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Die biblische Exegese, die Auslegung der Bibel als Heilige Schrift in der christlichen Theologie, klärt die Bedeutung eines biblischen Texts. Die biblische Exegese hat in ihrer reflektierten, wissenschaftlichen Form wechselseitig die Bemühungen von Philologie, Rechtswissenschaft und einer sich entwickelnden Literaturwissenschaft unterstützt und verwertet. Insofern ist sie am Entstehen einer allgemeinen methodischen Exegese beteiligt gewesen.
Schon innerhalb der ersten Generationen des Christentums finden sich Beispiele dafür, dass neutestamentliche Texte nicht klar zu verstehen waren. So bescheinigt der 2. Petrusbrief den Briefen des Paulus und anderen Schriften, dass in ihnen „einige Dinge schwer zu verstehen sind“.[1]
Oft wird die biblische Exegese mit der Biblischen Hermeneutik verwechselt oder gleichgesetzt, aber die beiden sind nicht identisch. Exegese ist die praktische Auslegung eines biblischen Textes, Hermeneutik klärt die Ziele und Beweggründe für diese Auslegung.
Ein frühes Zeugnis biblischer Exegese ist schon der jüdische Talmud. Die Auslegung geschieht hier unter der Annahme, dass alle sprachlichen Einzelheiten und bisweilen auch die Schreibung der Wörter des Alten Testaments von Gott direkt veranlasst worden seien und Botschaften von Gott enthielten, die jeden Bereich des täglichen Lebens regeln. Das Alte Testament sei also direktes Wort Gottes. Bedeutend in der Formulierung der jüdischen Auslegungsmethodik sind die sieben Auslegungsregeln des Rabbi Hillel, von denen einige auch in den Predigten Jesu verwendet wurden, und später die 13 Auslegungsregeln des Rabbi Jischmael.
Entsprechend der klassischen philologischen Schule in Alexandria stellte Origenes (ca. 185 - 254) für die Bibel die Theorie vom „mehrfachen Schriftsinn“ auf. Demzufolge reichte nicht die rein literarisch-philologische Analyse des Textes. Dem einfachen Gläubigen genügte dieser geschichtliche Sinn, jedoch sollte die Exegese für Geübtere auch den seelischen Sinn erheben und für Vollkommene der geistig-geistliche Sinn festgestellt werden.
Dieser Dreischritt somatische - psychische - pneumatische Exegese wurde dann durch Johannes Cassianus im 5. Jahrhundert zur Theorie vom vierfachen Schriftsinn ausgebaut, die für das gesamte Mittelalter prägend war. Ähnlich wie in der jüdischen Tradition der Bibelauslegung (siehe PaRDeS) tritt zur historisch-literalen Exegese nun ein Dreischritt, der sich am Schema Glaube-Liebe-Hoffnung orientiert.
Damit stand die Frage einer mehrdeutigen Schrift im Raum. Da aber nach eindeutigen Auslegungen gefragt wurde, setzten hier Reformbemühungen ein.
Die Reformatoren lehnen im Einklang mit dem in der Renaissance neu entdeckten historischen Bewusstsein den vierfachen Schriftsinn ab. Sie wollen historisch (und auch theologisch) „zu den Quellen“ (ad fontes). Sie fragen allein nach dem Wort- oder Literalsinn (sola scriptura). Vielfach kam es im protestantischen Raum zur Vorstellung einer „Verbalinspiration“, d. h. die Bibel sei Wort für Wort vom Heiligen Geist inspiriert und somit im wortwörtlichen Sinne unfehlbar. Damit stellte sich dann aber die Frage, ob das ausreicht. Die reformatorische Hermeneutik beantwortete das mit der theologischen These vom „Wort Gottes“, das alleinige Autorität hat und für sich spricht. Damit spitzte sich die Frage nach dem Verstehen zu und die neuzeitliche Hermeneutik entwickelte sich - zunächst als typisch protestantische Ergänzung der Exegese.
Eine entsprechende Verdeutlichung der katholischen Position erfolgte auf dem Konzil von Trient (1545-1563), als die mehrdeutige Schrift unter die Autorität von kirchlichem Lehramt gestellt wurde: Ohne das (bischöfliche bzw. päpstliche) Lehramt bleibt die Bibel zweideutig. Durch die enge Anlehnung der Bibel an die kirchliche Tradition bildete sich zunächst explizit keine Hermeneutik heraus.
Die Exegese seit der Aufklärung reagierte insbesondere auf die altprotestantische (lutherische) Orthodoxie des 16. und 17. Jahrhunderts, die den Literalsinn mit „Gottes Wort“ gleichsetzte und somit den Bibeltext erneut mit einem bis ins Äußerste verfeinerten Regelwerk umgab. Die sich als wissenschaftlich verstehende Exegese der Aufklärung propagierte dagegen die Trennung von Literalsinn der Bibel und „Wort Gottes“ in der Bibel. Damit konnte der Bibeltext mit nun sich schnell entwickelnden philologischen und historischen Methoden untersucht werden, wogegen die Dogmatik (insbesondere die Schriftlehre) und die Biblische Hermeneutik sich um das Verstehen der analysierten Texte kümmern sollte.
Der konservative Protest gegen die Bibelauslegung der Aufklärung firmierte im 19. Jahrhundert unter dem Stichwort Repristinationstheologie: Es war der Versuch, den früheren, voraufklärerischen Umgang mit der Bibel wiederherzustellen. Die Repristinationstheologie konnte sich allerdings nicht durchsetzen.
Wenn auch eine absolut objektive Exegese nicht möglich ist, so sind doch ihre Ergebnisse heutzutage zwischen katholischen und evangelischen (und mit Einschränkung auch orthodoxen) Theologen im akademischen Bereich weithin ähnlich. Die Verwertung der Ergebnisse einer exegetischen Standardanalyse jedoch kann sehr unterschiedlich sein.
In der heutigen Zeit gibt es verschiedene exegetische Methoden, die sich bezüglich ihrer Voraussetzungen und Methoden mehr oder weniger stark unterscheiden. Allen gemeinsam ist, dass sie sich bemühen, den ausgewählten Textabschnitt der Bibel (die „Perikope“) sachgemäß und fachgerecht auszulegen (Als „Schriftauslegung“ bezeichnet man umgangssprachlich ja die Interpretation eines Textes (einer Schrift): Im engeren Sinne ist damit die Auslegung einer Heiligen Schrift gemeint, so z. B. der Bibel (Biblische Exegese) oder des Koran). Einführend wird hier also zunächst versucht, das Vorgehen einer sachgerechten Schriftauslegung am Beispiel der Bibelauslegung (Exegese) für theologische Laien verständlich zu erklären und zu begründen:
Damit nicht jeder aus der Bibel die Ansichten heraushebt und für allein gültig erklärt, die ihm persönlich „in den Kram“ passen, sollten bei der Auslegung der Bibel („Exegese“) bestimmte Regeln beachtet werden, so z. B. dass Einzelverse nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen, dass die Aussageabsicht des Verfassers in seinem ursprünglichen historischen, sozialen und politischen Kontext erforscht werden muss usw. (Beispiel: Man kann nicht davon ausgehen, dass mit dem Verbot des Blutvergießens im AT gemeint sei, dass eine Bluttransfusion gegen ein göttliches Gebot verstoße).
Nach Auffassung vieler Christen – mit Ausnahme von Fundamentalisten und Evangelikalen – ist die Bibel weder ein in jedem einzelnen Buchstaben unfehlbares, wörtlich zu befolgendes Buch, noch ist sie eine belanglose Sammlung alter und somit überholter Märchen und Legenden. Viele biblische Erzählungen, seien sie auch noch so alt, enthalten - neben vielerlei Inhalten symbolischer Bedeutung - historisch zuverlässige Kerne, die später archäologisch belegt werden konnten. Auch enthalten sie Lebenserfahrungen und „-weisheiten“ vieler Generationen, Erfahrungen von Liebe und Leid, Tod und „Schicksal“, aus denen man lernen kann (und die man, ihrer Schmerzhaftigkeit wegen, nicht alle selbst machen muss), - Erfahrungen, die schließlich den Glauben an Gott bewirkt haben und aus diesem Glauben heraus auch gedeutet worden sind. Als Hilfsangebot zur Verarbeitung von Erfahrungen aller Art, als Deutungs- und/oder Sinnangebot an jeden einzelnen Menschen wird die Bibel auch heute noch von ihren Befürwortern für wichtig gehalten.
Die verbreitetste Methode der biblischen Exegese ist die „historisch-kritische Methode“. Sie hat zum Ziel, einen biblischen Text in seinem damaligen historischen Kontext auszulegen, wobei die Rekonstruktion der vermuteten Vorgeschichte des Textes eine besondere Rolle spielt. Die Vorgehensweise dieser Methode der Bibelauslegung wird unter „Historisch-kritische Methode“ ausführlich beschrieben. Dort finden sich auch Hinweise zur Geschichte und zur Kritik dieser Methodik.
Die einzelnen, je nach Standpunkt unterschiedlichen Exegese-Methoden sind hier nun im Folgenden kurz beschrieben, Näheres findet sich in den einzelnen Artikeln.
Während die klassische historisch-kritische Methode im 18.-20. Jahrhundert von deutschen evangelischen Theologen entwickelt wurde und hierzulande weiter eine besondere Stellung einnimmt, wurden die neueren Methoden nahezu alle aus dem englischen oder französischen Sprachraum übernommen (ausgenommen Rezeptionsästhetik und Tiefenpsychologie). Es ist also eine deutliche Verschiebung der exegetischen Fachdiskussion hin zur Internationalität zu beobachten. Zu den folgenden Exegeseformen gibt es in der Regel jeweils schon hunderte oder tausende Publikationen, die mit dieser Methode Bibelauslegung betreiben:
Zur kontextuellen Exegese gehören verschiedene exegetische Modelle, die die Bibel und die religiöse Tradition jeweils für eine bestimmte – meist gesellschaftlich unterdrückte – Zielgruppe erschließen wollen. Es gibt kontextuelle Exegese u. a. für und von Frauen, Afroamerikaner und Homosexuelle. Begründet wird eine kontextuelle Exegese damit, dass eine kontextfreie Exegese ohnehin nicht möglich wäre. In jeder Exegese würden sich im Ergebnis die Machtverhältnisse der Gesellschaft widerspiegeln. Die kontextuelle Exegese will dieses Problem dadurch korrigieren, dass sie bewusst Partei für die Unterdrückten ergreift. Die kontextuelle Exegese fragt dabei nicht nur nach den gesellschaftlichen Machtverhältnissen der Gegenwart, sondern auch nach denen zur Zeit der Entstehung der Bibel und der Tradition.
Diejenigen, die von der bisherigen patriarchalischen Exegese unterdrückt worden sind (Frauen, Arme, Bewohner der nichtwestlichen Welt, Juden, Angehörige nichtmonotheistischer Religionen, Homosexuelle, theologische Laien, Kinder, die Schöpfung bzw. ökologische Bewegung), sollen nun auch zu Wort kommen können und ihre Sicht auf die Bibel und ihre Interpretation mitteilen. Dieses Anliegen wird mehr oder weniger kämpferisch formuliert, daher auch die alternative Bezeichnung „engagierte Exegesen“.
Siehe auch: The Context Group
Beispiele für kontextuelle Exegese:
Feministische Exegese
Gemeinsam ist den einzelnen Richtungen der feministischen Bibelauslegung das Interesse, die Rolle und das Leben von Frauen in der Bibel zu erforschen und stärker im allgemeinen Bewusstsein zu verankern. Zudem hinterfragt sie kritisch das Männer- und Frauenbild der Bibel, deren Texte wohl alle von Männern verfasst worden sind. Schließlich will sie biblische Inhalte für Frauen in der heutigen Zeit nachvollziehbar machen.
Bedeutende feministische Exegetinnen sind Carola Moosbach, Carter Heyward, Dorothee Sölle, Elisabeth Schüssler-Fiorenza, Helga Kohler-Spiegel, Luise Schottroff, Maria Jepsen, Marie-Theres Wacker, Irmtraud Fischer, Ruth Ahl, Ulrike Bail, Barbara Mörtl.
Befreiungstheologische Exegese
Bedeutende befreiungstheologische Exegeten sind Alberto Libanio, Antônio Moser, Ernesto Cardenal, Dom Erwin Kräutler, Dorothee Sölle, Gustavo Gutiérrez, Dom Hélder Câmara, Horst Goldstein, Hugo Assmann, Ignácio Ellacuria, Johann Baptist Metz, Jon Sobrino, Leonardo Boff, Oscar Romero, Paulo Suess, Ronaldo Muñoz.
Siehe auch: Befreiungstheologie, Befreiungstheologische Exegese
Black Theology
In der vor allem in Südafrika und den Vereinigten Staaten entwickelten Black Theology wird Exegese aus dem Kontext der Lebenswirklichkeiten von Menschen mit schwarzer Hautfarbe betrieben. Der christliche Umgang mit Ausgegrenzten und Marginalisierten spielt eine wichtige Rolle, ebenso das Aufgreifen von Elementen afrikanischer Kultur und Religionen.[2]
Narrative Exegese
Die narrative Exegese entstammt dem französischen literaturwissenschaftlichen Strukturalismus. Wichtigster Vertreter der strukturalistischen Erzähltheorie ist hier Gerard Genette. Sie ist zum Teil schon in die neuesten Methodenlehren unter den Methodenschritt "Textanalyse" integriert. Allerdings passt die strukturalistische Texttheorie möglicherweise nicht wirklich zur historisch-kritischen Methode.
Siehe auch: narrative Exegese
Intertextuelle Exegese
Intertextuelle Bibelauslegung ist ein noch recht junges exegetisches Auslegungsparadigma (seit Ende der 1990er), hat aber in den letzten Jahren bereits außerordentlich viele Publikationen hervorgebracht. Die intertextuelle Exegese basiert auf der Theorie der Intertextualität, die der französische Poststrukturalismus um Julia Kristeva in den 1960er Jahren entwickelte (vgl. Postmoderne). Bei „Intertextualität“ geht es um die Transposition eines Zeichensystems in ein anderes. Intertextualität versucht zu beschreiben, was passiert, wenn man einen Text mit anderen Texten in Beziehung setzt. Texte bilden miteinander ein Universum, ein Netzwerk, ein Gewebe. Es geht also um Text-Text-Relationen, wobei im Poststrukturalismus mit „Text“ alles gemeint sein kann: die Gesellschaft, der literarische Kontext, der historische Kontext, der Autor, der Leser und dessen Vorverständnis, die Gesellschaft usw. Für die intertextuelle Exegese wurden besonders die Kriterien für intertextuelle Echos von Richard B. Hays (1989) zum Standardinstrument. Zur intertextuellen Exegese gehört auch die Spezialform der kanonisch-intertextuellen Exegese (Georg Steins, Thomas Hieke u.a.), die eine literaturwissenschaftlich reflektierte Transformation der alten kanonischen Exegese (Brevard S. Childs) darstellt.
Siehe auch: intertextuelle Exegese, kanonisch-intertextuelle Exegese, Intertextualität
Rhetorische Exegese
Siehe auch: Rhetorische Exegese, Rhetorik
Rezeptionsästhetische Exegese (engl. reader-response criticism)
Die Interpretation richtet sich bei der Rezeptionsästhetik nicht mehr auf den Sinn des Textes, sondern konzentriert sich auf die Interaktion von Text und Leser. Die Methode der rezeptionsästhetischen Exegese fragt dabei danach, welche Leserlenkung ein Text bietet (Wolfgang Iser, Hans Robert Jauß). Sie ist in der Bibelauslegung bereits ein Klassiker unter den neuen Methoden, auch in Deutschland sehr verbreitet.
Siehe auch: Rezeptionsästhetische Exegese, Rezeptionsästhetik
Wirkungsgeschichtliche Exegese
Die wirkungsgeschichtliche Exegese beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Bibeltext zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Medien (Malerei, Plastik, Architektur, Musik, Literatur, Predigten, wissenschaftliche Texte, Texte von Nichttheologen) interpretiert worden ist.
Siehe auch: Wirkungsgeschichtliche Exegese
Dekonstruktivistische Exegese
Eher im englischsprachigen Bereich vertreten, weniger in Deutschland. Die dekonstruktivistische Exegese ist eine ausgeprägte, häufig spielerisch erscheinende Form des Poststrukturalismus (vgl. intertextuelle Exegese). Nach Jacques Derrida ist „Sinn“ nur ein unendliches Spiel von Zeichen.
Siehe auch: Dekonstruktivistische Exegese, Dekonstruktivismus
Linguistische Exegese
Semiotische Exegese
Mit der semiotischen Exegese sind in Deutschland besonders die Namen Erhardt Güttgemanns und Stefan Alkier verbunden.
Siehe auch: Semiotische Exegese, Textsemiotik, Semiotik
Textpragmatische Exegese
Vertreter der (text)pragmatischen Exegese sind unter anderen Christof Hardmeier, Hubert Frankemölle.
Siehe auch: Textpragmatische Exegese, Textpragmatik, Pragmatik (Linguistik)
Kulturanthropologische Exegese
Die kulturanthropologische Exegese ist im angelsächsischen Sprachraum recht weit verbreitet (Bruce J. Malina) und wird in Deutschland von Wolfgang Stegemann und seinen Schülern vorangetrieben.
Siehe auch: Kulturanthropologische Exegese, Kulturanthropologie, Ethnologie
Sozialgeschichtliche Exegese
Psychologische Exegese
Tiefenpsychologische Exegese
In der Tiefenpsychologischen Exegese geht es vor allem darum, im Gegensatz zu den anderen Methoden, von einem völlig anderen Ansatz auszugehen. Der Ansatz dieser Methode ist der Traum sowie die Welt des kollektiven Unbewussten (Archetypes). Die Methode stützt sich vor allem auf die Tiefenpsychologie von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung. In der bekanntesten Arbeit über diese Methode, Tiefenpsychologie und Exegese, legt Eugen Drewermann detailliert dar, wie die Bibel gedeutet werden kann, und übt darin scharfe Kritik an der Historisch-Kritischen Methode. Drewermann geht davon aus, dass bei einer tiefenpsychologischen Auslegung eines archetypischen Textes grundsätzlich verschiedene Textarten vorhanden sein können, es sind dies: Mythos, Legende, Novelle, Erscheinungs- und Berufungsgeschichte, Prophetie sowie Apokalypse. Jede dieser Erzählformen projiziert ein bestimmter Teil des Unbewussten auf ein Bild.
Interaktionale Auslegung
Eine gruppendynamische Form der Auslegung, bei der erfahrungsbezogen und ganzheitlich gearbeitet wird. Die Auslegung findet in drei Phasen statt.
1. Phase: Nähe zum Text/ Begegnung aus den Vorerfahrungen
2. Phase: Distanzierung/ Begegnung mit den Fremderfahrungen des Textes
3. Phase: erneute Nähe/ Aktualisierung
Die Interaktionale Auslegung hat mehrere Ursprünge: die Kritik des historisch-kritischen Exegese (Walter Wink), dem Symbolischer Interaktionismus, und die Themenzentrierte Interaktion. Wichtige VertererInnen sind: Detlev Dormeyer, Walter Wink, Anneliese Hecht, Tim Schramm
Bibliodrama
Konfessionelle Exegese
Zur konfessionellen Exegese gehören z. B. katholische Exegese, lutherische Exegese, methodistische Exegese, baptistische Exegese oder pfingstkirchliche Exegese. Dies ist nicht im tatsächlichen Sinn gemeint, sondern als Programm: Die Verständnisvoraussetzungen, die ein Katholik, Lutheraner usw. hat, sollen in die Bibelinterpretation einfließen.
Grammatisch-historische Exegese
Die grammatisch-historische Exegese zielt darauf hin, den Text entsprechend der ursprünglichen Absicht des Autors zu verstehen, so weit dies möglich ist. Sie stützt sich dabei auf exakte Analyse von Grammatik und Wortbedeutung ebenso wie auf Elemente der historisch-kritischen Methode wie Formgeschichte, Redaktionsgeschichte, oder Midraschgeschichte.
Sie geht jedoch von grundsätzlich anderen Voraussetzungen aus als die Textgeschichte: die Bibel wird als Heilige Schrift gesehen, die von Gott inspiriert ist. Die als historisch berichteten Ereignisse werden im Wesentlichen als historische Ereignisse gesehen, auch Wunder werden nicht a priori ausgeschlossen.
Die grammatisch-historische Exegese wird von vielen evangelikalen Theologen angewandt.
Dogmatische Exegese
Die dogmatische Exegese versucht, aus den Schriften Grundparameter des Glaubens herauszuarbeiten, die für alle Menschen von Bedeutung sind, arbeitet also systematisch-philosophisch.
Die dogmatische Exegese spielt in der katholischen Kirche eine wesentliche Rolle.
Existenzialistische Exegese
Die existenzialistische Exegese gehört zu den sachorientierten Auslegungsarten: Hier wird versucht, menschliche Grundverfasstheiten aus den Texten zu schälen.
Siehe auch: Existentiale Interpretation
Fundamentalistische Exegese
Die fundamentalistische Exegese geht von der Verbalinspiration und Irrtumsfreiheit der Bibel aus. Sie versteht die Bibel (abgesehen von eindeutig poetischen Texten) als historische Berichte, welche genauso geschehen sind, wie sie in der Bibel stehen. Die fundamentalistische Exegese hat keinen Zweifel daran, dass die Wundergeschichten wirklich so geschehen sind, und sind der Meinung, dass man diese Texte nicht interpretieren muss.
Als Eisegese wird ein der Auslegung aus dem Text heraus gegenläufiges Verfahren bezeichnet, das darin besteht, eine vorher vorhandene oder vorgegebene Meinung anhand von z. B. biblischen Textstellen, die dabei dogmatisch verstanden werden, zu „beweisen“.
Angesichts der großen Vielfalt der Methoden, die seit den 1970er Jahren ihren Eingang in die Exegese gefunden haben, stellt sich die Frage, wie diese miteinander zusammenhängen. Bauen alle diese Methoden in irgendeiner Weise aufeinander auf? Sind sie von ihren Voraussetzungen her miteinander vereinbar? Sind alle Methoden der Bibelauslegung gleich sinnvoll und legitim? Bei jedem Text? Darf es auch eine spezifisch theologische Interpretation der Bibel geben? Diese Fragen tauchen seit einigen Jahren in der exegetischen Fachdiskussion zunehmend auf, sind jedoch noch nicht befriedigend beantwortet.
Die biblische Exegese war und ist bemüht, die Erkenntnisse und Methoden anderer textinterpretierender Wissenschaften aufzunehmen. Aufgrund des eng begrenzten Textkorpus (im Gegensatz zur Geschichts- oder Literaturwissenschaft), der hohen und zugleich umstrittenen Bedeutung der Bibel spielte die Entwicklung von genauen Methoden und einer reflektierten Hermeneutik natürlicherweise eine zentrale Rolle in der biblischen Exegese. Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sie auch noch wesentlichen Anteil am Entstehen einer allgemeinen Hermeneutik, als sich die historische Textinterpretation und juristische Textinterpretation abkoppelten. Heutzutage hat die biblische Exegese methodisch jedoch nur noch geringen Einfluss auf andere Wissenschaften, sie ist in hohem Maße rezipierend. Dafür ist sie seit einiger Zeit ein Schmelztiegel für sehr unterschiedliche Wissenschaften geworden, was auch neue methodische Erkenntnisse ermöglichen könnte.
Grundsätzlich kann keine Auslegungsmethode mit Sicherheit für die Richtigkeit ihrer Ergebnisse garantieren. Historische Fakten können mit keiner Methode bewiesen werden, sondern höchstens gut belegt und plausibel gemacht werden.
Die Euphorie, die sich sowohl in den evangelischen Kirchen wie auch in der katholischen Kirche angesichts des neu erworbenen historischen Instrumentariums gebildet hatte, ist somit gebrochen.
Diese Methodenbücher beschreiben das Vorgehen bei der Bibelauslegung Schritt für Schritt.
Altes Testament
Neues Testament