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Das Aktive Handweberei-Museum „Henni Jaensch-Zeymer“ in Geltow ist die größte existierende Handweberei Deutschlands.[1] Hier stehen 16 Handwebstühle verschiedener Größe, die noch funktionsfähig und einsatzbereit sind.
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Das Aktive Museum „Henni Jaensch-Zeymer“ wurde 1992 von der Handweber-Meisterin Ulla Schünemann gegründet. Der Zusatz aktiv bedeutet, dass in den Räumen des Webhofes an den originalen Handwebstühlen vorgewebt wird. Aufgrund der 70-jährigen Unternehmensgeschichte und der dabei gewonnenen Erfahrung kann bei der großen Anzahl von Webstühlen vielseitig gearbeitet werden.
Besondere Bedeutung hat diese Handweberei durch Verarbeitung von Leinen. Vorgeführt wird das Weben in traditioneller Technik. Die Verarbeitung von der Faser bis zum Faden im Spinnvorgang für verschiedene Naturfaserarten, wie Wolle, Leinen und Seide, wird ebenfalls vorgeführt. Die Geschichte der Handweberei Geltow wird im Buch des Hauses vorgestellt. Im Zusammenhang mit dem Geltower Umfeld ist das Museum ausgeübte Wirtschaftsgeschichte.
Henni Jaensch (1904–1998) hatte mit dem Kriegsende 1918 ihre Schule beendet und widmete sich in den Inflationsjahren einer künstlerischen Ausbildung an verschiedenen Zeichenschulen. Die künstlerische Handweberei lernte sie in der Rhön kennen. In der Künstlerkolonie Gildenhall fand sie 1926 Anschluss an eine Gemeinschaft von Kunsthandwerkern und Zugang zu neuen Ideen. Bei der Lehrmeisterin Else Mögelin entwickelt sie ihren eigenen Stil, beeinflusst vom zeitgenössischen Bauhausgedanken. „Die Kunst des Weglassens" wurde von hier an ihr künstlerischer Leitsatz. Nach der Auflösung der Künstlerkolonie zog Sie nach Rangsdorf.Der zur Verfügung stehende Platz reichte jedoch bald nicht mehr aus. Erfolgreiche Messeteilnahmen wie in Leipzig bescherten volle Auftragsbücher. Um die Nachfrage zu erfüllen, benötigte sie eine neue größere Wirkungsstätte die sie in Geltow fand. 1932 richtete sie ihren Webhof in dem leerstehenden Gasthof ein. Der ehemalige Schankraum wird Ausstellungsraum und dient auch als Konzertsaal. Die Bühne des Festsaals wird zur Wohnung umgebaut und der Festsaal dient als Werkstatt. In verschiedenen Regionen Deutschlands suchte sie sich Webstühle aus Sachsen, Süddeutschland und aus Schlesien, insgesamt beschaffte sie 10 Webstühle die 150-200 Jahre alt waren. Im Dorf Geltow wurde sie anfangs als „Die Spinnerin“ angesehen[2], aber die hochwertigen Produkte brachten ihr wirtschaftlichen Erfolg. Der alte Tanzsaal des Gasthofs wurde zur Werkstatt, hier wird heute noch im „Websaal“ mit Handwebstühlen gearbeitet.
Für die Gründung ihres Webhofes gelang es Henni Jaensch-Zeymer sich Produktionsmittel aus Betrieben verschiedener Teile Deutschlands zu beschaffen. Die Stilllegungen waren Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929. Ihren künstlerischen Anspruch konnte sie in der eigenen Werkstatt umsetzen. Aber bald wurde durch die Ereignisse der Kriegswirtschaft des Zweiten Weltkrieges die Materialbeschaffung schwierig. Der Bedarf war eher auf Nutzartikel gerichtet.
In der Nachkriegszeit war die Weberei für Produktion von Bekleidung und Ausrüstungsartikeln wichtig. Aber bereits 1949 wird Jaensch mit ihrer Weberei als „Kunstschaffende des Handwerks“ anerkannt.
Im Zeitraum der DDR-Volkswirtschaft konnte sich die Weberei der Planwirtschaft entziehen. Zwar ist die Beschäftigtenzahl festgeschrieben, aber Ausstellungen in Osteuropa sichern die „künstlerische Produktion“ in Bauhaus-Tradition. Als Mitglied im „Verband der bildenden Künstler“ bleibt ihr Privatbetrieb auch 1970 von der VEB-Bildung verschont. Die Produktion erfolgt auch im Auftrag der im benachbarten Babelsberg ansässigen DEFA-Filmgesellschaft.[3] Die Produkte der Handweberei waren „Bückware“ in den Kunstgewerbeläden und Staatlichen Galerien geworden, das garantierte volle Auftragsbücher.
Mit der Wende und der Währungsunion im Jahre 1990 kam es erneut zu einem Umbruch. Kurzzeitig wurde die Produktion durch die Währungsumstellung der DDR-Mark zur D-Mark unmöglich, da die Beschäftigten nicht mehr bezahlt werden konnten. Auf der Suche nach einer Lösung entstand der Gedanke, ein aktives Museum zu schaffen. Unter Nutzung der von Bund und Land aufgelegten Wirtschaftsförderung wurde die Handweberei wieder tätig. Die intakten über 200 Jahre alten Webstühle und der Unternehmensablauf sind die Sehenswürdigkeiten des Museums. Die ältesten Handwebstühle stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind noch betriebsfähig. Sie gehören mit ihren 300 Jahren heute ebenso zu den für die Produktion genutzten Webstühlen.
Seit 70 Jahren wird das Kunsthandwerk in der Leinenweberei als Familienunternehmen weitergeführt. Im „aktiven“ Museum kann man besichtigen, wie aus gesponnenem Leinengarn oder aus anderen Naturfasern wie Baumwolle, Wolle und Seide auf den alten Webstühlen das Gewebe in traditioneller Handarbeit gefertigt wird. Der Produktumfang reicht von Artikeln wie Möbelstoff, Tischwäsche, Haushaltswäsche und Gardinen bis zu Schals und maßgeschneiderter Bekleidung aus Naturfasern.[4]
Im Websaal ist die Geschichte des Webens, speziell des Leinen, dargestellt. Die Produktion im musealen Meisterbetrieb bietet Einblick in das Kunsthandwerk. Lehrgänge im Handweben werden durchgeführt.[5] Jedes Jahr finden „Modenschauen in Leinen“ statt. Das Museum bietet Veranstaltungen im Ort Geltow, im Winter finden im Ausstellungssaal Konzerte statt.
52.36638912.955833Koordinaten: 52° 21′ 590″ N, 12° 57′ 210″ O
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