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Ai Khanoum (auch Ay Khanum) ist eine archäologische Ausgrabungsstätte in Nordostafghanistan in der Provinz Takhar. Es handelt sich bis heute um die am besten erhaltenen Reste einer griechisch-baktrischen Stadt. Der Ort wurde um 135 v. Chr. durch die Invasion der Saken fast vollkommen zerstört. Da er danach verlassen und später nicht wieder besiedelt wurde, ist er in den Grundmauern besonders gut erhalten. Die Stadt wurde zwischen 1964 und 1978 von einem französischen Team unter der Leitung von Paul Bernard ausgegraben. Es gab auch vereinzelte sowjetische Grabungen.
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Ai Khanoum, dessen antiker Name umstritten ist, wurde wohl kurz nach Alexander dem Großen gegründet. Es gibt Vermutungen, dass es sich um das aus antiken Quellen bekannte Alexandria am Oxus und um das spätere Eukratidia handeln könnte. Die Stadt war ca. 2 km × 1,5 km groß, liegt am Oxus und wird im Osten von einem hohen Berg, auf dem sich die bisher wenig erforschte Oberstadt befindet, begrenzt. Dieser Berg bietet dem Ort natürlichen Schutz. Andere Teile der Stadt sind von mächtigen Wallanlagen geschützt worden. Außerhalb der Mauern gab es eine Vorstadt und die Nekropolen.
In der Stadt gab es ein griechisches Theater und ein Gymnasion. Ein großer Palast vereinigte griechische mit persischen Stilelementen. So besaß der Palast einen gewaltigen Hof mit Kolonnaden nach griechischem Vorbild. Ebenso ist der Bauschmuck rein griechisch mit korinthischen Kapitellen und Antefixen mit Palmetten. Ein Festsaal mit 18 Säulen (3 × 6) erscheint dagegen eher achämenidischem Geschmack entsprochen zu haben. Auch sind viele Säulenbasen eher persisch gestaltet. Es fand sich ein Heroon, in dem ein gewisser Kineas begraben war, der auch als der Gründer der Stadt verehrt wurde. Es konnten verschiedene Tempel aufgedeckt werden, keiner der Tempel ist jedoch griechisch im Stil, was wiederum starke lokale Traditionen belegt. Alle Gebäude fallen durch ihre großzügige Ausmaße auf.
In einem Palast und an einem Wohngebäude im Süden der Stadt wurden die Grundmauern von zentral gelegenen Tempelräumen mit Umgangskorridor freigelegt. Solche Umgangstempel wurden auch in anderen griechisch-baktrischen Städten in Nordafghanistan gefunden. Hier liegt eine der Wurzeln dieses Bautyps, ein anderer Ursprung sind achämenidische Feuertempel. Beides gilt als Ausgangspunkt für den kuschanischen Feuertempel von Surkh Kotal, dieser bildet die Grundform der ersten buddhistischen Tempel und der späteren Hindutempel.
Zu den Funden gehören zahlreiche rein griechische Kapitelle und Statuen, wobei diese wegen des Fehlens von Stein meist in Ton gestaltet waren. Bei einigen von ihnen sind nur einige Details in Marmor modelliert worden. Es fanden sich zahlreiche Münzen, von denen keine später als Eukratides I. datiert und Reste von Papyri mit bisher unbekannten philosophischen Texten.
Lange Zeit war die Kultur der baktrischen Griechen nur durch ihre Münzprägungen bekannt. Der Fund dieser Stadt bestätigte das von den Münzen gewonnene Bild. Die griechisch-baktrische Kunst war weitestgehend griechisch, auch wenn es starke lokale und persische Einflüsse, vor allem in der Architektur, aber auch in der lokalen Keramikproduktion, gab.
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Statue des Herakles |
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Metallrelief mit Bild der Cybele |
Grabungsberichte
Koordinaten: 37° 10′ n. Br., 69° 25′ ö. L.
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