Lied für Massen nur schwer singbar macht. Jules Geruzet rechtfertigt in einer Ausgabe der Brabançonne die Unzulänglichkeiten der Nationalhymne folgendermaßen:
Trotzdem wurden immer wieder Stimmen laut, der Text sei unbedingt zu ändern. Obwohl aber seit Rogier mehrere – mindestens fünf – Komitees eingesetzt wurden, um eine Novelle der Hymne auszuarbeiten, gibt es bis heute keine offizielle Fassung. Die einzige, jedoch nicht bindende Richtlinie hierzu stellt ein Runderlass des Ministers des Innern vom 8. August 1921 dar, in dem der Minister empfiehlt, alleine die vierte Strophe der Rogier-Fassung (« O Belgique, ô mère chérie … ») als offiziell zu betrachten. Eine 1951 eingesetzte Kommission bekräftigte diese Empfehlung im Jahre 1959.
Erste niederländische Fassungen entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Eine davon („O Vaderland, o edel land der Belgen …“), könnte von Servaes van Eesbeeck oder Emile Regulus stammen. Als Autor einer weiteren, einigermaßen bekannten Strophe („Juicht, Belgen, juicht“) von 1918 ist Victor Ceulemans (1887–1969) verbürgt. 1922 schrieb die Vlaamse Akademie einen Wettbewerb für eine niederländische Fassung der Hymne aus, wobei alle 161 eingegangenen Vorschläge abgelehnt wurden. Wahrscheinlich war es dann aber Leo Goemans (1869–1955), der 1933 eine recht getreue Übersetzung des Französischen anfertigte („O dierbaar Belgie …“), die heute faktisch offiziell ist, wie ein Runderlass des Ministers für Bildung von 1938 bestätigt. Da die Silben-Noten-Verteilung dieser Version sehr viel plausibler ist als die der französischen Fassung, hat sie sich im flämischen Bevölkerungsteil Belgiens mittlerweile weitgehende Akzeptanz erworben.
Es gibt auch einen inoffiziellen Text auf Wallonisch, geschrieben von Johan Viroux 1996.
Jenneval legte seine erste Fassung dem Musikverleger Jean-Joseph Jorez vor, der vorschlug, den Text auf das damals bekannte Lied Les lanciers polonais von Eugène de Pradel zu singen und sie in La Brabançonne umzutaufen, da es eine Bruxelloise, wie Jenneval sein Gedicht ursprünglich genannt hatte, bereits gab. Schon am 12. September sang diese Version der Tenor Jean-François Lafeuillade während der Pause einer Vorstellung im Théâtre de la Monnaie. Die Brabançonne traf genau den Nerv des Publikums, das sie von da an jeden Abend verlangte.
Die zweite, heute gültige Musikfassung sang am 28. September ihr Komponist, der Tenor François van Campenhout, zum ersten Mal im L’aigle d’or, dem Gasthof des Wirts Cantoni in der Rue de la fourche (Greepstraat). Zwischen Oktober und Dezember 1830 erschien sie gedruckt mit Gitarrenbegleitung und einem Nachspiel, das die Marseillaise zitiert. Dass sie lediglich eine Bearbeitung der Lanciers polonais sein soll, ist nicht belegt.
1864 komponierte der berühmte Geigenvirtuose Henri Vieuxtemps das Werk Ouverture et hymne national belge avec chœur, mit dem er eine Alternative zur Brabançonne zu schaffen suchte. Der König Leopold I. gewidmeten Komposition war jedoch nur ein vorübergehender Erfolg beschieden; heute ist sie fast vergessen. Zur 50. Jahresfeier der Unabhängigkeit im Jahre 1880 schlug auch der Versuch eines anderen Komponisten fehl, die Nationalhymne entbehrlich erscheinen zu lassen.
Dem Komponisten Campenhout wurde von vielen Plagiat vorgeworfen. Die Vorbilder, von denen er abgekupfert haben soll, reichen von Boïeldieus Weißer Dame, Méhuls Joseph, einem Marsch aus Rossinis Tancredi und Aubers Stummer von Portici, bis zum Lied En partant pour la Syrie und der Marseillaise. Die Vorwürfe ließen sich aber nicht erhärten. Dass sich in der Hymne Anklänge an andere Werke finden, überrascht nicht weiter, wenn man bedenkt, dass der Komponist als Operntenor von einem großen Repertoire beeinflusst war. Sein sängerisches Können ist eventuell auch der Grund dafür, dass die komplizierte Silben-Noten-Verteilung und die nicht wenigen Verzierungen im Original-Notentext keine geringen Ansprüche an Interpreten stellen und damit für den Massengesang nicht geeignet sind.
Deutsche Übersetzung
Deutsche Übersetzung
Die offizielle Textfassung der belgischen Nationalhymne in der Nationalsprache Deutsch:
Die beiden großen Regionen Belgiens, Flandern und Wallonien, haben eigene Lieder, die bei offiziellen Veranstaltungen den Zweck einer Nationalhymne erfüllen.
Veröffentlichungen, in denen die Nationalhymne mit Text und Melodie erscheint:
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"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."