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Al-Andalus

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Al-Andalus ca. 909

Al-Andalus (arabisch الأندلس‎) war der arabische Name für die zwischen 711 und 1492 muslimisch beherrschten Teile der Iberischen Halbinsel.[1] In staatlicher Hinsicht war al-Andalus nacheinander eine von Kalif Al-Walid I. begründete Provinz des Umayyaden-Kalifats (711-750), das Emirat von Córdoba (ca. 750-929), das Kalifat von Córdoba (929-1031), dessen „Taifa“-(Nachfolger-)Königreiche, eine Provinz der Berber-Dynastien der Almoraviden und der Almohaden und schließlich wiederum Taifa-Königreiche. Für große Teile seiner Geschichte, besonders aber zur Zeit des Kalifats von Córdoba, war al-Andalus ein Zentrum der Gelehrsamkeit und Córdoba wurde ein führendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum sowohl des Mittelmeerraums, als auch der islamischen Welt.

Für den größten Teil seines Bestehens stand al-Andalus in Konflikt mit den christlichen Königreichen im Norden. 1085 eroberte Alfons VI. von Kastilien Toledo, was einen allmählichen Abstieg auslöste, so dass schließlich mit dem Fall von Córdoba in 1236 das Königreich bzw. Sultanat Granada das letzte muslimisch beherrschte Gebiet im heutigen Spanien darstellte. Die portugiesische Reconquista endete mit der Eroberung der Algarve durch Afonso III. 1249/1250. Granada wurde 1238 tributpflichtig an das von Ferdinand III. regierte Königreich Kastilien. Und schließlich übergab Muhammad XII. am 2. Januar 1492 Granada an Ferdinand II. von Aragonien und Isabella von Kastilien, Los Reyes Católicos (die „Katholischen Könige“), womit muslimische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel ihr Ende fand.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Etymologie von Al-Andalus

Die Etymologie des Wortes al-Andalus ist umstritten. Auch könnte sich der Umfang des Gebiets auf der Iberischen Halbinsel, das so bezeichnet wurde, über die Jahrhunderte verändert haben. Als Name für Iberien oder seinen südlichen Teil ist das Wort zuerst belegt durch Münzinschriften der neuen muslimischen Herrschaft in Iberien um 715. [2][3]

Mindestens drei etymologische Herleitungen wurden in der westlichen Geschichtswissenschaft vorgeschlagen, die alle ein Entstehen nach der römischen Periode auf der Iberischen Halbinsel vermuten. Neuere linguistische Ansätze wenden sich mit toponymischen (ortsnamenkundlichen), historischen und sprachstrukturellen Argumenten gegen diese älteren Annahmen. So wurden Hinweise gefunden, dass der Name bereits aus vorrömischer Zeit stammt,[3] denn es gibt den Namen Andaluz (die Entsprechung von Andalus in spanischer Schreibweise) für mehrere Orte in gebirgigen Teilen Kastiliens.[4] Weiterhin ist das Morphem and- in spanischen Ortsnamen nicht unüblich, und auch das Morphem -luz tritt mehrmals verteilt über Spanien auf.

Die Vertreter der traditionellen Theorien leiten den Namen von der Bezeichnung der Vandalen ab, des germanischen Stammes, der in Iberien von 407 bis 429 ein kurzlebiges Reich errichtete. Allerdings gibt es hierfür keine historischen dokumentären Belege. Die Hypothese wird manchmal auf Dozy, einen Historiker des 19. Jahrhunderts, zurückgeführt, [5] aber Dozy fand sie vor und erkannte bereits manche ihrer Schwächen. Zwar nahm er an, dass sich "al-Andalus" aus "Vandale" entwickelte, er glaubte aber, dass sich die Bezeichnung geographisch nur auf den - unbekannten - Hafen bezog, von dem die Vandalen Iberien in Richtung Afrika verließen.[3] Nach einem anderen Vorschlag ist "Andalus" der arabische Name von "Atlantis". Diese Hypothese wurde neuerdings von dem spanischen Historiker Vallvé aufgegriffen, weil er sie für phonetisch plausibel hält und sie verschiedene toponymische Sachverhalte erklären würde.[6] Historische Belege wurden hierfür ebenfalls nicht gefunden. Im heutigen Standard-Arabisch ist aṭlāntis der Name von "Atlantis", so auch der Eintrag für Atlantis in der arabischen Wikipedia. [7]

[Bearbeiten] Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Spaniens - Mittelalter sowie Reconquista

[Bearbeiten] Eroberung und frühe Jahre

Die Invasoren Iberiens im Jahr 711 bestanden hauptsächlich aus nordafrikanischen Berbern. Daneben war ein Teil Araber.

Das Zeitalter der Kalifen
██ Prophet Mohammed, 622-632
██ Rashidun Kalifen, 632-661
██ Umayyaden Kalifen, 661-750

Auf Befehl des Umayyaden-Kalifen Al-Walid I. führte Tariq ibn Ziyad zunächst einen kleinen Trupp von Kriegern nach Iberien, die am 30. April 711 in Gibraltar landeten. Tariq ibn Ziyad konnte in der Schlacht am Rio Guadalete am 19. Juli 711 einen Sieg über das westgotische Heer erzielen, der sich als entscheidend für den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung erwies. Er brachte sodann in einem siebenjährigen Feldzug den größten Teil der Iberischen Halbinsel unter muslimische Kontrolle. Die muslimischen Truppen überquerten schließlich auch die Pyrenäen und besetzten Teile von Südfrankreich. 732 wurden sie aber von den Franken unter Karl Martell in der Schlacht von Tours besiegt. Damit wurde, mit Ausnahme des Königreichs Asturien, die gesamte Iberische Halbinsel unter dem Namen al-Andalus Teil des Umayyaden-Reichs, das hierdurch den Höhepunkt seiner Expansion erreichte.

Zunächst wurde al-Andalus durch vom Kalifen ernannte Statthalter regiert, deren Herrschaft zumeist weniger als drei Jahre andauerte. Jedoch führte eine Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen verschiedener muslimischer Gruppen dazu, dass die Kalifen ihre Kontrolle verloren. Yusuf al-Fihri konnte, auch begünstigt durch die Schwäche der Umayyaden-Kalifen, sich als Hauptgewinner dieser Auseinandersetzungen durchsetzen und wurde zu einem faktisch unabhängigen Herrscher.

[Bearbeiten] Das Emirat und das Kalifat von Córdoba

Hauptartikel: Kalifat von Córdoba

Das Innere der Kathedrale von Cordoba, der früheren Moschee von Cordoba. Sie wurde auf dem Grund der westgotischen Sankt Vinzenz-Kathedrale von den Umayyadan errichtet und im 13. Jahrhundert wieder zur christlichen Kathedrale bestimmt. Die Moschee ist ein herausragendes Beispiel arabisch-islamischer Architektur des Umayyaden-Stils.

Im Jahr 750 stürzten die Abbasiden die Umayyaden und übernahmen die Herrschaft im Arabischen Reich. Jedoch konnte der von den Abbasiden vertriebene Umayyaden-Prinz Abd ar-Rahman I. (später Al-Dākhil genannt) im Jahr 756 in al-Andalus Yusuf al-Fihri entmachten und sich zum von den Abbasiden unabhängigen Emir von Cordoba erheben. In dreißigjähriger Herrschaft etablierte er eine fragile Kontrolle über große Teile von al-Andalus gegen den Widerstand der al-Fihri-Familie und der Parteigänger der Abbasiden-Kalifen.

In den folgenden 150 Jahre waren er und seine Nachkommen Emire von Cordoba und herrschten nominell über al-Andalus und zeitweise auch Teile des westlichen Nordafrika. Aber der Umfang ihrer tatsächlichen Herrschaft schwankte und hing, insbesondere in den Marken an der Grenze zu den Christen, immer von den Fähigkeiten des jeweiligen Emir ab. So reichte die Macht von Emir Abdallah um 900 nicht über Cordoba hinaus. Dessen Enkel und Nachfolger Abd ar-Rahman III. konnte aber ab 912 die Macht der Umayyaden in ganz al-Andalus wieder herstellen und sie darüber hinaus in das westliche Nordafrika ausdehnen. Im Jahr 929 proklamierte er sich zum Kalifen und brachte das Emirat damit in eine Konkurrenz sowohl zu dem Abbasiden-Kalifen in Bagdad, als auch dem schiitischen Kalifen in Tunis, mit dem er um die Kontrolle Nordafrikas rang.

Das Kalifat von Cordoba ca. 1000 am Höhepunkt der Macht von Al-Mansur.
Das Kalifat zerbrach 1031 in eine Vielzahl von taifa Staaten. (Die in weiß, rot, gelb und dunkelblau dargestellten nördlichen Gebiete waren christliche Herrschaften)

Die Periode des Kalifats wird von muslimischen Autoren als das goldene Zeitalter von al-Andalus betrachtet. Mit einem Ackerbau, der künstliche Bewässerungssysteme nutzte, sowie aus dem Nahen Osten importierten Nahrungsmitteln versorgte die Agrarwirtschaft Cordoba und andere Städte weit besser, als dies die Wirtschaft in anderen Gebieten Europas konnte. Unter dem Kalifat wurde Cordoba mit einer Bevölkerung von vielleicht 500.000 Einwohnern schließlich die größte und wohlhabendste Stadt in Europa noch vor Konstantinopel.[8] Innerhalb der islamischen Welt war Cordoba eines der führenden kulturellen Zentren. Die Werke seiner wichtigsten Philosophen und Wissenschaftler, insbesondere Albucasis und Averroes hatten erheblichen Einfluss auf die intellektuelle Entwicklung des mittelalterlichen Europa, und die Bibliotheken und Universitäten von al-Andalus waren in Europa und in der islamischen Welt berühmt und renommiert. So kamen nach der Eroberung von Toledo in 1085 viele Muslime und Nicht-Muslime aus anderen Ländern nach al-Andalus, um dort zu studieren. Der Bekannteste von ihnen war Michael Scotus (ca. 1175 bis ca. 1235), der die Werke von Averroes und Avicenna später nach Italien brachte. Dieser Wissenstransfer hatte einen signifikanten Einfluss auf die Entstehung der europäischen Renaissance.

[Bearbeiten] Die erste Taifa Periode

Die Herrschaft des Kalifats von Cordoba brach durch einen ruinösen, von 1009 bis 1013 dauernden Bürgerkrieg zusammen und das Kalifat wurde schließlich 1031 auch formal abgeschafft. Al-Andalus zerbrach darauf in mehrere im Wesentlichen unabhängige Staaten, die Taifas genannt wurden. Diese waren zumeist zu schwach, um sich gegen die ständigen Angriffe und Tributforderungen der christlichen Staaten im Norden und Westen zu wehren, den von den Muslimen so genannten galizischen Völkern.[9] Diese hatten sich von ihren ursprünglichen Stützpunkten in Galizien, Asturien, Kantabrien, dem Baskenland und der fränkischen spanischen Mark ausgebreitet und wurden zu den Königreichen von Navarra, León, Portugal, Kastilien und Aragon sowie der Grafschaft Barcelona. Schließlich entwickelten sich die Angriffe zu Eroberungen, die die Taifa-Könige dazu zwangen, die Almoraviden, die islamischen Herrscher des Maghreb, um Hilfe zu bitten. Dieser Schritt richtete sich aber am Ende gegen sie selbst, als die Almoraviden schließlich Taifa- Königreiche eroberten, nachdem diese sich nach dem Sieg über Alfons VI. von Kastilien in den Schlachten bei Zallaqa und Uclés (1086) nicht einig zeigten.

[Bearbeiten] Almoraviden, Almohaden und Meriniden

Im Jahr 1086 baten die muslimischen Fürsten Iberiens den Almoraviden-Herrscher von Marokko Yusuf ibn Taschfin um Unterstützung bei der Verteidigung gegen Alfons VI. von Kastilien und León. Yusuf ibn Taschfin überquerte noch im selben Jahr die Straße von Gibraltar und fügte den Christen in der Schlacht bei Zallaqa eine schwere Niederlage zu. Mit Ausnahme von Saragossa setzte er bis 1094 alle muslimischen Fürsten in Iberien ab und annektierte ihre Gebiete. Zudem eroberte er Valencia von den Christen zurück. Im 12. Jahrhundert folgten auf die Almoraviden die Almohaden, eine andere Berber-Dynastie, nachdem Yaqub al-Mansur den kastilischen König Alfons VIII. im Jahr 1195 in der Schlacht bei Alarcos besiegt hatte. Ein Bündnis der christliche Königreiche unter Führung von Alfons VIII. von Kastilien besiegte schließlich im Jahr 1212 die Almohaden in der Schlacht bei Las Navas de Tolosa. Die Almohaden regierten al-Andalus noch für ein weiteres Jahrzehnt, waren aber nur noch ein Abglanz früherer Macht und Bedeutung, und die inneren Unruhen nach dem Tod von Yusuf II. al-Mustansir führten zur baldigen Wiederbegründung der Taifas. Die Taifas, wieder unabhängig aber weiter schwach, wurden bald von Portugal, Kastilien und Aragon erobert. Nach dem Fall von Murcia (1243) und der Algarve (1249), gab es als einziges muslimisch beherrschtes Gebiet noch das Königreich Granada, das aber tributpflichtig gegenüber Kastilien war. Dieser Tribut wurde überwiegend in Gold geleistet, das über die Handelswege in der Sahara aus dem heutigen Mali und Burkina Faso nach Iberien gebracht wurde.

Eine Seite eines Manuskripts des Qur'an in der in al-Andalus entwickelten Schrift, 12. Jahrhundert

Die letzte ernsthafte Bedrohung für die christlichen Königreiche Iberiens war der Aufstieg der Meriniden in Marokko im 13./14. Jahrhundert. Sie betrachteten Granada als Teil ihrer Einflusssphäre und besetzten einzelne seiner Städte, unter anderem Algeciras. Sie waren jedoch nicht in der Lage Tarifa zu erobern, das im Jahr 1340 bis zur Ankunft einer kastilischen Armee unter Alfons XI. aushielt. Mit Unterstützung von Alfons IV. von Portugal und Peter IV. von Aragon besiegte Alfons XI. die Meriniden entscheidend in der Schlacht am Salado im Jahr 1340 und nahm Algeciras im Jahr 1344 ein. Gibraltar, zu dieser Zeit unter der Herrschaft Granadas, wurde 1349-1350 belagert, bis Alfons XI. dort mit einem Großteil seines Heeres vom Schwarzen Tod dahin gerafft wurde. Sein Nachfolger Peter I. von Kastilien schloss Frieden mit den Muslimen und richtete seine Ambitionen auf christliche Länder. Die Kriege und Rebellionen zwischen und in den christlichen Territorien während der folgenden 150 Jahre sicherte zunächst das Fortbestehen des muslimischen Granada.

[Bearbeiten] Das Sultanat von Granada

Hauptartikel: Königreich Granada

In den auf den Friedensvertrag mit König Peter I. von Kastilien folgenden 150 Jahren bestand Granada als muslimisches Sultanat unter der Dynastie der Nasriden fort, das den muslimischen Bewohnern seines Gebiets die Freiheit der Religionsausübung gewährleistete. Arabisch war weiterhin seine Amtssprache und die Muttersprache der Mehrheit seiner Bewohner. Das Sultanat verband die Handelswege Europas mit denen des Maghreb und vermittelte so Handelsbeziehungen zur muslimischen Welt, insbesondere im Goldhandel mit den Gebieten südlich der Sahara.

Die Heirat von Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien im Jahr 1469 bereitete den Weg für den letzten Angriff auf den Rest des muslimischen Iberien, einen sorgsam geplanten und finanzierten Feldzug. Das Königspaar brachte auch den Papst dazu, ihren Feldzug zu einem Kreuzzug zu erklären, dem schließlich Granada im Januar 1492 unterlag, als der letzte Sultan Muhammad XII. Abu Abdallah, genannt Boabdil, in seiner Festung, der Alhambra, vor ihnen kapitulieren musste. Damit war die letzte muslimische Herrschaft in Iberien gefallen und die Reconquista vollendet.

[Bearbeiten] Gesellschaft

Die Gesellschaft von al-Andalus setze sich hauptsächlich aus drei Religionsgruppen zusammen: Christen, Muslime und Juden. Die Muslime teilten sich wiederum in mehrere ethnische Gruppen auf, deren größte die Araber und die Berber waren. Als Mozaraber wurden Christen bezeichnet, die sich kulturell teilweise der muslimischen Dominanz assimiliert hatten, etwa durch Übernahme von arabischen Gebräuchen, arabischer Kunst und arabischen Ausdrücken, dabei aber ihren christlichen Glauben mit seinen Ritualen und ihre romanischen Sprachen beibehalten hatten. Üblich waren eigene Viertel der verschiedenen Gruppen in den Städten von al-Andalus.

Eine Darstellung aus späterer Zeit, die jüdische Soldaten zeigt, welche auf Seiten der Truppen von Muhammad IX., dem nasridischen Sultan von Granada, in der Schlacht von Higueruela gegen Johann II. (Kastilien) im Jahr 1431 kämpfen.

Die Berber, die den Hauptteil der muslimischen Invasoren gestellt hatten, lebten vorwiegend in den bergigen Regionen im heutigen nördlichen Portugal und in der Meseta, dem kastilischen Hochland, während sich die Araber im Süden sowie im Ebrotal im Nordost ansiedelten.

Am Ende des 15. Jahrhunderts lebten etwa 50.000 Juden in Granada und grob geschätzt 100.000 im gesamten muslimisch beherrschten Iberien, die teilweise wirtschaftlich oder gesellschaftlich bedeutende Positionen einnahmen, beispielsweise als Steuereinnehmer, Händler oder auch Ärzte und Diplomaten.[10]

[Bearbeiten] Nichtmuslimische Gruppen unter dem Kalifat

[Bearbeiten] Die Behandlung der Nicht-Muslime

Die keine der drei Schriftreligionen (Islam, Christentum, Judentum) anhängende („heidnische“) Bevölkerung von al-Andalus hatte den Status von ahl al Dhimma (Schutzbefohlenen), sofern es eine christliche Autorität in der Gemeinde gab. Gab es eine solche Autorität nicht, wurde diese Gruppe Magi (von Magus) genannt. [11]

Die Behandlung von Nichtmuslimen unter dem Kalifat ist Gegenstand eingehender Debatte in Wissenschaft und Öffentlichkeit, insbesondere untern denen, die daraus Parallelen zum Verhältnis von Muslimen und Nichtmuslimen in der heutigen Zeit ziehen wollen. Die Romanistin und Mediävistin María Rosa Menocal ist der Auffassung, dass „Toleranz ein inhärenter Aspekt der Gesellschaft von al-Andalus“ war.[12] Für sie war die Situation der jüdischen und christlichen Dhimmis unter dem Kalifat, obwohl diese geringere Rechte als die Muslime hatten, deutlich besser als in anderen Teilen (des christlichen) Europas.

So wanderten Juden aus anderen Teilen Europas ein, da sie sich in al-Andalus vergleichsweise stärkere Anerkennung versprachen. Gleiches galt für Angehörige christlicher Sekten, die in christlichen Staaten als Häretiker galten. In al-Andalus entwickelte sich deshalb während des Mittelalters eine der stabilsten und wohlhabendsten jüdischen Gemeinden, die ein Zentrum der jüdischen Kultur bildete, welches bedeutende Gelehrte hervorbrachte. Aber darüber, ob zwischen Juden und Muslimen tatsächlich interreligiöse Beziehungen herrschten, die als vorbildlich anzusehen waren, besteht in der Literatur Streit. Bernard Lewis widerspricht dieser heutigen Sichtweise, die er als ahistorisch und apologetisch ansieht. Er weist darauf hin, dass in der islamischen Tradition Andersgläubigen keine Gleichberechtigung gewährt wurde, dies auch gar nicht behauptet wurde, da es für die Muslime der Zeit eine „sowohl theologische wie logische Absurdität“ dargestellt hätte.[13]

[Bearbeiten] Aufstieg und Fall muslimischer Macht

Die Behandlung der Nichtmuslime im Kalifat war zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich. Die längste Periode der Toleranz begann 912 unter Abd ar-Rahman III. und seinem Sohn Al-Hakam II.. Die Juden von al-Andalus prosperierten im Kalifat von Cordoba und erbrachten in Wissenschaft, Handel und Gewerbe, etwa im Handel mit Seide und Sklaven ihren Beitrag zum Wohlstand des Landes. Das südliche Iberien war in dieser Zeit Asyl für die unterdrückten Juden anderer Länder.[14][15]

Auch während solcher toleranter Zeiten behaupteten verschiedentlich Christen, durch das Beispiel ihrer Glaubensbrüder außerhalb von al-Andalus angeregt, den Vorherrschaftsanspruch des Christentums und propagierten das Märtyrertum. So wurden im 9. Jahrhundert in Cordoba 48 Christen wegen religiöser Vergehen gegen den Islam hingerichtet, die in der Überlieferung als die Märtyrer von Cordoba bezeichnet werden. [16] Diese Toten wirkten sich aus, nicht in einem einzelnen Vorfall religiöser Unruhe, sondern auf die Dauer, in dem nachfolgende Eiferer, die das Schicksal ihrer Vorgänger kannten, sich auf diese beriefen und gegen die islamische Herrschaft protestierten.[17]

Nach dem Tod von al-Hakam II. im Jahr 976 verschlechterte sich die Situation der Nichtmuslime. Die erste größere Verfolgung gab es am 30. Dezember 1066 mit der Vertreibung der Juden aus Granada, bei der 1500 Familien getötet wurden, die die Stadt nicht verließen. Unter den Almoraviden und den Almohaden mag es zwischenzeitliche Verfolgung der Juden gegeben haben,[18] aber die Quellenlage ist sehr beschränkt und ergibt kein klares Bild, wobei allerdings die Lage für die Nichtmuslime nach 1160 anscheinend schlechter wurde.[19] So werden Pogrome gegen Juden in Cordoba im Jahr 1011 und in Granada im Jahr 1066 berichtet. [20][21][22]

Vor dem Hintergrund dieser sich wiederholenden Wellen der Gewalt gegen Nichtmuslime, insbesondere gegen Juden verließen viele jüdische, aber auch muslimische Gelehrte das muslimische Iberien und gingen in das damals noch verhältnismäßig tolerante Toledo, dass die Christen 1085 erobert hatten. Einige Juden (man nimmt an bis zu 40.000) schlossen sich den christlichen Heeren an, andere aber den Almoraviden in deren Kampf gegen Alfons VI. von Kastilien.

Die Almohaden übernahmen um 1147 die Macht in den zuvor von den Almoraviden kontrollierten Gebieten des Maghreb und Iberiens.[23] Ihr Weltbild war weit fundamentalistischer als das der Almoraviden, dementsprechend wurden die Dhimmis unter ihrer Herrschaft deutlich härter behandelt. Ansonsten vor die Wahl zwischen Konversion und Tod gestellt, verließen viele Christen und Juden das Land. [24][25] Manche, so etwa die Familie von Moses Maimonides, flüchteten nach Osten in tolerantere muslimische Gebiete,[24] andere emigrierten in die sich ausdehnenden christlichen Königreiche.[26][27] Gleichzeitig förderten die Almohaden aber Wissenschaft und Kunst, insbesondere die Falsafah Schule, zu der Ibn Tufail, Ibn al-Arabi und Averroës gehörten.[23]

Im mittelalterlichen Iberien befanden sich Muslime und Christen in einem fast ununterbrochenen Krieg, der die Geschichte Spaniens und Portugals in dieser Zeit prägte. Periodische Überfälle aus al-Andalus verheerten die christlichen Königreiche und brachten Beute und Sklaven zurück. So nahm der Almohaden-Kalif Yaqub al-Mansur bei dem Überfall auf Lissabon im Jahr 1189 3.000 Frauen und Kinder als Sklaven, ebenso nahm 1191 der ihm untergegebene Gouverneur von Cordoba bei dem Überfall auf Silves 3.000 Christen als Sklaven.[28]

[Bearbeiten] Touristischer Bezug

Heute ist Al Andalus auch der Name eines Luxuszugs (fahrendes Hotel mit organisierten Ausflügen) durch den spanischen Süden.

[Bearbeiten] Liste der Statthalter von al-Andalus

Der Nachfolger Abd ar-Rahman I., arabisch عبد الرحمن‎‎ erhob sich zum ersten Emir von Córdoba und trennte Andalusien so vom Kalifat der Abbasiden.

[Bearbeiten] Siehe auch

Wiktionary Wiktionary: Al-Andalus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Andalus, al-. In: John L. Esposito (ed.): Oxford Dictionary of Islam. Oxford University Press. 2003. Oxford Reference Online. Zugriff: 12. Juni 2006.
  2. Die Unsicherheit des Jahres beruht darauf, dass die Münzen zweisprachig in Latein und Arabisch beschriftet sind und das angegebene Jahr der Prägung in den beiden Sprachen differiert. Der älteste Beleg für diesen arabischen Namen ist eine Dinar-Münze, die im Archäologischen Museum von Madrid aufbewahrt wird. Die Münze trägt auf der einen Seite "al-Andalus" in arabischer Schrift und auf der Kehrseite das iberisch-lateinische "Span". (Heinz Halm: Al-Andalus und Gothica Sors. In: Der Islam, 1989, Nr. 66, S. 252-263.)
  3. a b c Georg Bossong: Der Name Al-Andalus: Neue Überlegungen zu einem alten Problem. In: David Restle, Dietmar Zaefferer (Hrsg.): Sounds and systems: studies in structure and change. A festschrift for Theo Vennemann. Mouton de Gruyter, Berlin 2002, S. 149-164. (online)
  4. Das Dorf Andaluz (41° 31′ N, 2° 49′ W41.516666666667-2.81666666666677) liegt am Fuß des Berges Andaluz am Fluss Duero in der Provinz Soria, und im Umkreis von 10 km befinden sich die Dörfer Torreandaluz und Centenera de Andaluz.
  5. Reinhart P. Dozy: Recherches sur l'histoire et la littérature des Arabes d'Espagne pendant le Moyen-Age. 1881.
  6. Joaquín Vallvé Bermejo: The Territorial Divisions of Muslim Spain. Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CSIC), Madrid 1986.
  7. أطلنتس, Eintrag in der arabischen Wikipedia
  8. Tertius Chandler: Four Thousand Years of Urban Growth: An Historical Census (1987), St. David's University Press (etext.org). ISBN 0-88946-207-0.
  9. Khaldun. The Muqaddimah
  10. David J. Wasserstein: Jewish élites in Al-Andalus. In: Daniel Frank (ed.): The Jews of Medieval Islam: Community, Society and Identity. Brill, 1995, ISBN 90-04-10404-6, S. 101.
  11. Salma Khadra Jayyusi: The legacy of Muslim Spain. Handbuch der Orientalistik, Abt. 1. Der Nahe und der Mittlere Osten. 2 Bände. Leiden, Brill 1992, ISBN 90-04-09952-2/ISBN 90-04-09953-0
  12. The Ornament of the World by María Rosa Menocal, Zugriff: 12. Juni 2006
  13. Bernard W. Lewis: The Jews of Islam. 1984, S. 4
  14. Ilan Stavans: The Scroll and the Cross: 1,000 Years of Jewish-Hispanic Literature. Routledge, London 2003, ISBN 041592930X, S. 10.
  15. Joel Kraemer: Moses Maimonides: An Intellectual Portrait. In: Kenneth Seeskin (ed.): The Cambridge Companion to Maimonides. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0521819741, S. 10-13.
  16. Martyrs of Córdoba in der englischen Wikipedia
  17. Orthodox Europe: St Eulogius and the Blessing of Cordoba, Zugriff: 12. Juni 2006.
  18. Joseph F. O'Callaghan: A History of Medieval Spain. Cornell University Press, 1975, ISBN 0801492645, S. 286.
  19. Norman Roth: Jews, Visigoths and Muslims in Medieval Spain: Cooperation and Conflict. Brill, Leiden 1994, ISBN 9004061312, S. 113-116.
  20. Frederick M. Schweitzer, Marvin Perry: Anti-Semitism: myth and hate from antiquity to the present. Palgrave Macmillan, 2002, ISBN 0312165617, S. 267-268.
  21. Richard Gottheil, Meyer Kayserling: Granada. In: Jewish Encyclopedia, 1906
  22. Christiane Harzig, Dirk Hoerder, Adrian Shubert: The Historical Practice in Diversity. Berghahn Books, 2003, ISBN 1571813772, S. 42.
  23. a b Islamic world. In: Encyclopædia Britannica. Encyclopædia Britannica Online, Zugriff: 2. September 2007.
  24. a b Daniel H. Frank, Oliver Leaman: The Cambridge Companion to Medieval Jewish Philosophy. Cambridge University Press, 2003, ISBN 0521655749, S. 137-138.
  25. The Almohads
  26. Sephardim
  27. Joel Kraemer: Moses Maimonides: An Intellectual Portrait. In: Kenneth Seeskin (ed.): The Cambridge Companion to Maimonides. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0521819741, S. 16-17.
  28. Ransoming Captives in Crusader Spain: The Order of Merced on the Christian-Islamic Frontier

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

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