Netencyclo, The wikipedia mirror - Enzyklopädie : Biblische Exegese

- Biblische Exegese -

Biblische Exegese :

femme russe

Biblische Exegese

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Biblische Exegese, die Auslegung der Bibel als Heilige Schrift in der christlichen Theologie, klärt die Bedeutung eines biblischen Texts. Die biblische Exegese hat in ihrer reflektierten, wissenschaftlichen Form wechselseitig die Bemühungen von Philologie, Rechtswissenschaft und einer sich entwickelnden Literaturwissenschaft unterstützt und verwertet. Insofern ist sie am Entstehen einer allgemeinen methodischen Exegese beteiligt gewesen.

Schon innerhalb der ersten Generationen des Christentums finden sich Beispiele dafür, dass neutestamentliche Texte nicht klar zu verstehen waren. So bescheinigt der 2. Petrusbrief den Briefen des Paulus und anderen Schriften, dass in ihnen „einige Dinge schwer zu verstehen sind“ (2. Petr 3,16).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Hermeneutik und Exegese

Oft wird die biblische Exegese mit der Biblischer Hermeneutik verwechselt oder gleichgesetzt, aber die beiden sind nicht identisch. Exegese ist die praktische Auslegung eines biblischen Textes, Hermeneutik klärt die Ziele und Beweggründe für diese Auslegung.

[Bearbeiten] Stationen in der Geschichte der Biblischen Exegese

[Bearbeiten] Jüdische Exegese

Ein frühes Zeugnis biblischer Exegese ist schon der jüdische Talmud. Die Auslegung geschieht hier unter der Annahme, dass alle sprachlichen Einzelheiten und bisweilen auch die Schreibung der Wörter des Alten Testaments von Gott direkt veranlasst worden seien und Botschaften von Gott enthielten, die jeden Bereich des täglichen Lebens regeln. Das Alte Testament sei also direktes Wort Gottes. Bedeutend in der Formulierung der jüdischen Auslegungsmethodik sind die sieben Auslegungsregeln des Rabbi Hillel, von denen einige auch in den Predigten Jesu verwendet wurden, und später die 13 Auslegungsregeln des Rabbi Jischmael.

[Bearbeiten] Christliche Exegese

Entsprechend der klassischen philologischen Schule in Alexandria stellte Origenes (ca. 185 - 254) für die Bibel die Theorie vom „mehrfachen Schriftsinn“ auf. Demzufolge reichte nicht die rein literarisch-philologische Analyse des Textes. Dem einfachen Gläubigen genügte dieser geschichtliche Sinn, jedoch sollte die Exegese für Geübtere auch den seelischen Sinn erheben und für Vollkommene der geistig-geistliche Sinn festgestellt werden.

Dieser Dreischritt somatische - psychische - pneumatische Exegese wurde dann durch Johannes Cassianus im 5. Jahrhundert zur Theorie vom vierfachen Schriftsinn ausgebaut, die für das gesamte Mittelalter prägend war. Ähnlich wie in der jüdischen Tradition der Bibelauslegung (siehe PaRDeS) tritt zur historisch-literalen Exegese nun ein Dreischritt, der sich am Schema Glaube-Liebe-Hoffnung orientiert.

Damit stand die Frage einer mehrdeutigen Schrift im Raum. Da aber nach eindeutigen Auslegungen gefragt wurde, setzten hier Reformbemühungen ein.

Die Reformatoren lehnen im Einklang mit dem in der Renaissance neu entdeckten historischen Bewusstsein den vierfachen Schriftsinn ab. Sie wollen historisch (und auch theologisch) „zu den Quellen“ (ad fontes). Sie fragen allein nach dem Wort- oder Literalsinn (sola scriptura). Vielfach kam es im protestantischen Raum zur Vorstellung einer „Verbalinspiration“, d. h. die Bibel sei Wort für Wort vom Heiligen Geist inspiriert und somit im wortwörtlichen Sinne unfehlbar. Damit stellte sich dann aber die Frage, ob das ausreicht. Die reformatorische Hermeneutik beantwortete das mit der theologischen These vom „Wort Gottes“, das alleinige Autorität hat und für sich spricht. Damit spitzte sich die Frage nach dem Verstehen zu und die neuzeitliche Hermeneutik entwickelte sich - zunächst als typisch protestantische Ergänzung der Exegese.

Eine entsprechende Verdeutlichung der katholischen Position erfolgte auf dem Konzil von Trient (1545-1563), als die mehrdeutige Schrift unter die Autorität von kirchlichem Lehramt gestellt wurde: Ohne das (bischöfliche bzw. päpstliche) Lehramt bleibt die Bibel zweideutig. Durch die enge Anlehnung der Bibel an die kirchliche Tradition bildete sich zunächst explizit keine Hermeneutik heraus.

Die Exegese seit der Aufklärung reagierte insbesondere auf die altprotestantische (lutherische) Orthodoxie des 16. und 17. Jahrhunderts, die den Literalsinn mit „Gottes Wort“ gleichsetzte und somit den Bibeltext erneut mit einem bis ins Äußerste verfeinerten Regelwerk umgab. Die sich als wissenschaftlich verstehende Exegese der Aufklärung propagierte dagegen die Trennung von Literalsinn der Bibel und „Wort Gottes“ in der Bibel. Damit konnte der Bibeltext mit nun sich schnell entwickelnden philologischen und historischen Methoden untersucht werden, wogegen die Dogmatik (insbesondere die Schriftlehre) und die Biblische Hermeneutik sich um das Verstehen der analysierten Texte kümmern sollte.

Der konservative Protest gegen die Bibelauslegung der Aufklärung firmierte im 19. Jahrhundert unter dem Stichwort Repristinationstheologie: Es war der Versuch, den früheren, voraufklärerischen Umgang mit der Bibel wiederherzustellen. Die Repristinationstheologie konnte sich allerdings nicht durchsetzen.

Wenn auch eine absolut objektive Exegese nicht möglich ist, so sind doch ihre Ergebnisse heutzutage zwischen katholischen und evangelischen (und mit Einschränkung auch orthodoxen) Theologen im akademischen Bereich weithin ähnlich. Die Verwertung der Ergebnisse einer exegetischen Standardanalyse jedoch kann sehr unterschiedlich sein.

[Bearbeiten] Allgemeines zur biblischen Exegese

die Bibel Christians III. von Dänemark, Kopenhagen, 1550 - die erste dänische Übersetzung - in 3000-facher Auflage

In der heutigen Zeit gibt es verschiedene exegetische Methoden, die sich bezüglich ihrer Voraussetzungen und Methoden mehr oder weniger stark unterscheiden. Allen gemeinsam ist, dass sie sich bemühen, den ausgewählten Textabschnitt der Bibel (die „Perikope“) sachgemäß und fachgerecht auszulegen (Als „Schriftauslegung“ bezeichnet man umgangssprachlich ja die Interpretation eines Textes (einer Schrift): Im engeren Sinne ist damit die Auslegung einer Heiligen Schrift gemeint, so z. B. der Bibel (Biblische Exegese) oder des Koran). Einführend wird hier also zunächst versucht, das Vorgehen einer sachgerechten Schriftauslegung am Beispiel der Bibelauslegung (Exegese) für theologische Laien verständlich zu erklären und zu begründen:

Damit nicht jeder aus der Bibel die Ansichten heraushebt und für allein gültig erklärt, die ihm persönlich „in den Kram“ passen, sollten bei der Auslegung der Bibel („Exegese“) bestimmte Regeln beachtet werden, so z. B. dass Einzelverse nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen, dass die Aussageabsicht des Verfassers in seinem ursprünglichen historischen, sozialen und politischen Kontext erforscht werden muss usw. (Beispiel: Man kann nicht davon ausgehen, dass mit dem Verbot des Blutvergießens im AT gemeint sei, dass eine Bluttransfusion gegen ein göttliches Gebot verstoße).

Nach Auffassung vieler Christen – mit Ausnahme von Fundamentalisten – ist die Bibel weder ein in jedem einzelnen Buchstaben unfehlbares, wörtlich zu befolgendes Buch, noch ist sie eine belanglose Sammlung alter und somit überholter Märchen und Legenden. Viele biblische Erzählungen, seien sie auch noch so alt, enthalten - neben vielerlei Inhalten symbolischer Bedeutung - historisch zuverlässige Kerne, die später archäologisch belegt werden konnten. Auch enthalten sie Lebenserfahrungen und „-weisheiten“ vieler Generationen, Erfahrungen von Liebe und Leid, Tod und „Schicksal“, aus denen man lernen kann (und die man, ihrer Schmerzhaftigkeit wegen, nicht alle selbst machen muss), - Erfahrungen, die schließlich den Glauben an Gott bewirkt haben und aus diesem Glauben heraus auch gedeutet worden sind. Als Hilfsangebot zur Verarbeitung von Erfahrungen aller Art, als Deutungs- und/oder Sinnangebot an jeden einzelnen Menschen wird die Bibel auch heute noch von ihren Befürwortern für wichtig gehalten.

[Bearbeiten] Methoden der Exegese (I): Die historisch-kritische Methode

Die verbreitetste Methode der biblischen Exegese ist die „historisch-kritische Methode“. Sie hat zum Ziel, einen biblischen Text in seinem damaligen historischen Kontext auszulegen, wobei die Rekonstruktion der vermuteten Vorgeschichte des Textes eine besondere Rolle spielt. Die Vorgehensweise dieser Methode der Bibelauslegung wird unter „Historisch-kritische Methode“ ausführlich beschrieben. Dort finden sich auch Hinweise zur Geschichte und zur Kritik dieser Methodik.

[Bearbeiten] Methoden der Exegese (II): (Neuere) Varianten

Die einzelnen, je nach Standpunkt unterschiedlichen Exegese-Methoden sind hier nun im Folgenden kurz beschrieben, Näheres findet sich in den einzelnen Artikeln.

Während die klassische historisch-kritische Methode im 18.-20. Jahrhundert von deutschen evangelischen Theologen entwickelt wurde und hierzulande weiter eine besondere Stellung einnimmt, wurden die neueren Methoden nahezu alle aus dem englischen oder französischen Sprachraum übernommen (ausgenommen Rezeptionsästhetik und Tiefenpsychologie). Es ist also eine deutliche Verschiebung der exegetischen Fachdiskussion hin zur Internationalität zu beobachten. Zu den folgenden Exegeseformen gibt es in der Regel jeweils schon hunderte oder tausende Publikationen, die mit dieser Methode Bibelauslegung betreiben:

[Bearbeiten] Kontextuelle Exegese

Zur kontextuellen Exegese gehören verschiedene exegetische Modelle, die die Bibel und die religiöse Tradition jeweils für eine bestimmte – meist gesellschaftlich unterdrückte – Zielgruppe erschließen wollen. Es gibt kontextuelle Exegese u. a. für und von Frauen, Afroamerikaner und Homosexuelle. Begründet wird eine kontextuelle Exegese damit, dass eine kontextfreie Exegese ohnehin nicht möglich wäre. In jeder Exegese würden sich im Ergebnis die Machtverhältnisse der Gesellschaft widerspiegeln. Die kontextuelle Exegese will dieses Problem dadurch korrigieren, dass sie bewusst Partei für die Unterdrückten ergreift. Die kontextuelle Exegese fragt dabei nicht nur nach den gesellschaftlichen Machtverhältnissen der Gegenwart, sondern auch nach denen zur Zeit der Entstehung der Bibel und der Tradition.

Diejenigen, die von der bisherigen patriarchalischen Exegese unterdrückt worden sind (Frauen, Arme, Bewohner der nichtwestlichen Welt, Juden, Angehörige nichtmonotheistischer Religionen, Homosexuelle, theologische Laien, Kinder, die Schöpfung bzw. ökologische Bewegung), sollen nun auch zu Wort kommen können und ihre Sicht auf die Bibel und ihre Interpretation mitteilen. Dieses Anliegen wird mehr oder weniger kämpferisch formuliert, daher auch die alternative Bezeichnung „engagierte Exegesen“.

Siehe auch: The Context Group


Beispiele für kontextuelle Exegese:

Feministische Exegese

Gemeinsam ist den einzelnen Richtungen der feministischen Bibelauslegung das Interesse, die Rolle und das Leben von Frauen in der Bibel zu erforschen und stärker im allgemeinen Bewusstsein zu verankern. Zudem hinterfragt sie kritisch das Männer- und Frauenbild der Bibel, deren Texte wohl alle von Männern verfasst worden sind. Schließlich will sie biblische Inhalte für Frauen in der heutigen Zeit nachvollziehbar machen.

Bedeutende feministische Exegetinnen sind Carola Moosbach, Carter Heyward, Dorothee Sölle, Elisabeth Schüssler-Fiorenza, Helga Kohler-Spiegel, Luise Schottroff, Maria Jepsen, Marie-Theres Wacker, Irmtraud Fischer, Ruth Ahl, Ulrike Bail, Barbara Mörtl.

Siehe auch: Feministische Exegese, Feministische Theologie, Feminismus


Befreiungstheologische Exegese

Bedeutende befreiungstheologische Exegeten sind Alberto Libanio, Antônio Moser, Ernesto Cardenal, Dom Erwin Kräutler, Dorothee Sölle, Gustavo Gutiérrez, Dom Hélder Câmara, Horst Goldstein, Hugo Assmann, Ignácio Ellacuria, Johann Baptist Metz, Jon Sobrino, Leonardo Boff, Oscar Romero, Paulo Suess, Ronaldo Muñoz.

Siehe auch: Befreiungstheologie, Befreiungstheologische Exegese

Black Theology

In der vor allem in Südafrika und den Vereinigten Staaten entwickelten Black Theology wird Exegese aus dem Kontext der Lebenswirklichkeiten von Menschen mit schwarzer Hautfarbe betrieben. Der christliche Umgang mit Ausgegrenzten und Marginalisierten spielt eine wichtige Rolle, ebenso das Aufgreifen von Elementen afrikanischer Kultur und Religionen.[1]

[Bearbeiten] Literaturwissenschaftlich und linguistisch orientierte Methoden

Narrative Exegese

Die narrative Exegese entstammt dem französischen literaturwissenschaftlichen Strukturalismus. Wichtigster Vertreter der strukturalistischen Erzähltheorie ist hier Gerard Genette. Sie ist zum Teil schon in die neuesten Methodenlehren unter den Methodenschritt "Textanalyse" integriert. Allerdings passt die strukturalistische Texttheorie möglicherweise nicht wirklich zur historisch-kritischen Methode.

Siehe auch: narrative Exegese


Intertextuelle Exegese

Intertextuelle Bibelauslegung ist ein noch recht junges exegetisches Auslegungsparadigma (seit Ende der 1990er), hat aber in den letzten Jahren bereits außerordentlich viele Publikationen hervorgebracht. Die intertextuelle Exegese basiert auf der Theorie der Intertextualität, die der französische Poststrukturalismus um Julia Kristeva in den 1960er Jahren entwickelte (vgl. Postmoderne). Bei „Intertextualität“ geht es um die Transposition eines Zeichensystems in ein anderes. Intertextualität versucht zu beschreiben, was passiert, wenn man einen Text mit anderen Texten in Beziehung setzt. Texte bilden miteinander ein Universum, ein Netzwerk, ein Gewebe. Es geht also um Text-Text-Relationen, wobei im Poststrukturalismus mit „Text“ alles gemeint sein kann: die Gesellschaft, der literarische Kontext, der historische Kontext, der Autor, der Leser und dessen Vorverständnis, die Gesellschaft usw. Für die intertextuelle Exegese wurden besonders die Kriterien für intertextuelle Echos von Richard B. Hays (1989) zum Standardinstrument. Zur intertextuellen Exegese gehört auch die Spezialform der kanonisch-intertextuellen Exegese (Georg Steins, Thomas Hieke u.a.), die eine literaturwissenschaftlich reflektierte Transformation der alten kanonischen Exegese (Brevard S. Childs) darstellt.

Siehe auch: intertextuelle Exegese, kanonisch-intertextuelle Exegese, Intertextualität


Rhetorische Exegese

Siehe auch: Rhetorische Exegese, Rhetorik


Rezeptionsästhetische Exegese (engl. reader-response criticism)

Die Interpretation richtet sich bei der Rezeptionsästhetik nicht mehr auf den Sinn des Textes, sondern konzentriert sich auf die Interaktion von Text und Leser. Die Methode der rezeptionsästhetischen Exegese fragt dabei danach, welche Leserlenkung ein Text bietet (Wolfgang Iser, Hans Robert Jauß). Sie ist in der Bibelauslegung bereits ein Klassiker unter den neuen Methoden, auch in Deutschland sehr verbreitet.

Siehe auch: Rezeptionsästhetische Exegese, Rezeptionsästhetik


Wirkungsgeschichtliche Exegese

Die wirkungsgeschichtliche Exegese beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Bibeltext zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Medien (Malerei, Plastik, Architektur, Musik, Literatur, Predigten, wissenschaftliche Texte, Texte von Nichttheologen) interpretiert worden ist.

Siehe auch: Wirkungsgeschichtliche Exegese


Dekonstruktivistische Exegese

Eher im englischsprachigen Bereich vertreten, weniger in Deutschland. Die dekonstruktivistische Exegese ist eine ausgeprägte, häufig spielerisch erscheinende Form des Poststrukturalismus (vgl. intertextuelle Exegese). Nach Jacques Derrida ist „Sinn“ nur ein unendliches Spiel von Zeichen.

Siehe auch: Dekonstruktivistische Exegese, Dekonstruktivismus


Linguistische Exegese


Semiotische Exegese

Mit der semiotischen Exegese sind in Deutschland besonders die Namen Erhardt Güttgemanns und Stefan Alkier verbunden.

Siehe auch: Semiotische Exegese, Textsemiotik, Semiotik


Textpragmatische Exegese

Vertreter der (text)pragmatischen Exegese sind unter anderen Christof Hardmeier, Hubert Frankemölle.

Siehe auch: Textpragmatische Exegese, Textpragmatik, Pragmatik (Linguistik)

[Bearbeiten] Von anderen Sozialwissenschaften inspirierte Exegese

Kulturanthropologische Exegese

Die kulturanthropologische Exegese ist im angelsächsischen Sprachraum recht weit verbreitet (Bruce J. Malina) und wird in Deutschland von Wolfgang Stegemann und seinen Schülern vorangetrieben.

Siehe auch: Kulturanthropologische Exegese, Kulturanthropologie, Ethnologie


Sozialgeschichtliche Exegese


Psychologische Exegese


Tiefenpsychologische Exegese

In der Tiefenpsychologischen Exegese geht es vor allem darum, im Gegensatz zu den anderen Methoden, von einem völlig anderen Ansatz auszugehen. Der Ansatz dieser Methode ist der Traum sowie die Welt des kollektiven Unbewussten (Archetypes). Die Methode stützt sich vor allem auf die Tiefenpsychologie von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung. In der bekanntesten Arbeit über diese Methode, Tiefenpsychologie und Exegese, legt Eugen Drewermann detailliert dar, wie die Bibel gedeutet werden kann, und übt darin scharfe Kritik an der Historisch-Kritischen Methode. Drewermann geht davon aus, dass bei einer tiefenpsychologischen Auslegung eines archetypischen Textes grundsätzlich verschiedene Textarten vorhanden sein können, es sind dies: Mythos, Legende, Novelle, Erscheinungs- und Berufungsgeschichte, Prophetie sowie Apokalypse. Jede dieser Erzählformen projiziert ein bestimmter Teil des Unbewussten auf ein Bild.


Interaktionale Auslegung [Bibliodrama]

[Bearbeiten] Theologische Exegeseformen

Konfessionelle Exegese

Zur konfessionellen Exegese gehören z. B. katholische Exegese, lutherische Exegese, methodistische Exegese, baptistische Exegese oder pfingstkirchliche Exegese. Dies ist nicht im tatsächlichen Sinn gemeint, sondern als Programm: Die Verständnisvoraussetzungen, die ein Katholik, Lutheraner usw. hat, sollen in die Bibelinterpretation einfließen.


Grammatisch-historische Exegese

Die grammatisch-historische Exegese zielt darauf hin, den Text entsprechend der ursprünglichen Absicht des Autors zu verstehen, so weit dies möglich ist. Sie stützt sich dabei auf exakte Analyse von Grammatik und Wortbedeutung ebenso wie auf Elemente der historisch-kritischen Methode wie Formgeschichte, Redaktionsgeschichte, oder Midraschgeschichte.

Sie geht jedoch von grundsätzlich anderen Voraussetzungen aus als die Textgeschichte: die Bibel wird als Heilige Schrift gesehen, die von Gott inspiriert ist. Die als historisch berichteten Ereignisse werden im Wesentlichen als historische Ereignisse gesehen, auch Wunder werden nicht a priori ausgeschlossen.

Die grammatisch-historische Exegese wird von vielen evangelikalen Theologen angewandt.


Dogmatische Exegese

Die dogmatische Exegese versucht, aus den Schriften Grundparameter des Glaubens herauszuarbeiten, die für alle Menschen von Bedeutung sind, arbeitet also systematisch-philosophisch.

Die dogmatische Exegese spielt in der katholischen Kirche eine wesentliche Rolle.


Existenzialistische Exegese

Die existenzialistische Exegese gehört zu den sachorientierten Auslegungsarten: Hier wird versucht, menschliche Grundverfasstheiten aus den Texten zu schälen.

Siehe auch: Existentiale Interpretation


Fundamentalistische Exegese

Die fundamentalistische Exegese geht von der Verbalinspiration und Irrtumsfreiheit der Bibel aus. Sie versteht die Bibel (abgesehen von eindeutig poetischen Texten) als historische Berichte, welche genauso geschehen sind, wie sie in der Bibel stehen. Die fundamentalistische Exegese hat keinen Zweifel daran, dass die Wundergeschichten wirklich so geschehen sind, und sind der Meinung, dass man diese Texte nicht interpretieren muss.

Eisegese

Als Eisegese wird ein der Auslegung aus dem Text heraus gegenläufiges Verfahren bezeichnet, das darin besteht, eine vorher vorhandene oder vorgegebene Meinung anhand von z. B. biblischen Textstellen, die dabei dogmatisch verstanden werden, zu „beweisen“.

[Bearbeiten] Zum Methodenpluralismus

Angesichts der großen Vielfalt der Methoden, die seit den 1970er Jahren ihren Eingang in die Exegese gefunden haben, stellt sich die Frage, wie diese miteinander zusammenhängen. Bauen alle diese Methoden in irgendeiner Weise aufeinander auf? Sind sie von ihren Voraussetzungen her miteinander vereinbar? Sind alle Methoden der Bibelauslegung gleich sinnvoll und legitim? Bei jedem Text? Darf es auch eine spezifisch theologische Interpretation der Bibel geben? Diese Fragen tauchen seit einigen Jahren in der exegetischen Fachdiskussion zunehmend auf, sind jedoch noch nicht befriedigend beantwortet.

[Bearbeiten] Biblische Exegese im Kontext anderer Wissenschaften

Zur Stellung der Bibelwissenschaft innerhalb der theologischen Disziplinen siehe den Hauptartikel Theologie.

Die biblische Exegese war und ist bemüht, die Erkenntnisse und Methoden anderer textinterpretierender Wissenschaften aufzunehmen. Aufgrund des eng begrenzten Textkorpus (im Gegensatz zur Geschichts- oder Literaturwissenschaft), der hohen und zugleich umstrittenen Bedeutung der Bibel spielte die Entwicklung von genauen Methoden und einer reflektierten Hermeneutik natürlicherweise eine zentrale Rolle in der biblischen Exegese. Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sie auch noch wesentlichen Anteil am Entstehen einer allgemeinen Hermeneutik, als sich die historische Textinterpretation und juristische Textinterpretation abkoppelten. Heutzutage hat die biblische Exegese methodisch jedoch nur noch geringen Einfluss auf andere Wissenschaften, sie ist in hohem Maße rezipierend. Dafür ist sie seit einiger Zeit ein Schmelztiegel für sehr unterschiedliche Wissenschaften geworden, was auch neue methodische Erkenntnisse ermöglichen könnte.

[Bearbeiten] Grenzen der biblischen Exegese

Grundsätzlich kann keine Auslegungsmethode mit Sicherheit für die Richtigkeit ihrer Ergebnisse garantieren. Historische Fakten können mit keiner Methode bewiesen werden, sondern höchstens gut belegt und plausibel gemacht werden.

Die Euphorie, die sich sowohl in den evangelischen Kirchen wie auch in der katholischen Kirche angesichts des neu erworbenen historischen Instrumentariums gebildet hatte, ist somit gebrochen.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. als Standardwerk kann hier gelten: Felder, Cain Hope. The African Heritage Study Bible, Nashville, Tenn. The James C. Winston Publishing Company, 1993

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Geschichte der biblischen Exegese

Auf S. 76-221 gut lesbarer Überblick über die Geschichte der biblischen Exegese: Von der altkirchlichen Schriftauslegung über Reformationszeit, Aufklärung, 19., 20. Jh. bis hin zu Paul Ricoeur und Textlinguistik.
Bd. 1: Vom Alten Testament bis Origenes, 1990 ISBN 3-406-34663-4; Bd. 2: Von der Spätantike bis zum Ausgang des Mittelalters, 1994 ISBN 3-406-34986-2; Bd. 3: Renaissance, Reformation, Humanismus, 1997 ISBN 3-406-34987-0; Bd. 4: Von der Aufklärung bis zum 20. Jahrhundert, 2001 ISBN 3-406-34988-9.

[Bearbeiten] Wissenschaftliche Methodenlehren

Diese Methodenbücher beschreiben das Vorgehen bei der Bibelauslegung Schritt für Schritt.


Altes Testament


Neues Testament

[Bearbeiten] Zu neueren Methoden und Methodenpluralismus

Wink verwendete als erster die Formulierung vom "Bankrott der Bibelkritik", weil die historisch-kritische Methode nicht in der Lage sei, "die Schrift so zu interpretieren, daß die Vergangenheit lebendig wird" (S. 7).
Didaktisch orientiertes Arbeitsbuch; es werden neben der historisch-kritischen Methode auch existenziale, linguistische, tiefenpsychologische, feministische, lateinamerikanische, intertextuelle, wirkungsgeschichtliche, verfremdende, jüdische u.a. Auslegungsweisen eingeübt.
Sechs Autoren verschiedener theologischer Herkunft (historisch-kritisch, bibeltreu, evangelikal, feministisch, materialistisch, tiefenpsychologisch) beschreiben ihre grundlegenden Annahmen und Positionen und interpretieren den gleichen Bibeltext.
Die historisch-kritische Methode nur auf den ersten zwölf Seiten, in den anderen Aufsätzen: literaturwissenschaftliche, soziologische, poststrukturalistische, politische, feministische, linguistische, jüdische u.a. Auslegung.
Der Autor stellt die unterschiedlichen Lektüreweisen wie historisch-kritische Methode, sozialgeschichtliche Exegese, kanonische Schriftauslegung usw. nacheinander vor und benennt jeweils Vor- und Nachteile.
Es werden einige z.T. sehr ausgefallene Methoden präsentiert, z.B. die Perspektive eines Filmregisseurs.
Insgesamt 13 Methoden; neben Literarkritik und Redaktionskritik wird u.a. auch rhetorische, strukturalistische, erzähltheoretische, rezeptionsästhetische, poststrukturalistische, feministische und sozioökonomische Auslegung der Bibel vorgestellt.
Münsteraner Antrittsvorlesung; sie benennt drei neuralgische Punkte in den neuesten Methodendarstellungen: 1. Ziel und Zusammenhang des Auslegungsverfahrens wird nicht deutlich; 2. Verhältnis von Synchronie und Diachronie ist ungeklärt; 3. es wird nicht reflektiert, welche Rolle Autor und Adressatenschaft im Auslegungsverfahren spielen.
Wischmeyer versucht eine Synthese verschiedener Zugangsweisen, indem sie historisches, rezeptionsgeschichtliches, sachliches und textuelles Verstehen unterscheidet.

[Bearbeiten] Allgemeinverständliche Einführungen, Hilfen für das Bibellesen

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Recherche nach exegetischer Literatur

Anmerkung: Bei diesen Links handelt es sich um Datenbanken. Man kann hier ein Stichwort, z.B. "Johannesevangelium", eingeben und erhält die aktuelle Forschungsliteratur zum Thema. Die Bücher können dann in der örtlichen Unibibliothek eingesehen, über Subito ausgeliehen oder direkt bestellt werden. Es gibt bisher leider kaum bibelwissenschaftliche Online-Literatur (siehe aber unten WiBiLex und auf Engl. BSW und RBL; BiBIL (s.o.) indiziert seit 2006 auch online Literatur mit direktem Link zu den Dokumenten (z.B. Journal of Hebrew Scriptures)).


Portale


Abstracts und Rezensionen


Vereinigungen von BibelwissenschaftlerInnen


Wissenschaftliche Bibelprogramme


Artikel

Biblische Exegese - Artikel des Tages

Anna Akhmatova et Marina Tsvetaeva

Deux femmes russes poètes prises au coeur de la tourmente russe du début du siècle, deux femmes russes reclues dans leur oeuvre face à un monde hostile. Ces deux femmes russes sont le visage de la Russie ancienne et moderne.

Femme russe Biblische Exegese - In den Nachrichten

"Qu'une femme russe vaut bien plus, en somme que les hommes russes qui se battent, et que leur chagrin pour les hommes me fait aimer les femmes russes ici-bas."

© 2008 Netencyclo - Netencyclo Hauptseite - Datenschutz - Impressum - Program Policies
Netencyclo, the Wikipedia mirror : the biggest multilingual free-content encyclopedia on the Internet. Diese Artikel wurde zuletzt am 16. Mai 2007 um 23:12 Uhr geändert. Ihr Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. All Wikipedia content is licensed under the GNU Free Documentation License (see details). Content on this web site is provided for informational purposes only. We accept no responsibility for any loss, injury or inconvenience sustained by any person resulting from information published on this site. We encourage you to verify any critical information with the relevant authorities.